Beste Mountainbike-Reifen im Test: XC und Marathon

Die Herausforderung für die neuen XC-Reifen besteht in den immer extremeren Anforderungen des ausdauerorientierten Mountainbike-Sports. Spektakuläre Strecken, die zum Teil mit Sprüngen, Steinfeldern und künstlichen Hindernissen gespickt sind, müssen ebenso gemeistert werden wie höhere Geschwindigkeiten, die mehr Pannenschutz erfordern.

Für die Reifen bedeutet dies, dass sie auch eine ordentliche Portion Pannenschutz und hohen Grip für knifflige Abfahrten mitbringen müssen. Dafür wachsen sie in die Breite, was in Kombination mit dickeren Karkassen das Gewicht der Reifen in die Höhe treibt.

Testkriterien und Methodik

Zunächst wurden in Absprache mit den Reifenspezialisten jeder Marke zwei geeignete XC-Reifen für unsere Testanforderungen festgelegt. Diese wurden von unseren Fahrern auf Seitenhalt, Grip, Traktion und Bremsverhalten auf einer großen Testrunde geprüft. Die Reifen wurden vor allem auf trockenem Untergrund gefahren, aber auch nasse und matschige Bedingungen wurden berücksichtigt.

Aufgewühlte, lose Kurven, steile Wiesenauffahrten, sandige Auf und Abfahrten, Felspassagen, Schottergeraden und enge sowie weite Kehren - die Teststrecke war einer modernen Rennstrecke nachempfunden. Parallel dazu testeten wir die Reifen im Labor der Ralf Bohle GmbH (Schwalbe). Hier haben die Reifenexperten unter unserer Aufsicht alle Reifen auf ihren Prüfständen malträtiert.

Unter die Lupe genommen wurden der Rollwiderstand, der Pannenschutz (ein Fallbeil simuliert einen Durchstich) und der Durchstichschutz an Lauffläche und Seitenwand. Auch das Gewicht wurde gemessen.

Labor-Tests im Detail

  • Labor-Durchschlagtest: Ein 19 kg schwerer Stahl-Keil wird auf die Lauffläche des Reifens (zwischen die Stollen) ausgerichtet, auf eine definierte Höhe angehoben und anschließend fallen gelassen. Der Versuch wird mit steigender Fallhöhe so lange wiederholt, bis sich ein Defekt des mit 1,5 bar gefüllten Reifens einstellt. Im Anschluss wird der Reifen geflickt und der Versuch um eine halbe Radumdrehung versetzt erneut durchgeführt.
  • Labor-Durchstichtest: Ein Prüfkörper wird mit steigender Krafteinwirkung auf den Reifen gedrückt, bis dieser durchstochen wurde. Gemessen wird die maximale mittlere Kraft in N, die für den Durchstich notwendig war. Der Test wird mit einem 1,5-mm-Stumpf sowie einem 5-mm-Meißel an der Lauffläche durchgeführt, mit dem 5-mm -Meißel zusätzlich an der Seitenwand der Reifen.
  • Labor-Rollwiderstandsmessung: Jeder Reifen wird auf einer 30 mm breiten Test-Felge montiert, auf 1,5 bar Reifendruck aufgepumpt und mit einer Radlast von 50 kg belastet, während er auf einer Stahlrolle abrollt. Dabei wird die benötigte Leistung in Watt gemessen, die es braucht, um den Reifen mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h anzutreiben. Je mehr Leistung benötigt wird, desto schwerer rollt der Reifen.

Testergebnisse: 16 Reifen im Vergleich

Im Folgenden werden die Ergebnisse von 16 Reifen für den XC- und Marathon-Einsatz detailliert dargestellt:

  1. Continental Cross King Protection TR 29 x 2,3"
    • Testergebnis: Sehr gut (Kauftipp Gewicht)
    • Preis: 67 Euro
    • Gewicht: 675 g
    • Breite: 58,6 mm
    • Fazit: Auf losen, tieferen Böden ist der Cross King eine Macht, auch sein Kurvengrip ist klasse. Beim Pannenschutz insgesamt auf den vorderen Rängen anzutreffen, sind sein Gewicht und der Rollwiderstand top. Wie auch sein Bruder Race King ist die weiche Karkasse komfortabel.
  2. Continental Race King Protection TR 29 x 2,2"
    • Testergebnis: Sehr gut (Kauftipp Gewicht)
    • Preis: 65 Euro
    • Gewicht: 602 g
    • Breite: 56,1 mm
    • Fazit: Selbst auf tiefem Untergrund rollt der leichte und schmale Race King schnell und mit viel Traktion. In Kurven bleibt das Gripniveau des Klassikers stets berechenbar und stabil. Gegen Durchstiche ist er gut gewappnet, Schlusslicht dafür beim Durchschlagschutz.
  3. Goodyear Peak Ultimate Dynamic TC 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 60 Euro
    • Gewicht: 745 g
    • Breite: 58,4 mm
    • Fazit: Der fein profilierte Peak liegt überwiegend im Mittelfeld der Laborergebnisse, der Durchschlagschutz ist allerdings nur mäßig. On Trail schwächelt er trotz des gelungenen Profils: Die Traktion reißt früher ab. Das Feedback ist teilweise zu undefiniert.
  4. Goodyear Peak SL Race Dynamic TC 29 x 2,4"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 50 Euro
    • Gewicht: 710 g
    • Breite: 59 mm
    • Fazit: Der schnittige US-Reifen ist spürbar auf (trockene) Rennstrecken ausgelegt: Er ist recht leicht und rollt gut. Nur auf härterem Untergrund bietet er gute Hinterradtraktion. In Kurven verliert er schneller und abrupter den Seitenhalt. Pannensicherheit? Ausbaufähig!
  5. Kenda Booster Pro SCT 29 x 2,4"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 70 Euro
    • Gewicht: 725 g
    • Breite: 58,6 mm
    • Fazit: Auf harten, trockenen Böden begeistert der Booster mit gutem, meist definierbarem Grip. Bei rutschigeren Verhältnissen sowie bei Nässe vermittelt er weniger Vertrauen. Die Linienwahl setzt er nur zögerlich um. Auf den Prüfständen solide, durchschnittliche Werte.
  6. Kenda Rush Pro SCT 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 75 Euro
    • Gewicht: 684 g
    • Breite: 59,1 mm
    • Fazit: Der relativ neue Rush ist ein typischer Semislick: Er bietet knackigen Vortrieb und ist eher leicht zu fahren. In Kurven ist Vorsicht geboten: Naturgemäß endet die Haftgrenze recht früh, auch Wurzeln und Nässe mag er weniger. Die Defekthexe hat eher leichtes Spiel.
  7. Maxxis Ikon Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 70 Euro
    • Gewicht: 856 g
    • Breite: 61,6 mm
    • Fazit: Als Allrounder begeistert der Ikon seit Jahren, bei Nässe und Trockenheit haftet er solide und stets berechenbar. Beim Rollwiderstand zeigt der schwere Reifen noch gute Werte, der Durchschlagschutz ist hervorragend, beim Durchstichtest ist er durchschnittlich.
  8. Maxxis Aspen Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 70 Euro
    • Gewicht: 762 g
    • Breite: 61,5 mm
    • Fazit: Der breite, bauchige Aspen beißt trotz seines dünnen Profils gut zu, trockene Trails surft er zügig ab. Bei nassen und rutschigen Bedingungen ist jedoch Vorsicht geboten, da er früh an Grip verliert. Mittlerer Rollwiderstand, eher schwer. Sehr gut in der Pannensicherheit.
  9. Michelin Force XC2 Racing Line 29 x 2,25"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 72 Euro
    • Gewicht: 703 g
    • Breite: 58,2 mm
    • Fazit: Auf trockenem, losem Untergrund kann der relativ leichte Force mit weichem Gummi gut greifen. Nasser Boden liegt ihm deutlich weniger. Im Grenzbereich neigt er zu Nervosität. Schwächer in der Pannensicherheit. Vergleichsweise schlechter Rollwiderstand.
  10. Michelin Jet XC2 Racing Line 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Gut
    • Preis: 72 Euro
    • Gewicht: 768 g
    • Breite: 60,4 mm
    • Fazit: Der breite Franzose zeigt in der Praxis ein enges Einsatzspektrum: Er verhält sich im Gelände tückischer, der Grip ist begrenzter, die unnachgiebige Karkasse sorgt für ein strafferes Fahrverhalten. Nur gut im Durchstich- und Rowi-Test, dafür hohe Snakebite-Resistenz.
  11. Pirelli Scorpion XC M ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4"
    • Testergebnis: Sehr gut (Kauftipp Allround)
    • Preis: 70 Euro
    • Gewicht: 837 g
    • Breite: 60,2 mm
    • Fazit: Der schwere XC M hat grobe Schulterstollen, die in Kurven kräftig zupacken. Insgesamt ist das GripNiveau sehr hoch, der Reifen lädt zum Gasgeben ein, allerdings ist der Rollwiderstand höher als bei der Konkurrenz. Sehr gute Pannenschutzwerte.
  12. Pirelli Scorpion XC RC ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4"
    • Testergebnis: Sehr gut (Kauftipp Allround)
    • Preis: 70 Euro
    • Gewicht: 696 g
    • Breite: 59,1 mm
    • Fazit: Obwohl vergleichsweise „zahnlos“, generiert der RC viel Grip am Heck, das klebrige Gummi greift an Wurzeln beherzt zu. An trockenen Tagen auch vorne sehr gut. Der Italo-Pneu rollt gut, die Pannenschutzwerte liegen im Mittelfeld (Durchstich) und auf Top-Niveau (Stichtest).
  13. Schwalbe Racing Ray Super Race Speed 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Überragend (Testsieger)
    • Preis: 69 Euro
    • Gewicht: 724 g
    • Breite: 57 mm
    • Fazit: Als grip- und traktionsstarker Vorderradreifen hat sich der Ray einen Namen gemacht: Er sprintet zügig vorwärts und ist dabei noch passabel leicht. Das Handling ist sehr gutmütig, auch auf Wurzeln. Sehr gut in Sachen Durchschlag, top im Durchstichtest.
  14. Schwalbe Rick XC Pro Speed 29 x 2,4"
    • Testergebnis: Sehr gut (Testsieger)
    • Preis: 69 Euro
    • Gewicht: 741 g
    • Breite: 59 mm
    • Fazit: Der neue Topsportler von Schwalbe ist kein Leichtgewicht, überzeugt aber mit Seitenhalt in Kurven - und das nicht nur bei Trockenheit. Erbringt viel Traktion mit, beim Anfahren wie beim Bremsen. Beim Pannenschutz liegt er im sehr guten Bereich.
  15. Specialized Fast Trak Control T5 2Bliss 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung)
    • Preis: 40 Euro
    • Gewicht: 728 g
    • Breite: 58,5 mm
    • Fazit: Auch wenn der Fast Trak im Matsch gut greift und Traktion erzeugt, im Trockenen ist er besser. Sowohl in der Praxis als auch im Labor rollt er noch sehr gut ab, ist gegen Durchschläge bestens geschützt. Bei Durchstich und Kurvenstabilität setzt die weiche Karkasse Grenzen
  16. Specialized Renegade Control T5 2Bliss 29 x 2,35"
    • Testergebnis: Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung)
    • Preis: 40 Euro
    • Gewicht: 652 g
    • Breite: 58,2 mm
    • Fazit: Der eher leichte und flexible Renegade überrascht mit einem subjektiv klebrigen Gummi, der hervorragend auf Wurzeln und Steinen greift. Der Vortrieb leidet darunter kaum. In Kurven ist er instabiler und weniger resistent gegen Schäden. Preislich sehr attraktiv.

Tabelle: Übersicht der getesteten Reifen

Reifenmodell Testergebnis Preis Gewicht Breite
Continental Cross King Protection TR 29 x 2,3" Sehr gut (Kauftipp Gewicht) 67 Euro 675 g 58,6 mm
Continental Race King Protection TR 29 x 2,2" Sehr gut (Kauftipp Gewicht) 65 Euro 602 g 56,1 mm
Goodyear Peak Ultimate Dynamic TC 29 x 2,35" Gut 60 Euro 745 g 58,4 mm
Goodyear Peak SL Race Dynamic TC 29 x 2,4" Gut 50 Euro 710 g 59 mm
Kenda Booster Pro SCT 29 x 2,4" Gut 70 Euro 725 g 58,6 mm
Kenda Rush Pro SCT 29 x 2,35" Gut 75 Euro 684 g 59,1 mm
Maxxis Ikon Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT Sehr gut 70 Euro 856 g 61,6 mm
Maxxis Aspen Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT Sehr gut 70 Euro 762 g 61,5 mm
Michelin Force XC2 Racing Line 29 x 2,25" Gut 72 Euro 703 g 58,2 mm
Michelin Jet XC2 Racing Line 29 x 2,35" Gut 72 Euro 768 g 60,4 mm
Pirelli Scorpion XC M ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4" Sehr gut (Kauftipp Allround) 70 Euro 837 g 60,2 mm
Pirelli Scorpion XC RC ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4" Sehr gut (Kauftipp Allround) 70 Euro 696 g 59,1 mm
Schwalbe Racing Ray Super Race Speed 29 x 2,35" Überragend (Testsieger) 69 Euro 724 g 57 mm
Schwalbe Rick XC Pro Speed 29 x 2,4" Sehr gut (Testsieger) 69 Euro 741 g 59 mm
Specialized Fast Trak Control T5 2Bliss 29 x 2,35" Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung) 40 Euro 728 g 58,5 mm
Specialized Renegade Control T5 2Bliss 29 x 2,35" Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung) 40 Euro 652 g 58,2 mm

Weitere wichtige Aspekte bei der Reifenwahl

Neben den Testergebnissen gibt es weitere Faktoren, die bei der Wahl des richtigen Mountainbike-Reifens berücksichtigt werden sollten:

  • Reifenbreite: Die Reifenbreite muss zur Felgenweite passen. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und kann so mehr Grip generieren.
  • Gewicht: Das Gewicht eurer Reifen solltet ihr nicht unterschätzen. Leichte Reifen verbessern die Beschleunigung und das Fahrverhalten.
  • Anforderungen am Vorder- und Hinterrad: Beim MTB gilt es, so viel Grip wie möglich am Vorderrad zu generieren, während man am Hinterrad Kompromisse zwischen Traktion und Rollwiderstand eingehen muss.
  • Tubeless vs. Schlauch: Die Vorteile von tubeless montierten Reifen liegen auf der Hand: weniger Gewicht, mehr Grip, geringerer Rollwiderstand und höherer Pannenschutz.
  • Luftdruck: Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden. Bei einem zu geringen Luftdruck sind ein unpräzises, schwammiges Fahrverhalten und Defekte vorprogrammiert.

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