Der Shimano Ultegra C36-Laufradsatz ist ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder. Jonas, Category Manager bei bc, hat den Laufradsatz im Trainingslager auf Mallorca ausgiebig getestet. Er schildert seine Fahreindrücke und gibt einen Überblick über die Features des C36.
Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz im Test
Jonas hat den Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz auf seinem Specialized Tarmac im Trainingslager auf Mallorca getestet. Seine Fahreindrücke sind vielseitig. Mit dem Ultegra C36-Laufradsatz folgt Fahrradgigant Shimano dem bewährten Trickle-Down-Prinzip: Produktinnovationen der teureren Dura-Ace-Geschwister zum günstigeren Ultegra-Preis. Ich habe dem neuen Laufradsatz mit meinem Specialized Tarmac ausgiebig auf den Zahn gefühlt.
Fahreindrücke und Testbedingungen
Eins vorneweg: Mein Fahrstil ist „Turbodiesel“ - viel Punch und Langstreckentauglichkeit mit einer gewissen Anlaufzeit also. Deshalb müssen für mich Aero-Laufradsätze leicht sein. Sonst macht es in den Bergen einfach keinen Spaß. Und genau dort habe ich die Ultegra C36 Laufräder getestet: im Trainingslager auf Mallorca. Neun Tage, 1.100 Kilometer, keine Probleme oder Defekte, aber viele gute Eindrücke. „C“ steht übrigens für „Carbon“, „36“ für die Felgenhöhe in Millimeter. Kudos, Shimano, für die klare Nomenklatur.
Eckdaten zum Laufradsatz
- Leistungsstarker Allrounder
- Gewicht: 1.488 g (Satz, VR 12x100 + HR 12x142, Herstellerangabe)
- Tubeless-kompatibel für Elf- und Zwölffach-Antriebe
- 21 mm breite (Maulweite) Carbonfelge: Empfohlene Reifendimension 25-622 bis 32-622
- 36 mm Felgenhöhe, aerodynamisches Profil
- E-Thru-Steckachse
- Jeweils 24 Straightpull-Speichen, Hinterrad mit 2:1-Einspeichung für gleichmäßigere Speichenspannung
- Für Scheibenbremsen mit Center-Lock-Aufnahme
Highlight Features
- Dank 36 mm Felgenhöhe bleibt der C36 auch bei dem windigen Wetter auf Mallorca stabil und berechenbar.
- Die E-Thru-Steckachsen ermöglichen einen einfachen und schnellen Ein- und Ausbau der Laufräder.
- Beim Hinterrad setzt Shimano auf 2:1-Einspeichung für eine gleichmäßige Speichenspannung.
- Weiteres Plus: Im Gegensatz zu den Dura-Ace Laufrädern sind die Ultegra Laufräder 11- und 12-fach kompatibel.
Weitere Testberichte und Eindrücke
Wie viele Shimano-Produkte, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, sind auch die Ultegra C36 Laufräder auffällig unauffällig. Und das meine ich uneingeschränkt positiv! Gute Produkte erlauben mir, mich aufs Fahren zu konzentrieren und nicht über die Technik nachzudenken. So auch hier. Mit 36 Millimetern Felgenhöhe durchaus im moderaten Aero-Bereich unterwegs, fährt sich der Laufradsatz bei Seitenwind absolut stabil und berechenbar. Und windige Tage gab es zwischen Mittelmeer und Massanella einige.
Breite Tubeless-Reifen am Rennrad: Ein Augenöffner
Ich muss gestehen, ich war bisher ein „typischer“ Rennradfahrer. Viel Druck hilft viel, so meine Philosophie - und außerdem schützt es vor Pannen. Die Ultegra C36 bin ich das erste Mal überhaupt konsequent schlauchlos gefahren und bin restlos geläutert. Die 30 Millimeter breiten Grand Prix 5000 S Tubeless Ready Reifen von Continental konnte ich am Hinterrad mit nur 3,5 bar Druck fahren. Die Klappergasse MA12 zwischen Felantix und Manacor hat mich endgültig überzeugt. Und trotz (bzw. wegen) des geringen Drucks rollt das einfach. Der zusätzliche Komfort fühlt sich am Anfang fast komisch an, so ungewohnt ist es, nicht mehr jeden Schlag im Rückenmark zu spüren. Man wähnt sich deshalb zunächst vielleicht langsam, ist aber schnell! Wenn ich jetzt noch anfange vom Grip der Rad-Reifen-Kombination auch auf rutschigen mallorquinischen Straßen im Frühjahr zu schwärmen … ganz ernsthaft: Das ist schon toll! Durch die breite Felge sitzt der Reifen auch bei geringem Druck sicher auf dem Laufrad. „Viel Druck hilft viel“ war gestern. Dank dem Tubelesssystem des C36 kann der Reifendruck deutlich reduziert werden. Die 3,5 bar Reifendruck rollen hervorragend und erhöhen den Komfort auf holprigen Straßen.
Steifer Laufradsatz und dabei leicht genug
Zur Produktpräsentation hatte ich bereits die Gelegenheit, die große Dura-Ace-Schwester zu fahren und ich kann sagen, dass die Steifigkeit der Ultegra-Variante dem Highend-Laufrad in nichts nachsteht. Mit 84 Kilogramm Körpergewicht ist das ein wichtiger Faktor für einen Allround-Laufradsatz, der mit unter 1.500 Gramm Gewicht immer noch leicht, wenn auch nicht ultraleicht ist. Die Ultegra C36 sind damit auch leicht genug für das Intervalltraining auf mallorquinischen Serpentinen. Hier konnte ich das Rad gut beschleunigen. Lediglich in Sachen Agilität war gerade in Kombination mit den breiten, stabilen und pannensicheren Reifen noch etwas Luft. Klar, als Rennradfahrer wünsche ich mir immer weniger Gewicht bei gleicher Steifigkeit und Robustheit. Aber dafür gibts dann ja die Dura-Ace-Laufräder mit ihren 1.350 Gramm!
Weitere getestete Laufräder
Neben dem Shimano Ultegra C36 wurden auch andere Laufräder getestet, darunter:
- Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke: Besonders leichtfüßig und schnell, aber mit hakenlosen Felgen, die die Reifenauswahl einschränken.
- Fulcrum Sharq: Geeignet für breitere Reifen und bieten hohen Komfort, jedoch mit auffälliger Optik.
- Black Inc 28/33: Leicht und steif, jedoch mit Problemen bei der Haltbarkeit der Speichen.
- Scope Cycling Artech 4: Sehr leicht und stabil, aber relativ teuer.
- DT Swiss ARC 1100 Dicut 38: Aero und leicht, aber mit rau laufenden Keramiklagern.
- Newmen Streem Allround Vonoa: Leicht und spritzig, mit innovativem Ventilsystem und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Carbon-Laufräder im Dauertest
Einige Carbon-Laufräder wurden im Dauertest auf Herz und Nieren geprüft:
- Aerycs Aero WT 30: Leicht und dynamisch, mit breiter Felge und guter Kraftübertragung.
- Fulcrum Wind 42: Schnell und fahrstabil, mit guter Seitensteifigkeit und komfortablem Fahrverhalten.
- Leeze CC 38 Basic R: Leicht, schnell und fahrstabil, mit attraktivem Preis und lebenslangem Crash Replacement.
- Mavic Cosmic SL 32: Fahrstabil und komfortabel, aber mit träger Beschleunigung und leicht außermittigem Hinterrad.
- Newmen Streem Climbing: Sehr leicht und spurtreu, mit geringem Verschleiß und großzügigem Lieferumfang.
- Shimano Ultegra WH-RS8170 C36: Solider Dauerläufer mit einfachem Tubeless-Setup und gutem Komfort.
- Winspace Lún Grapid: Leicht und flink, aber nervös bei Seitenwind und ohne Crash Replacement.
Die Bedeutung von Carbonspeichen
Carbonspeichen sind leichter, stabiler und steifer als Stahlspeichen. Sie dehnen sich weniger, was es ermöglicht, Laufräder mit weniger Speichen zu bauen. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen. Im Falle eines Speichenbruchs können Carbonspeichen bei einigen Modellen wie den Vonoa-Modellen von Newmen wie normale Stahlspeichen ersetzt werden.
Aerodynamik im Windkanal
Im Windkanal wurden die Laufräder bei 45 km/h Windgeschwindigkeit getestet. Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schnitten tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen lagen knapp darüber. Eine sehr gute Performance zeigte die Bontrager Aeolus RSL 51 TLR, trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie.
Tabelle: Übersicht der getesteten Laufräder
| Laufrad | Gewicht (Satz) | Felgenhöhe | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Shimano Ultegra C36 | 1488 g | 36 mm | Allrounder, Tubeless-kompatibel |
| Hunt Sub 50 Limitless | 1356 g | 50 mm | Leicht, Carbon-Speichen |
| Fulcrum Sharq | 1462 g | Variabel | Breite Reifen, hoher Komfort |
| Black Inc 28/33 | - | 28/33 mm | Leicht, steif |
| Scope Cycling Artech 4 | 1124 g | 45 mm | Sehr leicht, Carbon-Speichen |
| DT Swiss ARC 1100 | 1324 g | 38 mm | Aero, leicht |
| Newmen Streem Vonoa | 1305 g | Variabel | Leicht, spritzig |
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