Die beste Reisezeit für Motorradtouren in den Pyrenäen

Die Pyrenäen, ein faszinierendes Gebirge, das sich vom Mittelmeer im Osten bis zum Atlantik im Westen erstreckt, genießen unter Reiseenduristen einen großartigen Ruf. Die dünn besiedelte Region präsentiert sich abenteuerlustigen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern wild, rau und intensiv. Schon auf Asphalt taucht man hier sehr tief in die Landschaft ein und ist phasenweise einsam unterwegs. Gesellschaft bekommt man sehr häufig von Schafherden, Kühen aber auch Pferden. Menschen trifft man selten und in den Dörfern und Städtchen entlang der Route tummeln sich bloß im Sommer ein paar Wanderer. Im Herbst und im Frühjahr hat man die Straßen gefühlt für sich alleine.

Die ideale Reisezeit

Für die Reisezeit gibt es in den Bergen keine allgemeingültige Empfehlung. Generell kann diese Tour aber von Mai bis Oktober gefahren werden. Um die Strecke komplett befahren zu können, sollte man bis Mai warten. Denn mit reichlich Schnee auf den hochgelegenen Streckenabschnitten muss man bis in den April hinein rechnen.

Während der Sommermonate sinkt zwar die Niederschlagswahrscheinlichkeit jedoch muss man dann bei der Quartierplanung umsichtig vorgehen. In den Bergen gibt es teilweise nur relativ kleine Hotels und diese sind dann auch von den Wandergruppen gut gebucht. Im September kehrt dann wieder Ruhe ein und man findet in diesem Monat die vermutlich besten Rahmenbedingungen vor. Auch in den Tälern steigen die Temperaturen nicht zu stark, auf den Straßen ist es ruhig und oben in den Bergen hat man auch frühmorgens noch ein paar Grade Plus auf dem Thermometer.

Da die Routen immer wieder auch über höhere Pässe führen werden, bleibt nur der Zeitraum zwischen Mitte/Ende Mai und Anfang/Mitte Oktober. Mitte Juni bis Anfang Juli sind die Tage länger hell und die Vegetation ist noch schön grün. Die Temperaturen am Tag sind angenehm bis eher kühl.

Im Juli ist meist die Tour de France in den Pyrenäen unterwegs (Sperrung von Strecken!) und die Ferienzeit beginnt in Spanien und Frankreich. In den Hochsommermonaten steigt auch die Gefahr von Gewittern. Nach den Ferien Ende August/Anfang September wird es wieder etwas ruhiger, die (Fahr-)Tage werden aber zunehmend kürzer, die Temperaturen und die Übernachtungspreise sinken.

Im Oktober ist man wieder alleine auf den Straßen unterwegs, dafür können die Temperaturen ungemütlich werden. Bei der Planung sollte man auch immer die Termine von Radsportveranstaltungen im Auge behalten, deren Streckenführung gerne über die bekannten Anstiege führen. Bestes Beispiel ist hier die Tour der France, die i.d.R.

Klima und Wetterbedingungen

In den Pyrenäen herrschen meist gemäßigte Temperaturen, also perfekt zum Motorradfahren. Aber auch in den Pyrenäen klagten die Einwohner über viel zu heißes Wetter, in den anderen Jahren wäre es um diese Jahreszeit bei weitem nicht so heiß gewesen. März / April als Reisezeit kann noch etwas früh sein, um in den Pyrenäen Motorrad zu fahren, muss es aber nicht.

Die Höhen sind noch nicht schneefrei und es wird in schattigen Tälern, am Atlantik und im Hochgebirge (und nicht nur dort) eisig kalt. In den Regionen an der Küste kann das Thermometer allerdings auch schon mal auf 25 °C klettern. Der Osten der Pyrenäen ist vom Mittelmeerklima geprägt und der Sommer ist heiß und trocken. Dies gilt für die spanischen ebenso wie für die französischen Pyrenäen.

Allerdings stellen die Pyrenäen manchmal eine Wetterscheide dar: nicht immer herrscht in Frankreich das gleiche Wetter wie auf der spanischen Seite. Die verschiedenen Regionen und selbst einzelne Täler sind sehr unterschiedlich im Wettergeschehen, so dass eine pauschale Aussage schwer fällt. Aber auf jeden Fall gilt: je südlicher, um so trockener. Am Atlantik treten allerdings auch im Sommer immer wieder mal Regenschauer auf, dafür ist die Region berühmt berüchtigt. In den Hochlagen kommt es auf beiden Seiten der Pyrenäen immer wieder mal zu Gewittern. Am trockensten bleibt der Motorradfahrer im späten Herbst.

Straßenverhältnisse und Routen

Vom besten Straßenbelag bis zur steilsten schottrigen Auffahrt kann jeder seine Grenzen er“fahren“. Auf engen Singleroads ohne Sicherung sollte das Motorrad gut beherrscht werden. Den Stollenreitern sei eine rücksichtsvolle Fahrweise im Gelände ans Herz gelegt. Die Hinweisschilder an den Einstiegen sollten respektiert werden.

Die Pyrenäen sind ein außergewöhnliches Motorrad-Gebiet mit faszinierenden Bergstraßen entlang der Grenze zwischen Spanien und Frankreich. Legendäre Gipfel wie der Tourmalet oder Col d‘ Aubisque warten hier auf uns. Auf der französischen Seite ist der Straßenbelag eher schlechter und die Straßen oft schmal und „kernig“. Auf der französischen Seite regnet es meist häufiger und länger, dafür ist die Vegetation aber grüner.

Empfehlenswerte Pässe

  • Col du Tourmalet: Der 2.117 Meter hohe Col du Tourmalet gehört zu den anspruchsvollsten Anstiegen der Tour de France. Der höchste französische Pyrenäenpass bietet aber auch Motorradfahrern einige Reize.
  • Col d’Aspin: Östlich des Col de Tourmalet befindet sich der Col d’Aspin, ein schön zu fahrender Pass mit beeindruckender Aussicht auf die Riesen der Pyrenäen.
  • Col du Pourtalet: Der abwechslungsreiche Col du Pourtalet überrascht mit seinen 1.794 Höhenmetern an jeder Ecke und die Aussicht von der Passhöhe ist phänomenal.
  • Col d’Aubisque: Er verbindet das Tal von Luz-Saint-Sauveur mit dem Val d’Azun und liegt auf einer Höhe von 1.709 Metern. Die gut 17 Kilometer lange, enge Trasse direkt am Steilhang ist stellenweise ungesichert und kommt fast ohne Kehren aus.
  • Col de Peyresourde: Der Col de Peyresourde ist mit seinen 1.569 Metern nicht besonders hoch und bietet auch keine extravagante Streckenführung.
  • Col de Larrau: Dieser 1.760 m hohe Pass hat drei Zufahrten: eine in Isaba auf der spanischen Seite und zwei in Frankreich, Larrau und Arette. Der interessanteste Zugang ist der von Larrau.
  • Somport: Der 1.632 Meter hohe Somport gehört dabei zu den Klassikern. Besonders der spanische Teil der Strecke präsentiert sich in gutem Zustand und macht mit Superbikes genauso viel Spaß wie mit Tourern oder Enduros.
  • Col de Pailheres: In Usson-les-Bains beginnt die Auffahrt zum 2.001 Meter hohen Col de Pailheres.
  • Port del Cantó: Der 1.725 Meter hohe Port del Cantó bietet weder ein grandioses Panorama noch einen einprägsamen Scheitel, dafür aber unvergleichliche Kurvenerlebnisse.
  • Port d’Envalira: In Andorra findet sich auch der höchste asphaltierte Pass der Pyrenäen, der 2.408 m hohe Port d’Envalira. Er hat keine Wintersperre und ist somit die höchstgelegene ganzjährig befahrbare Passstraße Europas.

Planung und Vorbereitung

Die Abgeschiedenheit hier oben in den Bergen erfordert jedoch umsichtige Planung. Es gibt weniger Gelegenheiten zu tanken als in den Alpen und bei Stürzen oder Unfällen ist man an einzelnen Streckenabschnitten stundenlang vom nächsten größeren Ort entfernt. Die Reise sollte also nur von sehr routinierten Enduristen alleine in Angriff genommen werden. Ansonsten bietet es sich an, dieses phantastische Vorhaben in einer kleinen Gruppe zu absolvieren. Dann ist man auch bei schlechtem Wetter auf der sicheren Seite und kann die schweren Fuhren mit Teamwork durchs Gelände bringen.

Wer gerne gedrucktes Kartenmaterial zur Planung und für die Reise einsetzt, hat es bei der großen Auswahl von geeigneten Landkarten nicht einfach. Mit den »Gelben« von Michelin kann man aber in der Regel nichts falsch machen. Für die französische Seite der Pyrenäen benötigt man somit mehrere Einzelkarten der gelben »Michelin local«-Karten:

  • Michelin local 342 Hautes-Pyrénées / Pyrénées-Atlantiques
  • Michelin local 343 Garonne-Tal, Pays de Foix
  • Michelin local 344 Roussillon

Michelin bietet zusätzlich die grünen »Michelin zoom«-Karten im Maßstab 1:150.000 an, die sowohl die französische als auch die spanische Seite der Pyrenäen abbilden:

  • Michelin zoom 146 Östliche Pyrenäen, Andorra
  • Michelin zoom 145 Hochpyrenäen
  • Michelin zoom 144 Atlantische Pyrenäen, San Sebastian, Biarritz

Will man weiter zu den Picos de Europe, sind diese zoom-Karten geeignet:

  • Michelin zoom 143 Costa de Cantabria / Kantabrische Küste
  • Michelin zoom 142 Asturien, Costa Verde

Ausrüstung und Sicherheit

An den Motorrädern wurden keine dramatischen Vorbereitungen getroffen. Die meisten Motorräder waren mit robusten Touratech Koffern ausgestattet, einige setzen auch auf universelle Softgepäck Lösungen. Sturzbügel waren an allen Motorrädern montiert und diese verrichteten ihren Dienst auch ausgesprochen zuverlässig. Trotz einiger kleiner Stürze bei Wendemanövern und bei kniffligen Passagen gab es keinerlei Schäden an einem der Motorräder. Sämtliche Bikes meisterten die volle Distanz zuverlässig und ohne Probleme.

Ein Pannenset, Öl, eine Stirnlampe und Sicherungen mitbringen. Deshalb ist eine Versicherung mit Pannenhilfe und grundlegendem Werkzeug unerlässlich.

Gesetzliche Bestimmungen

  • Frankreich: Ja, sofern sie fest im Helm installiert sind. Die Benutzung einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung oder eines anderen Headsets in Fahrzeugen ist in Frankreich seit 1.7.2015 verboten. Sogar Fahrräder und Motorräder sind von der neuen Regelung betroffen.
  • Ja. Fahrer und Beifahrer müssen Handschuhe tragen. Frankreich: Die Handschuhe müssen einer CE-Norm entsprechen und ein CE-Zeichen enthalten. Handschuhe mit herausgetrenntem CE-Zeichen gelten als nicht zertifiziert. In Frankreich ja, in Spanien nein.
  • Frankreich: Helme müssen mit vier reflektierenden Aufklebern versehen sein. Die offizielle Regelung besagt: Ein Motorradhelm muss vier reflektierende Aufkleber haben, einen auf jeder Seite: vorne, hinten, rechts...

Adventure Country Tracks (ACT) Pyrenäen

Dieses große Abenteuer wird vom Verein ACT (Adventure Country Tracks) nun auch in den Pyrenäen zugänglicher gemacht. Nachdem die Initiative schon Destinationen wie Italien, Rumänien, Portugal und Griechenland für Enduristen erschlossen hat, widmete man sich endlich dem schier grenzenlos wirkenden Revier zwischen Atlantik und Mittelmeer. Erstmals befahren wurde neue ACT Track von der ACT Truppe im September 2021. Dabei waren insgesamt ein Dutzend Piloten sowie ein Film- und Fototeam mit dabei. Das abenteuerlustige Dutzend setzte dabei auf aktuelle Reiseenduros. Drei Stück Yamaha Tenere 700 waren mit dabei, drei nagelneue Harley-Davidson Pan-America ebenso wie die Platzhirschen BMW R 1250 GS sowie zwei Honda Africa Twins. Alle Streckenabschnitte waren mit den großen Reiseenduros sicher zu bewältigen. Alle Videos von den Pyrenäen findet man hier am YouTube Kanal von ACT.

Wer den Verein unterstützen möchte, kann Mitglied werden und mit 39 Euro pro Jahr für zusätzlichen Schwung sorgen. In den Kommandobrücken der Guides waren klarerweise Navigationsgeräte montiert und die benutzten Tracks stehen ab sofort samt Beschreibung auf der ACT Webseite kostenfrei zur Verfügung.

Kulinarische Highlights

Positiv überrascht wird man entlang der Strecke auch von den durchwegs niedrigen Preisen sein. Das kulinarische Angebot präsentiert sich in der Region ähnlich vielfältig wie die spektakuläre Landschaft. Sowohl am Mittelmeer als auch am Atlantik wird ein reiches Angebot an Meeresfrüchten und Fisch serviert. Dieses wird in den Bergen von deftiger Kost sowie herrlichem Obst und Gemüse angereichert. Besonders das letzte Drittel der Strecke in Richtung San Sebastian wartet mit den famosen Leckereien auf.

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