Was ist ein Integralhelm?
Als Integralhelm bezeichnet man einen Vollvisierhelm, der sich vollständig schließen lässt. Seine durchgehende Außenschale schützt den gesamten Kopf, sein Visier lässt sich nach oben klappen. Unterschiede gibt es je nach Einsatzzweck: Integralhelme für Racer und besonders sportliche Motorräder sind meist windschnittiger als Motorradhelme für Stadt- und Tourenfahrer:innen. Diese legen meist noch mehr Wert auf Tragekomfort und Alltagstauglichkeit.
Integralhelme im Test: Modelle und Eigenschaften
Für einen schnellen Überblick zeigen wir Ihnen im Folgenden einige Motorradhelm-Modelle, die im Test von Motorrad (11/2024) überzeugen konnten. Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt.
- X-Lite X803 RS Carbon: Der X-Lite X803 besteht aus Carbon und ist mit rund 1,5 kg Gewicht besonders leicht. Das fördert Tragekomfort und Sicherheit des sportlichen Helms, der mit einem transparenten Spoiler (RAS) aufwartet.
- Shoei X-Spirit 3: Helmspezialist Shoei verkauft mit dem X-Spirit III einen Rennhelm vor allem für Besitzer:innen von Superbikes. Eine effiziente Belüftung mit sechs Lufteinlässen und sechs Luftauslässen und eine ausgeklügelte Aerodynamik mit integrierten Leitflügeln und Spoiler sollen den Helm auch bei hohen Geschwindigkeiten bequem und sicher machen.
- HJC C70: Eine vergleichsweise günstige Variante des namhaften Herstellers HJC ist der C70N.
- HJC RPHA71: Etwas hochwertiger und teurer ist der HJC RPHA71, den der Hersteller als Sporttouring-Helm deklariert.
- Shark Ridill 2: Ein weiterer günstiger Integralhelm von einer etablierten Marke ist der Shark Ridill 2. Der Polycarbonat-Helm ist nach der ECE-Norm 22.06 zertifiziert und verfügt über ein integriertes Sonnenvisier mit UV-Schutz. Zudem soll er auch für Brillenträger:innen geeignet sein.
Integralhelm vs. Klapphelm: Was ist der Unterschied?
Der Klapphelm ist eine Variation des Integralhelms. Bei einem klassischen Integralhelm lässt sich das Visier nach oben klappen, er besitzt ein festes Kinnteil und wird über den Kopf gestülpt. Bei einem Klapphelm ist neben dem Visier auch das Kinnteil beweglich. So lässt sich der Helm einfacher an- und ausziehen und bietet vor allem für Brillenträger:innen mehr Komfort. Durch die zusätzliche Mechanik ist er jedoch meist schwerer und zudem strukturell weniger robust.
Klapphelme im Test
Wie die neueste Generation der klappbaren Integralhelme abschneidet, hat die Zeitschrift "Motorrad" getestet (Heft 11/2024). Im Labor, auf dem Prüfstand und bei Fahrversuchen wurden zwölf Helme unterschiedlicher Preiskategorien in diesen Testkriterien untersucht:
- Passform und Tragekomfort
- Aerodynamik
- Akustik
- Belüftung
- Handhabung
- Ausstattung und Verarbeitung
- Gewicht
- Schlagdämpfung und Rotation
Zum Sieger kürten die Tester den Klapphelm C5 von Schuberth. Der C5 überzeugte vor allem durch sehr gute Brillentauglichkeit, gute Passform und sehr komfortable und einfache Bedienung.
Testergebnisse im Überblick
Hier eine Übersicht der Testergebnisse von Motorrad (11/2024):
| Modell | Preis in Euro | Urteil Motorrad |
|---|---|---|
| Schuberth C5 | ab 699,00 | Sehr gut |
| Shoei Neotec 3 | ab 669,00 | Sehr gut |
| Nolan N100-6 | ab 399,99 | Sehr gut |
| LS2 FF901 Advant X Carbon | ab 469,00 | Sehr gut |
| HJC RPHA 91 Carbon | 699,90 | Sehr gut |
| BMW System 7 Carbon Evo | ab 710,00 | Gut |
| AGV Tourmodular | ab 549,95 | Gut |
| Germot GM 970 | 159,90 | Gut |
| Airoh Specktre | ab 259,99 | Gut |
| MTR K-4 Evo | ab 99,99 | Gut |
| Rocc 810 | ab 189,95 | Befriedigend |
| Harley-D. Evo X17 Sunshield Modular | 383,00 | Befriedigend |
Wie lange hält ein Integralhelm?
Ein Integralhelm hält keine Ewigkeit. Ein gutes Exemplar kann allerdings einige Jahre ein treuer Begleiter sein - es sei denn, er fällt auf den Boden oder wird bei einem Sturz beschädigt. Dann muss ein neuer Motorradhelm her. Bei allen Motorradhelmen, ganz gleich welcher Marke, kann das Material durch UV-Einstrahlung altern, weshalb Vielfahrer:innen nach drei bis fünf Jahren einen neuen Helm kaufen sollten. Wenigfahrer:innen sollten spätestens nach sieben Jahren den Kopfschutz wechseln. Helme mit Glas- oder Kohlefaserschale sind grundsätzlich weniger anfällig für strukturelle Alterungserscheinungen als solche mit Kunststoffschale.
Was kostet ein guter Integralhelm?
Die Auswahl an Integralhelmen mit Schalen aus verschiedenen Materialien wie Carbon, Glasfaser oder Polycarbonat ist groß. Entsprechend groß sind auch die Preisunterschiede. Für einen sicheren und bequemen Motorrad-Integralhelm sollte man mindestens 150 Euro einplanen, die Preise gehen aber weiter hoch bis rund 1000 Euro. Grob unterscheiden sich zwei Arten von Materialien: Duroplast und Thermoplast.
Helme aus Duroplast bestehen aus Werkstoffen wie Aramidfaser, Glasfaser oder Kohlefaser. Die Oberfläche hält großen Belastungen stand und weist eine hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Lösungsmitteln auf. Thermoplast-Helme bestehen unter anderem aus ABS oder Polycarbonat und werden unter Hitzeeinwirkung im Spritzgussverfahren hergestellt - sie sind einfacher zu produzieren und daher meist günstiger. Deshalb sollte eine zusätzliche schützende spezielle Lackschicht aufgetragen sein. Auch wenn dunkle und matte Farben wie Blau, Grau und Schwarz modern sind, bietet Weiß im Sommer den Vorteil, dass der Helm sich nicht so stark aufheizt.
Wie findet man einen passenden Integralhelm?
Ein gutes Testergebnis ist in jedem Fall eine gute Orientierung für den Helmkauf. Neben den Testsiegern von Vergleichstests des ADAC oder der Stiftung Warentest findet sich der beste Motorradhelm nur durch An- und Ausprobieren. Motorradfahrer:innen sollten also nicht nur auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten, denn auch der bestbewertete Helm nützt wenig, wenn er nicht richtig sitzt. Daher ist die Anprobe - im Idealfall auch auf der eigenen Maschine - vor dem finalen Helmkauf entscheidend. Denn je nach Motorrad und Verkleidung strömt der Wind anders um den Helm, was zu Windverwirbelungen und störenden Geräuschen führen kann.
Ein guter Helm muss richtig und bequem auf dem Kopf sitzen, viel Komfort bieten, sich intuitiv bedienen lassen. Sitzt der Helm richtig, spürt man ihn auch nach stundenlanger Fahrt nicht, egal, ob im Sommer oder Winter. Neue und gute Motorradhelme bieten neben der Passgenauigkeit eine volle Belüftung und Aeroakustik, um den Helm komfortabler und leiser zu machen. Wichtig ist auch die gültige Norm ECE 22.06, die strengere Testanforderungen stellt als die Vorgängernorm ECE 22.05.
Sicherheitsnormen und Kennzeichnungen
Damit der offen getragene Helm auch sicher ist, sollten Motorradfahrer auf bestimmte Kennzeichnungen achten. Hinweise dazu finden sie im Aufnäher am Kinnriemen oder am Futter des Helms. Neben der Norm "ECE R 22-05" beziehungsweise der neuen Norm "ECE R 22-06" sollte dort idealerweise auch die ECE-Genehmigung stehen - erkennbar an den Buchstaben P/J. Diese Genehmigung basiert auf einem Prüfverfahren für Helme mit Kinnbügel, dafür steht das P, sowie Helme ohne Kinnbügel, dafür steht das J. Konventionelle Klapphelme haben diese zweifache Genehmigung in der Regel hingegen nicht. Daher dürfen sie bei der Fahrt nur geschlossen getragen werden. Wichtig: Unabhängig vom Helm-Modell sollten Motorradfahrer aber immer ihre Augen schützen - etwa vor Insekten sowie aufgewirbelten Steinchen. Daher gilt während der Fahrt: Das Visier sollte immer heruntergeklappt bleiben.
Die alte Prüfnorm ECE-R 22.05 wurde ersetzt, und seit Juni 2022 werden nur noch 06er-Genehmigungen erteilt. Diese enthalten auch die P/J-Norm, die für eine Freigabe des Helms als Integral- und auch als Jethelm steht, also für das "legale" Fahren mit geöffnetem Kinnteil. Zu finden sind die Genehmigungen und die Norm, nach der sie erteilt wurden, auf dem meist am Kinnriemen angebrachten Prüfnorm-Label nebst zugehöriger Prüfnummer. Beginnt die Nummer mit 05, handelt es sich um einen nach alter Norm geprüften Helm. Fängt sie mit den Ziffern 06 an, bedeutet das "neue und aktuelle Norm".
Eine wesentliche Verbesserung für die Durchführung von Helmtests ist der deutlich größere Helmschalenbereich, in dem nun geprüft werden darf. Eine gezielte Versteifung von Konstruktionspunkten bei Motorradhelmen analog zu klar definierten Prüfpunkten ist somit praktisch unmöglich geworden. Salopp ausgedrückt müssen Motorradhelme nun "überall" sicher sein und eine der Norm entsprechende Schlagfestigkeit aufweisen.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Helme im Allgemeinen der wichtigste Ausrüstungsgegenstand sind, wenn es um die Sicherheit des Motorradfahrers im Falle eines Sturzes geht. Integralhelme sind in verschiedenen Größen, Materialien und Designs erhältlich und bieten viele Funktionen wie einen Pinlock-Visiereinsatz oder eingebaute Sonnenblenden. Jeder Motorradfahrer sollte beim Fahren immer einen Helm tragen, um sich selbst bestmöglich zu schützen.
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