Die besten MotoGP-Fahrer aller Zeiten: Eine statistische Analyse

Die Königsklasse des Motorradsports, die MotoGP, hat im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche herausragende Fahrer hervorgebracht. Dieser Artikel wirft einen Blick auf einige der erfolgreichsten Piloten und ihre beeindruckenden Leistungen.

Die Anfänge: Von der 500ccm-Klasse zur MotoGP

Die Ursprünge des Motorradrennsports reichen bis ins Jahr 1949 zurück, als die erste Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder ausgetragen wurde. Die MotoGP, wie wir sie heute kennen, löste im Jahr 2002 die bisherige Königsklasse, die 500ccm-Klasse, ab.

Giacomo Agostini: Der Rekordweltmeister

Giacomo Agostini, oft "Ago nazionale" genannt, gilt als einer der größten Fahrer aller Zeiten. Im Laufe seiner aktiven Karriere zwischen 1963 und 1977 gewann Agostini ganze 122 Rennen und kürte sich (klassenübergreifend) 15 Mal zum Weltmeister. Allein acht Titel entfallen auf die MotoGP- bzw. 500ccm-Klasse.

Zwischen den Jahren 1965 und 1973, sowie (nach einem Jahr Pause) auch im Jahr 1975 gewann der Italiener insgesamt 10 Mal auf dem altehrwürdigen Tampere Circuit und hält damit den Rekord für die meisten Siege auf derselben Strecke. Das gelang dem Italiener zwischen den Jahren 1965 und 1976.

Natürlich: MotoGP-Legende Giacomo Agostini konnte in der Saison 1968 sämtliche (zehn) Läufe der Weltmeisterschaft für sich entscheiden.

Im Jahr 1965 startete “Ago” erstmals in der schnellsten Klasse der Motorrad-WM und das sogar zeitgleich zur 350-ccm-Klasse. Noch im selben Jahr konnte der Italiener seinen ersten Sieg beim Grand Prix von Finnland feiern, der Rest ist Geschichte.

Agostini auf MV Agusta 500 cm³ im Jahr 1969.

Im Gegensatz zu der Zeit ab 1980 fuhr jedoch normalerweise ein Fahrer gleichzeitig in mehreren Kategorien. Deshalb und weil in der Zeit von Agostini oft sein Fabrikat den anderen Herstellern gegenüber haushoch überlegen war, ist ein Vergleich mit späteren Jahrzehnten nur bedingt aussagekräftig. Immerhin gelangen „Ago nazionale“, wie ihn seine italienischen Landsleute oft nannten, auch noch zu Beginn der 2-Takt Ära zwei WM-Titel auf Yamaha.

Damit können auch die größten Skeptiker nicht alle Titel einfach nur seinem Material zuschreiben. Zudem wurde damals noch auf extrem gefährlichen Kursen gefahren, auf welchen es jährlich oft mehrere Todesopfer zu beklagen gab.

Valentino Rossi: Die Ikone des Motorradrennsports

Valentino Rossi ist zweifellos eine Ikone des Motorradrennsports. Er ging als zudem als letzter Weltmeister auf den schwer zu beherrschenden 500 cm³ Zweitakt-Raketen in die Geschichte ein. Zusammen mit seinen beiden Titeln steht Valentino bei insgesamt 9 WM-Titeln und ist damit der erfolgreichste Fahrer der Neuzeit.

Unglaubliche 22 Jahre lang war Rossi in der Königsklasse aktiv und krönte sich am Ende der Saison sieben Mal zum Weltmeister. Damit hält er aktuell auch den Rekord für die meisten Starts: Zu unglaublichen 374 Rennen trat Rossi im Rahmen seiner MotoGP-Karriere an. 89 davon konnte der Italiener gewinnen - und landete 199 Mal auf dem Podium.

Niemand startete häufiger als Rossi, der zwischen dem Jahr 2000 und 2021 aktiv war. Die Quote kann sich aber auch sehen lassen: 199 seiner Rennen beendete er auf dem Siegertreppchen, 89 davon sogar ganz oben als Sieger.

Mittlerweile hat sich Rossi aus dem aktiven Sport zurückgezogen und fungiert als Chef seines eigenen Rennstalls und versuchte sich in seiner Karriere auch als Testfahrer für Ferrari in der Formel 1 und trat mehrmals in der WRC an, sollte dann aber doch in der MotoGP bleiben.

Mick Doohan: Der Dominator der 90er Jahre

In den 90-ern drückte der Australier Mick Doohan der MotoGP, damals noch Motorradweltmeisterschaft bis 500 cm³, seinen Stempel auf. In den Jahren 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998 führe kein Weg an dem Piloten vorbei, der in seiner gesamten MotoGP-Karriere im Sattel einer Honda NSR500 Platz nahm - wenn auch für verschiedene Teams. Die erfolgreichste Saison für Doohan war das Jahr 1997, in dem er 12 der 15 Saisonrennen für sich entscheiden konnte. Insgesamt gilt Doohan als Nationalheld Australiens.

Bereits 1992 hätte sein Jahr werden sollen und er führte nach fünf Siegen in 7 WM-Runden bereits mit 53 Punkten Vorsprung im Zwischenklassement. Doch beim Qualifying zum GP von Assen stürzte er schwer und zog sich einen komplizierten Beinbruch zu, worauf er bis zum Saisonende ausfiel.

Marc Márquez: Der Rekordbrecher der Gegenwart

Der neue und alte MotoGP-Weltmeister Marc Márquez hat mit gerade einmal 25 Jahren bereits zahlreiche Rekorde in der Königsklasse des Motorrad-Sports gebrochen. Seit 2013 ist Márquez in der MotoGP aktiv und startete seither zu 199 Rennen. Ganze 68 davon konnte der bislang gewinnen, landete 119 Mal auf dem Podium und krönte sich unglaubliche sechs Mal zum Fahrerweltmeister (2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019).

Es ist ein weiterer Meilenstein in der glanzvollen Karriere des Spaniers, der erst 2013 in die Königsklasse aufgestiegen ist - und trotzdem bereits zahlreiche Rekorde gebrochen hat.

Ab 2013 war Marc Marquez der Dominator, dem auf Rossi nun nur noch 1 MotoGP Titel fehlt, bis er mit dem Italiener gleichgezogen hat. Es ist gut denkbar, dass er den Italiener sogar noch überflügeln kann, was jedoch höchstens in der Zahl der Titel gelingen kann. Bezüglich der Popularität und Beliebtheit wird er Valentino bestimmt nie ablösen können, vielleicht ist genau dies der besondere Antrieb für den ehrgeizigen Spanier, diesen zumindest in der Zahl an WM-Titeln noch zu schlagen.

Nach einem Jahr bei Gresini Racing (2024) wechselte Marquez für die Saison 2025 zu Ducati, wo er zu alter Form zurückfand: Aktuell (Stand: 01.07.2025) führt MM #93 die Fahrerwertung der MotoGP mit 307 Punkten an.

Einige von Márquez' Rekorden:

  • Jüngster MotoGP-Sieger aller Zeiten (20 Jahre, 63 Tage)
  • Jüngster MotoGP-Weltmeister aller Zeiten (20 Jahre, 266 Tage)
  • Jüngster Doppelweltmeister aller Zeiten (21 Jahre, 237 Tage)
  • Jüngster dreimaliger Weltmeister in der Königsklasse (23 Jahre, 242 Tage)
  • Meisten Siege in einer Rookie-Saison (6)
  • Meisten Pole-Positions in einer Rookie-Saison (9)

Von insgesamt 18 Meiterschaftsläufen konnte Márquez ganze 13 gewinnen - was 72,22 Prozent entspricht. Niemand gewann mehr Läufe in nur einer Saison.

Weitere bemerkenswerte Fahrer

Neben den bereits genannten Größen gibt es eine Vielzahl weiterer Fahrer, die die MotoGP-Geschichte geprägt haben. Dazu gehören:

  • Mike Hailwood: Mike „the Bike“ Hailwood setzte in der ersten Hälfte der 60-er Jahre die meisten Akzente und holte 4 Titel in der Königsklasse, 2 bis 350 cm³ und dazu deren 3 in der Kategorie 250 cm³. Mit 76 GP-Siegen ist er heute noch einer der erfolgreichsten Fahrer der Geschichte.
  • Eddie Lawson: In den 80-er Jahren war Eddie Lawson in der 500 cm³ Weltmeisterschaft mit 4 Titeln dominierend vor Freddie Spencer mit deren 2.
  • Dani Pedrosa: Zwischen 2006 und 2018 war Pedrosa für das Repsol Honda Team in der MotoGP aktiv und krönte sich ganz drei Mal zum Vize-Weltmeister (2007, 2010 und 2012).

Herstellerwertung

Auch die Hersteller spielen eine entscheidende Rolle in der MotoGP. Bis zum Ende der Saison 2022 kürten sich Fahrer auf Honda-Bikes ganze 25 Mal zum Weltmeister. Auf Platz 2 folgt MV Augusta aus Italien mit 16 Titeln, auf Platz 3 Yamaha mit 14. 46-Mal fuhr der MotoGP-Weltmeister ein Bike aus Japan, damit liegt das Land des Lächelns unangefochten an der Spitze.

Rundenrekorde

Klarer Spitzenreiter in der MotoGP ist Marc Marquez mit per Ende 2019 insgesamt 10 Rundenrekorden auf den aktuellen Kursen. Mit deren 5 hält Jorge Lorenzo immer noch eine beachtliche Zahl an Rekordrunden, vor dem jungen Franzosen Fabio Quartararo mit bereits drei nach seiner Rookie-Saison.

Vergleich MotoGP mit WSBK

Mit Donington und Imola sind aktuell 2 Rundkurse im WSBK-Kalender, auf welchen die absolut beste Rundenzeit in der WSBK aufgestellt wurde.

In der WSBK purzelten im letzten Jahr bei knapp der Hälfte der Strecken die Rekorde. Deren 4 gingen auf das Konto von Rekordweltmeister Jonathan Rea.

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