1000 Euro für ein Mountainbike sind für viele Menschen eine ganze Stange Geld. Gerade Einsteiger wollen verständlicherweise keine fünfstelligen Summen für ein Sportgerät ausgeben. Brauchen sie auch nicht! Der Markt hält allerlei Bikes mit schlankem Preisschild bereit. Hardtails mit Rahmen aus Aluminium und einfacher Ausstattung bilden die Basis fast jedes Produktportfolios.
Auf einem Hardtail lassen sich problemlos schöne MTB-Touren fahren und auch auf einfachen Trails können Anfänger damit Spaß haben. Um Fahrtechnik zu erlernen und das Rad vielleicht auch im Alltag zu nutzen sind günstige Hardtails perfekt. Das Verhältnis aus Vielseitigkeit und Preis-Leistung ist bei Mountainbikes um 1000 Euro für viele Einsteiger attraktiv.
Für legere Runden durch Wald und Wiese sind Hardtails um 1000 Euro, wie hier das Rose PDQ AL, trotz ihres hohen Gewichts und meist einfacher Ausstattung bestens geeignet. Viele günstige Hardtails, wie hier das Canyon Grand Canyon, können mit Schutzblechen und Gepäckträger für den Alltag gerüstet werden.
Kaufen oder besser nicht?
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit konnte man Kaufinteressierten die 1000-Euro-Hardtail-Klasse meist unbekümmert empfehlen. In den letzten rund zehn Jahren sind Preise für Mountainbikes jedoch sprunghaft gestiegen und Ausstattungen rund um Shimanos XT-Reihe sucht man in diesem Segment heute umsonst. Mit den steigenden Preisen wurden Mountainbikes jedoch auch deutlich besser.
Zwölffach-Schaltung, Teleskopstütze, Steckachsen, performante Federelemente, griffige Reifen und starke Bremsen bringen im Gelände den Spaß. Hardtails um 1000 Euro müssen leider oft auf all das verzichten. Nicht selten entspricht ihre Ausstattung weiterhin dem Stand der Technik von vor fünf bis zehn Jahren. Stattdessen gibt es starre Stützen, einfache Gabeln ohne die nötigen Einstellmöglichkeiten zur Dämpfungskontrolle, günstige Gummimischungen an den Reifen und simpel verarbeitete Rahmen.
Gegen günstige Mountainbikes gibt es aus fachlicher Sicht ebenso viele gute Argumente wie dafür. Wer sich auf einen Preisrahmen von 1000 Euro eingeschossen hat, kann an seinem Bike natürlich auch viel Freude haben. Hier sind zehn interessante Kandidaten um 1000 Euro:
- Bulls Copperhead 2 29 für 999,95 Euro: Mit den Monkey-Link-Schnittstellen für Akku-Lichter besitzt das Bulls Copperhead eine hohe Alltagstauglichkeit. Die Shimano Deore-Schaltung bietet trotz nur elf Schaltstufen einen leichten Klettergang und 180 Millimeter große Bremsscheiben leiten die Hitze auf langen Abfahrten besser ab. Lange Reach-Werte helfen mit einer stabilen Fahrlage. Die Schnellspannachsen vorne und hinten entsprechen nicht dem aktuellen Stand der Technik. Dazu besitzt die schmale Felgen-Reifen-Kombi wenig Auflagefläche. Vor allem Schwere Fahrer könnten etwas Steifigkeit, beziehungsweise Lenkpräzision vermissen.
- Canyon Grand Canyon AL6 für 999 Euro: Der Direktversender kann mit viel Ausstattung zum fairen Preis punkten. So stellt die Shimano-Deore-Schaltung volle zwölf Gänge bereit und das Bike verfügt über stabile Steckachsen. 120 Millimeter Federweg und ein 66 Grad flacher Lenkwinkel schaffen in der Trailabfahrt Sicherheitsreserven. Auch der Rest der Geometrie ist modern, das Gewicht erfreulich. Die Reifen kommen leider in der günstigen Performance-Gummimischung von Schwalbe. Aufgrund des fehlenden Händlernetzes sind Probefahrt und Service-Leistungen leider etwas schwerer in Anspruch zu nehmen. Viele Anschraubpunkte für Zubehör!
- Cube Reaction Pro für 999 Euro: Das Cube Reaction ist ein wahrer Klassiker unter den günstigen Hardtail Mountainbikes und steht dank interner Zugverlegung schick da. Schaltwerk und -hebel stammen sogar aus der wertigen Shimano-XT-Gruppe und bieten mit zwölf Gängen eine große Übersetzungsbandbreite. Zahm profilierte Schwalbe-Reifen und ein Lenker-Remote, um die Federgabel während der fahrt zu straffen, animieren zu schnellen Fahrten. Zusammen mit kurzem Gabelhub dürfte das Limit auf Trails allerdings schnell erreicht sein. Mit 150 Kilo maximalem Systemgewicht kann das Cube auch schwere Lasten tragen. Für Gepäckträger und einen Seitenständer ist der Rahmen vorbereitet. Leider nur eine Flaschenhalteraufnahme. Aufgrund des schmalen Sitzrohrdurchmessers wird es schwerer eine hochwertige Teleskopstütze nachzurüsten.
- Marin Bobcat Trail 5 für 1099 Euro: Am Style hat Marin mit zweifarbiger Lackierung und Tanwall-Reifen definitiv nicht gespart. Am günstigen Elffachantrieb der Shimano-Cues-Serie dafür schon. Ein flacher Lenk- sowie ein steiler Sitzwinkel zeugen von einem modernen Ansatz bei der Geometrie. Hiervon sollte das Marin weder im Up-, noch im Downhill aufgehalten werden. Auch eine 120-Millimeter-Gabel liebäugelt mit dem Trail-Einsatz. Wie viele günstige Hardtails rollt das Bobcat auf gesteckten anstatt verschweißten Felgen. Das macht Probleme in der Dauerhaltbarkeit etwas wahrscheinlicher. Hinten muss eine dünne Schnellspannachse herhalten.
- Merida Big.Nine 200 für 999 Euro: Meridas günstiges Hardtail baut auf einem schön gemachten Alu-Rahmen auf, der das Gewicht gerade noch im Rahmen hält. Eine klassisch angehauchte eher kurze Geometrie und ein steiler Lenkwinkel von 70 Grad dürften für ein agiles Handling in einfachem Gelände sorgen. Die zehn Gänge des günstigen Shimano-Cues-Antriebs können Ausflüge in steiles Gelände limitieren. Schmale Drahtreifen von Maxxis lassen Raum für Tuning. Die Wahl für Schnellspann- anstatt Steckachsen sind vermutlich dem Spardruck geschuldet. Auch die kleinen Rahmengrößen kommen mit großen 29 Zoll Laufrädern und damit guten Überrolleigenschaften.
- Orbea Onna 10 für 959 Euro: Dass sich Orbea mit Design auskennt, merkt man auch am Alu-Rahmen des Onna. Dessen gemäßigte Geometrie prädestiniert das Bike für den vielseitigen Allround-Einsatz. Funktionales Ausstattungshighlight ist die Shimano-Deore-Elffach-Schaltung. Der Flatbar dürfte für ordentlich Druck auf der Front sorgen - gut zum sportlichen Kilometerschrubben. Die 2,35 Zoll breiten Kenda-Reifen versprechen ein Plus an Dämpfung und Komfort. Auch hier limitiert das dünne Sitzrohr die Auswahl an nachrüstbaren Dropper-Posts.
- Radon Jealous 8.0 HD für 999 Euro: Radon wirbt mit satten Rabatten und bietet das halbwegs leichte Jealous 8.0 HD derzeit für 999 statt 1699 Euro an. Wer noch eines der Schnäppchen in der passenden Größe beim Online-Versender ergattern will, muss vermutlich schnell sein, denn die Ausstattungsgüte liegt deutlich über dem Preisniveau. Dazu gehört nicht nur eine Variostütze, sondern auch eine Sram GX Zwölffach-Schaltung und ein Marken-Laufradsatz, welcher mit schmalen aber hochwertigen Reifen von Schwalbe bestückt ist. Das Jealous giert in der HD-Ausführung nach flowigen Trailfahrten und verzichtet auf eine Gepäckträgeraufnahme.
- Rose PDQ AL 1 für 1199 Euro: Das preiswerte Allround-Hardtail von Rose ist nicht nur das teuerste, sondern auch das neuste Bike in dieser Auflistung. 120 Millimeter Federweg und 2,4 Zoll breite Stollenreifen von Schwalbe, die leider mit günstiger Gummimischung kommen, rüsten das PDQ fürs Gelände. Das Kürzel steht übrigens für “Pretty Damn Quick”. Das eher hohe Gewicht passt nicht ganz zum Namen. Dank breitbandiger Zwölffach-Schaltung aus dem Shimano-Deore-Regal dürften sich trotzdem ein paar Berge erklimmen lassen. Teilinnenverlegte Züge und allerlei Montagepunkte sind schöne Details am vielseitigen Einsteiger-Bike des deutschen Direktversenders.
- Specialized Rockhopper Comp für 975 Euro: Huch, ein Specialized in einer Liste günstiger Hardtails? Bekannt sind die Amerikaner eher für sündhaft teure Traumbikes. Das Rockhopper aber ist mit einem ästhetischen Rahmen aus Aluminium und einer Shimano-Deore-Schaltung noch auf dem Boden geblieben. Sie wechselt zwölf Gänge auf einer günstigen Kassette von Sunrace. Erfahrungsgemäß sind auch die günstigen Reifen und Anbauteile von Specialized einen Preis-Leistungs-Tipp wert. Leider werden die Laufräder nur von Schnellspannern im Chassis gehalten.
- Trek Marlin 6 Gen 3 für 899 Euro: Das schwere Marlin wirbt mit einem besonders günstigen Preis. Erstaunlich, da bereits für den aufwändigen Alu-Rahmen alleine 649 Euro aufgerufen werden. Die Hinterradachse ist zwar geschraubt aber nur fünf Millimeter dünn. Die Rockshox Gabel mit Spiralfeder wiegt viel und bietet kaum Einstellmöglichkeiten und die Maulweite der hauseigenen Felgen ist heute eher Gravel- als MTB-Standard. Die Shimano Cues-Schaltung begnügt sich mit 10 Gängen.
Wenn die Sonne über der Trailrunde mit den Freunden untergeht ist es fast egal, wie teuer Dein Mountainbike war.
Warum ein Hardtail immer noch sinnvoll ist
Was zeichnet ein Hardtail überhaupt aus? Was spricht für dieses einzigartige Fahrgefühl? Ein Hardtail lebt in erster Linie vom geringen Gewicht und dem ungefilterten Vortrieb. Wer jemals auf einem sündteuren Carbon-Hardtail mit nur 8,5 Kilo gesessen hat, weiß, wovon ich rede. Jede noch so kleine Kraftanstrengung wird verlustfrei in Vortrieb verwandelt. Das Bike lässt sich mit spielerischer Leichtigkeit über den Trail dirigieren und verschmilzt mit dem Fahrer zu einer Einheit.
Mit durchschnittlich 13,5 Kilo ohne Pedale ist unser Testfeld allerdings weit von diesem Idealwert entfernt, wodurch ein Großteil der theoretisch möglichen Faszination buchstäblich im Antritt verpufft. Lediglich Cube schafft es, sich mit dem zwei Kilo leichteren Reaction positiv von der Konkurrenz abzusetzen und vermittelt ein Gefühl von Spritzigkeit. Für den Rest des Feldes bleibt immerhin der kleine Trost, dass Fullys in dieser Preisklasse nochmals mindestens ein bis zwei Kilo mehr auf die Waage bringen.
Doch auch wenn der Antritt eines Einsteiger-Hardtails nicht auf Rennradniveau liegen kann, bleibt zumindest die hohe Effizienz dieser Radgattung: Ein Hardtail kennt weder Antriebseinflüsse, noch die Notwendigkeit, einen Dämpfer blockieren zu müssen, egal, wie hart der Fahrer in die Pedale hämmert. Das gilt vor allem auf ebenen Untergründen, wo ein gefedertes Heck ohnehin keine Vorteile bringt.
Hardtails sind robust und wartungsarm
Ein weiteres nicht ganz unerhebliches Ass ziehen die Hardtails durch ihre schlichte Konstruktion aus dem Rahmen. Zwar zählen Defekte am Dämpfer mittlerweile eher zur Seltenheit, sich lösende Schrauben am Hinterbau, Lagerspiel oder -defekte gehören aber sehr wohl zum Alltag eines Fully-Fahrers. Spätestens nach längerem Gebrauch in Kombination mit Nässe und Schmutz sind die Lager fällig und erfordern einen Austausch. Weniger Teile und simple Technik sprechen also klar für das Hardtail als robusten Begleiter.
Die Zeiten, in denen man für 1000 Euro ein Hardtail mit kompletter Shimano-XT-Ausstattung kaufen konnte, sind längst vorbei. Steigende Produktionskosten und Inflation schrauben die Ausstattung runter und die Gewichte hoch. Geländetauglicher Fahrspaß beginnt daher meist erst um 1500 Euro. Dafür ist die Auswahl an Hardtails und die möglichen Einsatzbereiche deutlich gewachsen.
Unter den sportlichen Hardtails hat das Cube mit seinem leichten Carbon-Rahmen die Nase vorne, Giant liefert die beste Trail-Performance. Auch das Canyon platziert sich mit seiner Top-Ausstattung weit vorne und schafft den Spagat aus Sport und Trail.
Drei wichtige Punkte für den Kauf eines Einsteiger-Hardtails
- Einsatzbereich: Sport oder Trail? Steht der reine Ausdauer- und Fitnessaspekt mit Reserven abseits der Straße im Vordergrund, oder liegt der Fokus auf echtem Geländeeinsatz mit fordernden Trails? Im ersten Falle empfiehlt sich ein sportliches Cross Country-Bike. Wer im Gelände an der Fahrtechnik feilen will, landet mindestens beim Trail-Hardtail.
- Ausrüstung rund ums Bike: Wer bei Null startet, muss noch etwas Budget (200 - 300 Euro) für essenzielle Ausrüstung einplanen. Helm, Brille, Handschuhe und idealerweise MTB-Schuhe sind genauso notwendig wie ein Ersatzschlauch, Mini-Tool, Mini-Pumpe und oftmals nicht im Lieferumfang enthaltene Pedale.
- Sparen aufs Fully: Ist das Budget auf 1500 Euro begrenzt, führt bei der Neuanschaffung kein Weg am Hardtail vorbei. Wer allerdings noch unschlüssig ist, ob nicht vielleicht doch ein Fully die bessere Wahl wäre, muss tiefer in die Tasche greifen oder gebraucht kaufen. Empfehlenswerte Trailfullys, wie etwa das Vitus Mythique (BIKE 4/23), starten bei knapp unter 2000 Euro. Dafür ermöglicht das Fully einen kompromisslosen wie komfortablen Geländeeinsatz.
Vergleichsweise günstig, wartungsarm und leichter als ein Fully. Es gibt viele Punkte, die für ein Hardtail sprechen.
Die Bewertungen der Einsteiger-Hardtails im Detail
- Das 1799 Euro teure Stevens Sentiero dient als Referenz.
- Geringes Gewicht und beste Uphill-Performance führen das Cube Reaction C:62 an die Spitze bei den sportlichen Hardtails.
- Das Giant Fathom sichert sich die Trail-Krone in unserem Test der Einsteiegr-Hardtails.
Punktetabelle Einsteiger-Hardtails
Die absolute Rahmensteifigkeit ist bei allen ausreichend. und lassen sich am besten beschleunigen.
Mit Carbon-Rahmen und den leichten Laufrädern ist das Cube konkurrenzlos leicht. Durchschnittlich liegen die Bikes bei knapp 14 Kilo. Breezer reißt nach oben aus.
BIKE-Messwerte. Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte (BIKE-Labormessung) und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig.
BIKE-Urteile: super (250-205 P.), sehr gut (204,75-180 P.), gut (179,75-155 P.), befriedigend (154,75-130 P.), mit Schwächen (129,75-105 P.), ungenügend (104,75-0 P.). Bewertung nach den Kriterien für ■ XC-Hardtails, bzw. ■ Trailhardtails. Die Faktorisierung ändert sich je nach Kategorie.
Steifigkeit: Grau: Stiffness-to-Weight (STW), der Quotient aus Steifigkeit und Rahmengewicht weiß: absolute Steifigkeit in Newton pro mm Auslenkung. Die Messungen wurden auf einem Prüfstand des Zedler-Instituts ermittelt.
Ob City-, Trekking-, Mountainbike oder Rennrad: Fahrräder für 1500 bis 2000 Euro bieten grundsätzlich ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Du erhältst ein leichtes, zuverlässiges und effizientes Fahrrad, das eine hohe Verarbeitungsqualität und hochwertige Komponenten mitbringt.
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