Probleme bei der Lieferzeit von Fahrradkomponenten: Ursachen und Auswirkungen

Die Fahrradbranche erlebt derzeit eine beispiellose Situation. Viele Produkte sind bei Onlinehändlern als "nicht lieferbar" gekennzeichnet oder mit langen Wartezeiten versehen.

Doch nicht nur die Endkunden sind die Leidtragenden, sondern auch die gesamte Industrie ist betroffen.

Ursachen für die Lieferverzögerungen

Die Gründe für die Lieferprobleme sind vielfältig:

  • Covid-19: Die Pandemie brachte die Lieferketten durcheinander.
  • Gestiegene Nachfrage: Schon vor 2020 entwickelte sich das Radfahren positiv, und die gesamte Industrie war auf ein gewisses Wachstum eingestellt. Das hat den Bedarf an Fahrrädern und Teilen auf ein Vielfaches jeglicher Erwartung getrieben.
  • Investitionen: Viele Firmen investieren in Heimarbeitsplätze, aktuelle Soft- und Hardware. Die Zulieferer investieren kräftig in Maschinen, Fertigungsstraßen und Personal. Auch das treibt den Preis und geht nicht von heute auf morgen.
  • Logistik: Die Preise für Fracht und Logistik sind derzeit explodiert. Frachtkosten per Schiff sind im Faktor zwei bis fünfzehn gestiegen, zudem gehen mancherorts die Container aus. Dazu gesellen sich die Währungsschwankungen beim Zahlen der Ware.
  • Rohmaterialversorgung: Aber die Rohmaterialversorgung in Deutschland, Europa und Asien ist sehr angespannt. Der Markt benötigt in zu kurzer Zeit so viel mehr als in den Vorjahren. Entweder gibt es keine Container oder nicht den gewünschten Platz zum gebuchten Preis. Die Eigenfertigung in Deutschland wird aktuell gestärkt, aber leider fehlen auch hier in Europa die Rohmaterialien in ausreichenden Mengen zum richtigen Zeitpunkt.

Reaktionen der Industrie

Die Fahrradindustrie reagiert auf die gestiegene Nachfrage und die Lieferengpässe:

  • Produktionssteigerung: Shimano beispielsweise hatte im zweiten Halbjahr 2020 einen höheren Output als je zuvor innerhalb von sechs Monaten und wird die Produktionskapazitäten 2021 noch einmal um das eineinhalbfache im Vergleich zu 2020 steigern. Diamant hat zusätzliche Fertigungslinien in Betrieb genommen und auch im Frühjahr jeden einzelnen Tag Fahrräder produziert.
  • Frühzeitige Planung: Die Industrie und der Handel lernen gerade, wie wichtig frühzeitige Planung ist. Das ist generell positiv.
  • Lokale Produktion: Bereits weit vor Corona haben wir zudem angefangen, eine Sattelproduktion in Deutschland aufzubauen. Grundsätzlich haben wir seit circa vier Jahren das Thema Made in Germany/ Europa bei Ergotec auf der Agenda.

Auswirkungen auf den Markt

Die Lieferprobleme haben verschiedene Auswirkungen auf den Fahrradmarkt:

  • Längere Wartezeiten: Wer jetzt Räder bestellt, muss lange warten. Hinfahren und kaufen wird dieses Jahr nicht funktionieren.
  • Ersatzteilversorgung: Ich sehe das größte Problem in der Ersatzteilversorgung. Unsere Händler haben schlau vorgeordert und wir haben noch während der ersten Welle die Produktion hochgefahren. Trotzdem können wir die Nachfrage nicht vollständig bedienen.
  • Preiserhöhungen: Daher haben wir drastische Preiserhöhungen seit letztem Jahr in Kauf nehmen müssen. Unterm Strich müssen wir uns wohl alle auf längere Lieferzeiten und höhere Preise von Rädern, Teilen und Zubehör einstellen.
  • Flexibilität gefragt: Aber auch etwas Flexibilität beim Kunden, etwa im Bereich Bremsen, vereinfacht die Verfügbarkeit.

Herausforderungen und Ausblick

Covid-19 beschäftigt die Welt nun seit rund einem Jahr, und auch die Fahrradbranche muss sich weiterhin damit auseinandersetzen. Denn Produktionskapazitäten lassen sich eben nicht „über Nacht“, und das bedeutet sogar: nicht innerhalb eines halben Jahres beliebig erhöhen.

Ein gutes Verhältnis zu seinem Händler und ein frühestmöglicher Bestelltermin für das Wunschrad ist ebenso hilfreich.

Die gute Nachricht: Es wird produziert und die Laufzeiten der Container aus Fernost normalisieren sich langsam wieder. Es kommt laufend Ware rein und es wird jeder ein Bike bekommen.

Trotz engagiertester Mitarbeiter werden wir nur die Hälfte des möglichen Outputs produzieren können.

Die Eigenfertigung in Deutschland wird aktuell gestärkt, aber leider fehlen auch hier in Europa die Rohmaterialien in ausreichenden Mengen zum richtigen Zeitpunkt.

Tools wie unsere Online-Verfügbarkeitsanzeige können bei der Orientierung zumindest helfen, auch wenn die Wege zum neuen Rad etwas länger sind als gewohnt.

Beispiele für aktuelle Lieferzeiten

Einige Hersteller geben Einblicke in ihre aktuellen Lieferzeiten:

  • Unsere Produkte haben aktuell eine Lieferzeit von zehn Wochen. Diese Lieferzeit ist jedoch vorbehaltlich dessen, dass wir alle Teile pünktlich bekommen.
  • Wenn es terminlich hakt, dann bei den Elektronikplatinen in unseren Scheinwerfern. Dort explodieren aber aktuell nicht nur die Lieferzeiten, sondern auch die Preise. Selbst per Auftragsbestätigung bereits festgehaltene Lieferzeiten und auch Preise werden im Nachhinein erhöht.

Kundenbewertungen

Die aktuelle Situation spiegelt sich auch in den Kundenbewertungen wider. Viele Kunden berichten von langen Wartezeiten, schleppender Bearbeitung von Reklamationen und mangelhaftem Kundenservice.

Problem Häufigkeit
Lange Warte- und Lieferzeiten Sehr häufig
Kundenservice nicht erreichbar Häufig
Keine Rückmeldung bei Problemen Häufig
Schleppende Bearbeitung von Reklamationen Häufig

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