Mit dem Superior XR 9.7 GF schickt der tschechische Hersteller einen wahren Alleskönner in den Vergleichstest. Superior Bikes feiert mit der Teilnahme am Race-Gravel-Bike-Test nicht nur ein GRAN FONDO-Debüt, sondern will mit dem XR 9.7 GF auch ganz vorne mitspielen. Dabei spezialisiert sich Superior vor allem auf schnelle Bikes, ob Race-MTB oder sportliche Rennräder und war ganz nebenbei Sponsor der Gravel-WM 2024.
Mit dem XR tritt das Cross-Over-Bike für Road und Gravel an - also ein Allroad-Bike mit 45 mm Reifenfreiheit im Race-Gravel-Bike-Test? Ob sich das Bike im Testfeld behaupten kann, wird im folgenden Testbericht erläutert.
Ein Bike für Gravel und Asphalt?
Das Superior XR 9.7 GF soll alles können und jede Situation meistern, zudem soll das Bike mit Endurance-Geometrie ein sportlicher Allrounder sein. Laut Hersteller ist es sowohl für schnelle Straßenrennen als auch harte Gravel-Touren geeignet. Die Schotter-Tauglichkeit wird dabei hauptsächlich durch die großzügige Reifenfreiheit von 45 mm hergestellt.
Vergleicht man die anderen Bikes im Testfeld, zeigt sich, für viele Hersteller ist Gravel-Racing mehr als das. Viele der anderen Bikes aus dem Test sind mit zusätzlichen Mounts für Flaschenhalter, Taschen oder gar Gepäcksystemen ausgestattet. Dazu spezialisierte Cockpits und im Rahmen integrierte Features für extra Compliance.
Zwar finden sich zwei obligatorische Flaschenhalter und Mounts für Schutzbleche, doch schon die Shimano-Rennrad-Schaltgruppe wirft Fragen über die Gravel-Tauglichkeit auf. Auf den ersten Blick scheint das Superior XR 9.7 GF hier mager ausgestattet.
Roadie-Träume auf Schotter?
Mit der Shimano ULTEGRA Di2-Schaltgruppe ohne Powermeter ist das Superior als Allroad gut aufgestellt. Aufgrund geringer Gangsprünge und guter Bandbreite - dank der 11-34- und 50/34-Übersetzung - meistert das XR steile Anstiege und schnelle Abfahrten. Auch mit dem leichtesten Gang mit 1:1-Übersetzung sollten sich steilere Gravel-Passagen erklimmen lassen. Dennoch unterliegt die Rennrad-Gruppe den für Gravel spezifischen Schaltsystemen im Test.
Auch die DT Swiss ER 1600-Laufräder passen eher ans Endurance-Bike als an einen Gravel-Renner. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die griffigen und vielseitigen Schwalbe G-One Allround in 40 mm Breite auf der schmalen DT Swiss-Felge lediglich 35 mm messen. Wirklich überzeugen kann dagegen das Superior ONE-Cockpit. Einteilig, vollständig integriert und aus eigenem Haus verspricht es nicht nur eine gute Ergonomie, sondern auch etwas Compliance.
So kann das knapp 5.000 € teure und 8 kg schwere Bike zwar mit einer guten Ausstattung überzeugen, doch im Gravel-Bereich, vor allem wenn es um Racing geht, ist das XR 9.7 GF falsch konzipiert.
Geometrie und Handling
Ganz wie der Einsatzzweck ist auch die Geometrie auf sportliches Allroad ausgelegt. Mit einer Kettenstrebenlänge von nur 415 mm hat das Bike zusammen mit dem Parapera die kürzesten Chainstays im Test. So ist das Heck knackig und kurz, was wiederum für eine direkte Beschleunigung und ein verspieltes Handling sorgt. Der Stack-to-Reach-Ratio fällt mit 1,48 vergleichsweise sportlich aus und deutet auf eine gestreckte, aggressive Sitzposition hin. Der Lenkwinkel bleibt mit 70,5° bis 72° dagegen eher steil, was in Kombination mit der kurzen Basis für ein messerscharfes Handling spricht.
Schon auf den ersten Metern auf dem Weg zur Teststrecke macht das Superior XR 9.7 GF sehr viel Spaß. Rennrad-typisch fährt es sich agil, wendig sowie direkt. Auch der Geradeauslauf ist stabiler und linientreuer als die Geometrie vermuten lässt. Dennoch wird unser Gravel-Team vor allem in rauen Passagen oder verwurzelten Trails hin- und hergeworfen, ein Resultat der schmalen Reifen?
Absolut, denn obwohl die Schwalbe G-One Allround viel Grip bieten, ist die gemessene Breite von 35 mm für ernsthaftes Graveln schlichtweg zu schmal. Überhaupt nicht schmal ist dagegen das breite Cockpit, auch wenn das Setup so nicht wirklich aerodynamisch wirkt, verspricht der breite Lenker viel Kontrolle und ein stabiles präzises Handling.
Ebenfalls überzeugen kann der schnelle und direkte Antritt, hier kommt dem Superior der Rennrad-Charakter zugute. Denn das Bike beschleunigt nahezu explosionsartig flink und agil, einzig die Bikes von ROSE und Parapera sind dem Superior hier eine Reifenbreite voraus. Auch im Bereich Fahrspaß hat das Superior viel zu bieten, denn sowohl auf der Straße als auch auf leichtem Gravel macht das Bike durch die flinke und agile Rennrad-Natur unheimlich viel Spaß.
Fazit
Und so ist das Superior XR 9.7 GF im Schnitt kein wirkliches Race-Gravel-Bike, denn trotz des hohen Fahrspaßes ist es vor allem durch die geringe Reifenbreite und Rennrad-Schaltgruppe stark beschränkt. Im Gravel-Spec mit DT Swiss GRC-Laufrädern, breiteren Gravel-Reifen und SRAM RED XPLR wäre es vermutlich deutlich besser für Gravel-Rennen geeignet.
Agil und spritzig verspricht das Superior XR 9.7 GF vor allem Fahrspaß pur. Betrachtet man das Superior XR 9.7 GF also im Race-Gravel-Bike-Kosmos, ist das Bike lediglich für Allroad-Rennen geeignet. Investiert man dagegen in das Bike und individualisiert die Ausstattung, bekommt man nicht nur ein Bike, das sowohl auf der Straße als auch beim Graveln unglaublich vielseitig ist und mit hohem Fahrspaß punktet, sondern auch ein Bike, das dank viel Reifenfreiheit potentiell zum Race- Gravel-Bike werden kann.
Superior stellt mit dem XR 9.7 GF eines der agilsten, spritzigsten und spaßigsten Bikes im Race-Gravel-Test. Doch im Vergleich zur Konkurrenz ist das schicke Bike schlichtweg falsch ausgestattet. Mit Rennrad-Laufrädern, schmalen Reifen und breitem Cockpit kann es auf Gravel mit keinem der anderen spezialisierten Bikes im Test mithalten.
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