Fahrradtechnik und Innovationen: Ein Blick in die Vergangenheit und Zukunft

Die Zuschauer im Prinzenparkstadion in Paris jubelten, als der Brite Albert Walters mit seinem Teamkollegen beim berühmten 24-Stunden-Radrennen Bol d'Or die Ziellinie überquerte. Stattgefunden hat diese Szene 1899, vor mehr als 110 Jahren. Das Duo hatte 1020 Kilometer zurückgelegt - auf einem Elektrofahrrad.

Das E-Tandem, auf dem Walters einen neuen Rekord aufstellte, besaß einen Mittelmotor, der über eine Kette das Hinterrad antrieb. Den Strom für den Motor lieferten vier autobatteriegroße Bleiakkus, die direkt am Rahmen verbaut waren. Bei dem Gefährt handelte es sich um ein Serienprodukt der britischen Firma Humber, die es bereits 1897 auf den Markt gebracht hatte. Es war nicht das einzige Elektrorad zu dieser Zeit, neben dem Tandem gab es auch andere Modelle, die - wie moderne Pedelcs - mit Radnabenmotoren ausgerüstet waren.

Das Elektrofahrrad ist nur eine von zahlreichen Erfindungen rund um das Velo, die viel älter sind, als man vermutet: Den luftgefüllten Reifen, wie wir ihn heute kennen, erfand John Boyd Dunlop beispielsweise bereits 1888. Bis heute hat sich an dem Grundprinzip des Fortbewegungsmittels nicht viel geändert. Das Rad, so könnte man sagen, ist nie neu erfunden worden. In diesem Jahr feiert die Erfindung des Fahrrads 200-jähriges Jubiläum.

Canyon Innovation Lab: Die Zukunft des Radfahrens

Canyon ist dafür bekannt, eine Führungsrolle in der Welt der Fahrradtechnik einzunehmen, Designpreise abzustauben und bahnbrechende Innovationen auf den Markt zu bringen, die von den Bedürfnissen der Kunden inspiriert sind und von den kreativsten Entwicklern mit Feedback von den Profis an der Weltspitze optimiert werden. Jetzt gehen die Koblenzer mit der Eröffnung des Innovation Lab im neuen Canyon.HQ den nächsten Schritt in Sachen Produktentwicklung und setzen den Schwerpunkt auf die Kunst der Innovation.

Mindestens genauso wichtig wie die cleveren Köpfe im Innovation Lab ist für Canyon die schiere Innovationskraft, die jedem einzelnen Radsportenthusiasten innewohnt. Wolfgang Kohl, Team Manager im Innovation Lab, erklärt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass Radfahrende die wahren Experten für das sind, was Radfahrende brauchen. Wir haben hier bei Canyon ein unglaublich talentiertes und engagiertes Team: mehr als tausend Menschen, die mit Herz und Seele für Fahrräder brennen. Jede und jeder einzelne davon könnte den Schlüssel zur nächsten großen Innovation im Radsport auf Lager haben.“

Zusammengefasst ist das Innovation Lab ein Ort, an dem die klügsten Köpfe der Fahrradindustrie neu definieren, was auf zwei Rädern möglich ist. „Wir bei Canyon sind kompromisslos innovativ. Wir haben schon immer die Grenzen des Machbaren ausgelotet und Erwartungen hinterfragt, um neue Standards im Radsport zu definieren - und das werden wir auch weiterhin tun. Dabei stehen unsere Kunden und die vielfältige Radsportgemeinschaft im Mittelpunkt.

Mit einem ständigen Blick auf die Kundenbedürfnisse sollen hier Innovationsschwellen überwunden und der Anspruch von Canyon, die besten Fahrerlebnisse und die besten Bikes auf der Welt zu bieten, ausgebaut werden. Kohl erklärt: „Es gibt nichts aufregenderes, als nach echten Innovationen zu suchen und dabei jeder neuen Idee auf den Grund zu gehen.

Das Innovation Lab ist eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte, die Canyon seiner enormen Innovationskraft zu verdanken hat: Von den neuen Aero-Standards, die das Aeroad als schnellstes Rad im Peloton gesetzt hat, über das Speedmax mit seinen beeindruckenden Erfolgen im Triathlon- und Bahnradsport, bis hin zum markanten Doppeldecker-Cockpit des Grail oder dem der unverwechselbaren Silhouette des Inflite, der revolutionären Shapeshifter-Technologie am Strive oder der K.I.S. Lenkstabilisation am Spectral. Das neue Innovation Lab fußt dabei auf einer lang gehegten Firmentradition von echten Durchbruchsmomenten im Fahrradsektor.

Das erste von Grund auf im Innovation Lab entwickelte Bike geht Anfang 2024 an den Start - die Details dazu sind allerdings noch geheim.

Trends und Entwicklungen auf der Eurobike

Trotz noch nicht ganz bewältigter Verwerfungen aus den schwierigen Vorjahren blickt die Fahrradwelt optimistisch in die Zukunft. Ein opulentes Innovations-Feuerwerk fällt zwar aus, doch kontinuierliche Weiterentwicklung und Verfeinerung der Fahrradtechnik schreiten voran. Gerade mit genauerem Blick und Aufmerksamkeit statt atemloser Begeisterung lassen sich während der Eurobike Messetage vom 3. bis 7. einiges entdecken.

  1. Der ewige Megatrend zu weniger Gewicht setzt sich fort: Ein E-MTB mit nur 18 Kilogramm zeigt Bulls. Das Sonic Evo AM SX ist ein Carbon-Fully mit SRAM AXS-Schaltung und Bosch SX-Motor. Leistungsstarke Sportlerinnen und Sportler bedient das unmotorisierte KTM Scarp Exonic.
  2. Oft bieten Pedelecs nur mäßige Fahreigenschaften, sobald man asphaltierte Straßen verlässt. Deshalb sind SUV-E-Bikes mit breiten Reifen und stabileren Rahmen so beliebt.
  3. Das Gravelbike hat sich zum wichtigen Umsatzbringer gemausert. Vor allem für ein junges Publikum sind die vielseitigen Sporträder zum Universalrad für alles geworden. Im Gravelbike laufen zwei unterschiedliche Strömungen zusammen: Schnelle Racebikes mit schmaleren Reifen als Allroad-Sportgerät und stabile, touren- oder reisetaugliche Bikepacking-Räder für kurze Overnighter bis hin zur Langstrecken-Tour. Die Bikes unterscheiden sich primär durch unterschiedlich voluminöse Reifen sowie darauf abgestimmte Rahmen und Gabeln. Besonders schön - und farbenfroh - kann man das am Stand des Laufradherstellers DT Swiss betrachten. Auch im wachsenden Zubehörangebot spiegeln und verschränken sich beide Strömungen.
  4. Flotte Straßenrenner entwickeln sich, insbesondere im Hochpreisbereich, immer mehr zum Prestigeobjekt und die Gattung profitiert vom Gravel-Einfluss: Rennreifen und -felgen werden allgemein breiter zugunsten besseren Komforts, Bodenhaftung und Fahrstabilität. Immer besser finden auch oft widersprechende Kriterien wie Leichtbau, Steifigkeit und Aerodynamik zusammen. Züge und Leitungen verschwinden dabei im Rahmen, doch wird Servicefreundlichkeit für Wartung und Einstellungen mitgedacht. Gleichzeitig arbeiten mehrere Rennrad-Hersteller daran, die unteren Preisbereiche ab 1500 Euro auszubauen.
  5. Riesiges Interesse fanden und finden Lastenräder. Doch nicht jeder kommt mit schweren, unhandlichen Transporträdern zurecht. Deshalb setzen viele Hersteller auf kompaktere Modelle mit kleineren Laufrädern, kürzerer Ladefläche und Radstand. Das neue Carrie von Riese & Müller zeigt exemplarisch, wohin die Reise geht. So werden die zum Kinder- oder Lastentransport nutzbaren Kompakt-Pedelecs deutlich leichter, wendiger und besser handhabbar und beanspruchen auf dem Radweg und beim Parken weniger Platz. Gleichzeitig entwickelt sich eine neue Nische für Transportbedürfnisse jenseits asphaltierter Strecken: CaGo zeigt eine Offroad-Variante der innovativen mit zweistöckiger Ladefläche ausgerüsteten CS-Serie. Auch Kompaktrad-Pionier Tern verlässt angestammtes Terrain und kreiert mit dem wuchtigen Offroad-Longtail Orox eine neue Gattung geländegängiger Adventure-Cargobikes. Das Orox kommt mit 27,5- oder 29-Zoll-Laufrädern, starkem Bosch-Motor und Dual-Battery-Konzept.
  6. Auch an der sportlichen Kettenschaltung hält die Elektronik Einzug. Shimano präsentiert die elektrische Version der bewährten Gravel-Schaltgruppe GRX. Pinions Motor-Getriebe-Einheit MGU hat sich einen festen Platz an hochwertigen Vielfahrer- und Reise-Pedelecs erobert. Die letztjährige Smart.Shift-Variante wird 2024 zur Auto.Shift-Variante aufgewertet. Damit wechselt die Schaltung vollautomatisch die Gänge auf Basis aktueller Fahrdaten. Priorität hat jedoch immer der Mensch: Die Gangwahl der Automatik lässt sich, wenn nötig, jederzeit händisch überschalten. Diese neue Technik setzt Hersteller Gudereit bereits an den neuen E-Trekkingbikes ET 13.6 und 13.8 um.
  7. E-Unterstützung ist nicht mehr Ausnahme, sondern die Regel. Mehr als die Hälfte aller verkauften Fahrräder waren 2023 Pedelecs. Der neue X25 rundet Mahles Angebot an leichten Nabenmotoren ab. Auch Autozulieferer ZF ist seit 2021 in der Mikromobilität zuhause.
  8. Fahrrad und Radfahren werden digitaler. Derzeit entdeckt und entwickelt die Branche die sekundäre Ebene der Pedelec-Technik: Bordelektrik und -elektronik werden zur Basis einer Digitalisierung der Systeme. Marktführer Bosch hält sich zwar bis Messebeginn noch strikt bedeckt, gibt aber den Hinweis, dass bei der aktuellen Produkt-Entwicklung „die weitere Vernetzung von E-Bikes im Mittelpunkt“ steht. Die Rennradschaltung SRAM Red AXS, deren Vorgänger-Generation bereits mit Funk und Stellmotor arbeitet, bettet ihr Hersteller 2024 in eine ganzheitliche Systematik aus Schaltungseinstellung, Leistungsmessung, Navigation und Tourenplanung. Dieselbe digitale Richtung beleuchtet auch das Messe-Highlight von Licht-Spezialist Busch & Müller. Der Top-Scheinwerfer Briq-XL Premium verknüpft verbesserte Lichtleistung und -verteilung mit digital gesteuertem Kurvenlicht.

Innovative Startups der Fahrradbranche

Bike24 ist ein deutsches Startup, das sich auf den Verkauf von Fahrrädern, Zubehör und Bekleidung spezialisiert hat. Das Unternehmen bietet eine breite Palette an Produkten für verschiedene Fahrradtypen, von Rennrädern über Mountainbikes bis hin zu E-Bikes. Bike24 setzt auf hochwertige Produkte und innovative Technologien. Das Unternehmen bietet beispielsweise smarte Fahrradcomputer, die mit GPS und Herzfrequenzmessung ausgestattet sind, sowie leichte und aerodynamische Helme.

Coboc ist ein Heidelberger Startup, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von E-Bikes spezialisiert hat. Die E-Bikes von Coboc zeichnen sich durch ihr minimalistisches Design und ihre innovative Technik aus. Coboc setzt auf leichte und leistungsstarke E-Bikes, die durch ihre Einfachheit und Eleganz überzeugen. Die Bikes sind mit integrierten Motoren und Batterien ausgestattet, die kaum sichtbar sind und das Design nicht stören. Coboc bietet verschiedene Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche, von urbanen Pendlerbikes bis hin zu sportlichen E-Mountainbikes.

VanMoof ist ein niederländisches Startup, das sich auf die Entwicklung smarter und stilvoller E-Bikes spezialisiert hat. Gegründet von den Brüdern Taco und Ties Carlier, hat sich VanMoof das Ziel gesetzt, das beste City-Bike der Welt zu bauen. VanMoof ist bekannt für seine innovativen Features wie das integrierte Diebstahlsicherungssystem, das Tracking und Alarmfunktionen bietet. Die E-Bikes sind mit einem automatischen Gangschaltungssystem und einem leistungsstarken Motor ausgestattet, der für eine sanfte und kraftvolle Fahrt sorgt.

Woom ist ein österreichisches Startup, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Kinderfahrrädern spezialisiert hat. Gegründet von Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld, hat Woom das Ziel, Kindern die Freude am Radfahren zu vermitteln. Woom bietet eine Reihe von Fahrrädern, die speziell für Kinder in verschiedenen Altersgruppen und Entwicklungsstufen entwickelt wurden. Die Bikes sind leichter als herkömmliche Kinderfahrräder, was das Handling und die Kontrolle erleichtert. Jedes Detail, von der Geometrie des Rahmens bis zu den Komponenten, ist darauf ausgelegt, das Radfahren für Kinder sicherer und angenehmer zu machen.

Schindelhauer Bikes ist ein deutsches Startup, das hochwertige und stilvolle Urban Bikes herstellt. Gegründet von Jörg Schindelhauer und Martin Schellhase, hat das Unternehmen den Fokus auf Design, Qualität und Innovation gelegt. Die Fahrräder von Schindelhauer zeichnen sich durch ihre Riemenantriebe anstelle von herkömmlichen Ketten aus. Diese Technologie bietet eine wartungsarme und saubere Alternative zur Kette, die besonders für den urbanen Gebrauch geeignet ist. Die Bikes sind mit hochwertigen Materialien und Komponenten ausgestattet, die Langlebigkeit und ein angenehmes Fahrgefühl gewährleisten.

Die vorgestellten Startups zeigen, wie Innovation und Leidenschaft die Fahrradbranche vorantreiben. Von smarten E-Bikes über kinderfreundliche Fahrräder bis hin zu stilvollen Urban Bikes - diese Unternehmen setzen neue Maßstäbe und gestalten die Zukunft des Radfahrens. Sie alle tragen dazu bei, das Radfahren sicherer, angenehmer und nachhaltiger zu machen.

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