Jeans auf dem Motorrad - das ist lässig und locker. Doch was passiert bei einem unfreiwilligen Asphaltkontakt? Kommt man dann mit ein paar blauen Flecken davon? Nicht nur innerhalb der Redaktion ist das Thema "Jeans auf dem Motorrad" umstritten.
Warum dieser Test?
Nur zu gerne lässt man mal seine komplette Ausrüstung links liegen und schlüpft mal eben in "my old jeans", um in die City oder zum Baggersee zu cruisen. Stichwort Cruiser: Bestimmte Typen lehnen technische Motorradbekleidung grundsätzlich als unmodisch ab und machen deshalb blau in Sachen Sicherheitsausrüstung.
Die Ausstatter bieten mittlerweile jedoch eine Vielzahl an speziellen Motorradjeans mit Protektoren (beziehungsweise Nachrüstmöglichkeiten) und Verstärkungen durch Kevlar (Aramid) als bessere Wahl zur herkömmlichen Modejeans an. Der Käufer hat also zu unterscheiden und zu entscheiden.
Deshalb dieser Test, der neben dem Sicherheitsaspekt aber auch andere Fragen klären soll: Wie lässt es sich mit dem blauen Stoff auf Tour gehen, wie einfach sind die Kleidungsstücke in der Handhabung? Stören beim Einkaufen oder dem Altstadtbummel die Protektoren, oder kommt man aufgrund von Materialdoppelungen im Sommer gar ins Schwitzen?
Der Coolness-Faktor wurde übrigens ganz bewusst aus der Bewertung ausgeblendet, denn ob ein Schnitt als "baggy" oder "slim-fit", die Waschung als "vintage" oder "raw" gefällt, sollte Geschmackssache bleiben. Die Verarbeitung wiederum gilt als hartes Testkriterium und beeinflusst die Gesamtnote.
Der Crashtest
Im Endeffekt interessiert aber in erster Linie dies: Wie viel Sicherheit bietet die Klamotte beim Sturz? Und ohne Crashtest-Svenni, der von einer vom ADAC entwickelten Motorrad-Abwurfeinrichtung in Richtung Asphalt katapultiert wurde, wäre diese Frage kaum zu beantworten.
Noch mal zum Abwurftest: Er lieferte wichtige Hinweise auf den Schutz beim Sturz, kann jedoch keine schlussendliche Wahrheit liefern. Die Abwürfe erfolgten zwar immer aus 80 km/h an gleicher Stelle, der Dummy fiel und rutschte aber jedes Mal etwas unterschiedlich. Bei der Bewertung vom Abriebmuster und dem Grad der Zerstörung wurde dies dementsprechend berücksichtigt.
Genau wie der Sitz der Protektoren, der schon zuvor bei den Fahrtests auf den Prüfstein gestellt wurde. Florian Schueler, Unfallanalytiker von der Universität Heidelberg, unterstreicht gerade diesen Aspekt: "Sind Protektoren vorhanden und bleiben sie beim Sturz auch an der Stelle, wo sie hingehören? Ist das nicht der Fall, fehlt die wichtigste Schutzfunktion."
So genannte Abrasions-Verletzungen, auf Deutsch: Abschürfungen, seien zwar sehr unangenehm, aber selten lebensgefährlich wie die vielen Verletzungen, die durch Anprallen an Kanten, Pfosten oder Felsen entstünden. Und eben nur geprüfte Protektoren - wohlgemerkt: gut sitzende - böten bei diesem Horrorszenario den besten Schutz.
Je nach Beschaffenheit des Asphalts (rau, glatt, Rollsplit usw.) und betroffenen Körperstellen können bei einer Rutschpartie von mehreren Metern zunächst die Haut, dann Muskeln und Gewebe und sogar Arterien und Venen im Mitleidenschaft gezogen werden. Im Extremfall droht ein starker Blutverlust, und es können sogar Knochen abschleifen.
Unfallforscher Schueler warnt deshalb: "Mit normaler Jeans zu fahren, ist wie nackt sein. Der Stoff ist doch sofort durch." Die nach dem MOTORRAD-Abwurftest übel zerfetzte Modejeans für 19,90 Euro gibt Schueler Recht.
Im Test zeigte sich nämlich, dass eine einlagige Motorrad-Textilhose aus eigentlich abriebfestem Cordura (Polyamid) ein katastrophales Ergebnis einfuhr, und auch eine etwas ergraute Lederkombi sah nach dem Abwurf nicht unbedingt besser aus als die meisten getesteten Jeansjacken und -hosen. Einige der Jeans machten nach dem Crashtest hingegen einen munteren Eindruck und gingen noch als trendige Buxe mit dezentem Loch-Design durch.
Hans-Peter Fleischmann von den Hohenstein Instituten in Bönnigheim (Textil-Forschungseinrichtung) wundert das kaum: "Jeans wurden ursprünglich als Arbeitsbekleidung getragen, müssen also von Haus aus viel wegstecken können." Jeans, genauer gesagt: Denimstoffe (von "Serge de Nîmes", Gewebe aus der französischen Stadt Nîmes) bestehen aus einem so genannten Köpergewebe, das besonders fest ist. Ihre gute Strapazierfähigkeit erhalten sie durch die Verwendung schwerer Garne.
"Das ist richtig viel Material", erklärt der Bekleidungsexperte, weist jedoch darauf hin, dass die Qualität nicht nur von der Schwere des Gewebes (in Unzen gemessen) abhängt, sondern maßgeblich von der Güte der Baumwolle. Fleischmann: "Je länger die Fasern, desto bessere Garne lassen sich herstellen. Das Problem: Mit bloßem Auge kann man das kaum erkennen." Der Test zeigte außerdem, dass Materialdoppelungen beim Abrieb eine entscheidende Rolle spielen.
Resümee: Feste, dicke Denim-Stoffe, überstehen bei guter Verarbeitung selbst derbe Stürze vergleichsweise gut. Während einer Rutschphase aus rund 100 km/h kann an der Kleidung durch Reibhitze punktuell eine Temperatur von über 200 Grad Celsius entstehen, bei der Kunstfasern aus Polyamid und Polyester zu sich in die Haut brennenden Rückständen verschmelzen. Baumwollfasern hingegen verflocken dabei wie abfackelndes Papier - lösen sich gleichsam in Luft auf -, und die im Idealfall unterlegten Gewebe aus Aramidfasern verkohlen erst ab rund 400 Grad.
Im Ernstfall würden die Verletzungen dann wohl geringer ausfallen als bei vielen preislich vergleichbaren Motorrad-Textilanzügen ohne zusätzlichen Kevlarschutz. Motorrad-Jeansbekleidung kann jedoch nicht eine eng sitzende, hochwertige Lederkombi ersetzen.
Motorrad-Jeanshosen und -jacken sind und bleiben ein Kompromiss. Gerade im Sommer jedoch ein ziemlich guter, weil man nicht verschwitzt und überhitzt unterwegs ist - der aktiven Sicherheit des Fahrers tut das sicherlich gut.
Fazit des Jackentests
Bei den Jacken ergattert die vielseitige, extrem luftige Lindstrands die Krone - absolut hochsommertauglich! Die Vanucci punktet, wie schon als Hose, durch eine sehr nachahmenswert gute Preis-Leistung.
Beispielhafte Produkttests
IXS Sheridan
Die klassisch geschnittene Jeansjacke fällt in der Fußgängerzone nicht als Motorradjacke auf, und kleine Nettigkeiten wie ein Handyfach oder gut zugängliche und sicher verschließbare Taschen (Druckknöpfe und Reißverschlüsse) tragen zum guten Alltagsnutzen bei.
- Praxis Fahren: Der Kragen ist sehr eng geschnitten. Unter dem Denim-Oberstoff liegt lediglich ein luftiges Netzfutter - für Temperaturen unter 20 Grad reicht die Isolation bei Landstraßentempo nicht aus. Die Protektoren sitzen in Fahrhaltung gut.
- Sicherheit: Tipptop sitzende CE-Protektoren, ein Fach für einen Rückenprotektor sowie Aramidverstärkungen an Sturzzonen bringen neben der guten Crashtest-Bilanz viele Pluspunkte.
- Fazit: Summertime-Blue - die vergleichsweise eng sitzende Blaue aus der Schweiz ist bei praller Sonne genial zum lässigen Cruisen. Für die flotte Tour ist sie jedoch zu einfach gestrickt. Modisch gesehen alte Schule - sympathisch!
Macna Orcano 2.0 Meshjacke
Sie ist eine absolut leichte Motorradjacke für den Sommer, Front und Rücken bestehen zum größten Teil aus Mesh-Material, sodass schon ein leichter Luftzug für deutliche Kühlung reicht. Das 3D-Meshgewebe ist so konstruiert, dass es eine erhöhte Luftaufnahme ermöglicht, die am Körper vorbeiströmen und ihn dabei kühlen kann.
An Ellbogen und Schultern sind Macna Risc Level-1-Protektoren verbaut, ein Rückenprotektor gleichen Bautyps lässt sich nachrüsten. Der Schulterbereich ist mit einem abriebfesten Ripstop-Material verstärkt, außerdem sind dort sportliche Kunststoffkappen angebracht.
Modeka Khao Air II
Unter dem 3D-Meshgewebe aus Polyamid versteckt sich eine Innenjacke mit Humax-Membrane mit 10.000 m Wassersäule. Ihre Schutzklasse-2-Zertifizierung erhält die Sommerjacke durch Level-2-Protektoren an Ellbogen und Schultern, an den Ellbogen und Schultern kommt eine Materialverstärkung zum Tragen. Die Khao Air II ist nicht nur eine Meshjacke, sondern eine vollwertige, allerdings recht kurz geschnittene Tourenjacke mit Membran.
Rev’it Swiftblade
Die Mesh-Motorradjacke mit wahlweise blauen oder roten Akzenten ist mit der Klasse “AA” zertifiziert und betont sportlich geschnitten. Über Versteller an Taille und Oberarmen lässt sich die Meshjacke an den Träger anpassen. Trotz geringen Gewichts sind die Schultern und Ellbogen mit Echt- und Kunstleder verstärkt. Darunter befinden sich angenehm dünne Seesmart-Level-1-Protektoren.
Scott X-Tream Air
Was bei der Scott X-Tream Air als erstes auffällt, ist das sehr hochwertig wirkende Obermaterial der Airflow-Jacke für 279,90 €. Ohne es genau zu wissen, fühlt sich das Obermaterial an Schultern und Ellbogen wie eine Art Wildleder an. Die X-Tream Air lässt sich nur an der Taille verstellen und ist daher eher leger geschnitten. Die Sommerjacke mit Schutzklasse AA besitzt an Schultern und Ellbogen hochwertige Level-1-D3O-Protektoren.
Damen-Motorradjacken im Vergleich
Hier eine Übersicht über einige getestete Damen-Motorradjacken:
| Jackenmodell | Kombinationsgeeignet | Inkl. Protektoren | Fazit der Redaktion |
|---|---|---|---|
| Jet Lady von SHIMA | Ja, Verbindungsreißverschluss | Ja | Großartige Wahl für Motorradfahrerinnen, funktional und stilvoll. |
| OPENAIR von SHIMA | Nein | Ja | Leichtgewichtiges Design, atmungsaktiv und wasserdichte Innentasche. |
| 58 LADIES von Urban Leather | Nein | Ja | Hochwertige Verarbeitung, zeitloses Design und hoher Tragekomfort. |
| Damen Motorradjacke Elektra von Jet | Nein | Ja | 100 % wasserdicht und atmungsaktiv, angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. |
| Winchester 2.0 von SHIMA | Nein | Ja | Hoher Kragen, Schutz vor Auskühlung und viel Stauraum. |
| 7999W von HEYBERRY | Ja, Verbindungsreißverschluss | Ja | Wind- und wasserdicht, atmungsaktiv und herausnehmbares Thermofutter. |
| Motorcycle Jacket von HEYBERRY | Ja, Verbindungsreißverschluss | Ja | Gute Zirkulation, regulierbare Ärmelweite, wasser- und winddicht. |
| Clarke Damen Motorradjacke von Modeka | Nein | Ja | Wind- und wasserdicht, abnehmbare Kapuze und Thermofutter. |
Verwandte Beiträge:
- Biker Karikaturen & Motorrad Comics: Lustige Motive & Bilder
- Biker & Motorrad Sprüche zum Nachdenken: Die besten Zitate
- Harley Davidson Biker Boots Herren: Modelle & Kaufberatung
- Die schönsten Radwege in Bayern entdecken – Ihre ultimative Karte für unvergessliche Touren!
- Croozer Laufrad montieren: Anleitung & Tipps
Kommentar schreiben