Die Welt der Biker und Rocker ist oft von Männlichkeit und bestimmten Rollenbildern geprägt. Seit den Anfängen der Rockerszene spielt das weibliche Geschlecht eine wichtige, wenn auch spezielle Rolle in dieser Männerwelt.
Historischer Kontext und Romantisierung
Die ikonischen Bilder des Life-Magazinfotografen Bill Ray, der Anfang 2020 verstarb, haben zweifellos zur Romantisierung der Szene beigetragen. Auf diesen Bildern sitzen Frauen hinter ihren "starken Männern" auf schweren Maschinen, oft mit wehendem Haar und einem breiten Lächeln. Sie scharen sich um die Männer in Lederkutten, bewundern die Motorräder und räkeln sich lasziv in der Sonne.
Bis heute werden Frauen im Umfeld von Rockern oft mit freizügigen Posen und viel Haut auf den Titelseiten von Zeitschriften dargestellt, die in Szenekreisen beliebt sind.
Realität und Rollenbilder in Rockerclubs
Doch welche Rolle spielen Frauen in der Realität der Rockerclubs tatsächlich? Was macht Biker im Allgemeinen und Rocker im Besonderen für manche Frauen scheinbar so attraktiv? Welche Rolle spielen Ehe und Monogamie in Rockerkreisen, und wie verhält es sich mit Prostitution und der Objektivierung von Sexualpartnerinnen innerhalb der Rockergruppen? Und gibt es so etwas wie weibliche Rocker?
Diesen Fragen gingen KK‘in Nina Schmitz und KD Matthias Frey 2020 im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin nach, die den Ausgangspunkt für diesen Artikel darstellt.
Abgrenzung und Definitionen
Die Biker-Welt lässt sich für Außenstehende oft nur schwer vom kriminellen Milieu der "Rocker" im polizeilich relevanten Sinn abgrenzen, auch wenn diese Abgrenzung wesentlich ist. Der Begriff "Rocker" wird dabei als Synonym für Angehörige von OMCG (Outlaw Motorcycle Gangs) bzw. sogenannte Onepercenter verwendet.
Mitglieder von OMCG mögen die oben genannten Aspekte grundsätzlich teilen, treten jedoch im Gegensatz zur großen Mehrheit der oben charakterisierten Motorradclubs regelmäßig mit Straftaten, vornehmlich Körperverletzungs-, Erpressungs- und Bedrohungsdelikten und nicht selten in unterschiedlichen Erscheinungsformen der organisierten Bandenkriminalität in Erscheinung, so u.a. in den Bereichen der Drogen- und Waffenkriminalität.
Der deutsche Aussteiger Ulrich Detrois hatte über die Welt der OMCG Folgendes zu sagen: „Ihre Interessen sind […] vor allem materiell: Viele ihrer Mitglieder weltweit betreiben Drogen-, Waffen-, oder Menschenhandel, andere beuten Prostituierte aus. Und so machen sie Profit. Nicht wenige gehen dabei über Leichen“.
Charakteristisch für OMCG sind streng hierarchisch geführte Organisationsformen, eine in der Regel hohe Gewaltaffinität und das Fehlen jeglicher Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden, ähnlich des für viele Erscheinungsformen organisierter Kriminalität typischen Schweigegebots, im ursprünglichen Sprachgebrauch der italienischen Mafia der sog. „Omerta“.
Die Mitglieder von OMCG bezeichnen sich traditionell als "Brüder". Nach außen verdeutlichen sie ihre enge Verbundenheit durch das Tragen ihrer Kutten mit den darauf befindlichen Aufnähern, den sogenannten "Patches", aber auch mittels Tätowierungen mit oft spezifischer Bedeutung.
Die Geschichte des OMCG-Begriffes
Die Geschichte des OMCG-Begriffes begann im Jahr 1947: Am amerikanischen Nationalfeiertag kam es auf einem Motorradtreffen in Hollister im US-Bundesstaat Kalifornien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei, die große Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit und Medien fanden.
Unmittelbar nach den Ausschreitungen soll die American Motorcycles Association (AMA) erklärt haben, dass 99 Prozent der US-amerikanischen Motorradfahrer rechtschaffene Bürger seien. Diese Erklärung wird als Geburtsstunde der "Onepercenter" betrachtet, die sich selbst als gesetzlos ("Outlaws") bezeichnen und auf ihren Kutten ein "1%"-Symbol tragen, das sich direkt auf die Erklärung der AMA bezieht und sie sichtbar von den darin bezeichneten rechtschaffenden Bürgern abgrenzen soll.
Während sich die meisten der o.g. kriminellen Aktivitäten ihrem Wesen entsprechend überwiegend im Verborgenen abspielen, zogen OMCG in zurückliegenden Jahren nicht zuletzt auch in Deutschland wegen einer Zunahme gewalttätiger Auseinandersetzungen mittels Hieb- und Stichwaffen, aber auch unter Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff, die vielfach unter verfeindeten OMCG stattfanden, öffentliche und mediale Aufmerksamkeit auf sich.
Subkultur und Normen
Damit das Zusammenleben in einer Subkultur - wie auch in der übergeordneten Gesellschaft - reibungslos funktioniert, werden innerhalb einer Subkultur Richtlinien geschaffen, die für die Mitglieder bindend, zugleich aber zumindest teilweise inkompatibel mit den Regeln der Bezugsgesellschaft sein können.
Entsprechend sind auch Mitglieder von OMCG durch ein solches eigenes Regelwerk verbunden, das sie gleichsam von der übergeordneten Gesellschaft abgrenzt. Sie prägen zudem auch einen besonders charakteristischen Stil. In der öffentlichen Wahrnehmung gehören dazu wohl Lederwesten mit Clubaufnähern, Tätowierungen, lange Haare oder Bärte, martialisches Auftreten, harte Rockmusik und traditionell sicher auch die obligatorischen schweren Motorräder bzw. Chopper.
Gleichzeitig hat diese Zugehörigkeit für Außenstehende oft auch einen diffusen Charakter, da sich die genannte Symbolik, wie bereits oben angesprochen, nicht immer ohne Weiteres von der Symbolik abgrenzen lässt, die gleichsam mit der großen Mehrheit polizeilich nicht relevanter Motorradclubs assoziiert wird, zumal eindeutige Zuordnungsdevotionalien wie das o.g. „Onepercenter“-Patch nicht ohne Weiteres von jedermann erkannt werden.
Rolle der Frau in der OMCG-Subkultur
Stil und Selbstverständnis der OMCG wirken sich unmittelbar auf deren Sicht auf die Rolle der Frau aus. Spezifische, der OMCG-Subkultur immanente Werte wie Stärke, Mut und expressive Männlichkeit, aber auch Gewaltbereitschaft und unbedingte Loyalität werden in der Welt der OMCG immer wieder getestet, das Bekennen dazu wird - einschließlich entsprechender Demonstrationen - offensiv eingefordert.
Traditionell geht damit oft auch, gleichsam als subkultureller "Wert" ein extremer Ausdruck weiblicher Inferiorität einher. Der US-amerikanische Anthropologe Daniel Wolf schreibt dazu: „Der männliche Chauvinismus wird als Teil des Macho-Ideals kultiviert: Männliche Dominanz und Aggressivität werden durch weibliche Passivität und Unterwürfigkeit ergänzt, vor allem im Bereich der sexuellen Befriedigung. Die asymmetrische Qualität der sexuellen Beziehungen spiegelt die Art und Verteilung der Macht in der Rocker-Subkultur wider.“
Zahlreiche subkulturelle Bräuche und Zeremonien involvieren folgerichtig Frauen, wobei die ihnen zugeschriebene Inferiorität demonstrativ zur Schau gestellt wird. Besonders deutlich kann das etwa im Rahmen von Aufnahmeritualen sichtbar werden.
Bestenfalls werden Frauen in OMCG demzufolge in der Regel als eine Art Begleiterin geduldet, die dem Mann zu Diensten ist, keinesfalls aber als potenziell gleichwertiges Mitglied angesehen (zum Mythos der „Rockerin“ vgl. unten, 7.). Ihre Rollen sind beschränkt entweder auf die der festen Partnerin einzelner Mitglieder (meist "Old Ladies" genannt) oder die eines allgemein verfügbaren "Lustobjekts". Diese traditionell im subkulturellen Jargon auch als "Mamas" bezeichneten Frauen werden quasi als Clubeigentum betrachtet und müssen aus Sicht der Mitglieder dauerhaft und jederzeit für jedes Mitglied "verfügbar" sein.
Eine "Old Lady" zu sein bedeutet dagegen die wohl höchstmögliche Stellung als Frau innerhalb einer OMCG erreicht zu haben. Im Gegensatz zu den "Mamas" ist die Zugehörigkeit der jeweiligen Frau hier auf ein Mitglied beschränkt. Die Frau ist damit für die übrigen Mitglieder grundsätzlich "tabu". Doch der Status einer Old Lady bedeutet keineswegs immer, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Gründe für die Anziehungskraft
Vor diesem gesamten Hintergrund stellt sich die Frage, warum sich Frauen überhaupt zu OMCG hingezogen fühlen, sich scheinbar freiwillig eine solche Rolle zuweisen lassen. Ein wichtiger Grund dürfte neben der demonstrativ überzogenen "Männlichkeit" und einer wie auch immer verwegenen "Bad Boy-Erotik" sicher auch die Perzeption von persönlicher und materieller "Macht" sein.
Entromantisiert auf den Punkt gebracht handelt es sich um eine Art generelles und allgegenwärtiges Einschüchterungskapital, über das Rocker in der Regel verfügen. Sie pflegen eine Aura, die von patriarchalischer Dominanz und zugleich von nonkonformistischer Rebellenhaftigkeit geprägt ist.
Allerdings muss dabei unterstrichen werden, dass manche Frauen für diese Art von Zugehörigkeit bereit sind, sich in gefährliche Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben und offenbar schwerste Demütigungen und auch physische Verletzungen in Kauf zu nehmen.
Verschiedene Rollen von Frauen in MCs
Jeder MC ist anders und jeder handhabt die Sache mit den Frauen anders. Es gibt Clubgirls, Clubhuren, Clubmuschis, Sheeps, Mamas, aber auch Freundinnen, Partnerinnen, weibliche Kumpel und Ehefrauen.
Die Property of …-Kutte ist heutzutage eine Seltenheit. Auch die berühmten Clubhuren sind mitnichten in jedem MC anzutreffen. Es gibt einige MCs, die ihren Mädels Zimmer zur Verfügung stellen, für deren leibliches Wohl sorgen und dafür sexuelle Exklusivität verlangen. Vor allem in den Staaten ist ein solches Arrangement nicht selten.
Manche Groupies werden zu Old Ladys, andere verschwinden wieder, nachdem sie sich ausgetobt haben. Einige Member teilen ihre aktuelle Freundin mit ihren Brüdern, weil man schließlich alles mit seinem Bruder teilt, andere sind seit fünfzehn Jahren verheiratet, höllisch treu und haben drei Kinder.
Auch hierzulande trifft man mitunter Mädels aus dem Milieu - Stripperinnen, Prostituierte, Erotikdarstellerinnen - bei diversen MCs an. Die meisten jedoch sind ganz normale Frauen, manchmal auch gestandene Schrauberinnen, die sich großartig mit den Jungs verstehen oder deren Freund ein Member ist.
Biker legen naturgemäß keinen gesteigerten Wert auf Gender Correctness, spielen aber gerne den Beschützer. Wie sie eine Frau behandeln, hängt vor allem von deren Verhalten ab. Sie können durchaus zwischen einer Lady und einem Piece unterscheiden und behandeln Frauen überraschenderweise oft erheblich respektvoller als der Rest der Gesellschaft.
Old Ladys und ihre Rolle
Old Ladys sind feste Freundin oder Ehefrau eines Bikers und hoch angesehen in der Szene. Die Frau eines Bikers ist tabu für alle anderen Männern.
Clubangelegenheiten werden offiziell zwar weitestgehend von den Frauen ferngehalten, doch es ist bekannt, dass viele Ladys in die Geschäfte ihrer Männer involviert sind, z.B. aus steuerlichen Gründen oder weil der Mann seine Zeit im Gefängnis absitzen muss.
| Rolle | Beschreibung |
|---|---|
| Clubgirl | Weibliche Anhängerin eines Motorradclubs, oft sexuell verfügbar. |
| Clubhure | Frau, die für sexuelle Dienstleistungen an Clubmitglieder bezahlt wird. |
| Old Lady | Feste Freundin oder Ehefrau eines Clubmitglieds, genießt hohes Ansehen. |
| Mama | Frau, die als "Clubeigentum" betrachtet wird und für jedes Mitglied sexuell verfügbar sein muss. |
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