Ob als Pendler im Alltag oder als Hobby in der Freizeit: Musik hören auf dem Fahrrad und E-Bike gehört für viele dazu. Mehr noch: Mit Podcasts, Hörbüchern oder Nachrichten lässt sich die Zeit auf dem Rad auch noch sinnvoll nutzen. Wer in einer unbekannten Gegend unterwegs ist, kann sich darüber hinaus von seinem Handy per Google Maps navigieren und den Weg diktieren lassen - ohne auf das Smartphone schauen zu müssen. Und ein Telefonat lässt sich ebenfalls führen.
Rechtliche Aspekte des Musikhörens auf dem Fahrrad
Wer beim Radfahren Kopfhörer nutzt, um etwa Musik zu hören, dürfte von der Polizei angehalten werden. Hier heißt es nämlich oft: Kopfhörer seien generell verboten. Doch das stimmt nicht. Nicht nur das bloße Tragen von Kopfhörern ist legal, auch das Musikhören auf dem Fahrrad, E-Bike und Co. ist erlaubt. Ein prüfender Blick ins Gesetzbuch verrät: Grundsätzlich ist es Radfahrern erlaubt, während der Fahrt Musik zu hören.
Maßgeblich ist § 23 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO), wo es heißt: „Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden.“ Zum Tragen und Benutzen von Kopfhörern macht das Gesetz keine spezielle Angabe.
Die Lautstärke macht den Unterschied
Podcasts, Radio oder Musik hören auf dem Fahrrad kann eine Beeinträchtigung des Gehörs und damit einen Verstoß gegen Paragraf 23 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung darstellen. Das Bußgeld beläuft sich auf mindestens 10 Euro. Gefährdet man andere Teilnehmer im Straßenverkehr, werden 25 Euro fällig. Allerdings ist in dem Gesetz nicht geregelt, ab welcher Lautstärke das Gehör beeinträchtigt ist.
Bekommst du aber beim Musik hören auf dem Fahrrad weder Autohupe noch Martinshorn mit, ist die Musik eindeutig zu laut. Auch wer Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) besitzt, sollte auf diese Funktion im Straßenverkehr verzichten. Mittlerweile verfügen viele Kopfhörer über einen Verstärkungsmodus. Hierbei nehmen Mikrofone die Umgebungsgeräusche auf und leiten sie an die Lautsprecher der Kopfhörer weiter.
Hersteller haben dafür unterschiedliche Namen. Bei Sony etwa heißt diese Funktion „Ambient Modus“, Huawei nennt sie „Aufmerksamkeitsmodus“ und andere Hersteller bezeichnen sie als „Transparenz-Modus“.
Bußgelder und Konsequenzen
Eine Strafe für das Fahrradfahren mit Kopfhörer droht erst, wenn der Radfahrer dadurch andere Verkehrsteilnehmer behindert, gefährdet oder selbst an einem Unfall beteiligt ist. Im Bußgeldkatalog ist die Höhe der Strafgelder festgeschrieben. Interessant ist hierbei noch der Aspekt, dass auch Fahrradfahrer bestraft werden, die beim Fahren mit dem Rad ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. Allerdings fällt das Bußgeld mit 55 Euro im Vergleich zu Autofahrern deutlich geringer aus.
Wer eine Sirene von Einsatzfahrzeugen überhört, weil die Musik zu laut war, zahlt 240 Euro. Kommt eine Gefährdung der Einsatzkräfte hinzu, kostet laute Musik beim Fahrradfahren schon 280 Euro. Passiert durch Musikhören ein Fahrradunfall, führt das zu einem Bußgeld von 320 Euro.
Selbst dann, wenn er den Unfall nicht selbst verursacht hat, spricht die Haftpflichtversicherung eine Teilschuld zu, weil das Gehör durch laute Musik beeinträchtigt war. Daraus ergibt sich, dass sich die Ansprüche für Schadenersatz und Schmerzensgeld verringern oder ganz aufheben.
Das Oberlandesgericht Köln stellte schon 1987 in seinem noch heute richtungsweisenden Urteil fest, dass man einem Radfahrer erst dann die Benutzung eines Kopfhörers untersagen könne, wenn die eingestellte Lautstärke zu mehr als einer unerheblichen Gehörbeeinträchtigung führe. Die Lautstärke müsse so gering sein, dass wenigstens Warnsignale wie etwa die Sirenen eines Krankenwagens wahrgenommen würden. Rechtlich stellt die Benutzung von Kopfhörern bei entsprechender Lautstärke keinen Regelverstoß dar.
Alternativen und Empfehlungen für sicheres Musikhören
Es gibt verschiedene Arten von Kopfhörern, die sich besser oder schlechter für das Radfahren eignen. Hier ein Überblick:
- In-Ear-Kopfhörer: Die kleinen Ohrstöpsel eignen sich gut für den mobilen Alltag und vor allem zum Joggen mit Kopfhörern im Park oder im Wald.
- On-Ear & Over-Ear-Kopfhörer: Bügelkopfhörer liegen mit ihren Polstern entweder auf den Ohren auf oder umschließen diese vollständig. In geschlossener Bauweise dringt kein Schall nach außen, zugleich werden Umgebungsgeräusche gedämpft.
- Open-Ear-Kopfhörer: Diese kompakten Kopfhörer ähneln In-Ears, werden aber nicht in den Gehörgang gesteckt. Open-Ear-Kopfhörer sind eine hervorragende Wahl für alle, die unterwegs Musik hören und gleichzeitig aufmerksam für Umgebungsgeräusche bleiben möchten.
Innovation: Knochenschall-Kopfhörer
Eine Alternative zum klassischen In-Ear-Kopfhörer sind sogenannte Knochenschallkopfhörer wie von Shokz oder Livall, die direkt am Schädelknochen in Ohrnähe anliegen und den Schall in Form von Vibrationen zum Innenohr weiterleiten. Die Ohren bleiben frei, und Sie können Umgebungsgeräusche wahrnehmen. Das Klangbild ist allerdings nicht so facettenreich wie mit klassischen In-Ear-Modellen, zudem ist die Passform gewöhnungsbedürftig.
Bluetooth-Musikbox
Musik hören auf dem Fahrrad und E-Bike über Bluetooth-Lautsprecher ist weitaus weniger problematisch. Hier gilt im Wesentlichen das Gleiche, wie beim Autofahren. So sieht die Straßenverkehrsordnung zwar keine genaue Dezibelgrenze vor. Allerdings darf das Hörvermögen des Fahrers während der Fahrt nicht beeinträchtigt sein.
Smarthelme mit integrierten Lautsprechern
Der Helmhersteller Sena hat in seine smarten Helme Lautsprecher integriert. Modelle wie der R2 spielen übrigens nicht nur Musik und Podcasts ab (ohne dabei die Umgebungsgeräusche zu unterdrücken), sondern bieten auch Telefonie- und Interkom-Funktionen für die Kommunikation unterwegs.
Empfehlungen für verschiedene Modelle
Hier eine Übersicht verschiedener Kopfhörer- und Lautsprechermodelle, die sich für das Radfahren eignen:
| Modell | Typ | Besonderheiten | Eignung für Stadtverkehr | Musikqualität |
|---|---|---|---|---|
| JBL Wind 3SR | Bluetooth-Box | Montage am Lenker | 2/5 | 3/5 |
| Miiego Miirythm II | In-Ear | Fester Sitz, Memoryfoam | 0/5 | 5/5 |
| Suunto Wing | Knochenschall | Schalleitung über Schädelknochen | 3/5 | 4/5 |
| Miiego AL3+ Freedom | On-Ear | Nackenbügel, Bedienknöpfe am Hörer | 1/5 | 5/5 |
| Aleck Punks | Near Ear Audio Comms | Helmmontage, windgeschütztes Mikro | 5/5 | 3/5 |
Die richtige Musik für die Trittfrequenz
Das absolute Optimum, was muskuläre und koordinative Effizienz angeht, ist nicht hundertprozentig zu beziffern und liegt zusätzlich in einem Bereich, bei dem sich die Beine von Nichtsportlern schon mal verheddern, aber so ganz grob sollte man 80 bis 90 U/min anpeilen.
Viel einfacher und kurzweiliger ist es aber, seine Musik mit entsprechend viel oder wenig BPM, also Taktschlägen pro Minute, auszusuchen und einfach im Rhythmus der Musik zu treten. Auch auf die Gefahr, nicht jedermanns Geschmack zu treffen, haben wir eigens zwei Playlists zusammengestellt, die genau darauf ausgerichtet sind. Musikplaylist 1 mit 80 bpm für die gemütlichere Genusstour und Playlist 2 mit 90 bpm für eher sportlich-motivierte Runden.
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