BMW Motorrad Modelle von 1938

In den 1930er-Jahren erlebte der Motorradbau dank BMW eine rasante Entwicklung. Doch die Hitler-Diktatur lenkte diese Entwicklungen in eine unheilvolle Richtung. Im Jahr 1938 setzte BMW Motorrad bedeutende Meilensteine in der Technik und im Design seiner Modelle.

Die Innovationen der 1930er Jahre

Motorradrahmen aus Blechpressteilen waren in den 1930er-Jahren weitverbreitet. Bereits 1929 brachte BMW die R 11 und R 16 mit Blechpressrahmen auf den Markt. Darauf aufbauend folgten die R 4 ab 1932 und die R 3 ab 1936 sowie die R 12 und die R 17, weitere Modelle mit Zweizylinder-Boxermotor.

Gründe für den Umstieg auf Blechpressrahmen waren der geringere Fertigungsaufwand und die potenziell höhere Steifigkeit von Blechprofilen gegenüber den damaligen Rohrrahmen. Bei BMW profitierten Rahmen und Vorderradführung gleichermaßen von der neu eingeführten Technik.

Technische Highlights der BMW Modelle

Mit der R 12 präsentierte BMW als Weltneuheit die erste Teleskop-Vorderradgabel mit Öldämpfung. Das war 1935. Damit hatte die störrische Blattfedergabel endlich ausgedient. Der Rahmen dagegen ist ein alter Bekannter aus dem Jahre 1930, ein sogenannter U-Profil-Pressstahl-Doppelrahmen. Auch der Motor wurde nahezu unverändert vom blattgefederten Vorgängermodell R 11 übernommen. 750 ccm Hubraum hat der seitengesteuerte Zweizylinder-Boxermotor, leistet dabei 18 PS bei nur 3400 U/min.

Die 750er-Zweizylindermodelle warteten nicht nur mit der neuen Teleskopgabel auf, sie erhielten auch ein Vierganggetriebe (die R 11 hatte nur drei Gänge). Ein besonderes technisches Schmankerl ist der zentral über dem Getriebe angebrachte SUM-Vergaser, der drei (!) Kraftstoffdüsen hat.

Bei der R 12 und der R 17 hat BMW als weltweit erster Motorrad-Hersteller in der Serienfertigung die bisherige Blattfedergabel durch eine hydraulisch-gedämpfte Teleskop-Vorderradgabel ersetzt.

BMW R 5: Ein Meilenstein ihrer Zeit

"Die R 5 ist kein Vorkriegsmotorrad." Mit dieser chronologisch falschen Feststellung beschreibt der Motorradhistoriker, BMW-Kenner und Norton-Liebhaber Stefan Knittel durchaus richtig und treffend, wie weit die im Jahr 1936 präsentierte R 5 ihrer Zeit voraus war. Eine komplette Neukonstruktion von Rudolf Schleicher ist die BMW R 5 von 1936-37. Mit 24 PS bei 500 ccm ist sie auch dank des günstigen Gewichts eines der sportlichsten Motorräder der damaligen Zeit.

Die BMW R 12 im Detail

Die R 12 war der Verkaufsschlager der Dreißiger Jahre. Bis 1942 wurden 36.000 Exemplare gefertigt, soviel wie von keiner anderen Vorkriegs-BMW. Das größte Kontingent ging an die Militärbehörden. Mit der R 12 präsentierte BMW als Weltneuheit die erste Teleskop-Vorderradgabel mit Öldämpfung.

750 ccm Hubraum hat der seitengesteuerte Zweizylinder-Boxermotor, leistet dabei 18 PS bei nur 3400 U/min. Gewaltig ist auch die optische Erscheinung des Motors. Die Zylinderköpfe sind aus Leichtmetall gegossen und abnehmbar.

Mit einem soliden Klacken geht der erste Gang rein. Oder mit einem schrecklichen Kratzen - je nach Gefühl des Fahrers. Die Zweischeiben-Trockenkupplung ist sehr leichtgängig und lässt das Motorrad gefühlvoll „kommen”. Für den ungeübten Fahrer sind die Gangwechsel angesichts langer Schaltwege und metallisch-krachender Geräuschkulisse eher lästige Pflichtübung als kurzweiliges Vergnügen.

Die Kraftübertragung vom Getriebe zum Hinterrad erfolgt über eine elastische Hardyscheibe, eine freilaufende und natürlich verchromte Kardanwelle sowie einen Kardanantrieb mit spiralverzahnten Kegelrädern. Wie es sich eben für eine BMW gehört. Ein besonderes technisches Schmankerl ist der zentral über dem Getriebe angebrachte SUM-Vergaser, der drei (!) Kraftstoffdüsen hat.

Ohne jede Anstrengung und auch akustisch nicht gerade aufregend wuchtet der seitengesteuerte Boxer das schwergewichtige Gespann - 320 Kilo Leergewicht ermöglichen ein zulässiges Gesamtgewicht von 560 Kilo - in respektable Geschwindigkeitsbereiche. Knapp 90 km/h Höchstgeschwindigkeit reichen aus, um auf der Autobahn die LKW-Fahrer zu ärgern.

Ernst Henne und die Geschwindigkeitsrekorde

Am 19. September 1929 war Ernst Henne mit einem kompressorgeladenen 750er-Boxer im "alten" Fahrwerk in die Jagd nach dem absoluten Geschwindigkeitsrekord eingestiegen. Im Zuge dieser werbewirksamen Rekordfahrten entwickelte Rudolph Schleicher unter maßgeblicher Mitarbeit des akribischen und genialen technischen "Laien" Josef Hopf die Kompressortechnik bis zu ihrem vorläufigen Höhepunkt, der Werksrennmaschine vom Typ 255.

Ernst Henne versucht mit den 108 PS aus der neusten 500-ccm- Kompressormaschine auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord. Das Motorrad ist komplett verkleidet, aerodynamische Erkenntnisse sollen die entscheidenden Verbesserungen bringen. Das Ergebnis ist atemberaubend: Mit 279,5 km/h wird Ernst Henne zum schnellsten Mann auf zwei Rädern.

Motorsport Erfolge

Der Weltrekord vom 28. Er sorgt mit der 65 PS starken BMW Kompressormaschine auf den Rennstrecken Europas für Furore. Die Bilanz spricht für sich: 1938, in seiner ersten Saison, gewinnt der BMW Werksfahrer Georg Meier die Europameisterschaft.

1939 gewann Schorsch Meier auf der Isle of Man die 500-ccm-Klasse.

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