BMW Motorrad Modelle 1975: Ein Blick auf die Klassiker aus Berlin

Die Erfolgsbilanz des BMW Werks in Berlin-Spandau umfasst drei Millionen Motorräder, die in den letzten 50 Jahren vom Band rollten. Seit 1969 werden BMW Motorräder in Spandau gefertigt. Helmut Schramm, Leiter Produktion BMW Motorrad, betonte: „Im September 1969 lief mit der BMW R 60/5 das erste komplett im Werk Berlin gefertigte Motorrad vom Band. 50 Jahre und mehr als drei Millionen Motorräder später hat sich unser Werk in Spandau zu einem der modernsten in der Motorradindustrie entwickelt."

50 Jahre BMW Motorrad Produktion in Berlin

Anlässlich seines 50. Produktionsjubiläums veranstaltete BMW am 7. September auf dem Werksgelände in Spandau ein großes Fest für alle Mitarbeiter und deren Familien. Die 12.000 angemeldeten Besucher erwartete eine Zeitreise durch fünf Jahrzehnte BMW Motorrad Produktion am Standort. Das Motto „50 Jahre Taktjefühl“ stand bewusst in Berlinerisch für den effizienten Produktionstakt an den Montagebändern, den zuverlässigen Takt der BMW Motoren, aber auch für den taktvollen Umgang miteinander.

Die Anfänge in Berlin

Bescheiden hat das BMW-Werk in Spandau angefangen - ganze 1.605 Motorräder wurden im Eröffnungsjahr 1969 ausgeliefert. Es hatte freilich erst im September begonnen, und zwar mit dem Modell BMW R 60/5. In den letzten Monaten des Jahres folgten dann die sportlichere R 75/5 und die R 50/5 als leistungsreduziertes Behördenmodell.

Es waren die damals etwa 400 Mitarbeiter, die 30 Maschinen täglich produzierten und damit den Grundstein des heutigen Erfolgs legten. Die Produktionszahlen stiegen rasant an: Im Jahr 1975 verließ das 100.000ste Motorrad aus Berlin die Montagehallen, 1980 waren es bereits eine Viertelmillion. Die Schallmauer von einer Million BMW Motorräder durchbrach das Werk 2001.

Die /5-Modelle: Ein Neuanfang

Die R 60/5 kam lediglich auf 40 PS, die Halblitermaschine, ausschließlich für das Behördengeschäft aufgelegt, beschied sich mit 32 PS. Die /5-Modelle waren zugleich die ersten BMWs, die zusätzlich zum traditionellen Kickstarter mit einem Elektrostarter ausgerüstet wurden. Auch bei den Motoren setzte BMW auf Neukonstruktionen, bei denen die Kurbelwellen nicht mehr rollengelagert, sondern gleitgelagert waren.

Ebenfalls neuentwickelt war der Motor, wenngleich es sich auch weiterhin um einen bewährten Zweizylinder-Boxer handelte. Neu im Jahr 1969 war auch der Gleichdruckvergaser, den es im Spitzenmodell R 75/5 gab. Es war aber auch die Zeit, als BMW an seinen Motorrädern noch keine Scheibenbremsen verbaute und für 50 PS Motorleistung ein 750 Kubikzentimeter großer Boxermotor benötigt wurde.

„Es besteht kein Zweifel, dass BMW über viele Jahre das beste und fortschrittlichste Motorrad der Welt baute. Und in der Tat verfügten die als sportliche Tourer im modernen Design konzipierten Modelle BMW R 50/5, BMW R 60/5 und BMW R 75/5 über ein komplett neues Fahrwerk mit Telegabel für das Vorderrad und einer verstellbaren Hinterrad-Federung.

Das Jubiläumsjahr 1973 und die R 90 S

Zum Modelljahr 1973 brachte BMW ein Getriebe mit fünf statt vier Gängen und eine steifere, fünf Zentimeter längere Schwinge. Solche "Langschwingen-Modelle" laufen wesentlich stabiler geradeaus. Sein 50-jähriges Jubiläum krönte BMW Motorrad mit der 500.000sten Maschine und dem neuen Flaggschiff R 90 S als Krönung der neuen /6-Baureihe.

Diese erste BMW mit mehr als 750 Kubik wurde mit lenkerfester Cockpitverkleidung aus GFK und Zweifarb-Metallic-Lackierung zu einer Stil-Ikone. Zum ersten Mal war eine BMW vom Bürzel der Sitzbank bis zur Lampenmaske von einem Designer entworfen worden: Hans A. Muth zeichnete später auch für die R 100 RS und die Suzuki Katana (mit-)verantwortlich.

Auch technisch machte die R 90 S von sich reden: 90er-Kolben, 67 PS und fast 200 km/h Spitze! Speziell im leuchtenden "Daytona-Orange" ging der Sport-Boxer R 90 S ins kollektive Motorradfahrer-Gedächtnis ein. Dabei gab es diese Farbkombination erst in der zweiten Version ab 1975. Insgesamt entstanden 17 465 Exemplare dieser, jawohl, betörenden BMW.

Technische Details der R 90 S

  • Zwei 38er-Schiebervergaser von Dell’Orto mit Beschleunigerpumpe
  • Vordere Scheibenbremsanlage (Doppelscheibe)
  • Bowdenzug betätigte den Hauptbremszylinder unterm Tank
  • Hydraulikleitungen zu den Bremssätteln

Weitere Entwicklungen in den 1970er Jahren

Vor rund 50 Jahren war die deutsche Vorzeigemarke völlig "monomotorisch" mit nur einem Antriebskonzept aufgestellt. Alle Modelle hatten einen "verhalten-kraftvoll laufenden Zweizylinder-Boxermotor" (Zitat BMW). Einst so erfolgreiche Einzylinder waren längst Geschichte, Vierzylinder noch Zukunftsmusik.

Dies blieb auch mit der nächsten Evolutionsstufe, der "Strich Sieben" ab 1976, so: Nun brachte BMW erstmals eine echte Tausender, die R 100-Familie mit 980 Kubik und eckigen Ventildeckeln. Innovativ war die R 100 RS mit ihrer im Windkanal optimierten Vollverkleidung. Ihr reichten 70 PS für rund 195 km/h Spitze - völlig ermüdungsfrei hinter schmalen Lenkerstummeln abzureißen.

BMW Motorrad: Meilensteine der Produktion

Die folgende Tabelle zeigt einige wichtige Meilensteine in der Produktion von BMW Motorrädern:

Jahr Ereignis
1969 Das erste komplett in Berlin hergestellte Motorrad verlässt die Montagehalle im September - eine BMW R 60/5.
1973 Zum 50-jährigen Jubiläum von BMW Motorrad beginnt in Berlin die Produktion der bis dahin größten BMW, der R 90 S.
1975 Die R 90 S ist ab diesem Jahr auch in der hinreißenden Lackierung „Daytona-Orange metallic“ erhältlich.
1980 Das 250.000ste BMW Motorrad aus Berlin läuft vom Band, eine R 65.

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