BMW Motorrad Modelle im Jahr 2000 und die Entwicklungen der 2000er Jahre

Im Jahr 2023 blicken wir auf 100 Jahre BMW-Motorradbau zurück. Etliche neue Modelle und technische Innovationen sorgen bei BMW Motorrad für Wachstum: die neue K-Baureihe geht jetzt mit einem quer eingebauten Motor an den Start; und die neu entwickelte F-Modellreihe befeuert das Segment der Mittelklasse-Maschinen.

Auf der Berliner Automobilausstellung im September 1923 fällt der Startschuss für den Bau von BMW Motorrädern: Die R 32 ist das erste Motorrad der Bayerischen Motoren Werke, entwickelt von Max Friz. Nach den Kriegswirren gelingt BMW 1948 ein Neubeginn mit der Motorrad-Herstellung. Die 1950er Jahre sind von sportlichen Erfolgen geprägt. In Berlin-Spandau, wo bis 1945 Flugmotoren entstanden und danach eine Werkzeugmaschinen-Fertigung aufgebaut wurde, bekommen die BMW Motorräder ihr neues Zuhause - und Berliner Luft in die Reifen. Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder. Der Motorradbauer überrascht mit wegweisenden Innovationen und dem neuen Segment der Reise-Enduros.

Der neue Vierventil-Boxer mit elektronischem Motormanagement und das erste BMW Einzylinder-Motorrad seit 1966 kommen in den 1990er Jahren auf den Markt. Die 2010er sind eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.

Das Modelljahr 2000: Innovationen und Erweiterungen

Im Jahr 2000 überträgt BMW das Endurokonzept erfolgreich auf die Einzylindermodelle F 650 GS und F 650 Dakar. Die beiden Siege von Richard Sainct bei der Rallye Paris Dakar in den Jahren 1999 und 2000 sorgen für zusätzliche mediale Begleitung.

Na, das fängt ja gut an, das neue Jahrtausend - so denkt die konservative Stammkundschaft, als BMW im Jahr 2001 die neuartige F 650 CS präsentiert. Ein "Scarver" soll das sein. Damit können die Enduristen und Tourenfahrer wenig anfangen, zudem sind sie von den avantgardistischen Formen und Farben irritiert. Ansprechen will BMW mit dem "Scarver" jedoch andere, neue, jüngere Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen. Doch das klappt auch nicht so recht.

BMW F 650 CS: Ein Vorreiter ihrer Zeit

Später wird man sagen und schreiben, die F 650 CS sei ihrer Zeit voraus gewesen. Wie der kurz zuvor erschienene C1-Roller mit Dach. Praxisvorteile des "Scarver"-Konzepts sind jedenfalls sein sauberer, leiser Endantrieb per Zahnriemen sowie der durch den Benzintank am Heck frei werdende Platz vorn, der entweder für Gepäck oder für das als Originalzubehör angebotene Audiosystem genutzt werden kann.

Nebenbei ist die F 650 CS mit ihrem 50 PS starken Einzylinder-Motor und ihren unter 200 Kilogramm Fahrzeuggewicht schön unkompliziert zu fahren. Sogar noch einfacher als die normale Enduro-Ausführung der F 650, die als GS und GS Dakar fürs neue Jahrtausend modernisiert wird - und so erfolgreich weiterläuft.

Die Weiterentwicklung der GS-Modelle

Bei der großen Boxer-GS - längst die wichtigste BMW - gibt es ebenfalls Fortschritte. Ab 2002 gibt es von der R 1150 GS erstmals eine Modellvariante namens Adventure, höher, noch schwerer, mit größerem Tank und optional mit Alu-Koffern. Damit verbreitert BMW die Erfolgsspuren im Gelände und auf der Straße - abgekürzt GS - noch weiter.

Und 2004 folgt auf die R 1150 GS die R 1200 GS. Erstmals mit 100 PS starkem Boxer und dabei nicht schwerer, sondern endlich wieder leichter. Viel leichter sogar, mit vergleichbarer Ausstattung um circa 25 Kilogramm, und selbst mit vollem Tank sowie den üblichen Sonderausstattungen deutlich unter 250 Kilogramm. Von dieser ersten 1200er-GS produziert und verkauft BMW nochmals signifikant mehr als von den bereits sehr erfolgreichen Vorgängermodellen.

Mit der Einführung der neuen R 1200 GS im Oktober 2003 führt BMW Motorrad die damals fast 30-jährige Erfolgsgeschichte der GS in eine neue Ära. Mit einem deutlich dynamischeren Motor mit fast 15 PS mehr aber über 30 Kilogramm Gewichtsersparnis setzt diese GS einen Meilenstein im Segment der beliebten Reise-Enduros. Sie führt die neue Boxer-Baureihe erfolgreich ein, wird 2005 mit der Vorstellung der R 1200 GS Adventure erweitert und setzt sich schnell an die Spitze der Verkaufscharts. Seitdem hält sie die Position des meistverkauften Motorrades der Welt (Verkäufe weltweit über 600 ccm).

Weitere Modelle und Innovationen der 2000er

Die Einzylinder-Baureihe von BMW wird 2006 um die G 650 X-Modelle erweitert. Die Modelle basieren auf dem bekannten und robusten 650 ccm Einzylinder-Triebwerk und einem Stahlrahmen, werden aber durch Design und Fahrwerkskomponenten für die Einsatzzwecke optimiert. Die G 650 XMoto ist die dynamischste von ihnen und zeichnet sich als Super-Moto-Ableger durch ein herausragendes Handling aus.

Weniger gefragt, aber konsequenter geländetauglich als alle BMW Motorräder je zuvor sind andere Enduros, die BMW in den 2000er-Jahren dem staunenden Publikum präsentiert. Allen voran die G 450 X, deren hochdrehender Einzylinder-Motor von Kymco in Taiwan gefertigt wird und mit seiner Abtriebswelle koaxial am Schwingendrehpunkt sitzt. Diese innovative Konstruktion hält den Durchhang der Endantriebskette trotz langer Federwege konstant. Nur um 120 Kilo wiegt die 450er-Sport-Enduro, hat über 40 PS und Straßenzulassung - und keinen Erfolg, weder sportlich noch kommerziell.

Ebenfalls Flops sind die G 650 X-Modelle mit Einzylinder-Motor von Loncin aus China und Montageband bei Aprilia in Italien. Und, last but not least, die komplette Übernahme der Motorradmarke Husqvarna samt Werk in Italien, wo ab 2007 viel zu viele Millionen BMW-Euros versickern.

Kein Flop, sondern von vornherein als edle Kleinserie konzipiert ist die HP2 Enduro. HP für High Performance und 2 für die Anzahl der Zylinder in Boxer-Form. Über 100 PS stark, ohne Ausgleichswelle zudem stark vibrierend. Die unkomfortable, dafür umso sportlichere Boxer-Enduro, die nicht GS heißt, bringt als Innovation ein Luftfederbein mit - das sich nicht durchsetzen kann. Auf die HP2 Enduro folgen die HP2 Megamoto und die HP2 Sport, letztere mit doppelten obenliegenden Nockenwellen (dohc) und 133 PS Nennleistung im nach wie vor luft-/ölgekühlten Boxer. Eine dank vieler Carbonteile rund 200 Kilo leichte Traum-BMW; wie die beiden anderen HP2-Modelle, aber noch higher performend.

Nicht ganz so extrem ist der Sportboxer R 1200 S, doch für die von der tourensportlichen Vorgängerin R 1100 S verwöhnte Stammkundschaft ist die 1200er-S dennoch zu sportlich, zu unbequem, zu unpraktisch. Noch ohne dohc-Ventiltrieb kommt sie auf spitz entfaltete 122 PS. Nur Wenige wissen das zu schätzen.

Mit gleichmäßigen Zündabständen klingt der mindestens 85 PS starke Twin wie ein Boxer. Von der K 1200 S mit Reihenvierzylinder-Motor bleiben hingegen im Laufe der Nuller-Jahre nur technische Elemente übrig, etwa die Fahrwerkselektronik ESA oder die Vorderradaufhängung Duolever nach Vorlage von Norman Hossack. Und mit den K 1300-Modellen führt BMW die Klappensteuerung für Abgasanlagen ein.

Der Aufstieg der S 1000 RR

Denn umso besser treffen die Weißblauen bei der richtig sportlichen Zielgruppe ins Schwarze. Mit der S 1000 RR. Dabei handelt es sich - bisher kaum vorstellbar bei BMW - um ein Superbike nach jahrzehntelang bewährter japanischer Bauart. Also mit Reihenvierzylinder-Motor im Aluminium-Brückenrahmen, mit konventionellen Radaufhängungen und Endantrieb per Kette.

Die 193 PS Werksangabe zur ersten Version sind imposant und obendrein tiefgestapelt. Sensationellerweise gelingt es den Bayerischen Motoren Werken mit der Doppel-R ab 2009 auf Anhieb, die 200-PS-Marke am Prüfstand zu knacken. So schwimmt BMW im Haifischbecken der Superbikes nicht nur mit, sondern sogar noch schneller als die etablierte Konkurrenz.

2009 beginnt mit dem neuentwickelten Supersportler S 1000 RR eine neue Ära und BMW Motorrad tritt in Kooperation mit dem Partner Alpha Racing in der Superbike-Weltmeisterschaft an. Racing Power, Alu-Chassis, radiale Bremsen, Tail-up-Nose-down Design und die derzeit ultimative Kombination elektronischer Fahrassistenzsysteme bilden ein Superbike ohne Wenn und Aber. Auch als Serienmodell überzeugt die S 1000 RR mit ihren Rennsport-Genen.

Fazit der 2000er Jahre

Ende der 2000er-Jahre ist die Marke BMW Motorrad mitsamt Modellprogramm viel breiter und sportlicher aufgestellt, die Kundschaft ist tendenziell etwas jünger geworden. Was der "Scarver" nicht geschafft hat, klappt also schließlich doch.

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