BMW Motorrad Bremsflüssigkeit wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Eine gut funktionierende Bremse ist das A und O im Straßenverkehr. Deshalb sollten auch die Wartungsintervalle der Bremsflüssigkeit eingehalten werden. Ihre Wartung kann in Eigenarbeit geleistet werden.

Insbesondere, weil im Vergleich zu anderen BMW Modellen am ABS Modul selbst kein Wechsel der Flüssigkeit vorgenommen wird. Der Wechsel der Bremsflüssigkeit gelingt auch allein. Für unerfahrene Schrauber ist es aber bedeutend einfacher und sicherer, wenn eine zweite Person zur Hilfe herangezogen wird. Eine Person bedient den Bremshebel und behält den Füllstand im Ausgleichsbehälter im Auge, während sich die zweite Person um das Öffnen und Schließen des Entlüftungsventils kümmert.

Wichtige Hinweise vor dem Wechsel

Sicherheitshinweis: Bremsflüssigkeit ist ein Schadstoff, der bei direktem Haut- oder Augenkontakt schnell zu einem Problem werden kann. Die Flüssigkeit ist nicht nur für uns Menschen schädlich, sondern auch für die Umwelt. Deshalb ist strengstens darauf zu achten, dass kein Tropfen in die Umwelt gelangt.

Wir raten dazu, die Fläche rund um den Bremssattel herum großflächig mit einer Plane oder Pappkartons auszukleiden. Außerdem sollte ein Gefäß bereitstehen, in dem die alte Bremsflüssigkeit aufgefangen werden kann. Dazu ist die Bremse ein sicherheitsrelevantes Teil am Motorrad.

Anleitung zum Wechseln der Bremsflüssigkeit

  1. Schlauch am Bremssattel sichern.
  2. Bei beiden Behälterabdeckungen die Schrauben lösen und entfernen.
  3. Die Deckel sitzen oft etwas fest.
  4. Inhalte beider Behälter von je ca. 50 ml in Auffang- oder Entsorgungsgefäß leeren - ideal per Spritze.
  5. Beide Behälter frisch bis zum oberen Rand des Schauglases mit Bremsflüssigkeit befüllen und Behälterabdeckungen lose aufdrücken.

Folgende Schritte werden so lange wiederholt, bis die Flüssigkeit im Ausgleichsbehälter wieder klar und leicht gelblich ist (Hinweis: Es gibt auch wenige farblose Bremsflüssigkeiten!). Währenddessen behält die Person, die den Bremshebel betätigt, ständig den Füllstand im Ausgleichsbehälter im Auge. Dieser darf niemals leer sein, da sonst Luft ins System gerät. In der abfließenden Flüssigkeit dürfen keine Blasen mehr auftauchen. Falls doch Blasen auftauchen sollten, befindet sich Luft im System. In diesem Fall muss die Bremse erneut entlüftet werden.

Hierzu werden die Schritte 1 - 5 wiederholt. Bei Motorrädern mit zwei Bremssätteln, reicht es nicht aus, die Arbeiten an nur einem Sattel durchzuführen. Im zweiten Sattel bleibt ein Rest der alten Flüssigkeit erhalten und kann langfristig für erhöhten Verschleiß und geringere Bremswirkung sorgen.

Schritt 6: Füllstand Ausgleichsbehälter prüfen & ggf. Nun ist die Bremsflüssigkeit des Motorrades wieder frisch und bereit für neue Bremsmanöver.

Wichtige Hinweise nach dem Wechsel

Nach dem Flüssigkeitsaustausch muss sichergestellt werden, ob wirklich alle Entlüftungsventile geschlossen sind. Ein offenes Ventil führt zum schlagartigen Verlust der Bremswirkung und kann tödlich enden. Solche Ventile sind allerdings auch sehr empfindlich. Die meisten Hersteller geben ein Anzugsmoment von gerade einmal 4 bis 10 Nm vor. Bitte haltet euch an dieses geringe Drehmoment, denn die Passfläche ist konisch und dichtet damit sehr früh.

Wer keinen Drehmomentschlüssel zur Hand hat, dreht die Schraube mit 3 Fingern sanft zu, danach mit einem passenden Maulschlüssel etwa 5 bis 10 Grad weiter drehen. Zu viel Kraft verformt die Passfläche. Damit dichtet sie spätestens nach dem nächsten Öffnen nicht mehr richtig ab.

Bevor die erste Probefahrt angetreten wird, sollte der Bremsdruck im Stand geprüft werden. Hierzu werden der Handbremshebel und das Bremspedal kurz betätigt. Falls sich dieses ungewohnt leicht betätigen lassen oder gar bis zum mechanischen Anschlag bewegt werden können, sind die Arbeiten nicht korrekt ausgeführt worden. In diesem Fall sollte dringend eine Fachwerkstatt beauftragt werden.

Alte Bremsflüssigkeit muss bei einer Entsorgungsstelle für Schadstoffe abgegeben werden.

Besonderheiten bei Motorrädern mit ABS

Ich frage mich, was passiert, wenn man aus Versehen doch mal Luft ins System bekommt. Beim Bremsen entlüften bleibt nur eine recht kleine alte Menge im ABS-System. Da kann nur mit dem BMW-Diagnosesystem das Ventil geöffnet werden, damit diese kleine Menge mit raus kann. Aber - selbst der freie BMW-Meister hält diese Menge für vernachlässigbar. Am besten das ABS mutwillig vor dem Wechseln arbeiten lassen, damit der alte Rest in den Umlauf kommt. Und auch nach dem Wechseln wieder das ABS in Aktion rufen. Also rattern lassen, damit sich der kleine alte Rest mit dem frischen vermischt und somit ergibt sich eine relative Gesamtfrische.

Ich seh es mit dem ABS-System wie mit ner Klimaanlage im Auto. Die muss mal aktiviert und damit durchgespült werden. Vor meinem Gebrauchtkauf war das ABS-System wohl sehr lange nicht benutzt worden. Die ersten male hatte ich den Anschein, dass diese kaputt wäre, weil anstelle vom Bremsstottern, machte das ABS die Bremswirkung nur auf, also ohne ABS-Rattern. Ich musste dann immer kräftig nachdrücken, damit es bremste. Nach mehreren mutwilligen Bremsungen ging das ABS dann wieder. Diese nachlassende Bremskraft war eins sehr unangenehmes Gefühl. Jetzt hab ich wieder vertrauen. Ich lass es jetzt auch mind. 2x Jährlich absichtlich rattern.

Das Thema habe ich beim googeln gerade gefunden und hebe es mit einer Frage an das Forum wieder aus der Senke:Mir ist heute das Malheur passiert, dass ich Luft in das Vordere Bremssystem meiner ABS geregelten Sertao gebracht habe. Nun wollte ich eigentlich die Bremse ganz normal entlüften (wollte mir dazu noch einen Schlauch mit Ventil kaufen). Dieser Foren Eintrag und der Fakt, dass der Bremsdruck wirklich -komplett- weg ist bringt mich aber ins überlegen, ob ich das selber überhaupt nich machen kann.

Ich kann ja auch kein ABS aktivieren. Kann ich dann einfach normal entlüften/Bremsflüssigkeit nachgeben bis keine Luft mehr rauskommt, ABS zum aktivieren bringen und noch einmal entlüften? Oder sagt ihr, nix, wenn es schon soweit ist, dass der Druck komplett weg ist: lieber den Freundlichen machen lassen. (in dem Falle dann gleich die Unterfrage: geht das dann nur bei einer BMW Werkstatt)?PS: Ich kann ausschließen, dass das ABS System mit Luft in der Leitung aktiv war, da mir das im Stand und ausgeschalteter Maschine passiert ist.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Allgemeine Empfehlung: Bremsflüssigkeit alle 2 Jahre wechseln.
  • Ähnlich wie bei Motorölen ist es gleichgültig, auf welche der diversen Marken man persönlich Wert legt.
  • R18 Fahrer berichten, dass die Methode des Wechseln der Bremsflüssigkeit identisch ist zur BMW R1200GS.

Ich habe auch gleich auf Stahlbusventile umgestellt, ist etwas einfacher als immer mit dem Schlüssel zu öffnen und zu schliessen. Soweit so gut. Allerdings wird der ABS Bremsmodulator über eine Stichleitung angeschlossen. Somit wird diese Bremsflüssigkeit beim normalen Wechsel sicher nicht gewechselt. Hier hätte ich aber auch gerne mal was neues drin. Beim normalen Wechsel kommt hinten auch keine Flüssigkeit von vorne an, habe ich versucht.

Der Wechsel im ABS Bremsmodulator kann nur über die Ansteuerung desselben erfolgen. Die Antwort kam noch am gleichen Samstag Abend kurz nach 20 Uhr. Wow. Ich hätte mit Mittwoch oder Donnerstag gerechnet. Man merkt hier eindeutig dass es sich um keine Hotline eines Telefonanbieters handelt. Und das am Wochenende. Samstag Abend.

Per App (Moto Scan) ist dann der ABS Bremsmodulator ansprechbar, man muss zusätzlich noch den Hebel ziehen/drücken. Das Ganze im Wechsel mit der Flüssigkeit, zwei bzw. drei Mal durchführen und es passt. Nachprüfen lässt sich der Wechsel allerdings nicht, meine Flüssigkeit war nach der Ansteuerung des ABS Steuergerätes immer noch klar. Aber ein gutes Gefühl bleibt. Motocomfort zeigt einen Film dazu im Netz, hier aber nicht vergessen den Hebel zu betätigen.

Viel Erfolg beim Umsetzen, vorher unbedingt checken welches Integral ABS man hat und wie hier vorzugehen ist. Welches Bremssystem Du hast kannst Du ganz einfach fahrgestellnummerngenau im ETK nachsehen. Eine Aufstellung ist somit eigentlich sinnlos.

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