BMW Motorrad Chopper Umbau: Eine Hommage an Individualität und Handwerkskunst

Die BMW R 18 hat sich als eine beliebte Basis für Customizer etabliert, die ihre Kreativität und ihr handwerkliches Können einsetzen, um einzigartige Motorräder zu schaffen. Dass kräftig an der Maschine herumgeschraubt wird, war bei der BMW R 18 von vornherein mitgedacht.

BMW R 18 Magnifica von Radikal Chopper: Ein Meisterwerk der Handwerkskunst

Ein besonders bemerkenswertes Beispiel für einen solchen Umbau ist die BMW R 18 Magnifica von Radikal Chopper. "Magnifica" steht im Italienischen für "prächtig". Im Falle der BMW R 18 wohl für "Die Prächtige". Und das trifft es ziemlich gut, kein Zweifel. In der Magnifica, auf Basis des großen Bayern-Boxers R 18, hält Radikal Choppers sich in allen Prägungen.

Design und Technik

Zunächst, was von der R 18 blieb: Rahmen, Motor und die Elektrik. Den kompletten Rest formt Andrea Radaelli von Radikal Chopper komplett neu. Im Lenkkopf federt und dämpft eine selbst entwickelte Trapezgabel mit integrierter Bremszange. Des Besonderen nicht genug beißt die von außen fast unsichtbare Zange in gleich zwei Bremsscheiben. Eine Perimeter-Scheibe an der Felge verschraubt und eine konventionelle Bremsscheibe an der Radnabe. Passend dazu: Die Felgen sind nach Maß gefräste Sonderanfertigungen.

Andrea entwirft und fertigt den neuen Tank in der Art alter Aufstecktanks, die in den 1920er im Grunde Stand der Technik waren. Die beiden Blasen sind mit einer längs gerillten Konsole verbunden und am Rahmen befestigt. Über die beiden schwenkbaren Tankdeckel, die einem Roman Jules Vernes entsprungen sein könnten, sollte eigentlich eine eigene Geschichte geschrieben werden. Allein diese sind "magnifica" genug. Das obere Joch geht mit weitem Schwung in einen noch weiteren Lenker über und trägt das umgestaltete originale Cockpit elegant über dem Tank.

Das komplette Heck scheint über dem neuen Doppelfederbein zu schweben und wird dabei an nur drei filigranen Punkten gehalten. Andrea formt Heck und Sitz aus Mahagoni-Holz und poliertem Edelstahl und erinnert mit ihm neben alten Autos an alte italienische Motorjachten.

Am - oder besser - im großen Boxer ändert Andrea nichts, formt den zwei Zylindern allerdings ein komplett neues Kleid aus üppigen Motordeckeln, umgestalteter Einspritzung und kurzen Fish-Tail-Endtöpfen. Absolut überflüssig und daher großartig: Wo die R 18 je Seite eine Plakette mit ihrem Hubraum prominent trägt, setzt Andrea ein Zwischenstück für die Benzinleitungen von Tank zur Einspritzung und nimmt erneut das Thema Steampunk auf. Geschaltet wird die Magnifica per Hand und mit einem derart geschmiedeten Schalthebel.

Die Anfänge der BMW Chopper-Szene in Deutschland

Auf BMW entwickeln Europas erste »Easy Rider«-Jünger in den 70er Jahren ihre eigenen Chopper-Ideale. Nur wenige können sich damals eine Harley leisten. Warum eigentlich BMW? Springen wir in der Zeit zurück: Vor vierzig Jahren spielen gechoppte Harleys auch schon die Hauptrolle. Zumindest im Film »Easy Rider«.

Aber hier in Deutschland sind die amerikanischen V-Twins noch rar. Trotzdem üben gerade solche Motorräder, wie in diesem Film gezeigt, auf uns eine unerklärliche Faszination aus! Auch der Mannheimer »Vio« Fiedler ist kaum zu halten. Anfang der Siebziger Jahre gibt ihm das in Hamburg spielende Szenario »Rocker« von Klaus Lemke endgültig den Anstoß: Er wird Mitglied eines jungen Motorrad-Clubs in Mannheim und ist bald auch mit den Bikern aus dem Film in Kontakt. Chopper, Frauen und der Club bestimmen sein Leben.

Vio orientiert sich zunächst an den BMWs, wie er sie aus dem »Rocker«-Film und von den Hamburgern kennt. Die kamen zwar chromglänzend und mit bis zu sechs Auspuffrohren daher, hatten hohe Westernlenker von Magura angebaut, aber meistens noch dicke fette »Heinrich«-Tanks, verchromte Sturzbügel und zusätzlich angebrachte Lampen. Diese BMWs, meist 500er und 600er Modelle mit hinterer Geradewegfederung und Telegabel, oder das seit 1955 existierende Vollschwingen Modell, sind mit käuflichem Touring- und Sport-Zubehör aufgetakelt. Die 1969 vorgestellten /5-Modelle (die mit dem Koffer ähnlichen Motorgehäuse) kommen langsam mit ins Spiel.

Herausforderungen und Innovationen im Chopper-Bau

Im Club lernt Vio den Amerikaner Gene Thoms kennen, und dieser hat Ahnung, wie ein richtiger Chopper auszusehen hat und wo die Schleifhexe anzusetzen ist! Die beiden bauen Chopper, die ihrem Namen gerecht werden. Allerdings - sie nehmen sich keine unbezahlbaren Harley-Davidsons vor - sie suchen sich BMWs als Umbaubasis aus. Dicke Deutsche Motorräder, die in der ganzen Welt von der Polizei gefahren werden und als Statussymbol gelten.

Gechoppt wird, was schon angeschafft ist oder einem günstig unter die Finger kommt. Und obwohl auch Mopeds und hubraumschwache Zweitaktmotorräder dran glauben müssen, ist das Ideal klar: Ein Chopper muss viertaktend und hubraumstark sein. Die Fahrer sind auch die Erbauer. Wer so einen Umbau auf die Straße bringt, ist in der Szene jemand.

Der TÜV und die Zulassung von Choppern

Und der TÜV? Der kontrolliert ob das Lenkschloss geht, ob Bremsen und Beleuchtung funktionieren, sonst eigentlich nichts. 1973 und `74 kippt die Situation. Jetzt werden alle Veränderungen am Fahrzeug strikt abgelehnt, sofern nicht eine Unbedenklichkeitserklärung vom Hersteller oder ein Teilegutachten für das bestimmte Modell vorliegt.

Viele Teile wurden zuvor von Hand angefertigt. Käuflich ist nur Universal- oder Touring-Zubehör zu haben. Und Gutachten? Die existieren nicht - aber für überhaupt nichts! Teile von renommierten Herstellern wie Magura werden vielleicht noch per Einzelabnahme eingetragen. So etwas wie eine TÜV geprüfte vorverlegte Fußrastenanlage oder gar eine zertifizierte längere Gabel ist undenkbar.

Die wenigen auf Chopper spezialisierten Läden kaufen in Übersee und manche schaffen es auch - mit viel Enthusiasmus oder Handgeld - die Teile in Einzelabnahme durch den TÜV zu schleusen. Okay, an einer BMW ist für Vorverlegte gar kein Platz und die Gabel muss eben selbstgemacht werden.

Er baut seinen Lenker aus gelöteten Rohrstücken individuell, macht die Basis für die Sitzbank selbst und entwirft seine eigene Rückenlehne. Mit Knotenblechen verstärkt, nimmt sein geänderter BMW-Rahmen eine lange Gabel auf und alles bekommt er vom TÜV abgesegnet. Ständig wird umlackiert und verändert. Der Sattler hat jährlich einen farblich passenden Bezug für den Sitz zu schneidern.

AME: Ein Pionier für BMW Chopper-Teile

Bei Kassel macht eine Firma von sich reden, die sogar einen Teilekatalog hat und TÜV-Eintragungen möglich machen soll - AME. AME-Chef Walter F. Cuntze will nicht verstehen, dass Motorradfahren nur Kilometerfressen und Höchstgeschwindigkeitswahn sein soll. BMWs sind ihm wohlvertraut. Bald hat Cuntze für die BMW Vollschwingenmodelle entsprechendes geprüftes Zubehör im Katalog.

Die späte Anerkennung durch BMW

Es kommen immer mehr Harleys und japanische Harley-Lookalikes ins Land, die eine hervorragende Custombike-Basis darstellen. Und BMWs? Die baut eigentlich keiner mehr um! Erst im Herbst 1997 stellt BMW mit der R 1200 C endlich ein Bike vor, das diese Nische besetzen soll. Doch barocke Formen und eigenständige technische Lösungen, wie Einarmschwinge oder die abnorme Telelever-Vorderradführung, wirken den eingefahrenen Bikern zu befremdlich.

Moderne Customizing-Wettbewerbe und die R 18

Der R 18 Customizing Wettbewerb zeigt, wie einfach und vielfältig das Customizing mit der R 18 sein kann. Im Rahmen eines Projekts von BMW Motorrad Kanada haben drei Customizer sehenswerte Umbauten auf Basis der R 18 mit sehr unterschiedlichem Charakter geschaffen. Nicht umsonst wählte BMW einen ungewöhnlichen Weg, um den Big Boxer in der Szene bekannt zu machen. Das jüngste Projekt im Rahmen dieses Konzepts fand nun in Kanada statt. Jay Donovan, Augment Motorworks und Konquer Motorcycles durften die R 18 nach Lust und Laune umgestalten.

Insgesamt wurden über 6.000 Stimmen abgegeben. Das nennen wir Einsatz und wahre Leidenschaft - genauso wie man es von #Soulfuel erwartet.

Die Vielfalt der Umbauten

Jeder einzelne unserer BMW Motorrad Partner hat viel Arbeit und Herzblut in den Umbau der BMW R 18 gesteckt. Deshalb stellen wir Dir hier noch einmal unsere 8 Favoriten vor, die im Wettbewerb gegeneinander angetreten sind. Wenn Dich eins der Modelle besonders inspiriert hat oder Du weitere Fragen zum Umbau hast, melde Dich einfach bei dem jeweiligen Team.

Einige bemerkenswerte Umbauten sind:

  • „The Miracle Copper“ von der Dexheimer GmbH
  • „RS76 Edition“ von der Riller & Schnauck GmbH
  • „Orange Is The New Black“ von der Motorrad Witzel GmbH
  • „Lumberjack“ von der Autohaus Becker-Tiemann Leinetal GmbH und Co. KG
  • „Bobberle“ von der Autohaus Munding GmbH
  • „Fuchs Edition Mystic Rot“ von der Fuchs Motorrad GmbH
  • „Big Bob“ von der Motorrad Bögel GmbH
  • „Pure1 MCD Edition“ von der Motorrad Center Darmstadt GmbH

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