München war lange ein Zentrum der deutschen Motorradfertigung. Heute noch knüpft BMW mit ihrem Stammsitz an diese Tradition an. Über 80 verschiedene Hersteller fertigten in den vergangenen Jahrzehnten in München Motorräder, teilweise in kleinen Werkstätten, teilweise in größeren Fabrikanlagen.
Die Anfänge und der Neubeginn nach dem Krieg
Auf der Berliner Automobilausstellung im September 1923 fällt der Startschuss für den Bau von BMW Motorrädern: Die R 32 ist das erste Motorrad der Bayerischen Motoren Werke, entwickelt von Max Friz. Nach den Kriegswirren gelingt BMW 1948 ein Neubeginn mit der Motorrad-Herstellung.
Alle Motorrad-Fertigungseinrichtungen sowie Konstruktionsunterlagen, kriegsbedingt Anfang der vierziger Jahre nach Eisenach ausgelagert, sind für die Münchener unerreichbar geworden. Die Demontage der Werksanlagen in München, Berlin und Eisenach scheint für BMW nach dem Krieg das Ende zu bedeuten. Auf Basis einer Vorkriegsmaschine entsteht in München das erste BMW Nachkriegsmotorrad.
Geliehene Werkzeugmaschinen anderer Firmen machen den unendlich schwierigen Neubeginn möglich. Erforderlich ist auch eine Genehmigung der Alliierten, die zunächst nur den Bau eines auf 250 ccm beschränkten Einzylinder-Motorrades vorsieht. Im Sommer liegen die Konstruktionspläne vor, aber erst kurz vor Weihnachten 1948 wird die erste BMW R 24 ausgeliefert.
Im Fahrgestell der früheren R 23 sitzt nun ein modernisierter Einzylinder-Motor, ausgestattet mit fliehkraftgeregelter Zündverstellung. Ebenfalls neu ist das Viergang-Getriebe mit Ratschen-Fußschaltung. Mit der R 24 ist BMW ein vielbeachtetes Comeback gelungen, zu den ersten Kunden zählt die Eskorte des Bundespräsidenten Theodor Heuss.
Expansion und Innovationen in den folgenden Jahrzehnten
Die 1950er Jahre sind von sportlichen Erfolgen geprägt. In Berlin-Spandau, wo bis 1945 Flugmotoren entstanden und danach eine Werkzeugmaschinen-Fertigung aufgebaut wurde, bekommen die BMW Motorräder ihr neues Zuhause - und Berliner Luft in die Reifen. Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder.
Konzipiert als geländegängiges Gespann für den Militäreinsatz, präsentiert sich die R 75 mit neuentwickeltem OHV-Motor (oben hängende Ventile), Getriebe mit Gelände-Untersetzung und Rückwärtsgang. Dazu besitzt die Maschine einen Antrieb für das Seitenwagenrad mit Differentialsperre, einen geschraubten Rohrrahmen und eine Öldruck-Bremse hinten.
Der Motorradbauer überrascht mit wegweisenden Innovationen und dem neuen Segment der Reise-Enduros. Der neue Vierventil-Boxer mit elektronischem Motormanagement und das BMW erste Einzylinder-Motorrad seit 1966 kommen in den 1990er Jahren auf den Markt. Etliche neue Modelle und technische Innovationen sorgen bei BMW Motorrad für Wachstum: die neue K-Baureihe geht jetzt mit einem quer eingebauten Motor an den Start; und die neu entwickelte F-Modellreihe befeuert das Segment der Mittelklasse-Maschinen.
Aktuelle Entwicklungen und Erfolge
Die 2010er sind eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.
Das Werk Berlin-Spandau
Ein ausgestelltes Motorrad weist den Weg zum BMW Group Werk Berlin. BMW-Motorräder fahren mit Berliner Luft in den Reifen. Bis zu 900 Motorräder laufen täglich im Motorradwerk der BMW Group in Berlin-Spandau vom Band. Die Geschichte des Produktionsstandorts beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts, als König Friedrich Wilhelm I. nahe der Zitadelle Spandau eine Gewehr- und Munitionsfabrik für die preußische Armee errichten lässt.
1928 entsteht dann auf einem Teil des Geländes das Flugmotorenwerk von Siemens & Halske. Mit der Ausgliederung aus dem Siemenskonzern firmiert das Werk ab 1936 als Brandenburgische Motoren Werke GmbH (Bramo). Die Bayerischen Motoren Werke (BMW) übernehmen schließlich ab 1939 das Gelände und die Produktion. Seit 1949 ist das Werk auf die Produktion von Motorradteilen spezialisiert und zwanzig Jahre später verlässt das erste komplett in Berlin hergestellte BMW-Motorrad das Werk.
Das erste BMW Motorrad aus Berlin - eine BMW R 60/2 - ist 1967 vom Montageband gerollt. Die Motorradgeschichte im Werk Berlin begann aber in dem ehemaligen Werk für Flugzeugmotoren schon 1949: Ab diesem Zeitpunkt wurden hier bereits die ersten Teile für die damals in München ansässige Motorradfertigung produziert. Im Laufe der Jahre erfolgte dann die stufenweise Verlagerung der Motorradfertigung vonMünchen nach Berlin.
So wurde zum Beispiel 1958 der Rahmenbau in Betrieb genommen und 1967 die Motorradmontage eingeweiht. Der letzte Schritt der Verlagerung erfolgte 1969: Mit dem Aufbau der Motorenmontage und der Fertigung der erfolgreichen BMW R 75/5 ist das Werk Berlin endgültig zum Motorradwerk geworden - der einzigen BMW Produktionstätte für Motorräder weltweit.
Mit der Entwicklung der Motorräder hat sich auch die Motorradfertigung im Werk Berlin in den letzten drei Jahrzehnten ständig weiterentwickelt: Für die anfangs 40 Motorräder am Tag reichten 1967 in der Montage 30 Mitarbeiter, die an zwölf Stationen am Montageband die Einzelteile der Motorräder in Handarbeit zusammenfügten.
Heute fertigen insgesamt 1 690 Mitarbeiter täglich bis zu 400 Motorräder aus drei Baureihen mit Ein-, Zwei- oder Vierzylindermotor; allein in 2000 sind insgesamt 74 397 Motorräder von den Berliner Montagebändern gerollt. Die verschiedenen Fertigungsbereiche im Werk, wie die Motorenmontage, die mechanische Fertigung von Motor- und Fahrwerkskomponenten sowie die Lackiererei und der Rohbau von Rahmen- und Fahrwerksteilen beliefern zusammen mit externen Zulieferern die drei Montagebänder.
Meilensteine der BMW Motorrad Geschichte
- 1950: Gemeinsamer Ölkreislauf für beide Zylinder, schräg montierte Vergaser und verrippte Ventildeckel für BMW R 51/2.
- 1955: Neues Dreiwellengetriebe und Kardanwelle mit nunmehr vorn angeordnetem Kreuzgelenk.
- 1969: Gleichdruck-Vergaser und E-Starter für BMW R 75/5. Neukonstruktion des Boxers für die Baureihe /5 mit unterhalb von Kurbelwelle und Zylinder platzierter Nockenwelle und Stößelstangen. Comeback der Teleskopgabel.
- 1973: Die R 90 ist das weltweit erste Großserienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung.
- 1988: Einführung von Vierventil-Technik, DOHC-Zylinderkopf und der weltweit ersten digitalen Motorelektronik für Motorräder im Vierzylinder-Motor.
- 1993: Einführung des Vierventil-Boxers mit Saugrohr-Einspritzung und Dreiwege-Katalysator.
- 2004: In der BMW K 1200 S debütiert der neue, nun quer eingebaute Vierzylinder.
- 2007: Die BMW HP 2 Sport ist bis dato stärkster Serien-Boxer mit 133 PS.
- 2009: Der kurzhubige Vierzylinder-Motor der BMW S 1000 RR leistet 193 PS.
- 2012: Die jüngste Generation des BMW Boxer-Motors erhält eine Luft-/Flüssigkeitskühlung. Das Getriebe ist jetzt in den Motorblock integriert.
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