BMW Motorrad Automatisierter Schaltassistent (ASA): Funktionsweise und Vorteile

Der neuartige automatisierte Schaltassistent - kurz ASA - von BMW Motorrad ist eine innovative technische Lösung, die das Motorradfahren einfacher und komfortabler macht. Das Fahrerlebnis tritt durch die Automatisierung der Kupplungsbetätigung und der Getriebeschaltung noch stärker in den Vordergrund, ohne dass auf die emotional wichtige Dynamik des Schaltvorgangs verzichtet werden muss.

Funktionsweise des ASA

Der automatisierte Schaltassistent besticht mit einem cleveren funktionalen Aufbau, in dem über zwei elektromechanische Aktuatoren das Kuppeln und Schalten des konventionellen Sechsganggetriebes automatisiert werden. Zwei elektronisch gesteuerte elektromechanische Aktuatoren betätigen die Kupplung sowie die Schaltung und ermöglichen damit einfacheres Anfahren sowie automatisierte Schaltvorgänge. Der Schaltwunsch des Fahrers wird über einen Schalthebelsensor, der vom konventionellen Fußschalthebel betätigt wird, an die Steuerung übermittelt.

Zusätzliche Sensoren ermitteln die Drehzahl der Getriebeeingangswelle sowie der Kupplungsposition. Diese Werte werden an das eng mit der Motorsteuerung vernetzte TCU-Steuergerät (Transmission Control Unit) zur Modellierung und Regelung der Kupplung, der Schaltungsaktuierung sowie der Zustandssteuerung übermittelt. Die Kupplung wird über einen elektromechanischen Aktuator in Kombination mit einem Hydrauliksystem mit direkter hydraulischer Verbindung zwischen Kupplungsgeber- und Nehmerzylinder betätigt.

Die Vorteile des ASA

  • Einfacheres Anfahren und Anhalten: Ein Handhebel zur manuellen Kupplungsbetätigung entfällt, wodurch das Anfahren, Anhalten und Rangieren zum reinsten Kinderspiel werden.
  • Optimierte Schaltvorgänge: Darüber hinaus gewinnt das eigentliche Fahren mit dem ASA durch zügige, drehzahl- und lastgerechte Schaltabläufe und den daraus resultierenden präzisen Gangwechseln an Bedeutung.
  • Erhöhte Fahrstabilität: Perfekt ausgeführte automatisierte Gangwechsel mit einer sanften Zugkraftunterbrechung erzeugen eine effiziente Beschleunigung des Motorrades und tragen zu einer gesteigerten Fahrstabilität bei.
  • Reduzierte Schaltrucke: So wird beim Hochschalten beispielsweise der beim klassischen Schaltgetriebe entstehende Schaltruck und damit das Risiko eines Helmkontakts von Fahrer und Beifahrer weitestgehend unterbunden.
  • Bessere Fahrzeugbeherrschung: Im Gelände und bei Steigungen ist dank des kräftigen Boxermotors ein beinahe spielerisches Anfahren mit besserer Fahrzeugbeherrschung möglich.

Schaltmodi des ASA

Der automatisierte Schaltassistent bietet zwei verschiedene Schaltmodi:

  • Manueller Modus „M“: Im Schaltmodus „M“ können die Gangwechsel wie bisher mit dem Fußschalthebel ausgeführt werden. Dadurch behält der Fahrer die Entscheidung über den von ihm gewünschten Schaltzeitpunkt. Liegt die Drehzahl im gewünschten Zielgang innerhalb der Höchst- bzw. Mindestdrehzahl, wird der Schaltvorgang direkt ausgeführt. Fällt die Drehzahl unter eine gangabhängige Mindestdrehzahl, wird auch im manuellen Modus automatisch heruntergeschaltet.
  • Automatischer Modus „D“: Im Schaltmodus „D“ spielt der automatisierte Schaltassistent seine ganzen Fähigkeiten aus. Verschiedene Fahrmodi sorgen für ein perfektes Schaltverhalten und machen in Kombination mit der adaptiven Geschwindigkeitsregulierung oder der Frontkollisionswarnung die Zukunft des Motorradfahrens erlebbar.

Erste Eindrücke und Fahrerfahrungen

Erstmals im Frühjahr 2024 präsentierte BMW ein automatisiertes Kupplungs- und Schaltsystem, kurz ASA, an einer R 1300 GS. MOTORRAD testet das System. Mit dem Dreh am Gasgriff kuppelt ein Stellmotor sanft und kontrolliert ein, worauf sich die GS ebenso in Bewegung setzt. Genauso unmerklich elegant wird wieder ausgekuppelt, sobald man sich dem Stillstand nähert. Ruckeln, Drehzahlsprünge und damit brenzlige Situationen beim langsamen Rangieren, Wenden oder Stop-and-Go: Fehlanzeige.

Nun gilt es nur noch per Taste linkerhand zwischen automatischem (A-Modus) oder manuellem Schalten (M-Modus) zu wählen. Ersterer wählt die Schaltpunkte erstaunlich intuitiv und nah an der Wahl eines routinierten Motorradfahrers, wobei der gewählte Fahrmodus und das Engagement am Gashebel deutlichen Einfluss haben. Jeder Gang hat eine Mindest- und Maximaldrehzahl, bewegt man sich außerhalb dieses dank Boxerpower sehr weiten Bereichs, werden Schaltbefehle schlicht ignoriert.

ASA im Vergleich zu anderen Systemen

Im Vergleich mit der Konkurrenz ordnet sich der BMW ASA spannend ein. Mit seinen Funktionen ähnelt er eher dem DCT Doppelkupplungsgetriebe von Honda, da der bayerische Schaltassistent auch die Kupplung immer automatisch steuert und obendrein einen automatischen Schaltmodus hat. Nur setzt das BMW System nicht auf zwei Kupplungen, sondern ähnelt im Aufbau und der technischen Funktionsweise eher dem neuen Honda E-Clutch System, bei dem auch über Aktuatoren die Kupplungen elektronisch geregelt werden.

Allerdings kann die E-Clutch nicht selbstständig Gänge wechseln und bietet auch noch einen manuellen Kupplungshebel, über den jederzeit manuell eingegriffen werden kann. In puncto Kompatibilität ist der ASA auch vergleichbar mit der E-Clutch, da beide Systeme mehr oder weniger mit konventionellen Getrieben und Kupplungen kombiniert und damit prinzipiell in jedem Motorrad verbaut werden können.

Zukunftsperspektiven

Laut BMW wäre das ASA-System grundsätzlich, mit mehr oder weniger Aufwand, bei jedem Modell applizierbar. Es sei jedoch vorerst nur als Option für höherpreisige Modelle geplant. BMW stellte die Präsentation serienreifer ASA-Modelle für die zweite Jahreshälfte 2024 in Aussicht.

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