Die Geschichte von BMW Motorrad: Eine Reise durch ein Jahrhundert voller Innovation und Leidenschaft

Die BMW Motorrad Geschichte ist geprägt von Vorwärtsdrang, Herausforderungen, Erfolgen, Rückschlägen und Durchhaltevermögen. Aufgeben war nie eine Option. Sie handelt vor allem von Menschen, die eine Leidenschaft teilen: Abenteurer, Träumer, Tüftler, Sportler, Visionäre - Männer wie Frauen. Die mit großen Ideen auf zwei Rädern die Straßen revolutionieren wollen.

Alles begann mit Chefkonstrukteur Max Friz, der das erste BMW Motorrad konstruierte, das am 28. September 1923 auf der deutschen Automobilausstellung präsentiert wurde. Ihm folgten Konstrukteure, Rennfahrer, Vordenker, die ebenfalls den Status Quo herausforderten. Rudolf Schleicher war 1924 federführend an der Entwicklung des Motors der BMW R 37, dem ersten Sportmodell von BMW Motorrad, beteiligt. Ernst Jakob Henne brach im Jahre 1937 auf einer vollverkleideten BMW 500 Kompressor mit 279,503 km/h den Geschwindigkeitsrekord. Georg „Schorsch“ Meier gewann im Jahre 1939 als erster Nicht-Brite auf einer Kompressor BMW die Senior TT auf der Isle of Man.

Die Anfänge: Von Flugmotoren zum ersten Motorrad

Initialzündung für das BMW Motorrad ist eine Begebenheit vom 2. Januar 1917: An diesem Tag nimmt der 33jährige Diplom-Ingenieur Max Friz seine Arbeit bei BMW auf. Wie sich herausstellt, ein überaus vorteilhafter Umstand für BMW. Jedoch scheint nach dem Verbot des Baus von Flugzeugen und Flugmotoren durch den Vertrag von Versailles am 28. Juni 1919 die Existenz von BMW in Frage gestellt.

Doch Max Friz, inzwischen BMW Chefkonstrukteur, wendet sich mit vollem Einsatz dem Thema Motorrad zu. Noch im Dezember 1922, kaum mehr als 4 Wochen nach Auftragserteilung, hat Friz das erste BMW Motorrad im Originalmaßstab aufs Reißbrett gebracht. Auf der Berliner Automobilausstellung im September 1923 fällt der Startschuss für den Bau von BMW Motorrädern: Die R 32 ist das erste Motorrad der Bayerischen Motoren Werke, entwickelt von Max Friz.

Die R 32 sorgt bei ihrer Weltpremiere anlässlich der Berliner Automobilausstellung für Aufmerksamkeit. Triebwerke für Flugzeuge, Lastkraftwagen und Boote wurden gebaut. 1920 entsteht dann der erste Boxer-Motor, der bei verschiedenen deutschen Motorradherstellern Verwendung findet. BMW wagte noch vor der Automobilentwicklung (1928) den Vorstoß in die Fahrzeugkonstruktion.

Mit 494 ccm und 8,5 PS erreicht die R 32 bei einem Fahrzeuggewicht von 120 kg mehr als 90 km/h. Nicht zuletzt wegen ihres tiefen Schwerpunktes ist sie dabei stets sicher zu beherrschen. Die Kombination mit ihrer hohen Wartungsfreundlichkeit und der bekannten Zuverlässigkeit bringt ihr dies schnell einen guten Ruf ein. Das BMW Boxer-Konzept wird nun mit einer hohen Qualität sowie solider und leistungsstarker Technik realisiert, die BMW aus dem Flugzeugbau in die Motorradproduktion übernommen hat.

Das erste BMW Motorrad entsteht unter Verwendung des bisher an andere Hersteller gelieferten Zweizylinder-Viertakt-Boxermotors. Dieser wird für den Quereinbau modifiziert und mit einem direkt angeblockten Dreigang-Getriebe versehen. Anstelle eines verschleißanfälligen Kettenantriebs wird die Kraft des Antriebs über eine Kardanwelle zum fettgefülltem Kegelradgehäuse am Hinterrad geführt.

Die 1930er Jahre: Innovation und Rekorde

Rudolf Schleicher, selbst aktiver Motorradsportler und seit 1923 als Diplom-Ingenieur bei BMW, nimmt das Projekt in Angriff. Er feilt an der Leistung der R 32 von 8 PS. Stahl-Zylinder mit einem neuen Leichtmetall-Zylinderkopf mit hängenden Ventilen. Sie stellt die Basis für die BMW Rennmaschinen dar und macht die Marke BMW nicht nur im Geländesport und auf den Rennstrecken, sondern auch in der gesamten Motorradwelt berühmt.

Im unveränderten Fahrgestell der R 32 mit Blattfeder-Vorderradschwinge, Trommelbremse vorn und Keilklotzbremse hinten, sitzt nun ein neuer Sportmotor. Fertig ist die R 37. Die erste BMW Einzylindermaschine: die R 39. Als Sportmodell konzipiert, überzeugt sie mit 6,5 PS aus 250 ccm im verkürzten Fahrgestell der R 32. Für das 750 ccm Modell wird der R 57 Motor auf 83 mm aufgebohrt - in bewährter Manier längs eingebaut mit querstehenden Zylindern zur Verbesserung der Kühlung.

In den Grundzügen ist es immer noch das Modell des Herrn Schleicher, mit dem 1929 der absolute Geschwindigkeitsrekord gebrochen wird. Nach technischen Modifikationen - unter anderem der Aufladung des Motors mittels Kompressor - ist es am 19. September 1929 soweit: Ernst Henne schießt mit 216 km/h über die Ingolstädter Landstraße nördlich von München - heutzutage auf 50 km/h beschränkt - und übertrifft den bisherigen Weltrekord damit um 10 km/h.

Eine komplette Neukonstruktion von Rudolf Schleicher ist die BMW R 5. Mit 24 PS bei 500 ccm ist sie auch Dank des günstigen Gewichts eines der sportlichsten Motorräder der damaligen Zeit. Ernst Henne versucht mit den 108 PS aus der neusten 500-ccm- Kompressormaschine auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord. Aerodynamische Erkenntnisse sollen die entscheidenden Verbesserungen bringen. Das Ergebnis ist atemberaubend: Mit 279,5 km/h wird Ernst Henne zum schnellsten Mann auf zwei Rädern.

Er sorgt mit der 65 PS starken BMW Kompressormaschine auf den Rennstrecken Europas für Furore. Die Bilanz spricht für sich: 1938, in seiner ersten Saison, gewinnt der BMW Werksfahrer Georg Meier die Europameisterschaft.

Bei der R 12 und der R 17 hat BMW als weltweit erster Motorrad-Hersteller in der Serienfertigung die bisherige Blattfedergabel durch eine hydraulisch-gedämpfte Teleskop-Vorderradgabel ersetzt. Mit der R 12 erscheint die erste hydraulisch gedämpfte Teleskop-Vorderradgabel im Motorrad. Diese bringt gegenüber der bisherigen Blattfeder-Schwinge eine erhebliche Verbesserung im Komfort und in den Fahreigenschaften.

Die R 2 weiß mit einem neuen Einzylinder-Motor für die führerscheinfreie 200-ccm-Klasse in einer leichteren Version des Pressstahlrahmens zu überzeugen. Die R 4 ist die hubraumstärkere Einzylinderversion im verstärkten R 2-Fahrgestell, gedacht als Behörden- und Geländesportmodell. Im unveränderten Pressstahlrahmen sitzt ein Seitenventil-Motor, der wahlweise mit einem SUM- oder zwei Amal-Vergasern geliefert wird.

Das Sportmodell: die R 17 mit dem leistungsstarken OHV-Motor (oben hängende Ventile). Der neue Rohrrahmen erfährt durch den Anbau einer Geradweg-Hinterradfederung eine entscheidende Verbesserung.

Neubeginn und Erfolge der 1950er und 1960er Jahre

Nach den Kriegswirren gelingt BMW 1948 ein Neubeginn mit der Motorrad-Herstellung. Die 1950er Jahre sind von sportlichen Erfolgen geprägt. In Berlin-Spandau, wo bis 1945 Flugmotoren entstanden und danach eine Werkzeugmaschinen-Fertigung aufgebaut wurde, bekommen die BMW Motorräder ihr neues Zuhause - und Berliner Luft in die Reifen.

Innovationen und neue Segmente ab den 1970er Jahren

Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder. Der Motorradbauer überrascht mit wegweisenden Innovationen und dem neuen Segment der Reise-Enduros.

Der neue Vierventil-Boxer mit elektronischem Motormanagement und das BMW erste Einzylinder-Motorrad seit 1966 kommen in den 1990er Jahren auf den Markt. Etliche neue Modelle und technische Innovationen sorgen bei BMW Motorrad für Wachstum: die neue K-Baureihe geht jetzt mit einem quer eingebauten Motor an den Start; und die neu entwickelte F-Modellreihe befeuert das Segment der Mittelklasse-Maschinen.

Die 2010er sind eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.

Ein Jahrhundert voller Meilensteine: Auswahl wichtiger technischer Entwicklungen

JahrEntwicklung
1950Gemeinsamer Ölkreislauf für beide Zylinder, schräg montierte Vergaser und verrippte Ventildeckel für BMW R 51/2.
1955Neues Dreiwellengetriebe und Kardanwelle mit nunmehr vorn angeordnetem Kreuzgelenk.
1969Gleichdruck-Vergaser und E-Starter für BMW R 75/5. Neukonstruktion des Boxers für die Baureihe /5 mit unterhalb von Kurbelwelle und Zylinder platzierter Nockenwelle und Stößelstangen. Comeback der Teleskopgabel.
1973Die R 90 ist das weltweit erste Großserienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung.
1988Einführung von Vierventil-Technik, DOHC-Zylinderkopf und der weltweit ersten digitalen Motorelektronik für Motorräder im Vierzylinder-Motor.
1993Einführung des Vierventil-Boxers mit Saugrohr-Einspritzung und Dreiwege-Katalysator.
2004In der BMW K 1200 S debütiert der neue, nun quer eingebaute Vierzylinder.
2007Die BMW HP 2 Sport ist bis dato stärkster Serien-Boxer mit 133 PS.
2009Der kurzhubige Vierzylinder-Motor der BMW S 1000 RR leistet 193 PS.
2012Die jüngste Generation des BMW Boxer-Motors erhält eine Luft-/Flüssigkeitskühlung. Das Getriebe ist jetzt in den Motorblock integriert.

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