BMW R 75 Wehrmacht: Informationen zum Motorradgespann

Die BMW R 75 wird ab 1941 von der Bayerischen Motoren Werke AG speziell für den militärischen Einsatz der Wehrmacht entwickelt. Sie ist als schweres Kraftrad mit Seitenwagen (Kradschützen-Gespann) konzipiert und zählt zu den technisch fortschrittlichsten Militärmotorrädern ihrer Zeit. Die R 75 wird ausschließlich mit angetriebenem Seitenwagen ausgeliefert und ist für den Geländeeinsatz optimiert.

Modellhistorie der BMW R 75 Wehrmacht (1941-1944)

Baujahr 1941 - Serienanlauf und technische Merkmale

Die Serienproduktion beginnt im Juni 1941. Die BMW R 75 verfügt über ein handgeschaltetes Vierganggetriebe mit zusätzlichem Geländeuntersetzungsgetriebe und Rückwärtsgang. Der Seitenwagen ist über eine Kardanwelle permanent angetrieben und mit einem Sperrdifferenzial ausgestattet. Diese Kombination ermöglicht eine außergewöhnliche Geländegängigkeit. Die Maschine ist für den militärischen Dauereinsatz konzipiert, mit robuster Rahmenkonstruktion und zentralem Instrument im Tank.

Baujahr 1942 - Anpassungen für extreme Einsatzbedingungen

1942 wird die R 75 für den Einsatz in Nordafrika modifiziert. Die sogenannte Tropenausführung umfasst unter anderem einen vergrößerten Luftfilter, zusätzliche Halterungen für Wasserkanister und eine verbesserte Abdichtung gegen Staub. Auch die Wartungsfreundlichkeit wird durch überarbeitete Komponenten wie den Kardanantrieb verbessert. Diese Änderungen erfolgen auf Grundlage von Erfahrungen aus dem Afrikafeldzug.

Baujahr 1943 - Bauteilangleichung mit Zündapp KS 750

Auf Anordnung des Oberkommandos des Heeres wird 1943 eine Vereinheitlichung von Bauteilen mit der Zündapp KS 750 beschlossen. Ziel ist die Reduktion der Ersatzteilvielfalt. Die BMW R 75 erhält in diesem Zuge unter anderem ein standardisiertes Seitenwagenfahrwerk. Die Materialknappheit im Kriegsverlauf führt zu vereinfachten Ausführungen einzelner Komponenten, etwa bei elektrischen Bauteilen und Anbauteilen.

Baujahr 1944 - Produktionsende

Die Produktion der BMW R 75 endet im August 1944. Laut offiziellen BMW-Angaben werden insgesamt 16.510 Einheiten gefertigt. Die Fertigung wird eingestellt, da die Industrie auf andere Rüstungsgüter umgestellt wird. Die letzten Modelle weisen vereinfachte Ausstattungen auf, darunter reduzierte elektrische Systeme und vereinfachte Lackierungen.

Besonderheiten und Ausstattung

Die BMW R 75 ist ausschließlich mit Seitenwagen erhältlich. Der Seitenwagenantrieb mit Sperrdifferenzial ist ein zentrales Merkmal. Die Sitzposition ist aufrecht, mit breitem Lenker und tiefem Einzelsattel, ausgelegt für lange Geländefahrten. Die Maschine ist nicht für den Soziusbetrieb ohne Seitenwagen vorgesehen. Die Instrumentierung besteht aus einem zentralen Rundinstrument im Tank.

Technische Details

  • Motor: 745-Kubik-Boxer mit 26 PS bei 4.000 Umdrehungen
  • Getriebe: Vierganggetriebe mit Geländeuntersetzung und Rückwärtsgang
  • Tankinhalt: 24 Liter
  • Reichweite: Etwa 350 Kilometer (abhängig von Gelände und Beladung)
  • Höchstgeschwindigkeit: Bis zu 95 km/h
  • Verbrauch: Zirka 6,3 Liter (Straße), 8,5 Liter (Gelände) pro 100 Kilometer

Das Getriebe hielt vier Gänge für Straßenbetrieb und drei für den Einsatz im Gelände parat. Zudem gab es für beide Übersetzungen je einen Rückwärtsgang - wichtig beim Rangieren des bereits leer 400 bis 420 Kilogramm schweren Trumms (ohne Anhänger). Hinzu kamen rund 250 bis 270 Kilogramm Nutzlast.

Zum technischen Aushängeschild wurde das permanent angetriebene Beiwagenrad. Das dazu notwendige Differenzial besaß eine Sperre, um bei widrigen Bedingungen an Hinter- beziehungsweise Beiwagenrad das volle Drehmoment abgeben zu können.

Die widerstandsfähige Maschine mit dem ungepanzerten Beiboot verfügte über einen verschraubten, teilbaren Rahmen, um einen leichten Motor-Ausbau für Wartungsarbeiten zu ermöglichen. Die drei 4,5 Zoll breit bereiften 16-Zoll-Räder waren untereinander und zur Zündapp identisch. Innovativ: Die Trommelbremsen in Hinterrad und Beiwagenrad wurden hydraulisch betätigt!

BMW R 75 Wehrmacht vs. Zündapp KS 750 - Unterschiede

Beide Modelle sind technisch ähnlich, unterscheiden sich jedoch in Motorenkonstruktion, Rahmengeometrie und Getriebe. Ab 1943 erfolgt eine Vereinheitlichung vieler Bauteile zur Verbesserung der Logistik.

Häufige Fragen

Ist die BMW R 75 Wehrmacht, Gespann für Anfänger geeignet?

Nein, die BMW R 75 ist aufgrund ihrer komplexen Technik, des hohen Gewichts und der militärischen Auslegung nicht für Anfänger geeignet.

Hat die BMW R 75 Wehrmacht, Gespann ABS?

Nein, das Modell verfügt über keine elektronische Bremsunterstützung. Es ist mit mechanischen Trommelbremsen ausgestattet.

Merkmal BMW R 75 Zündapp KS 750
Motorenkonstruktion Boxermotor (Unterschiede vorhanden)
Rahmengeometrie (Spezifisch) (Spezifisch)
Getriebe Viergang mit Untersetzung (Unterschiede vorhanden)
Vereinheitlichung von Bauteilen Ab 1943 Ab 1943

Die deutsche Expansions- und Kriegspolitik erforderte ein Motorrad-Gespann, das auf verschiedensten Untergründen vorankommen konnte, von Schotter über Schlamm, Eis und Schnee bis hin zu Wüstensand. Es musste also unter extremen Bedingungen sowie Temperaturen funktionieren und dazu möglichst wartungsfreundlich aufgebaut sein.

Zündapp und BMW erhielten 1938, noch vor dem Krieg, einen entsprechenden Entwicklungsauftrag und arbeiteten eng zusammen. BMW nutzte zunächst die R 71 als Basis. Doch deren seitengesteuerter Motor machte bei längeren Fahrten im Geländeeinsatz mit niedrigen Tempi thermische Probleme. Als Antwort darauf entwickelte BMW einen komplett neuen Motor.

Heraus kam die R 75, besser bekannt als "Wehrmachtsgespann". Es konnte bis zu drei Mann Besatzung samt Maschinengewehr tragen. Zudem kam der Quadrathuber (Bohrung wie Hub 78 Millimeter) durch seine niedrige Verdichtung von nur 5,8 zu eins selbst mit qualitativ schlechtem oder synthetisch erzeugtem Kraftstoff klar.

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