Die Idee, ein Motorrad mit dem Komfort und der Sicherheit eines Autos zu verbinden, ist nicht neu. Insbesondere die Verletzungsgefahr bei Motorradunfällen und die Einschränkungen durch Witterungsbedingungen trüben oft die Lust am Motorradfahren. Dieses Problem soll der Kabinenroller C-1 nun lösen.
BMW C1: Ein Klassiker mit Neuauflage-Potenzial?
Beim Stichwort BMW Roller mit Dach kommt BMW Fans sicherlich gleich ein ganz bestimmtes Fahrzeug in den Sinn: Der BMW C1. Der BMW C1 rollt da sofort ins Bild. Dabei wurde er gerade mal 4 Jahre produziert, 2000 bis 2003. C1 könnte eine Neuauflage des BMW-Kabinenrollers jedoch nicht mehr heißen, da BMW den Namen im Jahr 2004 an den Automobilhersteller Citroën verkaufte, der dann seinen Kleinwagen so nannte.
Laut Informationen von Markus Flasch, dem BMW Motorrad-Chef, soll der neue BMW Roller ebenfalls ein Dach bekommen, eine richtige Neuauflage des C1 wird es aber nicht geben, zumindest nicht mit diesem Namen. So kann man es zumindest den Worten des BMW-Motorrad-Chefs Markus Flasch vom März dieses Jahres entnehmen.
Der Erste seiner Art, der im Jahr 2000 eingeführte BMW C1, hatte ein Alu-Dach und brachte damit 185 Kilogramm Leergewicht auf die Waage, womit der 125er-Einzylinder-Motor mit 15 PS etwas überfordert war. Immerhin 110 km/h waren trotzdem mit etwas Anlauf drin. Die Idee der Projektverantwortlichen war es, ein Fahrzeug als Ersatz für das Auto zu schaffen.
Alles begann 1990. BMW Technik GmbH - welche neue Ideen und Konzepte entwickeln - haben einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Bernd Nurtsch hatte die Idee für die C1, nachdem er zahlreiche Studien zu Verkehr, Motorrädern und Unfällen durchgeführt hatte. Er schlug einen Scooter mit hoher Sicherheit vor, der ohne Helm gefahren werden kann, mit hohem Wetterschutz, hoher Stabilität und optimaler Ergonomie für alle Größen. Von diesem Zeitpunkt an begannen Modellkonstruktionen und Tests. Da es sich um ein "kutschentaugliches" Fahrzeug handeln sollte, musste der Hubraum 125 ccm betragen.
Das zu transportierende Gesamtgewicht würde aber recht hoch sein weshalb man sich dann letzendlich, für einen von Bombardier-Rotax hergestellten und von BMW modifizierten LC-Motor mit Einspritzung und vier Ventilen pro Zylinder entschieden hat. Das Projekt C1 durchlief endlose Sicherheitstests. Da der Roller ja ohne Helm gefahren werden sollte, musste es eine geschlossene, robuste Struktur mit einem Dach und einer großen Windschutzscheibe (mit Scheibenwischern) haben.
Die besondere Karosserie des C1 mit viel Gewicht auf der Oberseite machten den Roller instabil. Der Kraftstoffverbrauch war durch das Gewicht entsprechend hoch. Ein weiterer Nachteil war, dass keine Möglichkeit bestand jemanden mitzunehmen - also es fehlte ein zweiter Platz. Dies wurde dann mit einem Sitz- und Fußrastenbausatz behoben. All die investierte Zeit und Mühe hat sich auf der Marktebene nicht ausgezahlt.
Aber wie alle "Sonderlinge" (wie die Aprilia Motó 6.5, Honda DN-01 und Vultus usw.), die damals keinen kommerziellen Erfolg hatten, ist die BMW C1 inzwischen zu einem Kult- und Sammlerstück geworden.
Die elektrische Zukunft: BMW Patente und der CE 04 als Basis
Im Interview mit MOTORRAD befürwortete Markus Flasch, der neue BMW-Motorrad-Chef, ein derartiges neues Modell - im Gegensatz zu einem leistungsstarken Elektromotorrad - ausdrücklich. Im März 2024 sagte Markus Flasch: "Beispielsweise hatten wir ja schon einmal ein Produkt, mit dem man sich auf zwei Rädern wind- und wettergeschützt ohne Helm bewegen konnte. Das ist etwas, wo uns kaum einer folgen kann. Das konsequent weitergedacht, auch in Sachen E-Antrieb und urban, kann ich mir durchaus vorstellen und so neue Trends zu setzen und gleichzeitig an alte Trends anzuknüpfen."
Da erscheint es naheliegend, auf die aktuelle technische Plattform des 2022 eingeführten Elektrorollers BMW CE 04 aufzubauen. Das würde diese Eckdaten bedeuten: 15 kW (20 PS) Dauer-Nennleistung, 31 kW (42 PS) Spitzenleistung, 120 km/h Höchstgeschwindigkeit und 130 Kilometer Reichweite (nach WMTC-Norm). Wie beim CE 04 wäre neben der A2-Ausführung eine "125er"-Variante möglich, elektronisch gedrosselt auf formal 11 kW (15 PS) Dauer-Nennleistung, nutzbar ab 16 Jahren mit Führerscheinklasse A1 oder mit Pkw-Führerscheinerweiterung (in Deutschland B196). Das Gewicht des CE 04, 231 Kilogramm, würde eine Ausführung mit Dachaufbau allerdings nicht halten können, mit zig Kilos obendrauf wäre zu rechnen.
Eine ganz neue Idee ist der E-Roller mit Dach übrigens nicht, denn schon 2009 gab es eine Konzept-Studie und einen Prototypen mit Elektrotechnik der Firma Vectrix. Dieser Prototyp ging aber nicht in Serie. Schon 15 Jahre vor Markus Flaschs mehr oder weniger konkreter Ankündigung im Interview hatte BMW den C1-E vorgestellt. Im Jahr 2009, damals allerdings nur als Konzept-Studie - die zwischenzeitlich nicht in Serie ging. Die Elektro-Technik für den fahrtüchtigen Prototyp hatte BMW von der Firma Vectrix übernommen, da eine eigene elektrische Plattform noch nicht vorhanden war. 2014 ging der elektrische BMW C evolution in Serie - allerdings ohne Dach.
Im Jahr 2020 veröffentlichte BMW-Patente zeigen, dass ein möglicher neuer Kabinenroller mit einem Dach aus Kohlefaserlaminat (Carbon) samt Grundgerüst aus Aluminium aufgebaut sein könnte. Demnach bilden 2 Carbon-Bögen die Hauptstruktur des Dachs. Sie verlaufen ungefähr von Fußhöhe des Fahrers über den Kopf und münden an einer schwenkbaren Aufhängung hinter dem Fahrer. Carbon bietet hohe Steifigkeit bei minimalem Gewicht, kostet aber auch wesentlich mehr als Aluminium.
Die gesamte Dachkonstruktion soll laut Patentanmeldung einfach abnehmbar sein - samt Sicherheitszelle mit Airbags, Vierpunktgurten, Rückenlehne und Windschutzscheibe. Es scheint, als ob BMW mit diesem Entwurf ein Fahrzeugkonzept verfolgt, das beispielsweise unter der Woche die Bedürfnisse eines Pendlers erfüllen und am Wochenende für Ausflüge ein "normaler" Roller sein könnte.
Sicherheit und Komfort durch innovative Lösungen
Vertikal sehen die Patentzeichnungen 4 Knautschzonen vor, und zwar durch die Halterungen des Carbon-Dachs vorn und hinten. Ein Vierpunktgurt soll den Fahrer im Falle eines Aufpralls im Sitz halten, sodass die Airbags in den Seitenwänden der Kabine effektiv schützen können. Die Airbags sollen je Seite von den Hüften bis nach oben zur Schulter und bis zu den Ellenbogen nach vorn reichen. Der verstärkte Rückenbereich an der abnehmbaren Kabine soll die Wirbelsäule bei einem Heckaufprall schützen, zusätzlich sind aufblasbare Polster in diesem Bereich vorgesehen.
"Außer Kraft gesetzt" wird diese beim im Patent beschriebenen Kabinenroller durch 4 Knautschzonen: die vorderen und hinteren Halterungen des Carbondachs. Außerdem gibt es im Rückenbereich eine Verstärkung inkl. Die somit entfallende Helmpflicht wäre ein Alleinstellungsmerkmal und ein Pro-Argument beim Verkauf - Stichwort: Frisur.
Die Dachkonstruktion bietet zwar mehr Schutz vor Verletzungen bei einem Unfall sowie vor Wind und Wetter, doch aerodynamisch - besonders bei Seitenwind - kann sie sich nachteilig auswirken. Insbesondere beim Einfluss von Seitenwind zeigt ein Dach beim Motorroller Nachteile, auch wenn die Dachkonstruktion ansonsten eine gute Witterungsschutz-Lösung ist.
Hierfür sieht BMW in den Patentzeichnungen 4 bewegliche Winglets vor. In Verbindung mit einem elektronischen Stabilitätssystem sollen 2 Winglets vorn und 2 hinten für Abtrieb sorgen. Gleichzeitig könnten sie wie das Querruder an einem Flugzeug wirken. Die kleinen, beweglichen Bauteile würden sich dynamisch so ausrichten, dass sie den Kippkräften entgegenwirken, die durch die Seitenwinde erzeugt werden, und so das Fahrzeug stabilisieren. Auch das wird in den BMW-Patenten von 2020 berücksichtigt, und zwar mit vier beweglichen Winglets - zwei vorn und zwei hinten.
Die Frage nach dem Sozius
Beim BMW C1 war die Mitnahme eines Sozius zwar möglich, allerdings eher theoretisch als praktisch: Der Mitfahrer musste außerhalb, beziehungsweise hinter der Kabine Platz nehmen - und einen Helm tragen. Von dieser Mitnahmemöglichkeit machte kaum jemand Gebrauch. Die vorliegenden Patentzeichnungen lassen jedoch darauf schließen, dass künftig kein Platz für einen Passagier vorgesehen ist. Anders könnte es aber aussehen, wenn das Dach entfernt wird. Auf dem "offenen" Elektroroller könnte dann schon Platz für einen Sozius sein.
Alternative Konzepte: Bicar und Peraves MonoTracer
Neben den Entwicklungen von BMW gibt es auch andere interessante Konzepte für überdachte Zweiräder. Ein Beispiel ist das Elektro-Dreirad Bicar.
Bicar
Mit dem Bicar-Dreirad steht ein neues Fahrzeug in den Startlöchern, das ein wenig an den BMW C1 erinnert und sich vor allem für den Einsatz in der Stadt eignen soll. Das Einsatzgebiet für das Bicar-Dreirad ist klar: Das ungewöhnliche Fahrzeug ist vorrangig für den Einsatz in der Stadt konzipiert. Dabei soll die Überdachung vor Wind und Wetter schützen. Das dritte Rad soll auch bei etwas ungeübteren Piloten für Sicherheit sorgen. Den Antrieb übernimmt ein Radnaben-Elektromotor mit dem maximal 45 km/h möglich sind. Somit wird das Bicar-Dreirad als Leichtkraftfahrzeug (L2e) kategorisiert und kann auch von Besitzern des Autoführerscheins bewegt werden.
Eine 48-Volt-Batterie mit einer Kapazität von einem kWh soll eine Reichweite von bis zu 60 Kilometern sicherstellen. Der 6,1-Kilogramm-Akku ist zudem austauschbar und kann an der heimischen Steckdose aufgeladen werden. Das Fahrzeug kann nur als Einsitzer verwendet werden - für einen Sozius ist bauartbedingt keinen Platz. Ein Sitz inklusive Rückenlehne soll für möglichst viel Komfort sorgen. Während der Fahrt muss sich der Fahrer per Dreipunktgurt anschnallen. Das Bicar-Dreirad darf damit ohne Helm gefahren werden - wovon wir ausdrücklich abraten. In Kombination mit einer passenden App kann das Smartphone eingeklinkt und als Display verwendet werden. Ein Head-Up-Display soll beim Serienfahrzeug allerdings vorhanden sein. Dass das Dreirad auch für Fahrten im Regen geeignet ist, zeigt der Windschutzscheibe mit intergriertem Scheibenwischer.
Die Gründer hinter dem Konzept möchten das Fahrzeug zudem als Sharing-Fahrzeug etablieren. In der Schweiz soll das Bicar-Dreirad ab 7.000 Franken kosten, was umgerechnet rund 6.300 Euro entspricht.
Peraves MonoTracer
Ein weiteres, sehr futuristisches Konzept ist der Peraves MonoTracer. Dieses supermodernste, leistungsfähigste & emissionsfreie erste PREMIUM-KABINENMOTORRAD ersetzt alle früheren Modelle. Höchste Qualität, überlegene Fahrleistung (Vmax 250 km/h), bester Komfort, beste Sicherheitsvorkehrungen, grösster Range = 420 bis 650 km zwischen Ladungen.
Der MonoTracer ist die Weiterentwicklung vom ECO und Super-ECO. Klimaanlage, Kabinenheizung + Belüftung, Garmin-Navi mit Rückfahrkamera, 4 Lautsprecher-Soundanlage und vieles mehr gehören zur Ausstattung. Sehr geringes Kabinengeräusch und phantastische Fahrleistung von bis zu 250 km/h, integrierte ABS-Kombi-Bremse, Antischlupfregelung ASR, Tiptronic mit 4 Vorwärts und einem Rückwärtsgang.
Fazit
Bisher gibt es nur vage Andeutungen zum geplanten BMW Roller mit Dach. Weder eine Modellbezeichnung noch ein Termin für die Markteinführung stehen fest. Es ist also unklar, ob wirklich ein neuer, elektrisch angetriebener Roller mit Dach von BMW in Serie geht. Falls ja, ist der geplante Termin für die Markteinführung ebenso wenig bekannt wie die Modell-Bezeichnung. Die Zeit wird zeigen, ob BMW Motorrad diesen Trend aufgreift und ein erfolgreiches Modell mit Kabine auf den Markt bringt.
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