BMW Motorrad Nachbau Modelle aus China

In den letzten Jahren hat sich ein Trend entwickelt, bei dem chinesische Hersteller Motorradmodelle europäischer Marken imitieren. Besonders auffällig sind dabei die Nachbauten von BMW Motorrad-Modellen.

Crystalburn CBNMotor Retro-Boxer 2V

Mitte April 2025 sorgte eine unerwartete Überraschung in Peking für Aufsehen: ein neuer, luftgekühlter Zweizylinder-Boxer-Motor, der dem klassischen Zweiventiler von BMW ähnelte. Dieser Motor stammt von Crystalburn, abgekürzt als CBNMotor, einer neuen chinesischen Marke, die kurz vor der Messe in Peking erstmals in Erscheinung trat. Zu den Hintergründen ist bisher wenig bekannt. Neben dem Boxer-Motor waren am Messestand von CBNMotor mehrere Retro-Modelle mit diversen, allesamt luftgekühlten Triebwerken zu sehen.

Zum neuen Zweizylinder-Boxer-Motor vom chinesischen Hersteller Crystalburn CBNMotor liegt bislang nur eine konkrete Angabe zum Hubraum vor: 900 Kubik. Bei den offensichtlichen, zumindest äußerlichen Ähnlichkeiten mit den klassischen Zweiventil-Boxern von BMW führt der Blick zurück auf die technischen Daten der BMW R 90 S, denn die hatte ebenfalls rund 900 Kubik: 898 ccm und nach Werksangabe 67 PS bei 7.000/min. Wobei die kantigen Zylinderkopfhauben des China-Boxers eher an nachfolgende BMW-Typen erinnern.

Auf ersten Fotos sind die unter den Zylindern verlaufenden Stoßstangen von der Nockenwelle im Motorgehäuse zum Ventiltrieb mit mutmaßlich jeweils 2 Ventilen zu sehen. Ebenso die an den Oberseiten der Zylinder schräg eingesetzten Zündkerzen. Alles anscheinend wie bei der weltbekannten Vorlage aus Bayern, bis hin zum eingedrehten Ölpeilstab an der Seite und zum Kardan-Anschluss hinten. Im Gegensatz zu den Nachkriegs-Nachbau-Boxern aus China sowie aus der ehemaligen Sowjetunion scheint die 2V-Basis hier die Neuestmögliche gewesen zu sein, so produziert von BMW bis 1996.

Unklar ist indes, ob CBNMotor konsequent klassisch mit Vergasern plant, denn die fehlten am Messe-Exponat. Viel wahrscheinlicher ist die Adaption einer elektronischen Benzineinspritzung, um heutigen Emissionsnormen gerecht zu werden. Eine Abgasanlage war am Crystalburn-Boxer ebenfalls nicht montiert, die nach vorn gerichteten Auslässe waren mit schwarzen Deckeln verschlossen.

Zum "neuen" Boxer-Motor zeigte Crystalburn ein erstes Teaser-Bild vom ersten Retro-Modell, das er antreiben soll. Dunkel zu erkennen war ein klassisches, unverkleidetes Motorrad, heutzutage als Naked Bike, Roadster oder Modern Classic bezeichnet. Wann die neue Retro-900er von Crystalburn serienreif ist, bleibt abzuwarten. Und ob CBNMotor sie als Export-Modell plant, auch für Europa, ist unklar.

Voge DS 900 X - Eine BMW F 900 GS Adventure Kopie

Die neue DS 900 X zeigt das klar. Voge strebt nach Größerem. Genau hinsehen: Das ist die Kopie der BMW F 900 GS Adventure. Es wirkt, als wäre der Deal, nach einigen Jahren die BMW-Technik für eigene Modelle nutzen zu dürfen - oder es einfach zu machen.

Loncin ist einer der größten chinesischen Produzenten von Rollern und Motorrädern und obendrein Kooperationspartner, Produzent und Lieferant der BMW-Reihentwins für die Baureihen F 850 und F 900. So wundert es mäßig, dass die Voge DS 900 X nicht nur von Weitem der BMW F 900 GS sehr stark ähnelt, Motor und Fahrwerk sollen dem Vernehmen nach sogar identisch sein. Eine nähere Betrachtung der beiden Modelle widerspricht dieser These nicht.

Die Grundabstimmung des bis auf die hintere Druckstufendämpfung voll einstellbaren Fahrwerks ist von der straffen Sorte. Im Hinblick auf Federungskomfort gibt es für die Voge DS 900 X Luft nach oben. Das weitgehende Öffnen der Dämpfung brachte spürbare Besserung, ein Komfortwunder ist die DS nicht. Besonders in schnellen Wechselkurven braucht es deutliche Impulse am breiten Rohrlenker, der serienmäßige Lenkungsdämpfer dürfte dazu beitragen. Übrigens auch kein Handlingwunder. Dafür liegt sie in Schräglage souverän und erlaubt mit ihren Pirelli Scorpion II Pellen ordentliche Kurventempi, bevor sie spät mit ihren Rasten aus Aluminiumguss aufsetzt.

Ausstattung und technische Daten

Die Voge DS 900 X bietet serienmäßig Features, die woanders gar nicht oder nur gegen Aufpreis zu haben sind. Nachstehend ein Auszug aus der längst nicht vollständigen Liste:

  • Tempomat
  • Reifendruck- und Temperatur -Anzeige
  • Griff- und Sitzheizung (jeweils mit Grillfunktion in der höchsten Stufe)
  • Nebelscheinwerfer, die sich bei laufendem Motor und aktiviertem Blinker als Abbiegelicht betätigen
  • Totwinkel-Assistenten in den Rückspiegeln
  • Funktion, die den Hintermann durch aktivierten Warnblinker und blinkendes Bremslicht darauf aufmerksam macht, dass er dicht genug aufgefahren ist
  • Frontkamera (derzeit deaktiviert)

Selbst wenn sich beide Antriebe wie eineiige Zwillinge gleichen und Kerndaten wie Bohrung und Hub (jeweils 86,0 x 77,0 Millimeter) oder die Verdichtung (jeweils 13,1:1) identisch sind, gibt es doch deutliche Unterschiede. Bei BMW leistet der Twin 77kW/105 PS bei 8500/min und wuchtet 93 Nm bei 6750/min auf die Kurbelwelle. Die entsprechenden Voge-Werte lauten 70 kW/95 PS bei 8250/min und 95 Nm bei 6000/min. Sie ist also zumindest auf dem Papier drehmoment-orientierter abgestimmt.

Real dürfte die Voge DS 900 X sogar noch etwas mehr wiegen als die BMW, denn sie trägt insgesamt bis zu 30 Liter Benzin durch die Gegend, möglich durch einen Zusatztank mit 10 Liter Inhalt, dessen Lage bisher nicht bekannt ist. Damit soll sie laut Voge über 600 Kilometer weit kommen.

Jiangsu Daelg Motorcycle Sukuli S 1000 RR

Die "S 1000 RR" von Sukuli ist die bisher detailgetreueste China-Kopie der BMW S 1000 RR. Aufs Kopieren ist Jiangsu Daelg Motorcycle offenbar spezialisiert, das Sortiment ist umfangreich und divers. Doch das aktuelle Top-Modell im Sukuli-Angebot ist die "S 1000 RR" - nach Original-Vorlage von BMW.

Nicht nur die für BMW typischen M-Farben Weiß, Blau und Rot zieren die "S 1000 RR" von Sukuli, das gesamte Design ist kopiert - bis in die Details. Verkleidungsteile mitsamt "Gesicht" sind offenbar von der BMW S 1000 RR ab Jahrgang 2019 abgekupfert - noch ohne Winglets. Ebenso das Heck mit dem angeschraubten Rahmen-Ausleger aus Stahl-Gitterrohr. Ob es sich beim Haupt-Brückenrahmen sowie bei der imposanten "Superbike-Schwinge" mit Oberzug um Aluminium handelt, ist unklar.

Jedenfalls entspricht das Fahrwerk der "S 1000 RR" von Sukuli prinzipiell dem des deutschen Originals: mit Zentralfederbein hinten und Upside-down-Telegabel samt radial angeschraubten Bremszangen vorn. Als kleine Unschärfe dieser Kopie identifizieren Kenner indes die Form des voluminösen Endschalldämpfers, denn die entspricht der des Vorgänger-Modells ab Jahrgang 2017.

Wesentlicher Unterschied zwischen der "S 1000 RR" von Sukuli und der echten S 1000 RR von BMW ist die Motorisierung. Den über 200 PS starken Reihenvierzylinder-Motor haben die Chinesen - bisher - nicht kopiert. Unter der Verkleidung der supersportlich anmutenden Sukuli ist ein Reihenzweizylinder-Motor versteckt. "250 bis 400 Kubik" nennt Jiangsu Daelg Motorcycle dazu, ohne Angaben zu Spitzenleistung oder weitere technische Daten. Über 35 PS und 140 km/h kommt das Fake-Superbike wahrscheinlich nicht hinaus.

Eine Preisangabe zur "S 1000 RR" von Sukuli liegt ebenfalls noch nicht vor. Sie erscheint bislang lediglich bei chinesischen Großhändlern, und der Preis ist dort Verhandlungssache - abhängig vom gewünschten Hubraum, von weiteren Ausstattungsdetails und vor allem von der georderten Stückzahl.

Vergleich der Motorleistungen

Die folgende Tabelle vergleicht die Motorleistungen der BMW F 900 GS und der Voge DS 900 X:

Modell Leistung Drehmoment
BMW F 900 GS 77 kW / 105 PS bei 8500/min 93 Nm bei 6750/min
Voge DS 900 X 70 kW / 95 PS bei 8250/min 95 Nm bei 6000/min

Diese Beispiele zeigen, dass chinesische Hersteller zunehmend in der Lage sind, detailgetreue Nachbauten von Motorradmodellen zu produzieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in Zukunft entwickeln wird und welche Auswirkungen er auf den Motorradmarkt haben wird.

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