Im Jahr 2023 blickt BMW Motorrad auf 100 Jahre Motorradbau zurück. Die 1990er waren ein Jahrzehnt, in dem bei BMW viel passierte. Die wohl wichtigste Neuerung betraf einen Motor: den neuen Vierventil-Boxer. Dieser löste den alten Zweiventiler ab und wurde zusammen mit der R 1100 RS erstmals 1993 vorgestellt.
Allerdings zeigten die Drei- und Vierzylinder-Reihenmotoren der 1980er-Jahre deutlich, dass BMW auch Fortschritt und Leistung kann, da wirkte der im Vergleich alte Boxer wie ein Relikt vergangener Tage.
Der neue Vierventil-Boxer
Die Ingenieure in den BMW-Entwicklungsabteilungen wussten um diesen Umstand. Wenn ein neuer Boxer kommen soll, muss er technisch fit fürs nächste Jahrzehnt sein. Allerdings ist der Boxer-Motor so typisch für BMW. An Grundfesten wie der Luftkühlung durfte (noch) niemand rütteln.
Um trotzdem mehr Leistung zu generieren, erhielt der neue Boxer Vierventil-Köpfe, die wegen der halbhohen Anordnung der Ventilsteuerung erfreulich schräglagentauglich ausfielen. Von den K-Modellen adaptierte man die Zünd- und Einspritzelektronik, die Bosch Motronic MA 2.2, und passte sie an den neuen Boxer an. Damit es dem Motor nicht zu heiß wird, senkt an die Kolbenböden gespritztes Öl die Temperatur. Ein taugliches Layout, das dem neuen Boxer zu 90 PS bei 7.250/min verhilft.
Der neue Motor ist aber nicht das einzige Highlight der R 1100 RS. Als erstes Motorrad von BMW erhielt sie einen Telelever. Der entbindet die Radführung vorn von den Federungs- und Dämpfungsaufgaben. Die übernimmt ein Federbein, das oben am Rahmen und unten an einem Längslenker befestigt ist. Der Vorteil: ein mechanischer Brems-Nickausgleich. Auf diese Fahrwerkstechnik setzt BMW bis heute, wenn der Bauraum vor dem Motor dafür ausreicht.
Nach der R 1100 RS schob BMW im Jahr 1994 den ersten Entenschnabel, die R 1100 GS, nach, allerdings mit angepasstem Boxer-Motor. Ihr Antrieb leistet in der Spitze 80 PS und liefert ein Drehmomentmaximum von 97 Nm. Dies erreicht BMW durch eine leicht zurückgenommene Verdichtung im Vergleich zur R 1100 RS sowie eine modifizierte Motorsteuerung. Auch wenn ihr Design nicht sofort alle überzeugt, in Sachen Funktion machen ihr die damaligen Mitbewerber-Modelle nichts vor. Die R 1100 GS überdauerte die 1990er-Jahre aber nicht. Im Jahr 1999 stellte BMW bereits die R 1150 GS vor.
Wer damals bei all den Neuheiten rund um die GS den alten Zweiventiler-Boxermodellen noch eine Träne nachweinte, konnte 1996 bei der Abschiedsvorstellung des ehrwürdigen Antriebs zur R 80 GS Basic greifen. Nach mehr als 70 Jahren und über 684 830 gebauten Einheiten beschloss sie das Kapitel Zweiventil-Boxer endgültig.
BMW F 650: Die "Funduro" ab 1993
Drehte sich in den 1990er-Jahren denn alles um den Boxer-Motor? Nein. Mit der F 650 brachte BMW 1993 einen neuen Einzylinder auf den Markt, den ersten seit 1966. Aprilia unterstützte bei Entwicklung und Produktion, Rotax lieferte den Antrieb zu. Die "Funduro" richtete sich vor allem an Einsteiger, die BMW bisher nicht bediente. Novum aus Kostengründen: Als erste BMW hatte die F 650 einen Ketten-Endantrieb statt Kardan. Neben der Zweizylinder-GS wurde sie zum bestverkauften Modell im BMW-Programm der 1990er-Jahre.
BMW C1: Roller mit Dach
Und dann war da noch etwas: ein Roller mit Dach! 1992 zeigte BMW erstmals eine Designstudie des C1, 1999 betrat er in der Realität die Motorradbühne. Bertone in Italien baute die Roller für BMW, Rotax lieferte wie bei der F 650 den Motor. Sicherheitsgurte, die stabile Fahrgastzelle und ein Vorbau als Crash-Element waren zu der Zeit einmalig - und wären es noch heute.
Der C1, der ohne Helm gefahren werden durfte, entpuppte sich nicht als Erfolg. Der futuristische Roller warf einen Blick in die Zweiradzukunft, glänzte mit tadelloser Funktion und hohem Praxisnutzen. Allerdings wussten das nur wenige zu schätzen. 2003 wird BMW das Kapitel C1 schließen.
BMW K 1200 RS: Mut zur Leistung
Viel Mut bewies BMW indes auch 1996 mit der neuen K 1200 RS. Der Vierzylinder brach zum ersten Mal mit der freiwilligen Leistungsbeschränkung auf 100 PS. Aus 1.172 Kubik entwickelte der Motor 130 PS bei 8.750 Touren. Mit derart gestählten Muskeln rannte die K bis zu 245 km/h schnell und setzte damit im BMW-Kosmos neue Maßstäbe. Nur in Frankreich und in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Autobahn, gab es eine zivile 98-PS-Version.
Um so viel Leistung auf die Straße zu bringen, spendeten die Boxer-Typen ihren Telelever, während ein neuer Aluminium-Brückenrahmen Lenkkopf und Schwingenaufnahme verband. Dieser neuen Sportlichkeit trug auch die Lackierung der K 1200 RS Rechnung, deren Rautenmuster an den Seiten wohl kaum zufällig an eine Zielflagge erinnerte.
BMW R 1200 C: Der Cruiser
Die 1990er sind das Jahrzehnt der glänzenden, coolen Feuerstühle. Als weltweiter Anbieter wollte BMW ein Stück vom Kuchen der fast ungezügelten Nachfrage abhaben. Das Ergebnis hieß 1997: R 1200 C. Auch sie nutzte den Vierventil-Boxer als Antrieb. Für viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen wuchs der Hubraum auf 1.170 Kubik, dazu gab es Updates beim Ventiltrieb und der elektronischen Motorsteuerung.
Als Lohn lieferte der R-1200-C-Antrieb nach dieser Kur 98 Nm schon bei 3.000/min über den Kardan Richtung Hinterrad. So viel Innovationsgeist hat auch "James Bond"-Darsteller Pierce Brosnan überzeugt, der mit einer R 1200 C im Agentenstreifen "Der Morgen stirbt nie" in Thailand über einen Hubschrauber sprang. Spektakulär, doch ein richtiger Erfolg wurde der 1200er-Bayern-Cruiser nicht.
Kontinuität und Innovation
Der neue Vierventil-Boxer mit elektronischem Motormanagement und das erste BMW Einzylinder-Motorrad seit 1966 kamen in den 1990er Jahren auf den Markt. Mit der R 80 GS Basic lief im Spandauer BMW Motorradwerk außerdem das letzte Modell der klassischen Zweiventil-Boxergeneration vom Band. Nach mehr als 70 Jahren ging hier ein großes Kapitel deutscher Motorradgeschichte zu Ende. Die Bilanz: Seit 1923 wurden weltweit 684.830 Exemplare der klassischen Boxer-Baureihe verkauft.
Die R 1100 RS ist das erste Modell der neuen Vierventil-Boxergeneration. Eine Besonderheit ist das Ergonomie-Paket, das eine individuelle Anpassung des Motorrades an den Fahrer erlaubt: Verkleidungsscheibe und Lenker sind variabel, die zweigeteilte Sitzbank ist für den Fahrer höhenverstellbar.
Als Nachfolger der R 100 GS präsentierte BMW Motorrad den Vierventiler R 1100 GS. Mit der R 1200 C betrat BMW zum ersten Mal das Feld der Cruiser-Motorräder. Außer dem Motor sorgte auch das Design der R 1200 C für eine völlig eigenständige Interpretation des Themas Cruiser.
Fast zwanzig Jahre nach der Einführung der R 80 G/S kam die R 1150 GS als Nachfolgerin der R 1100 GS auf den Markt. Außer dem Motor wurden auch das Getriebe, das Fahrwerk und die Frontpartie überarbeitet. Der C1 ist eine innovative Synthese aus Zweirad und Automobil und als alternatives Verkehrsmittel für Großstädte und Ballungsgebiete gedacht.
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