BMW Motorrad Klassiker Modelle: Eine Reise durch die Zeit

BMW Motorrad blickt auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. Das Jubiläumsjahr 2023 begann für BMW mit einem Rekord: 202.895 Motorräder und Roller hat die Münchner Marke im vergangenen Jahr ausgeliefert - so viele wie noch nie in der exakt hundertjährigen Unternehmensgeschichte. Zum Jubiläum werden einige besondere BMW-Bike Highlights erwartet.

Die Anfänge: Von der R 32 bis zur R 68

In lediglich vier Wochen konstruierte Max Friz, Ingenieur beim damaligen Flugmotorenhersteller BMW, das erste Motorrad des Unternehmens: die R 32. Ein schlankes Zweirad mit Zweizylinder-Boxermotor und Kardanwelle anstatt des üblichen Kettenantriebs. Beleuchtung, Hupe, Tacho und Soziussitz wurden ebenfalls angeboten, allerdings als Extras. Bei Renneinsätzen holte die BMW R 32 mehrere Siege, rasch galt die Maschine als zuverlässig, schnell und wartungsarm.

Dieses Bike beeinflusste die Motorradtechnik bei BMW für die nächsten Jahrzehnte. Die komplett neu entwickelte Sportmaschine mit 500-Kubik-Motor und einer Leistung von 24 PS war mit einem Rahmen aus elektrisch verschweißten Ovalrohren, einer Teleskopgabel und erstmals überhaupt mit einer Fußschaltung ausgestattet. Die Fahreigenschaften waren für die damalige Zeit phänomenal, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 135 km/h.

3.950 Mark kostete dieses Luxus-Sportmotorad bei seiner Premiere im Jahr 1952 - das war eine Menge Geld im Nachkriegsdeutschland. Ein Bestseller wurde die Maschine daher nicht, lediglich 1452 Exemplare wurden gebaut. Doch die R 68 setzte abermals technische Maßstäbe, und sie war zudem der erste „100-Meilen-Renner“ von BMW, also die erste Maschine, die eine Geschwindigkeit von gut 160 km/h erreichte.

Am beliebtesten war die R 69 S, mit 175 km/h das damals schnellste deutsche Serienmotorrad. Eine Doppelsitzbank war serienmäßig, und zudem gab es die Maschine auch mit einer eleganten, bis dahin nur für Behördenmodelle reservierten, weißen Lackierung.

Innovationen der 1970er und 1980er Jahre

1973 stellten die Marke die R 90 S vor, ein neues Spitzenmodell. Einerseits gehörte die Maschine mit 200 km/h Toptempo zu den schnellsten Serienmotorrädern der Welt, andererseits wurde erstmals ein BMW-Bike von einem Designer gestaltet. Hans Muth schuf für die R 90 S die weltweit erste, am Lenker fest montierte Cockpitverkleidung. Und als besonderes Extra gab es ab 1975 auch die hinreißende Lackierung „Daytona-Orange metallic“.

Diese Maschine war die erste Enduro mit Mehrzylindermotor und das erste BMW-Bike mit Einarmschwinge. Der Zweizylinder-Boxer leistete 50 PS, und BMW gewann mit dem Feger die Rallye Paris-Dakar in den Jahren 1981, 1983, 1984 und 1985. Dieses Motorrad begründete den Mythos der robusten, zuverlässigen und kaum zu stoppenden Reiseenduros von BMW.

Dieses Bike sorgte bei seiner Premiere für heftige Diskussionen. Noch nie zuvor hatte ein Serienmotorrad eine aerodynamisch derart ausgefeilte Karosserie getragen wie die K1. Das Vorderrad war umfassend verkleidet, es folgte eine Vollverkleidung für den Fahrerplatz und auch am Heck gab es etliche Karosserieteile. Der cW-Wert, der den Luftwiderstand klassifiziert, lag bei bis dahin unerreichten 0,36.

Das Basismodell R 100 GS debütierte bereits 1987 als „hubraumstärkste Reiseenduro“ der Welt mit einem 980-Kubik-Zweizylinder-Boxermotor. Drei Jahre später dann kam die Variante „Paris Dakar“ auf den Markt.

Die 1990er: Ein Jahrzehnt des Wandels

Die wohl wichtigste Neuerung betrifft aber kein Fahrzeug an sich, sondern einen Motor. Gemeint ist der neue Vierventil-Boxer. Der löst den alten Zweiventiler ab und wird zusammen mit der R 1100 RS erstmals 1993 vorgestellt. An Grundfesten wie der Luftkühlung durfte (noch) niemand rütteln. Um trotzdem mehr Leistung zu generieren, erhielt der neue Boxer Vierventil-Köpfe, die wegen der halbhohen Anordnung der Ventilsteuerung erfreulich schräglagentauglich ausfielen.

1994 bringt BMW den ersten Entenschnabel, die R 1100 GS, nach, allerdings mit angepasstem Boxer-Motor. Ihr Antrieb leistet in der Spitze 80 PS und liefert ein Drehmomentmaximum von 97 Nm. Dies erreicht BMW durch eine leicht zurückgenommene Verdichtung im Vergleich zur R 1100 RS sowie eine modifizierte Motorsteuerung. Im Jahr 1999 stellt BMW bereits die R 1150 GS vor. Der Entenschnabel bleibt, dafür gibt’s jetzt unterschiedlich große Rundscheinwerfer und einen Boxer-Motor mit 1130 cm³, der mit 85 PS noch kräftiger antritt.

Mit der F 650 bringt BMW 1993 einen neuen Einzylinder auf den Markt, den ersten seit 1966. Aprilia unterstützt bei Entwicklung und Produktion, Rotax liefert den Antrieb zu. Neben der Zweizylinder-GS wird sie zum bestverkauften Modell im BMW-Programm der 1990er-Jahre.

1992 zeigt BMW erstmals eine Designstudie des C1, 1999 betritt er in der Realität die Motorradbühne. Bertone in Italien baut die Roller für BMW, Rotax liefert wie bei der F 650 den Motor. Sicherheitsgurte, die stabile Fahrgastzelle und ein Vorbau als Crash-Element sind zu der Zeit einmalig - und wären es noch heute.

Viel Mut beweist BMW indes auch 1996 mit der neuen K 1200 RS. Der Vierzylinder bricht zum ersten Mal mit der freiwilligen Leistungsbeschränkung auf 100 PS. Aus 1.172 Kubik entwickelt der Motor 130 PS bei 8.750 Touren. Um so viel Leistung auf die Straße zu bringen, spendeten die Boxer-Typen ihren Telelever, während ein neuer Aluminium-Brückenrahmen Lenkkopf und Schwingenaufnahme verband.

Die 1990er sind das Jahrzehnt der glänzenden, coolen Feuerstühle. Als weltweiter Anbieter will BMW ein Stück vom Kuchen der fast ungezügelten Nachfrage abhaben. Das Ergebnis heißt 1997: R 1200 C. Auch sie nutzt den Vierventil-Boxer als Antrieb. Für viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen wächst der Hubraum auf 1.170 Kubik, dazu gibt’s Updates beim Ventiltrieb und der elektronischen Motorsteuerung.

Moderne Klassiker und Heritage Modelle

Diese völlig neu entwickelte Reiseenduro wurde 2012 auf der Zweiradmesse Intermot in Köln vorgestellt und ab dem folgenden Jahr verkauft. Charakteristisch an der Maschine ist der wie ein Schnabel weit nach vorn ragende Kotflügel für das Vorderrad. Der 1200-Kubik- Motor leistet 125 PS. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine elektronische Fahrwerksanpassung, ABS und eine automatische Stabilitätskontrolle. Außerdem sind für die Maschine auch LED-Scheinwerfer verfügbar.

Für das Jubiläumsjahr hat BMW zwei Editionsmodelle „100 Years“ aufgelegt, den Roadster R nineT und den Cruiser R 18. Beide Modelle sind auf jeweils 1923 Exemplare limitiert. Klassische Elemente wie das Zusammenspiel von verchromten und lackierten Oberflächen, weiße Doppellinien am Tank und Vorderradabdeckung sowie eine zweifarbige Sitzbank prägen den Look beider Maschinen. Dazu gibt es für die Editionsmodelle etliche Extras schon ab Werk, etwa adaptives Kurvenlicht sowie beheizbare Lenkergriffe.

Manche nennen die Bikes Retro, Vintage oder Classic. Wir nennen sie Heritage. Denn bereits ein Blick auf das ikonische Design und den unverwechselbaren Boxer Motor zeigt: Es geht um Design, um Fahrgefühl, um Reduktion. Um ein Lebensgefühl. Die R 18 Modelle vereinen High-End-Ausstattung mit unverwechselbarem Design und komfortabler Ergonomie. Ihr Motto: Celebrating Big Boxer Culture. Leistungsstarkes Herzstück ist der mit 1.802 ccm hubraumstärkste Boxer, den BMW Motorrad je gebaut hat.

Die R 12 Modelle bringen mit reduzierter Formensprache und einzigartigem Roadster Design einen unverwechselbaren Look auf die Straße. Angetrieben werden sie von einer weiteren Evolutionsstufe des Boxer Motors. Der aufs Customizing ausgelegte Backbone mit einem klassischen Gitterrohrrahmen wurde komplett neu entwickelt.

BMW setzt auf den ikonischen Boxer - aus Überzeugung. Der 1802 ccm Zweizylinder-Boxermotor der R 18 Classic ist der hubraumstärkste Boxer, den wir je gebaut haben. Sein maximales Drehmoment von 163 Nm liegt bereits bei 3.000 min-1 an.

BMW Motorrad Modelle im Überblick

ModellBaujahrBesonderheiten
BMW R 321923Erstes BMW Motorrad mit Boxermotor und Kardanantrieb
BMW R 681952Erster "100-Meilen-Renner" von BMW
BMW R 69 S1960erSchnellstes deutsches Serienmotorrad ihrer Zeit
BMW R 90 S1973Erstes BMW Motorrad mit Designer-Cockpitverkleidung
BMW R 80 G/S1980Erste Enduro mit Mehrzylindermotor und Kardanantrieb
BMW K11988Aerodynamisch ausgefeilte Karosserie
BMW R 1100 GS1994Erster "Entenschnabel"
BMW R 1200 GS2012Moderne Reiseenduro mit elektronischer Ausstattung
BMW R nineT-Retro-Roadster mit klassischen Elementen
BMW R 18-Cruiser mit hubraumstarkem Boxer-Motor

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