BMW Motorrad Ölwechsel Anleitung

Ups, es sind schon wieder ein, zwei Jahre seit dem letzten Ölwechsel vergangen - oder man war wieder viel unterwegs? Aber die Wartung in der BMW-Werkstatt ist einfach zu teuer? Kein Problem! Mit technischem Sachverstand und einer guten modellspezifischen Anleitung ist der Ölwechsel für Motor, Getriebe und Hinterachsantrieb einfach zu bewerkstelligen.

Welches Öl benötigt mein Motorrad?

Zunächst natürlich das Grundlegendste: Welches Öl braucht das Motorrad? Die von BMW empfohlenen Viskositäten für mitteleuropäische Gefilde befinden sich im Bereich 10W-40 und seltener 15W-40. Castrol unterhält dabei eine Partnerschaft mit BMW, sodass man Castrol-Öle, wie etwa das Castrol Power 1 4T, das ich für meinen Ölwechsel verwendet habe, sogar direkt beim BMW-Händler kaufen kann.

Wie viel Öl brauche ich?

Wieviel Öl man benötigt, hängt dabei von der Art des Ölwechsels ab. Im einfachsten Fall braucht man ca. 2,7 Liter - nämlich dann, wenn man nur das Öl ablässt und neu befüllt. Wer den Ölfilter noch mit wechseln möchte, kommt auf 2,9 Liter. Und wer tatsächlich den ganzen Motor auseinander genommen und gereinigt hat, sollte 3,2 Liter parat halten (Restmenge im Schwingenschachtdeckel, die sonst nicht abgelassen wird).

Warum den Ölfilter wechseln?

Apropos Ölfilter: Dieser wird bei jedem regelmäßigen Ölwechsel in der Werkstatt ebenfalls ausgetauscht - und das mit gutem Grund. Verunreinigungen und Schleifpartikel, die sich im Laufe der Zeit im Öl sammeln, werden hier abgefangen, damit kein Haar in die Suppe… äh in das Öl gerät. Ein neuer Filter kann daher nie schaden - vor allem, da dieser in der Regel für um die 10 Euro billig zu haben ist. Hier sollte man nur sicherstellen, dass der Filter auch garantiert mit dem Motorradmodell und dem Baujahr kompatibel ist.

Hinweis: Wenn der Filter keine anderweitigen Ansetzpunkte hat, braucht man zum Entfernen einen speziellen Ölfilterschlüssel. Die gibt es in vielen Formen und Farben.

Was wird noch benötigt?

Zum Schluss wäre es noch gut, einen neuen Dichtungsring für die Ölablassschraube parat zu halten. Der ist aus Kupfer und damit recht wiederstandsfähig, kann aber durch eine zu stark angezogene Schraube verformt werden.

Vorbereitung des Ölwechsels

Nachdem man sich ein passendes Plätzchen gesucht hat, sollte man ausreichend Papier bzw. eine alte Decke direkt unter und in Fahrtrichtung links vom Motor auslegen, da auf dieser Seite das Öl herausgeschossen kommt. Dann sollte der Viskosität und eines letzten Durchmischens halber der Motor für ein paar Minuten bzw. Kilometer warmlaufen. Vorsicht: Natürlich kann man sich danach leicht am heißen Öl verbrennen! Wenn möglich, sollte das Motorrad zum Ölwechsel auf dem Seitenständer stehen, da so der Motor zur Ablassschraube hin gekippt ist und das Öl gründlicher abfließen kann. In meinem Fall hatte ich damit allerdings Probleme, da der Seitenständer so weit vor reicht, dass kaum noch Platz für meinen Auffangbehälter ist.

Schritte des Ölwechsels

  1. Vor dem Ablassen des Öls ist es empfehlenswert zunächst den Ölmessstab abzunehmen, damit das Öl ohne Unterdruck gleichmäßig abfließen kann. Die Schraube kann dabei recht fest angezogen sein, doch keine Sorge beim Loslösen: Das Öl drängt sich erst bei den letzten 1-2 Umdrehungen aus dem Motor, vorher hat man also nichts zu befürchten. In meinem Fall hatte der Altölbehälter noch einen gelben „Filter“ bzw. ein grobes Sieb über dem Abfluss, das für den heftigen Schwall an Öl zu enge Maschen hatte. So stieg das Öl schneller als dass es abfloss und ich musste die Ölablassschraube kurzzeitig wieder einsetzen, um Schlimmeres zu verhindern.
  2. Nachdem der Großteil des Öls abgeflossen ist, geht es nun an den Ölfilter. Hier brauchen wir jetzt den oben erwähnten Ölfilterschlüssel. Beim Abschrauben auch hier auf hervorquellendes Öl achten, wobei jetzt nicht mehr viel übrig sein dürfte. Gegebenenfalls sollte man dafür den Ölauffangbehälter neu positionieren, falls dieser an der Hauptschraube nicht mehr gebraucht wird.
  3. Nun gilt es, die Ölablassschraube am Gewinde und rund um den kleinen Magneten auf der Innenseite gut zu reinigen (hier sammeln sich gerne kleine Metallreste). Wie in den Bildern zu sehen ist, ist allein der äußere Unterschied zwischen altem und neuen Ölfilter wie Tag und Nacht. Beim Dichtungsring hingegen habe ich auch bei genauer Inspektion keine Schäden festgestellt.
  4. Ist alles sauber, geht es jetzt wieder ans Zusammenbauen. Die Ölablassschraube mit frischem Öl benetzen und mit dem neuen Dichtungsring wieder einsetzen. Den neuen Ölfilter zum Schutz ebenfalls mit etwas Öl auf der Gummiseite und im Gewinde bestreichen und einschrauben. Hier wird ein Drehmoment von lediglich 14Nm empfohlen, was wirklich sehr wenig ist.
  5. Sitzt alles wieder sicher, kann man den Motor nun (endlich!) mit dem neuen Öl befüllen. Dafür am besten einen ausreichend großen Trichter an die Öffnung für den Motorölmesstab ansetzen und gute 2,5 Liter einfüllen. Danach lieber etwas zaghafter vorgehen, um ein Überschwappen zu vermeiden. Ist die vorgesehene Menge eingefüllt, den Messstab wieder einschrauben.

Abschlussarbeiten

Jetzt sollte das Motorrad wieder voll einsatzbereit sein. Wenn sich jetzt laut Messstab deutlich zu viel Öl im Motor befindet, keine Panik! Denn das Öl muss sich erst noch gleichmäßig im Kreislauf verteilen. Dazu lassen Sie die BMW wieder ein paar Minuten laufen oder machen eine Probefahrt. Danach einfach noch einmal den Ölstand messen.

Weitere Öle im Motorrad

Beim Thema Ölwechsel kommt einem unvermittelt der Motorölwechsel in den Sinn. Doch es gibt weitere Baugruppen, die ebenfalls über ein Ölreservoir verfügen, deren Ölstand regelmäßig kontrolliert und nach Werkvorschrift gewechselt werden muss. Über dem regelmäßigen Motorölwechsel hinaus gibt es noch das Getriebeöl, Kardan- oder Hinterachsöl (bei Kardan-BMWs) und das Gabelöl. Grundsätzlich findet man die Füllmengen und Spezifikationen in den technischen Unterlagen der jeweiligen Maschine.

Ölstand prüfen

Alle Ölstände sollten turnusmäßig geprüft werden. Das kann man häufig einfach im Vorbeigehen erledigen. Dazu dienen je nach Modell klassische Ölmessstäbe oder Ölschaugläser mit einer MIN- und einer MAX-Markierung. Der Ölstand muss sich innerhalb der beiden Markierungen befinden. Nicht darüber und nicht darunter!

Achtung: Besonders beim Ölmessstab ist es wichtig, diesen korrekt einzusetzen, da sonst das Ableseergebnis nicht korrekt und verfälscht wird, denn viele Messstäbe werden zum Messen nur aufgesetzt und nicht eingeschraubt! Bei ersteren unterscheiden sich gegebenenfalls die Spezifikationen der Öle für Motor und Getriebe. Anders als beim Motoröl, bei dem die Hersteller bestimmte Ölverbräuche aus technischen Gründen tolerieren, gibt es im (getrennten) Getriebe, der Hinterachse und auch in der Gabel keinen Ölverbrauch. Ist der Ölstand nach dem Wechsel korrekt, können im Prinzip nur Undichtigkeiten dazu führen, dass der Ölstand sinkt. Ein hoher, über der Werksangabe liegender Motorölverbrauch deutet auf Verschleiß im Motor hin.

Öltemperatur

Normale Motoröltemperaturen beim betriebswarmen Motor bewegen sich im Bereich zwischen 80 und maximal 120°C. Die Öltemperatur ist abhängig von der Umgebungstemperatur und dem Belastungszustand. Hohe Belastungen und hohe Öltemperaturen entstehen beispielsweise beim engagierten sportliche Einsatz oder auch bei hoher Zuladung. Ölkühler können dazu beitragen, den Temperaturhaushalt des Motors zu optimieren.

Ölfilter

Dem Ölfilter kommt eine besondere Bedeutung zu, filtert er doch alle unerwünschten Partikel aus dem Öl. Dazu gehören Abrieb und Verbrennungsrückstände. Neben der Schmierwirkung des Öls hält es genau diese Rückstände in der Schwebe, bis sie im Ölfilter abgeschieden werden.

Empfehlung

Wir empfehlen grundsätzlich die Dichtungen der Ablaufschrauben und gegebenenfalls die der Einfüllschraube oder des Messstabs gegen neue auszutauschen.

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