Offen und ehrlich testet die 1000PS Crew alle neuen Motorräder und Roller, egal ob auf Asphalt, Schotter oder der Rennstrecke - wir fahren alles und überall. Wir berichten euch über unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Bewertungen in Form von Testberichten hier auf 1000PS. Zu den Berichten findet ihr auch eine Galerie, in der euch eine Abwechslung zwischen Actionbildern und Detailaufnahmen eurer Lieblingsmotorräder erwartet.
BMW R 12 G/S: Die reine Lehre statt nur Power
Die R 12 G/S ist das Motorrad, das sich viele BMW-Fans gewünscht haben. Und zwar nicht nur wegen ihres hinreißenden Looks. Klar, wer auf das letzte Quentchen Hightech und Power steht, kommt an der R 1300 GS auch künftig nicht vorbei. Wer aber so etwas wie die reine Lehre sucht, der sollte sich in den Sattel der R 12 G/S schwingen. Das ist bei 86 Zentimetern Sitzhöhe zwar gar nicht so einfach, aber einmal dort angekommen thront es sich ausgesprochen kommod: Der Lenker breit, die Übersicht gut, der Kniewinkel entspannt.
Hier hat man alles im Griff und im Blick: Serienmäßig besitzt die G/S ein Rundinstrument, an unserem Testbike ist das optionale Digital Display für 125 Euro extra verbaut. Die Ablesbarkeit ist ausgezeichnet, auch wenn das kleine TFTRechteck in derart klassischem Umfeld vielleicht etwas (zu) poppig wirkt. Andererseits ist das Cockpit nicht überladen mit kleinteiligen Informationen. Ein erfrischender Gegenentwurf zu den teils überfrachteten Großdisplays mit Info-Overkill - reduziert, aber nicht spartanisch.
Motor und Fahrleistungen
Dank serienmäßigem Keyless Go bleibt der Zündschlüssel in der Hosentasche, ein Druck aufs Knöpfchen - und der luft-/ölgekühlte Boxer knurrt los. 109 PS aus 1.170 Kubik leistet der Schlegel nach Abgasnorm Euro 5+. Und die schieben die fahrfertig 229 Kilo schwere R 12 G/S jederzeit souverän und kraftvoll an. Klar, das hat nicht die Durchschlagskraft einer R 1300 GS mit 145 PS, aber der Druck im Kessel reicht jederzeit für knackige Zwischensprints, auch im hohen Gang.
Außerdem glänzt der 1170er mit sanfter Gasannahme in jedem der drei Fahrmodi (Rain / Road / Enduro), gut dosierbarer Kupplung und sauber schaltbarem Getriebe. Zur Überraschung fällt auch der Schaltschlag beim Einlegen des ersten Gangs - seit jeher nicht die Paradedisziplin des Boxers - gering aus, beim Testmotorrad ließ er sich bisweilen völlig geräuschlos einklinken. Auch der knackige Beat aus dem schlanken Endschalldämpfer passt: nicht prollig laut, aber immer noch mit genug Rock`n Roll (nein, in dem Fall nicht Pop). Die Ahnenreihe speziell dieses Aggregats lässt sich bis 2004 zurückverfolgen.
Das klingt nach Altmetall, doch weit gefehlt: BMW hat den Treibsatz über die Jahre selbst dann noch liebevoll gehegt und gepflegt, als der potentere „Wasserboxer“ längst am Start war. Nicht ohne Grund treibt der „alte“ Luftgekühlte die halbe Heritage-Modellreihe an. Herrlich, wie das Ding pumpt und pulst, kultiviert und nicht ohne Drehfreude - dieser Motor war und ist ein Meisterstück. Außerdem lässt er die R 12 G/S wunderbar fluffig wirken - kein übler Verhau aus Kabeln und Schläuchen, sondern verständliche, sichtbare Technik. Klassik im besten Sinn.
Fahrwerk und Handling
Andererseits sind serienmäßig eine Anti-Hopping-Kupplung, Traktionskontrolle (TCS) und Motorschleppmomentregelung (MRS) mit an Bord. „Pop meets Klassik“ auch beim Marzocchi-Fahrwerk der „G-Strich-S“: Die stabile Upside-downGabel ist voll einstellbar, ebenso das Federbein, und zwar von Hand. Mit einem leichtgängigen Drehrad rechts unterhalb des Tanks lässt sich die Vorspannung in Sekundenschnelle an die Beladung anpassen. Klassisch ja, aber ohne Abstriche bei der Funktion. Denn funktionieren tut das Chassis astrein: Trotz üppiger 210 Millimeter Federweg vorne und 200 hinten kommt auch bei zügiger Gangart wenig Bewegung ins Motorrad, die R 12 G/S spurt stabil und präzise.
Trotzdem gibt es noch genug Komfort, die BMW bügelt auch runzeligen Asphalt geschmeidig glatt. Nur harte Querfugen kommen an der Hinterhand - typisch Kardanantrieb - mitunter etwas trocken durch. Der Grund für breites Dauergrinsen unterm Systemhelm ist allerdings die Handlichkeit, mit der die R 12 G/S in die Ecken sticht: Mögen ihre knapp 230 Kilo auf dem Papier nicht mehr als Leichtgewicht durchgehen, so sind sie auf verwinkelten Landstraßen nicht zu spüren. Das liegt zum einen am Boxermotor, der den Lenkbefehlen mit seiner längsrotierenden Kurbelwelle keine stabilisierenden Kreiselkräfte entgegensetzt, die überwunden werden müssen. Außerdem lässt sich die G/S über den breiten Lenker mit geringem Kraftaufwand abwinkeln, fährt angenehm neutral, das Umlegen von rechts auf links gelingt spielerisch. Ein „Gewichtsleugner“, diese G/S, wie fast alle Boxer-BMWs, wenn sie einmal in Fahrt sind.
Großen Anteil daran haben auch die Enduro-typisch gemäßigten Reifenbreiten mit 90/90 vorne und 150/70 hinten sowie der famose METZELER Karoo Street, der auf das 21 Zoll große Vorderund 17 Zoll große Hinterrad gezogen ist. Der eher straßenorientierte Gummi sorgt für ein sicheres „Anlehngefühl“ bis in tiefe Schräglagen und weckt so viel Vertrauen, dass man ihn schon nach wenigen Kilometern bis an den Rand der Lauffläche nutzt. Dazu gibt es satten Grip und gute Rückmeldung: Das „S“ im Kürzel nimmt die G/S also ernst.
Komfort und Alltagstauglichkeit
Über 300 teils sehr zügige Kilometer haben wir auf der Testrunde durchs bayerische Voralpenland im Sattel der R 12 G/S abgespult, ohne dass das Sitzfleisch weichgeklopft wurde. Die straffe, aber bequeme Polsterung taugt auch für lange Strecken. 15,5 Liter fasst der Stahltank, im Schnitt hat der Boxer exakt 5,1 Liter auf 100 Kilometer verfeuert. Das geht angesichts von so viel Fahrspaß in Ordnung. Wer hier und da etwas Fahrt rausnimmt, kommt auch unter 5 Liter Verbrauch. Zum Serienumfang gehört LED-Licht rundum, die Lichtsignatur des an sich runden Frontscheinwerfers markiert dabei ein großes „X“. Ziemlich stylisch und absolut Pop. Die Verarbeitung erfüllt die hohen Erwartungen an „Made in Berlin“, hier wurde selbst bei näherem Hinsehen nirgends geschludert. BMW tapeziert auch hinter der Schrankwand.
Kritikpunkte
Der optionale Quickshifter (Schaltassistent Pro), mit dem sich die sechs Gänge in beide Richtungen ohne den Griff zur Kupplung wechseln lassen, arbeitete am Testbike speziell im Teillastbereich nicht immer ruck- und geräuschfrei. Der zweite Punkt hat dagegen nichts mit der Funktion des Motorrads zu tun, sondern betrifft das Bankkonto. Die vernünftig ausgestattete Basisversion der R 12 G/S kostet 16.990 Euro. Für die hier getestete, straßenorientierte Style-Variante inklusive Option 719 „Aragonit“ mit vielen schicken Frästeilen (u.a. Handhebel, Zylinderkopfhauben, Schalt- und Fußbremshebel) werden 18.890 Euro fällig. Unser Testmotorrad kommt mit weiterer Zusatzausstattung (u.a. Komfort-Paket, Digital Display, Reifendruckkontrolle) auf einen Listenpreis von 20.845 Euro. Und da sind im Konfigurator noch nicht mal alle Möglichkeiten zur technischen Aufrüstung oder Individualisierung ausgeschöpft. Das lassen wir jetzt mal so stehen.
Technische Daten BMW R12 G/S (Basisversion)
| Motor | 2-Zylinder-Boxer, luft-/ölgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder |
|---|---|
| Hubraum | 1170 Kubikzentimeter |
| Leistung | 80 kW / 109 PS bei 7000 U/min (Abgasnorm Euro 5+) |
| Drehmoment | 115 Nm bei 6500 U/min |
| Getriebe/Endantrieb | klauengeschaltetes Sechsganggetriebe/Kardan |
| Rahmen | einteiliger Stahl-/Gitterrohr-Brückenrahmen, Motor mittragend |
| Radführung Vorderrad | 45 mm USD-Teleskopgabel, voll einstellbar |
| Radführung Hinterrad | Alu-Paraleverschwinge, WAD-Federbein, voll einstellbar |
| Federweg vorne/hinten | 210/200 mm |
| ABS | BMW Motorrad ABS Pro (schräglagenoptimiert, teilintegral) |
| Reifen vorne/hinten | 90/90-21, 150/70-17 (Metzeler Karoo Street) |
| Sitzhöhe | 860 mm |
| DIN-Leergewicht, fahrfertig | 229 kg |
| Zul. Gesamtgewicht | 430 Kilo |
| Tankinhalt | 15,5 Liter |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 4,1 s (Werksangabe) |
| Höchstgeschwindigkeit | über 200 km/h (Werksangabe) |
| Preis | ab 16.990 Euro |
BMW F 900 R: Vernunft auf zwei Rädern
Die BMW F 900 R gehört zu den bestverkauften Naked Bikes auf dem Markt. Doch woran liegt das? Sie ist kein Design-Knaller, keine Power-Bestie und doch kaufen Tausende dieses Motorrad. Die Zahlen sprechen für sich: Mit 2.205 Neuzulassungen in Deutschland 2024 belegt die BMW F 900 R Platz 9 der meistverkauften Motorräder und ist nach der BMW R 1300 GS das erfolgreichste Modell des bayerischen Herstellers. Doch was macht sie so erfolgreich? Wer auf der Suche nach einem emotionalen, aufregenden Motorrad ist, wird hier nicht fündig. Doch wer ein Bike sucht, das alles mitmacht und funktionell ist, wird vielleicht genau hier fündig. Optisch setzt BMW auf ein funktionales, aber unauffälliges Design. Die technischen Daten sind solide, aber keine Revolution. Dem aggressiven Frontdesign der neuen S 1000 R wird nicht Folge geleistet.
Sobald man auf der F 900 R sitzt, fällt die angenehme Sitzposition auf. Die F 900 R ist ein klassisches Naked Bike, auf dem man sich ab der ersten Sekunde zuhause fühlt. Die Sitzposition ist sportlich, jedoch alltagstauglich, was für ein entspanntes Fahren sorgt, egal ob im Stadtverkehr oder auf kurvigen Landstraßen. Die Ergonomie wurde zwar überarbeitet, doch um die Veränderungen im Vergleich zu einem Vorgängermodell wirklich einschätzen zu können, wäre ein direkter Vergleich notwendig. Der 895 cm³ große Zweizylinder-Reihenmotor mit 105 PS bietet keine extreme Leistungsentfaltung, aber eine lineare und gut nutzbare Power. Der Motor ist ein angenehmer Begleiter. Besonders hervorzuheben ist, dass der Motor sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Motorradfahrer gut geeignet ist. Das liegt auch an den drei Fahrmodi - Rain, Road und Dynamic - die das Ansprechverhalten des Motors je nach Bedarf anpassen. Unser Exemplar war mit dem optionales Quickshifter erhältlich.
Das Handling ist neutral, die Ergonomie gut ausbalanciert. Das optimierte Fahrwerk müsste man ebenso mit der Vorgängerin direkt vergleichen, um die Unterschiede in Bezug auf die neue einstellbare Gabel genauer zu beurteilen. In jedem Fall ist das Fahrverhalten im Jahr 2025 zugänglich und sportlich direkt. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die BMW jetzt über mehr Einstellmöglichkeiten verfügt, was für eine größere Anpassungsfähigkeit sorgt. Einziger Kritikpunkt beim Thema sportlichem Kurven ist, dass die Fahrwerksabstimmung im Heck der BMW F 900 R mehr auf Komfort und Alltagstauglichkeit ausgelegt ist.
Zielgruppe und Fazit
In einer Welt voller High-Performance-Bikes mit radikalem Design und extremer Power geht BMW mit der F 900 R einen anderen Weg: Ein Motorrad, das einfach zuverlässig funktioniert und unauffällig mitschwimmt. Wieso greifen aber tatsächliche Käufer zu diesem Naked Bike? Wir haben die 1000PS Instagram Community gefragt. Die F 900 R richtet sich also an Fahrer, die ein zuverlässiges, universell einsetzbares Motorrad suchen. Sie ist kein Hingucker, aber eine vernünftige Wahl für die Feierabendrunde, den Arbeitsweg oder längere Touren. Viele Motorradfahrer wollen kein extremes Bike, sondern eines, das ihre Bedürfnisse abdeckt. Blickt man zurück in die Geschichte sind genau das die Erfolgsgeheimnisse von echten Kassenschlagern. Die Kaufentscheidung fällt mit dem Kopf und deckt klare Bedürfnisse ab.
Die BMW F 900 R bleibt auch 2025 ein Paradebeispiel für Vernunft auf zwei Rädern. Sie begeistert nicht mit radikaler Optik oder einem brachialen Motor - aber genau das ist ihre Stärke. Wer ein zuverlässiges, vielseitiges und alltagstaugliches Naked Bike sucht, das solide Technik, moderne Sicherheitsfeatures und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, ist hier genau richtig.
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- E-Bike Motoren erklärt: Wie Leistung & Drehmoment dein Fahrerlebnis revolutionieren!
- Motorrad aus Schrauben: Ein ungewöhnliches Projekt?
Kommentar schreiben