BMW Motorrad Ventilspiel einstellen – Eine detaillierte Anleitung

Das Prüfen und Einstellen des Ventilspiels beim Vierventil-Boxer von BMW ist dank der frei liegenden Zylinderköpfe kein großer Akt und auch vom Hobbyschrauber in der Garage machbar. An anderen Motorrädern ist es geradezu ein Vergnügen.

Warum ist das Ventilspiel wichtig?

Ein gewisses Spiel zwischen Ventilkopf und Ventilspiel-Einstellschraube ist nötig, damit die Ventile den Brennraum bei allen Betriebstemperaturen dicht abschließen, kein Gas unkontrolliert entweicht und die Wärme am Ventilsitz gut abgeleitet werden kann. Das Ventilspiel muss alle 10.000 km (bzw. einmal pro Jahr) überprüft und, wenn notwendig, eingestellt werden. Das Ventilspiel muss ebenfalls kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden, wenn Zylinderkopf oder der Steuerungsträger aus- und wieder eingebaut wurden.

Vorbereitung

Für die routinemäßige Wartung eines 2V-Boxer gehört es das Ventilspiel sowie das Axialspiel der Kipphebel einzustellen. Das Ventilspiel sollte alle 7.500km kontrolliert werden, das Axialspiel der Kipphebel alle 15.000km. Damit bei allen Betriebstemperaturen des Motors die Ventile den Brennraum gut abschließen, ist ein gewisses Spiel zwischen den Ventilen und den Kipphebeln nötig.

Das Ventilspiel wird bei kaltem Motor (höchstens 35 Grad, entspricht handwarm) kontrolliert und eingestellt. Dank der frei stehenden Zylinderköpfe muss man dazu nur wenige Teile abbauen.

Benötigte Werkzeuge und Materialien:

  • Sitzgelegenheit, etwa eine Bierkiste.
  • Fühlblattlehre mit den Größen 0,05 bis 0,25 mm - darin eingeschlossen sind die "Nachbargrößen" für die Werte 0,10 für Einlass und 0,20 für Auslass.
  • Gabelschlüssel SW 12 - ist beim Bordwerkzeug.
  • Große zentrale Hutmutter in der Zylinderkopfhaube SW 13.
  • Taschenlampe
  • Ölauffanggefäß
  • Drehmomentschlüssel
  • Zündkerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug.
  • (optional) Zündkerzenstecker-Montagewerkzeug (halbierten Verschluss einer Sektflasche)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung des Motorrads

Maschine auf Mittelständer abstellen und ein Ölauffanggefäß unter den Zylinderkopf stellen, der bearbeitet werden soll, denn beim Abnehmen der Zylinderkopfhaube läuft Öl aus. Beide Zündkerzen ausschrauben, Zylinderkopfhaube („Ventildeckel“) abnehmen. Dazu die vier sichtbaren Schrauben herausdrehen. Nun liegt der Steuerungsträger frei.

Eventuell muss mit einem Schraubenzieher o.ä. nachgeholfen werden, um Beschädigungen des Chroms zu vermeiden. Manchmal kommt der Stehbolzen mit - in dem Fall zerlegen, Gewinde wieder gängig machen, zwei passende Muttern drauf kontern und den Bolzen mit Schraubensicherung (Locktite 248 o. s. ä.) wieder in den Zylinderkopf reindrehen, wenn die Haube runter ist. - Kopfhaube abziehen.

2. Oberen Totpunkt (OT) finden

Oberen Totpunkt (OT) des Zylinders suchen. Dazu folgendermaßen vorgehen: Rechts oben im Motorgehäuse hinter dem rechten Zylinder ist eine Bohrung, die mit einem Gummistopfen verschlossen ist. Diesen Gummistopfen herausziehen und durch die Öffnung mit einer Taschenlampe das Schwungrad anleuchten. Darauf ist eine OT-Markierung angebracht, die durch Drehen der Kurbelwelle gesucht wird.

  • OT-Suchmöglichkeit 1: Entweder den zweiten oder den dritten Gang einlegen und kräftig, aber langsam am Hinterrad drehen, bis die OT-Markierung im Gehäusefenster erscheint.
  • OT-Suchmöglichkeit 2: Den vorderen Deckel am Motor abnehmen („Riemengehäusedeckel“) und mit einem passenden Schlüssel über die untere Schraube, welche die Riemenscheibe hält, die Kurbelwelle rechtsherum drehen.

Egal, wie man den OT sucht - wichtig ist die OT-Kontrolle, denn der Kolben steht nur jede zweite Umdrehung im Kompressions-OT, in dem sich beide Kipphebel in Ruhestellung befinden und etwas Spiel zwischen Ventileinstellschraube und Ventilkopf haben.

Alternativ (wenn der Kicker fehlt): a) Drehen am Hinterrad mit eingelegtem Gang, b) Drehen an der Lichtmaschinenmutter. Wie auch immer: mit der Taschenlampe ins Schauloch leuchten und den Motor drehen - zuerst erscheint die Markierung "Z" (= Zündung mit Strobo). Dann kommt eine Lücke, alsdann die Ziffer "3" (noch drei Grad). Bei "OT" hält man an. Eine der beiden Seiten ist jetzt einstellbereit.

3. Ventilspiel prüfen

Ventilspiel prüfen: Fühlerlehre zwischen Einstellschraube und Ventilkopf durchziehen. So lange mit verschiedenen dicken Fühlerlehren prüfen, bis man ein Plättchen gefunden hat, das sich zwischen Ventilkopf und Ventilspiel-Einstellschraube satt durchziehen lässt. Dies nennt man „Ist-Ventilspiel“.

  • a) Man beobachtet die Ventile beim Drehen.
  • b) Man misst beide Seiten mit der 0,05er-Lehre.

Auf keinen Fall zurückdrehen, wenn man "vorbeigerutscht" ist - denn im gesamten Ventiltrieb (Zahnräder, Kette u. - Ventilspiel des betr. Zylinders kontrollieren. Oft stimmt der Wert noch. Mit dem Daumen auf der Kipphebelseite drücken, wo die Stößelstangen sind, um eventuelles Gelenkspiel "wegzudrücken" - mit der anderen Hand das Blatt der Fühlblattlehre ("10" für Einlass, "20" für Auslass - ich beziehe mich ab jetzt auf die Ziffern, die auf den Fühlblättern eingeätzt sind) zwischen Kipphebel und Ventilteller durchziehen bzw. durchschieben.

Bei einer sogenannten saugenden Passung des mit normaler Kraft durchgezogenen Fühlblattes (mit dem korrekten Wert) ist das Ventilspiel in Ordnung. Nimm zur Sicherheit den nächstgrößeren Wert. Wenn der nur noch mit Gewalt reingeht, stimmt das Spiel - wenn er aber (wie oben beschrieben) ebenfalls passt, ist das Spiel zu weit.

4. Ventilspiel einstellen

Wenn das Ventilspiel zu weit oder zu eng ist, muss es korrigiert werden. Dazu die Kontermutter der Ventileinstellschraube leicht lösen, Schraube ein- oder ausdrehen, bis das Ventilspiel stimmt.

Ventil Sollwert
Einlassventil 0,15 mm
Auslassventil 0,30 mm

Fühlerlehre muss satt durch den Spalt durchschleifen. Herausdrehen vergrößert das Spiel, Hineindrehen verkleinert es. Nach minimalen Korrekturen zuerst Kontermutter wieder festziehen, bevor erneut nachgemessen wird.

Beim Anziehen der Kontermutter darauf achten, dass sich die Ventilspiel-Einstellschraube nicht verdreht. Anzugsdrehmoment der Kontermutter 8 Nm. Nach dem Kontern der Mutter das Ventilspiel erneut prüfen.

5. Zusammenbau

Dichtring der Zünd-kerzenöffnung im Zylinderkopfdeckel, Ventildeckeldichtung und Gummidichtscheiben der Deckelschrauben vor Einbau auf Poro-sität prüfen. Gummipuffer nicht vergessen. Inneren Dichtring auf die Zündkerzenöffnung auflegen, Ventildeckel aufsetzen. Dichtscheiben unter den Halteschrauben kontrollieren: Erneuern, wenn sie „hart“ oder angefressen sind.

Zylinderkopfmuttern nachziehen - in der Reihenfolge 1 - 4 - 3 - 2 - 5 - 6 mit Drehmomentschlüssel auf 35 Nm. Die Mutter "1" ist oben links, die Mutter "2" ist oben rechts, die Mutter "3" ist unten links, die Mutter "4" ist unten rechts auf den Kipphebelböcken; die Mutter "5" ist oben Mitte zwischen den Kühlrippen, die Mutter "6" ist unten Mitte zwischen den Kühlrippen.

6. Axialspiel der Kipphebel einstellen

Das Axialspiel sollte alle 15.000km kontrolliert werden. Ebenfalls ist es nötig das axiale Spiel der Kipphebel zwischen den Böcken, die von den Zylinderkopfmuttern fixiert werden so gering wie möglich zu halten. Dieses Spiel ist für die Klappergeräusche am Ventiltrieb verantwortlich.

Zuerst wird das axiale Spiel der Kipphebel geprüft und ggf. eingestellt. Dazu müssen die Kipphebel absolut entlastet sein. Hierzu ggf. die Ventileinstellschrauben lösen. Der Sollwert ist 0,05±0,02mm. Diesen Wert mit einer Fühlerlehre erfühlen.

Sollte der Wert nicht stimmen, sind die Kopfmuttern zu lockern. Dann den oberen und den unteren Bock mit der Hand zusammendrücken und die Kopfschrauben wieder anziehen (mit max. 15Nm).

Nachdem beide Axialspiele eingestellt sind die Kopfmuttern über Kreuz festziehen und zwar nacheinander mit 15, 25 und 35Nm. Das ist ganz wichtig um ein Verspannen des Kopfes zu vermeiden! Und bitte unbedingt mit einem Drehmomentschlüssel anziehen, weil die Stehbolzen sehr empfindlich sind und leicht aus der unteren Führung ausreißen können!

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