Leidenschaft, deutsche Ingenieurskunst und große Rückschläge prägten die Motorrad-Geschichte von BMW.
Die Anfänge und die frühen Jahre
In lediglich vier Wochen konstruierte Max Friz, Ingenieur beim damaligen Flugmotorenhersteller BMW, das erste Motorrad des Unternehmens: die R 32. Ein schlankes Zweirad mit Zweizylinder-Boxermotor und Kardanwelle anstatt des üblichen Kettenantriebs. Beleuchtung, Hupe, Tacho und Soziussitz wurden ebenfalls angeboten, allerdings als Extras.
Dieses Bike beeinflusste die Motorradtechnik bei BMW für die nächsten Jahrzehnte. Bei Renneinsätzen holte die BMW R 32 mehrere Siege, rasch galt die Maschine als zuverlässig, schnell und wartungsarm.
Die Entwicklung in den 1930er und 1950er Jahren
Es gehört viel gestalterisches Feingefühl dazu, aus zwei Zylindern eine Legende zu formen - genau das gelang BMW, der deutschen Edelschmiede. Zu den frühen Meilensteinen zählen die gefederten Typen R 51 bis R 17.
1950 Gemeinsamer Ölkreislauf für beide Zylinder, schräg montierte Vergaser und verrippte Ventildeckel für BMW R 51/2. 1955 Neues Dreiwellengetriebe und Kardanwelle mit nunmehr vorn angeordnetem Kreuzgelenk.
3.950 Mark kostete dieses Luxus-Sportmotorad bei seiner Premiere im Jahr 1952 - das war eine Menge Geld im Nachkriegsdeutschland. Ein Bestseller wurde die Maschine daher nicht, lediglich 1452 Exemplare wurden gebaut. Doch die R 68 setzte abermals technische Maßstäbe, und sie war zudem der erste „100-Meilen-Renner“ von BMW, also die erste Maschine, die eine Geschwindigkeit von gut 160 km/h erreichte.
Die 1960er und 1970er Jahre: Aufschwung und Innovation
Die Motorradindustrie erlebte Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre weltweit einen enormen Aufschwung. Für die heimische Motorradindustrie war das ein massives Problem.
1969 Gleichdruck-Vergaser und E-Starter für BMW R 75/5. Neukonstruktion des Boxers für die Baureihe /5 mit unterhalb von Kurbelwelle und Zylinder platzierter Nockenwelle und Stößelstangen. Comeback der Teleskopgabel.
Und BMW setzte ein Zeichen! Die Münchner stellten die R 69 S vor, mit 175 km/h das damals schnellste deutsche Serienmotorrad. Eine Doppelsitzbank war serienmäßig, und zudem gab es die Maschine auch mit einer eleganten, bis dahin nur für Behördenmodelle reservierten, weißen Lackierung.
Wieder so ein Knaller von BMW: 1973 stellten die Marke die R 90 S vor, ein neues Spitzenmodell. Einerseits gehörte die Maschine mit 200 km/h Toptempo zu den schnellsten Serienmotorrädern der Welt, andererseits wurde erstmals ein BMW-Bike von einem Designer gestaltet. Hans Muth schuf für die R 90 S die weltweit erste, am Lenker fest montierte Cockpitverkleidung. Und als besonderes Extra gab es ab 1975 auch die hinreißende Lackierung „Daytona-Orange metallic“.
Die R 90 ist das weltweit erste Großserienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung.
Die 1980er und 1990er Jahre: Neue Wege und Technologien
1988 Einführung von Vierventil-Technik, DOHC-Zylinderkopf und der weltweit ersten digitalen Motorelektronik für Motorräder im Vierzylinder-Motor. 1993 Einführung des Vierventil-Boxers mit Saugrohr-Einspritzung und Dreiwege-Katalysator.
Am beliebtesten: Diese Maschine war die erste Enduro mit Mehrzylindermotor und das erste BMW-Bike mit Einarmschwinge. Der Zweizylinder-Boxer leistete 50 PS, und BMW gewann mit dem Feger die Rallye Paris-Dakar in den Jahren 1981, 1983, 1984 und 1985. Dieses Motorrad begründete den Mythos der robusten, zuverlässigen und kaum zu stoppenden Reiseenduros von BMW. So steht die 1980 vorgestellte R 80 G/S nur am Anfang der langen GS-Baureihe und markiert zugleich den Beginn der neuen Gattung großer Reiseenduros.
Am beliebtesten: Das Basismodell R 100 GS debütierte bereits 1987 als „hubraumstärkste Reiseenduro“ der Welt mit einem 980-Kubik-Zweizylinder-Boxermotor. Drei Jahre später dann kam die Variante „Paris Dakar“ auf den Markt.
Noch nie zuvor hatte ein Serienmotorrad eine aerodynamisch derart ausgefeilte Karosserie getragen wie die K1. Das Vorderrad war umfassend verkleidet, es folgte eine Vollverkleidung für den Fahrerplatz und auch am Heck gab es etliche Karosserieteile. Der cW-Wert, der den Luftwiderstand klassifiziert, lag bei bis dahin unerreichten 0,36.
Das 21. Jahrhundert: Moderne BMW Motorräder
2004 In der BMW K 1200 S debütiert der neue, nun quer eingebaute Vierzylinder. 2007 Die BMW HP 2 Sport ist bis dato stärkster Serien-Boxer mit 133 PS. 2009 Der kurzhubige Vierzylinder-Motor der BMW S 1000 RR leistet 193 PS. 2012 Die jüngste Generation des BMW Boxer-Motors erhält eine Luft-/Flüssigkeitskühlung. Das Getriebe ist jetzt in den Motorblock integriert.
Diese völlig neu entwickelte Reiseenduro wurde 2012 auf der Zweiradmesse Intermot in Köln vorgestellt und ab dem folgenden Jahr verkauft. Charakteristisch an der Maschine ist der wie ein Schnabel weit nach vorn ragende Kotflügel für das Vorderrad. Der 1200-Kubik- Motor leistet 125 PS. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine elektronische Fahrwerksanpassung, ABS und eine automatische Stabilitätskontrolle. Außerdem sind für die Maschine auch LED-Scheinwerfer verfügbar.
BMW Motorrad heute
Für das Jubiläumsjahr hat BMW zwei Editionsmodelle „100 Years“ aufgelegt, den Roadster R nineT und den Cruiser R 18. Beide Modelle sind auf jeweils 1923 Exemplare limitiert. Klassische Elemente wie das Zusammenspiel von verchromten und lackierten Oberflächen, weiße Doppellinien am Tank und Vorderradabdeckung sowie eine zweifarbige Sitzbank prägen den Look beider Maschinen. Dazu gibt es für die Editionsmodelle etliche Extras schon ab Werk, etwa adaptives Kurvenlicht sowie beheizbare Lenkergriffe. Beide Modelle werden im BMW Motorradwerk in Berlin-Spandau produziert, wo seit 1949 Motorradteile und seit 1969 die Komplettmontage von BMW-Bikes stattfindet.
BMW im Motorsport
Seit fast 100 Jahren treten BMW-Motorräder in off-road Wettbewerben an. Nicht nur Veranstaltungen: Sechstagefahrten, Mehrtagesfahrten, Meisterschaften und Wüstenrallyes wie Baja und vor allem Paris-Dakar.
Verwandte Beiträge:
- Japanische Motorräder: Qualität, Zuverlässigkeit & Modelle im Vergleich
- Carbonteile für Motorräder: Vorteile, Hersteller & Kaufberatung
- Motorradanhänger für 2 Motorräder: Test & Kaufberatung
- Die besten wasserdichten Fahrrad Gepäcktaschen im Test – Sicher & zuverlässig unterwegs!
- Ochsenkopf Mountainbike Kurs: Trails, Touren & Techniktraining
Kommentar schreiben