Die 1960er Jahre waren eine Zeit des Wandels und der Umbrüche, auch für BMW Motorrad. Nach der Rettung von BMW im Jahr 1960 durch Herbert Quandt, der die Entwicklung der "neuen Klasse" finanzierte, erlebte auch die Motorradproduktion eine Neuausrichtung.
Die Motorradmodelle der 1960er Jahre
In den sechziger Jahren vertraute BMW auf die bewährten Fahrwerke der 1955 eingeführten Vollschwingenmodelle, die mit ihrer Fahrstabilität neue Maßstäbe im Solo- und Gespannbetrieb setzten. 1960 ergänzten zwei Sportmodelle, die R 50 S und die R 69 S die Modellpalette. Letztere war mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h das schnellste deutsche Serienmotorrad, mit dem sich BMW in der internationalen Spitze behaupten konnte. Das sportliche Spitzenmodell R 69 S wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit 42 PS und 175 km/h Höchstgeschwindigkeit sorgte sie nicht nur in Deutschland für Aufsehen. Die Kurbelwelle des R 69 S-Motors war mit einem Schwingungsdämpfer versehen.
Die geschobene Vorderradschwinge, die Rahmenkonstruktion mit Seitenwagenanschluss und der eigenartigen Aufnahme der hinteren Federbeine, die Schwingsättel und das Überwiegen der schwarzen Lackierung galten spätestens ab Mitte des Jahrzehnts als ausgesprochen konservative Merkmale.
Technische Innovationen und Entwicklungen
Im Hintergrund jedoch arbeitete auch BMW an neuer Technik und Gestaltung. Diese Entwicklung verlief langsam, immer gebremst von knappen Budgets, aber stetig. Ein erstes Ergebnis der Neuentwicklung war im April 1963 bei der Geländefahrt in Biberach zu sehen: BMW-Werksfahrer Sebastian Nachtmann trat dort mit dem bekannten Boxer in einem neuen Doppelschleifenrahmen an, der nach dem Prinzip der Norton- oder besser McCandless-Federbettrahmen konstruiert war. Dieses Fahrwerk bildete die Grundlage für die spätere Serie. Zugleich testeten die Entwickler, welche Fortschritte mit dem seit der R 51/3 eingesetzten, rollengelagerten Boxermotor noch möglich waren.
Um 1965 war man bei BMW zu der Erkenntnis gelangt, dass der alte Boxer an der Grenze seiner Entwicklungsfähigkeit angelangt war. Dazu hatten eigene Versuche, beispielsweise mit Kipphebelbrücken zur Verbesserung der Drehzahlfestigkeit, ebenso beigetragen wie die Erfahrungen mit den Motoren der R 69 S und R 50 S. Aufgrund von Schwingungs- und Resonanzphänomenen machten sie immer wieder Schwierigkeiten mit Kurbelwellenschäden bei hohen Drehzahlen. Besonders betroffen war die R 50 S, deren Motor 35 PS bei 7650/min entwickelte. Sie wurde nur von 1960 bis 1962 gebaut. Dem nicht ganz so hoch belasteten Motor der R 69 S verhalf ein Schwingungsdämpfer auf der Kurbelwelle zu befriedigender Zuverlässigkeit.
Bei der Entwicklung des neuen Motors konnten die Konstrukteure auf die Erfahrungen aus dem Autobereich zurückgreifen, insbesondere auf die Vanderwell-Dreistoff-Gleitlager. Für die Motoren der in der Entwicklung befindlichen /5-Baureihe wurden die Maße von Kurbelwellen- und Pleuellager vom 1500er-Vierzylinder übernommen.
Der Wandel zum Freizeit-Gefährt
Der wichtigste Grund für BMW, überhaupt an der Motorradproduktion und -entwicklung festzuhalten, waren ermutigende Signale aus den USA. Dort hatte sich früher als in Europa ein Wandel der Motorradkultur vollzogen - eine Hochblüte der Pop- und Rockmusik begleitend, wurde das Motorrad zunehmend als Vehikel einer erlebnisreichen Freizeitgestaltung geschätzt und nicht, wie in Deutschland, als Transportmittel für Leute angesehen, die sich kein Auto leisten konnten. Folgerichtig und auf Initiative des US-Importeurs wurden ab 1967 BMWs in farbigen Lackierungen, mit durchgehender Sitzbank und Telegabel ausgerüstet, um ihnen einen moderneren Look zu verleihen. Speziell für den nordamerikanischen Markt bietet BMW seine Boxermodelle ab 1967 auch in einer Version mit Teleskopgabel an.
Die Einstellung zum Motorrad hat sich geändert, die Kunden sind nun stärker freizeitorientiert - und Motorradfahren wird zunehmend zum sportlichen Hobby auch finanziell bessergestellter Kreise. BMW Motorräder gleiten nicht mehr nur über europäische Landstraßen, sondern erobern auch die US-Highways.
Die /5-Baureihe: Eine Neukonstruktion
Die /5-Baureihe präsentiert sich als grundlegende Neukonstruktion des Boxermodells: Leichter Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Hinterradschwinge und Teleskopgabel vorne, Kurbelwelle und Pleuel gleitgelagert, Drehstromgenerator, Batteriezündung und elektrischem Anlasser. Zum ersten Mal sind außer Schwarz und Weiß auch andere Farben wie Silber, Blau und Rot verfügbar. Die R 60/5 ist die grundlegende Neukonstruktion des Boxermodells: Leichter Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Hinterradschwinge und Teleskopgabel vorne, Kurbelwelle und Pleuel gleitgelagert, Drehstromgenerator, Batteriezündung und elektrischem Anlasser. Der elektrische Anlasser ist hier serienmäßig an Bord. Die R 75/5, das Topmodell der /5-Modellserie, bietet das gleiche Fahrwerk wie die anderen Modelle der /5-Serie, leistet aber dank 750 ccm Hubraum satte 50 PS, glänzt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h und ist mit einem Unterdruck-Drosselklappen Vergaser ausgestattet.
BMW Polizeimotorräder in Deutschland
Nach dem Krieg war es auch Ende der 1950er Jahre nicht selbstverständlich Auto zu fahren, sondern Zweiräder waren ein übliches Fortbewegungsmittel - auch bei der Polizei.
Motorräder für die Polizei wurden anfänglich der normalen Regelproduktion entnommen und lediglich mit eigener Lackierung („Tannengrün“) versehen. Nach und nach wurden die Maschinen in den Polizeiwerkstätten mit Blaulicht und Signalhorn aufgerüstet. Detailverbesserungen wie ein verstärkter Rahmen.
Am 30.05.1960 stellte Polizeipräsident Paul Rau die neue Einheit als "Verkehrsstaffel" vor - 16 Beamte mit ebenso vielen Krädern und einem Leiter. Sie ließ sie zur intensiveren Überwachung des innerstädtischen Straßenverkehrs nach dem Vorbild der Pariser Polizei aufstellen. Diese Einheit begleitete neben der Verkehrsüberwachung regelmäßig Staatsempfänge oder wurde bei Öffentlichkeitsveranstaltungen eingesetzt.
Die Motorrad-Gespanne gibt es schon lange nicht mehr bei der Polizei. Für die Polizei wurden später die Kotflügel noch weiß lackiert. Grün ("Tannengrün").
Im Arbeitskreis II der Konferenz der Innenminister einigte man sich auf eine neue, für das gesamte Bundesgebiet einschl. West-Berlins einheitliche Farbgebung. Wie oftmals zuvor, war die Grundfarbe nunmehr Cremeweiß (RAL 9001), Reinweiß (RAL 9010) oder ein entsprechendes "Herstellerweiß", die beweglichen Teile (Türen, Motor- und Kofferraumhaube) waren Minzgrün (RAL 6029) zu lackieren. Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei oder Servicefahrzeuge war eine Lackierung komplett in Minzgrün möglich.
Die R 80 RT war 1982 das erste Modell, das der Hersteller bereits komplett und fertig konfiguriert als Behörden-Fahrzeug anbot. vorgerüstet und aufeinander abgestimmt, so dass aufwändige Umbauten und technische Anpassungen entfielen.
Bekannte BMW Polizeimotorrad Modelle
Einige bekannte BMW Polizeimotorrad Modelle:
- BMW R50 schon mit weißen Kotflügeln und Trittbrettern (Polizeimuseum Stuttgart).
- BMW R60/6
- BMW R 850 R
Die R 850 R wurde als Schwestermodell der R 1100 R gemeinsam im Frühjahr 1994 vorgestellt. ccm verringert. Diese BMW R 850 R der Stuttgarter Polizei ist im Originalzustand, die wie lange üblich keine Vollverkleidung für den Großstadtbereich vorsah und sich mit einer Windschutzscheibe begnügte. Das Fahrzeug hatte einen Dienstunfall, bei dem Vordergabel und Längslenker gestaucht wurden, wie auch auf dem Foto oben erahnbar ist. sowie weitere Teile ersetzt bzw. angepasst.
Mit der /6-Ausführung brachen bei BMW moderne Zeiten an. 500er wurde aus dem Programm genommen und R60/5 bzw. /6 übernahmen deren Rolle als Standard-Behördenmaschine. warten), während die Modelle für den privaten Markt bereits mit Scheibenbremsen verzögerten.
Verwandte Beiträge:
- Motorradversteigerungen Polizei: Gebrauchte Motorräder günstig kaufen
- BMW K75 Polizeimotorrad: Geschichte, Technik & Sammlerwert
- Fahrradreifen plattgestochen: Was tun bei vorsätzlicher Sachbeschädigung?
- Motorradfahrer flüchtet vor Polizei: Ursachen & Konsequenzen
- Shimano Schaltung einstellen: Ultimative Umwerfer Anleitung für perfekte Gangwechsel
- Unvergessliche Radtour durch die atemberaubende Senftenberger Seenlandschaft – Jetzt entdecken!
Kommentar schreiben