Reiseräder bieten die schönste Möglichkeit, die Welt zu erkunden. Robust und tragfähig, kann man mit ihnen bewährte Wanderwege, aber auch unbekannte Pfade erkunden. Wir haben 8 Reiseräder für Sie getestet.
Reiseräder im Test
Reiseräder müssen große Lasten tragen, Tausende Kilometer ohne Ausfälle absolvieren und mit den unterschiedlichsten Anforderungen auf Straßen und auf Schotterwegen, in Städten und in Gebirgen zurechtkommen. Eine robuste Konstruktion und Zuverlässigkeit zeichnen Reiseräder ebenso aus wie Komfort und Verkehrstauglichkeit. Egal ob Kontinentalüberquerung oder drei Tage Radfernweg in Deutschland - für jedes Vorhaben gibt es das passende Rad.
Unter dem Begriff Reiserad wird Käufern ein breites Sortiment geboten, das unser Test widerspiegeln soll: Spezialisten wie Velotraum, Poison, Tout Terrain und Maxx haben hochwertige Individuallösungen im Angebot, bei ihnen kann man sich sein Traumrad für die Weltreise selbst aufbauen.
Überblick der getesteten Reiseräder
Hier ist eine Übersicht der getesteten Reiseräder:
| Platz | Hersteller | Modell | Note |
|---|---|---|---|
| 1 | TOUT TERRAIN | Silkroad | sehr gut |
| 2 | MAXX | Crossmaxx 28" | gut |
| 3 | POISON | Morphin | gut |
| 4 | VSF | TX-400 | gut |
| 5 | BÖTTCHER | Expedition | gut |
| 6 | VELOTRAUM | Finder FD2 | gut |
| 7 | ROSE | Cross Randonneur | befriedigend |
| 8 | SPECIALIZED | Sirrus Elite EQ | befriedigend |
Große Hersteller punkten mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Große, breit aufgestellte Hersteller wie Specialized, Böttcher oder VSF bieten mehr oder weniger individuelle Reiseräder an, die mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Rose wiederum stellt mit dem Cross Randonneur ein Rad, das technisch nah am Rennrad ist und somit wenig wiegt.
Um das Testfeld überschaubar zu halten, haben wir einen Preisbereich von 1.000 bis 2.500 Euro festgesetzt. Einige Hersteller von Individualaufbauten konnten uns nur ein etwas hochwertiger aufgebautes Rad, zum Beispiel mit teurerer Bereifung, zur Verfügung stellen. In diesen Fällen haben wir einen Basispreis angegeben. Die Testräder müssen über eine Lichtanlage mit Nabendynamo, Gepäckträger und einen geraden Lenker verfügen. Wir haben uns auf Modelle mit Kettenschaltung beschränkt, zudem sollte sich an der Gabel ein Vorderrad-Gepäckträger (Lowrider) befestigen lassen können.
Reinrassige Reiseräder unterscheiden sich nicht nur durch ihre vielen Gepäckaufnahme-Möglichkeiten von anderen Radtypen. Viele Hersteller setzen auf die etwas kleineren 26-Zoll-Laufräder oder bieten diese zumindest als Option an. Der kleinere Radumfang verspricht mehr Stabilität und Haltbarkeit. Außerdem ist die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bei 26ern in anderen Ländern besser, und Radler haben dort auch eine große Auswahl bei der Bereifung.
Das Rahmenmaterial der Wahl ist in der Regel Stahl, es erlaubt eine maximale Zuladung (Fahrer plus Gepäck) von ungefähr 150 Kilogramm bei den meisten Rädern. Aluminium ist leichter und kann bei kürzeren und sportlicheren Touren eine gute Wahl sein.
Egal ob Stahl oder Alu, wichtig ist, dass Radler auch mit viel Gepäck jeden Berg schaffen. Deswegen sollte das Reiserad über ausreichend Gänge im niedrigen Bereich verfügen. Die meisten der getesteten Räder bringen die dafür notwendige Bandbreite in der Gangschaltung mit, einige kommen sogar mit einer richtigen Bergübersetzung.
Wertungen im Detail
Hier sind die detaillierten Wertungen der getesteten Räder:
| BÖTTCHER EXPEDITION DIAMANT | ROSE CROSS RANDONNEUR | MAXX CROSSMAXX | SPECIALIZED SIRRUS ELITE EQ | VSF TX-400 | POISON MORPHIN | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ausstattung | 4/5 | 3/5 | 5/5 | 3/5 | 4/5 | 5/5 |
| Berg-Gänge | 4/5 | 2/5 | 4/5 | 2/5 | 4/5 | 4/5 |
| Gepäckaufnahme | 5/5 | 4/5 | 5/5 | 4/5 | 5/5 | 5/5 |
| Gewicht | 2/5 | 5/5 | 3/5 | 4/5 | 3/5 | 3/5 |
| Fahrspaß | 4/5 | 5/5 | 4/5 | 4/5 | 4/5 | 5/5 |
| Zuladung | 5/5 | 2/5 | 5/5 | 3/5 | 5/5 | 3/5 |
| Design | 5/5 | 5/5 | 5/5 | 4/5 | 4/5 | 5/5 |
| Summe (Sterne) | 29 | 26 | 31 | 24 | 29 | 30 |
| Mittelwert | 4,1 | 3,7 | 4,4 | 3,4 | 4,1 | 4,3 |
| Note | gut | befriedigend | gut | befriedigend | gut | gut |
Einzelbetrachtungen der Fahrräder
- Böttcher Expedition: Obwohl es das schwerste Rad im Test ist, unterm Strich liefert Böttcher ein rundum gelungenes Reiserad ab. Schön ist, dass man im Web-Shop eine überschaubare, aber sinnvolle Komponenten-Auswahl hat.
- Rose Cross Randonneur: Crossrad, Gravelbike oder Randonneur? Das Rose ist mit allen Typen verwandt. Leider ohne Lowrider und Ständer. Ein leichtes, sportliches Rad für Tagestourer oder Pendler, die es eilig haben.
- Maxx Crossmaxx: Laut Maxx ist die 28-Zoll-Variante des Crossmaxx der hauseigene Bestseller im Trekkingbereich. Zu Recht? Mit 26 Zoll hätte es vielleicht zum Testsieg gereicht. Doch auch so ist es ganz weit vorn.
- Specialized Sirrus Elite EQ: Der letzte Platz täuscht etwas: Das Sirrus empfehlen wir jedem, der eine kürzere (Fluss-)Tour plant und nicht allzu viel Gepäck mitnehmen möchte. Auch als Alltags-Trekkingrad voll einsetzbar.
- VSF TX-400: Es muss nicht immer ein Individualaufbau sein: Das TX-400 ist durchdacht und hat für ein Reiserad keine echten Schwächen. Leider nur Felgenbremsen. Bei der Lackierung hätten wir uns Alternativen gewünscht.
- Poison Morphin: Ein Reiserad, das man guten Gewissens empfehlen kann: Fahrverhalten, Gepäckaufnahme und Austattung - alles ist auf höchstem Niveau. Leider ist es schwer und kann nur wenig zuladen.
Wichtig bei Reiserädern ist eine verkehrssichere Ausstattung, also Beleuchtung und zuverlässige Bremsen. Scheibenbremsen haben wir etwas höher gewertet. Ein Augenmerk richteten wir auf die Bergübersetzung des Schaltwerks, denn auch schwer beladen muss man steile Anstiege bewältigen können. Die effektive Übersetzung hängt dabei nicht nur vom Antrieb, sondern auch vom Radumfang ab.
Kernkompetenz jedes Reiserads ist, wie viel Gepäck transportiert werden kann. Dafür entscheidend sind die Aufnahmemöglichkeiten und die Belastbarkeit der Gepäckträger. Wichtig ist zudem, wie hoch das maximal zulässige Gesamtgewicht ist. Die Belastung verteilt sich auf Laufräder, Rahmen, Pedale und Lenkerbereich. Hier zählt der vom Hersteller angegebene Wert.
Wer viel transportieren möchte, braucht einen schweren Stahlrahmen, die Räder aus leichteren Werkstoffen ließen deutlich weniger Gepäck zu. In die Bewertung mit eingeflossen ist auch der Punkt Fahrspaß. Alle Räder haben wir mit Gepäcktaschen und ohne Ladung gefahren, auf der Straße und auf Schotterwegen. In den Fahrspaß fließen die Beschleunigung, das Lenkverhalten und Stabilität mit ein. In puncto Design haben wir das uns vorliegende Muster bewertet. In diese Beurteilung fließen nicht nur Farbe und Form ein. Auch Funktion und Aufbau, wie die Zugverlegung und das Zusammenspiel der Komponenten.
Böttcher Evolution Gravel im Detail
Das Böttcher Evolution Gravel ist ein Fahrrad, das mir wirklich viel Spaß gemacht hat. Insgesamt habe ich mit dem Evolution Gravel über 450km zurückgelegt und so einen guten Gesamteindruck gewinnen können. Egal ob im Wald oder auf Asphalt - es ist sehr schnell, recht wendig, nicht zu sportlich, aber auch nicht zu sehr bequem. Es verhält sich im Gelände angenehm agil und direkt, wenn ich schnell Lenken muss und das Rad entsprechend bewege. Auf Schotter oder Asphalt lässt es seine Reiserad-Gene spielen und läuft schön gerade und spursicher.
Das 3in1 Konzept
Die Evolution hin zum Schotterrad, mit dem man durch Wald und über Asphalt flitzen kann. Das Böttcher Evolution war also ein “3in1” Konzept - je nachdem wie das Fahrrad eingesetzt werden sollte. Das allerdings hat sich in den letzten Jahren dann doch geändert und Böttcher hat diese Entwicklung natürlich erkannt. Und mit dem Evolution darauf nahezu wortwörtlich reagiert.
Details des Böttcher Evolution
“Das Böttcher Evolution ist ein reinrassiges Reiserad mit wahlweise 27,5″ oder 29“ Laufrädern. Es ist eines der wenigen Reiseräder, welches Reifenbreiten 60+ aufnehmen kann. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass es kaum einen anderen Hersteller mit dieser individuellen Auswahl bei einem Reynolds 853 Rohrsatzes gibt. Als Weiterentwicklung des Böttcher Evolution kommt das Böttcher Evolution Gravel, das noch kompromissloser für Gravel-Bikepacker angepasst wurde: kürzerer Hinterbau, höhere Kettenstreben, kein Exzenter, keine Unterteilung der Kettenstreben für Gates Riemen und Carbongabel.
Beim Evolution Gravel wurde die Geometrie für den Gravel-/Bikepacking-Bereich mehr optimiert. Dafür hat Böttcher die Kettenstrebe um 2cm gekürzt, was ein agileres Fahrverhalten bedeutet und den Sitzrohrwinkel um 0,5 Grad steiler angepasst. Zudem wurde bei diesem Modell das Rahmenschloss weggelassen und auch keine Exzenter-Tretlager mehr verbaut. Beim Rahmenmaterial werden keine Kompromisse eingegangen: Hier setzen die Macher aus Heide auf den hochwertige Reynolds 853 Stahl.
“Um einen Rahmen mit hoher Zuladung zu entwerfen braucht man eine entsprechende Stahllegierung mit hoher Zugfestigkeit. In Frage kamen Hersteller, welche eine 25CrMo4 Legierung im Programm haben. Diese traditionelle Legierung zeichnet sich durch eine sehr hohe Festigkeit und je nach Konifizierung durch niedriges Eigengewicht aus. Das Reynolds 853 wurde ursprünglich für den Seitenaufprallschutz der Autoindustrie entwickelt und wurde ebenfalls im Rallyebereich für Überrollkäfige genutzt.
“In Heide werden die Rahmen auftragsbezogen pulverbeschichtet und zusammengebaut. Die Farb- und Komponentenauswahl erfolgt auf Kundenwunsch und individuell. Nach Bestellung werden die Räder beschichtet und nach dem Motto „One Man - One Bike“ aufgebaut. All das passiert hier bei uns in Heide. Die Carbongabel kommt wie geschrieben von Ritchey und verfügt über die für das Bikepacking notwendigen Ösen. Jeweils drei an jeder Seite. Die maximale Aufnahmelast der Gabel beträgt 3kg pro Seite. Leider ist der Rahmen nicht für die Aufnahme einer Federgabel ausgelegt.
Gewicht und Individualisierung
Apropos Gewicht: Hier ist Böttcher richtig weit vorne und bietet beim Evolution Gravel ein Systemgewicht von 150kg. “Die Aufteilung der Rahmenhöhen ist ausgelegt für Körpergrößen zwischen 1,60m und 1,95m. Das Evolution Gravel gibt es auf Anfrage auch nur als Rahmenset für den Selbstaufbau. Das Gewicht des Rahmens liegt laut Böttcher bei 2.220g und das der Gabel bei 445g (in der Rahmengröße 53). Das Gesamtgewicht des Böttcher Evolution Gravel beträgt laut Hersteller 11,8kg für das Build-Kit.
Wenn es um die Farbe geht: Das Testrad hat das durchaus attraktive “violett dormant” als Rahmenfarbe. Nun braucht ihr aber keine Sorge zu haben, dass ihr “violett dormant” auch nehmen müsst, denn insgesamt 18 Farben stehen im Konfigurator zur Auswahl. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann in Schleswig-Holstein gerne anrufen und sich nach weiteren Farb-Möglichkeiten erkundigen, die dann individuell vor Ort in Heide umgesetzt werden. Im übrigen ist die Lackierung recht widerstandsfähig. Ich bin das Rad auch mit Taschen gefahren und da, wo sonst Abriebspuren erkennbar sind, gab es am Evolution Gravel keine.
Laufräder und Reifen
Je nach Ausstattung, kommt das Evolution Gravel mit einem recht hochwertigen Carbon Laufradsatz. Diese Felgen stammen aus der Hamburger Carbon-Manufaktur Aerycs. Hier werden die Laufräder per Hand gebaut. Am Testrad waren die 700cc Aerycs Allround GCX Terra 40/40 verbaut. Sie eignen sich laut Hersteller am besten für den Gravel-Einsatz und erhöhen den Fahrkomfort. Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass Carbon-Felgen bei meinem Fahrstil durchaus noch mal mehr Vortrieb bringen.
“Bei unseren ALLROUND GCX TERRA | 40/40 Laufrädern ist die radiale Steifigkeit um circa 10% niedriger als bei unseren Straßen-Laufrädern. Dadurch verbessert sich das Dämpfungsverhalten der Felge und die Unebenheiten auf der Strecke werden besser abgefangen. So bieten dir unsere ALLROUND GCX TERRA | 40/40 maximalen Fahrkomfort in jedem Terrain. Die Felgen haben eine Maulweite von 22mm und eine Breite von 29mm. das Gewicht pro Felge liegt bei einer Felgenhöhe von 40mm bei 436g. Freigegeben für Reifen bis 62mm Breite und natürlich tubeless ready. Die Systemgewichtsfreigabe liegt bei 120kg.
Am neuen Gravel-Modell sind die Schwalbe G-One R in einer Breite von 40mm verbaut. Ich bin bei Schwalbe grundsätzlich skeptisch, da meine Erfahrungen hier eher negativ sind. (Bis auf den Schwalbe Mondial in 26 Zoll und 50/55mm Breite. Der ist am Reiserad richtig gut und hält mehr als 10.000 km ohne Probleme.) Bei den G-One Modellen hatte ich bislang kein Glück und neben einer eher bescheidenen Performance auch immer schnell Löcher. Aber die G-One R scheinen eine andere Welt zu sein, denn die gefallen mir richtig gut. Ich fahre sie mit ca. 2,5 Bar und die sind schön schnell auf Asphalt und haben ordentlich Vortrieb und Grip im Wald, im Matsch und wenn es nass ist, überraschend guten Grip.
Schaltung und Bremsen
Das Evolution Gravel kommt mit der 11fach Shimano GRX 22. Das 22 steht für 2fach Schaltung, also vorne 2 Kränze. Zusammen mit der 11-34er Kassette ergibt das eine Bandbreite von 479% und es kann eine leichte Untersetzung gefahren werden, geht es mal bergauf. Für die Fans größerer Übersetzungen - vor allem für das Gelände und mit Gepäck: Da kann hinten auch etwas mehr dran, denn die GRX “macht” auch größere Ritzel.
“Hierbei spielen unsere Erfahrungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Bandbreite der 2fach Schaltung ist wesentlich höher als bei der 1fach GRX. Weiterhin kann die Abstufung der Kassette feiner gewählt werden als bei 1fach. Gebremst wird ebenfalls mit den hydraulischen GRX auf Icetech 160mm Scheiben. Am Evolution Gravel Modell mit 800er GRX Ausstattung verbaut Böttcher die hochwertigen Ritchey WCS Teile. Auch die Sattelstütze stammt von Ritchey: Hier kommt die WCS 2-Bolt zum Einsatz.
Fazit
Das Evolution Gravel wird allen Spaß machen, die Geschwindigkeit und Agilität eines Rades schätzen und lieben und die aber auch sich alle Optionen für das Bikepacking offenhalten möchten. Wer also die Chance hat, sollte das Böttcher Evolution Gravel mal zum Test fahren.
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