Die Böhmerland 600 cc gilt mit ihren 3,10 Metern Länge als längstes in Serie produziertes Motorrad der Welt. Wer sie erwirbt, hat ein seltenes Sammlerstück in seiner Garage stehen. Nun wird ein restauriertes Exemplar versteigert. Der Preis dürfte manchen Enthusiasten abschrecken.
Die Geschichte der Böhmerland
Konstruiert von Albin Hugo Liebisch, wurde die Böhmerland ab 1925 in Schönlinde, im heutigen Krasna Lipa in Tschechien produziert. Die Böhmerland-Motorräder wurden zwischen den 1920er- und 1930er-Jahren in der damaligen Tschechoslowakei gebaut. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden circa 775 Exemplare der Böhmerland hergestellt, davon existieren noch geschätzt 10 Prozent. Von den rund 700 produzierten Exemplaren existieren heute weltweit nur noch etwa 30.
Mit mehreren Besonderheiten ging die Böhmerland in die Motorradgeschichte ein:
- Mit ihrer im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden Länge: über 3 Meter, Radstand über 2 Meter. Je nach Ausführung hatte eine Böhmerland zwei, drei oder sogar bis zu vier Sitzplätze.
- Mit ihren markant geformten Rädern aus Aluminiumguss, was damals längst noch nicht üblich war.
- Ebenso exotisch zu jener Zeit, mit ihren bunten Lackfarben, typischerweise Rot und Gelb.
Die Maschinen zeichnen sich durch ihren außergewöhnlich langen Rohrrahmen und ihre Gussräder aus Aluminium aus. Das war seinerzeit eine technische Neuerung, die erst Jahrzehnte später in der Motorradindustrie Standard wurde.
Technische Details und Besonderheiten
Der Konstrukteur Albin Liebisch entwickelte fast alle Komponenten der Böhmerland selbst. Am Heck blieb der Stahlrohrrahmen ungefedert, als Vorderradaufhängung für die Böhmerland kam eine geschobene Kurzschwinge zum Einsatz. Beide Räder wurden mit jeweils einer Trommelbremse versehen.
Mit 600 Kubik Hubraum leistete der luftgekühlte Viertakt-Einzylindermotor anfangs circa 16 PS bei 4.000/min, später bis zu 24 PS bei 5.000/min. Davon abhängig wurden weniger oder mehr als 100 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht.
Die ungewöhnliche Länge des Motorrads (40 Zentimeter länger als die letzte Generation des zweisitzigen Smart) wurde durch eine doppelsitzige Bank erreicht, die optional durch einen dritten Sitz ergänzt werden konnte. Spezielle Modelle boten Platz für bis zu vier Personen und wurden unter anderem für militärische Zwecke verwendet. Wegen ihrer auffälligen Silhouette erhielt die Maschine den Beinamen "motorisierter Dackel".
Die Böhmerland hebt sich auch durch ihr Design von anderen Motorrädern ihrer Zeit ab. Die auffälligen Rot- und Gelbtöne sowie der ungewöhnliche Rahmenbau zeigen, dass die Marke nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf visuelle Besonderheiten Wert legte.
Versteigerung eines historischen Exemplars
Sammler haben die Möglichkeit, ein seltenes und spezielles Stück Technikgeschichte zu ersteigern: Eine Böhmerland L3E steht zum Verkauf, die sich mit dem Titel „Längstes Serienmotorrad der Welt“ schmücken darf. Wer gerne Superlative mag, kann derzeit auf dem Online-Marktplatz Catawiki ein Motorrad mit einem besonderen Merkmal erwerben. Böhmerland L3E heißt das Objekt, das als längstes Serienmotorrad der Welt in die Geschichte eingegangen ist.
Das zur Versteigerung stehende Modell stammt aus dem Jahr 1931 und trägt die Rahmennummer 426. Bei dem zur Versteigerung stehenden Exemplar handelt es sich um die Rahmennummer 426. Es wurde umfassend restauriert und ist fahrbereit. Darüber hinaus liegen historische Dokumente sowie eine Reparaturrechnung aus dem Jahr 1936 vor. Das Motorrad verfügt über eine gültige Registrierungsnummer - damit lässt sich das historische Bike in vielen europäischen Ländern zulassen und sogar fahren.
Die Maschine wird über die Auktionsplattform Catawiki von einem Familienunternehmen in Norditalien angeboten, das das Motorrad über Jahrzehnte hinweg gepflegt hat. Laut den Experten von Catawiki wird der Wert des Fahrzeugs auf über 80.000 Euro geschätzt. Ein Experte schätzt den Wert der Böhmerland auf 80.000 bis 95.000 Euro. Erst kürzlich wurde ein nicht fahrbereites Modell für 53.000 Pfund verkauft. Das aktuelle Gebot liegt bei 37.500 Euro.
Die Auktion läuft bis zum 29. Dezember 2024.
Böhmerland-Revival: Die Böhmerland 21
In den 1920er-Jahren war die Böhmerland das längste Serienmotorrad der Welt. In den 2020er-Jahren wird dieses Konzept als Böhmerland 21 wiederbelebt.
Im tschechischen Turnov, nahe der Landesgrenze östlich von Dresden, wird das legendäre Böhmerland-Konzept wiederbelebt. Bereits seit 2019, doch 2023 nimmt die lange geplante Kleinserie namens Böhmerland 21 konkrete Formen an. Peter Knobloch ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Böhmerland 21, und er hat den idealen beruflichen Hintergrund dafür. Denn er ist nicht nur Techniker, er betreibt die Firma Tiskarna, spezialisiert auf 3D-Druck. Gerade für Kleinserienteile oder gar Einzelstücke bietet 3D-Druck enorme Kostenvorteile - oder macht ihre Erstellung überhaupt erst möglich. Designer Jan Hrbek wirkte bei der Neuinterpretation des Böhmerland-Konzepts mit.
Merkmale der Böhmerland 21
So lang wie die historischen Originale sind die Böhmerland 21-Modelle zwar nicht, doch sie rollen auf den wesentlichen Wiedererkennungsmerkmalen - auf entsprechend geformten Aluminiumrädern. Auffällig ist zudem deren großer Durchmesser: 21 Zoll (ca. 53 cm). Somit wirken die Reifen, der 120er vorn und der 130er hinten, noch schmaler. Vom betont schwungvollen Stahlrohrrahmen wird ein starres Heck vorgetäuscht, doch die Hinterachsaufnahme ist als Kurzschwinge mit Oberzug angeordnet, das nahezu senkrecht stehende Federbein gut versteckt. Ebenso originell und umso besser sichtbar sind die außen an der Vorderradgabel angebrachten roten Federn. Und mit dem augenscheinlich flachen Lenkkopfwinkel dürfte zumindest beim Fahren ein Gefühl von Überlänge aufkommen.
Motorisierung und Leistung
Als standesgemäßes Triebwerk für die Böhmerland 21 soll ein hausgemachter, luft-ölgekühlter Reihenzweizylindermotor verwendet werden. Nach ersten Prototypen mit einem Zylinder sind mit zwei Zylindern und 760 Kubik knapp 90 PS (65 kW) sowie knapp 80 Nm maximales Drehmoment angepeilt. Für die finale Abstimmung mitsamt Euro-5-Homologation muss der klassische Vergaser der Vorserienfahrzeuge wohl noch einer Benzineinspritzung weichen. Ob mit oder ohne Kompressoraufladung, hat Peter Knobloch noch nicht endgültig entschieden. Jedenfalls sollen im höchsten Gang, im fünften, 180 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht werden. Beschleunigung und Handling müssten ganz ordentlich ausfallen, denn die Böhmerland 21 soll 172 Kilogramm leicht werden.
Preis und Verfügbarkeit
2023 soll die Kleinserienfertigung der Böhmerland 21 endlich beginnen. Interessenten sollten jedoch frühzeitig vorbestellen, denn nur 10 Motorräder sollen aufgebaut und ausgeliefert werden. Aus dieser kleinen Kleinserie ergibt sich zudem ein sehr stolzer Preis: 58.000 Euro plus länderspezifische Steuern.
Alternative Antriebe
Neben den Prototypen für die Böhmerland 21 mit Benzinmotor hat Peter Knobloch Prototypen mit elektrischem Antrieb aufgebaut. Hierfür lauten die vorläufigen Eckdaten: 51 kW (rund 70 PS), 110 Nm, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit, bis zu 325 Kilometer Reichweite und 168 Kilogramm Gesamtgewicht. Ob und gegebenenfalls wann eine Kleinserie der elektrischen Böhmerland 21 folgt, ist noch unklar. Weiterhin schwebt Peter Knobloch sogar eine dritte Version vor: ohne Benzin, ohne Emissionen, ohne Batterie.
Verwandte Beiträge:
- Bohmerland Motorrad Wert: Preisentwicklung & Wertbestimmung
- Das Böhmerland Motorrad Museum: Unglaubliche Technikpioniere und ihre Meisterwerke entdecken!
- Unglaubliche Geschichte des Böhmerland Motorrads mit vier Sitzen – Das einzigartige Kultfahrzeug!
- MTB Pedale Empfehlung – So findest du die perfekten Pedale für dein Mountainbike!
- BMW Motorrad Vorarlberg: Top Händler, Werkstätten & exklusive Services entdecken!
Kommentar schreiben