Der US-amerikanische Hersteller Bontrager präsentiert drei neue Aero-Laufräder: Die Aeolus RSL wurden komplett neu entwickelt und sind die Nachfolger der XXX-Laufräder des Komponenten-Herstellers von Trek.
Neue Aeolus RSL Modelle
Drei neue Aeolus-RSL-Modelle stellt Bontrager vor und mit 75 Millimetern Felgenhöhe. Die neuen Modelle besitzen Felgenhöhen von 51, 62 oder 75 Millimetern. Sie erweitern damit das Aeolus-RSL-Portfolio, die leichten 37-Millimeter-Modelle waren bereits zuvor erhältlich.
Technische Details und Konstruktion
Bontragers neue Aeolus RSL-Laufräder sind das Ergebnis eines komplett überarbeiteten Designprozesses. Alle Aeolus RSL-Laufräder sind aus dem von Trek bewährten OCLV-Carbon gefertigt. Dieses soll für eine hohe Steifigkeit und ein sehr geringes Gewicht sorgen. Die Profis des WorldTour-Teams Trek-Segafredo waren an der Entwicklung der Laufräder beteiligt.
Felgen und Aerodynamik
In der Vergangenheit vertraute Bontrager bei der Optimierung seiner Laufraddesigns auf die 2D-Technologie. Für die Aeolus RSL arbeiteten die US-Amerikaner nun mit dreidimensionalen CFD-Modellen, die es den Ingenieuren ermöglichten, jedes Gramm Luftwiderstand in jeder Richtung, jeder Ebene und über alle Teilbereiche der Laufrad/Reifen-Einheit hinweg zu erfassen. Am Aeolus RSL sorgt die Felgeninnenweite von 23 Millimetern - am Aeolus RSL 37 sind es 21 Millimeter - für einen aerodynamisch optimierten Übergang zum Reifen. Aerodynamisch schnellere Felgenformen und eine Laufrad/Reifen-Einheit mit nachweislich verringertem Rollwiderstand sorgen für erhebliche Watt-Einsparungen.
Tubeless Ready und Bremsen
Die Laufräder wurden ausschließlich für den Gebrauch mit Scheibenbremsen hergestellt und sind ab Werk Tubeless Ready montiert. Als weiteres Modell wird der Aeolus-Pro-Laufradsatz angeboten.
Gewicht und Preise
Der komplette Laufradsatz des RSL 37 wiegt nach Herstellerangaben 1325 Gramm. Die neuen RSL 51 wiegen 1410 Gramm, das Modell mit 62 Millimetern Felgenhöhe 1520 Gramm.
Preise: 1099 Euro für das Vorderrad, 1299 Euro für das Hinterrad. Aeolus Pro 51: 599 Euro für das Vorderrad, 699 Euro für das Hinterrad.
Aeolus Comp 5 TLR im Test
Der aerodynamische Alu-Carbon-Radsatz macht mit seinem relativ günstigen Preis auf sich aufmerksam. „Strong, light, cheap - pick two“ lautet der berühmte Ausspruch, der dem Laufradexperten Keith Bontrager zugeschrieben wird.
Material und Gewicht
Eine Besonderheit von Verbundfelgen dieser Art ist, dass der Carbon-Anteil lediglich eine Verkleidung darstellt, welche die aerodynamischen Eigenschaften optimieren soll. Zum Gewicht des tragenden Bauteils, also der Alu-Felge, kommt also das der Carbon-Verkleidung, sodass die Verbundfelge immer einen Gewichtsnachteil hat. Beim vorliegenden Radsatz hält sich dieser freilich in Grenzen, denn der Aeolus Comp 5 TLR dürfte auf einen Radsatz wie dem bewährten Bontrager Race TLR basieren, worauf das Innenmaß der Felgen von 17,5 mm hinweist. Der stabile, günstige Alu-Radsatz, bei Velomotion jahrelang am Querfeldeinrad bewährt, wiegt an die 1.750 Gramm - angesichts der echten 1.940 Gramm des Aeolus (VR 810/HR 1.130 g zzgl. Felgenband usw.) kann man also von 100 Gramm pro Laufrad sprechen, die in die bessere Aerodynamik investiert werden.
Speichen und Naben
Zusätzlich ist der Radsatz natürlich mit Flachspeichen aufgebaut, wogegen der Race TLR (wie sein Nachfolger Paradigm TLR) mit konventionellen Rundspeichen versehen ist. An dieser Stelle kann der Radsatz einen Vorzug gegenüber Carbon-Laufrädern ausspielen, denn konstruktionsbedingt sitzen die Speichennippel unsichtbar tief drinnen in der Alu-Felge. Die 18 Speichen im Vorderrad sind radial verlegt, hinten werden 24 Speichen zweifach gekreuzt.
Verarbeitung und Tubeless-Technologie
Extrem sauber ausgeführt ist die Verbindung zwischen Alu-Felge und Carbon-Verkleidung. Der Übergang ist kaum spürbar, der Spalt zwischen den zwei Materialien extrem schmal, überhaupt machen die Felgen einen sehr hochwertigen Eindruck. Bontrager gehört zu den Vorreitern der Tubeless-Technologie und stattet natürlich auch diesen Radsatz mit einem entsprechenden Felgenbett aus. Mit regulärem Tubeles-Felgenband ist jedoch alles ganz einfach: Der Conti 5000 TL dichtet sofort und dauerhaft ab und lässt sich später leicht von der Felge ziehen.
Fahreigenschaften
Die Bedeutung des Laufradgewichts beim Beschleunigen wird tendenziell überschätzt, was man gut feststellen kann, wenn man im Sitzen antritt. Hier zeigt sich der Aeolus Comp 5 TLR mit gefühlt hoher Steifigkeit von seiner guten Seite: Wie gewohnt geht das Rad nach vorne und bald ist eine angenehme Reisegeschwindigkeit erreicht. Bei leichtem Wind erweisen sich die Bontrager-Räder als angenehm neutral und verhalten sich unauffällig, wenn sich durch eine Straßenbiegung die relative Windrichtung ändert.
Konkurrenz und Fazit
Es kann sich aber auch lohnen, etwas mehr zu investieren, denn schon für 1.300 Euro bietet Bontrager den Aeolus Pro 5 TLR an - ein echter Vollcarbon-Radsatz, der laut Hersteller rund 150 Gramm weniger wiegt und dazu den Vorteil einer um 2 mm größeren Maulweite bietet, also gut für breitere Reifen geeignet ist. Durch die bereits erwähnten Bohrungen in der Carbon-Verkleidung, durch die die Speichen führen, kann an Regentagen Wasser eindringen, das dann nur schwer wieder rauszukriegen ist.
Aeolus RSL - Breiter ist schneller
Am Aeolus RSL sorgt die Felgeninnenweite von 23 mm (21 mm am Aeolus RSL 37) für einen aerodynamisch optimierten Übergang zum Reifen und lässt sie laut Bontrager schneller rollen. Alle Aeolus RSL-Laufräder sind aus OCLV-Carbon in RSL-Qualität gefertigt.
DT-Nabentechnik
Ebenfalls neu ist die leichtere Nabenmechanik: Aeolus RSL-Laufräder kommen mit den neuen Ratchet EXP-Freiläufen von DT Swiss. Die Felgen sind Tubeless Ready (TLR), wobei Bontrager - ebenso wie Reifenausrüster Pirelli - betont, dass auch die Radprofis in dieser Konfiguration unterwegs sind.
Carbon Care Wheel Loyalty Program
Wie alle Carbonlaufräder von Bontrager sind auch die Aeolus RSL-Laufräder durch ein "Carbon Care Wheel Loyalty Program" abgesichert - sollten die Laufräder in den ersten zwei Jahren nach dem Erstkauf beschädigt werden, repariert oder ersetzt Bontrager sie kostenlos.
Allround-Laufräder im Test
Tiefe Carbonlaufräder am neuen Rennrad - und dank perfekter Felgen- und Reifenkombination auch noch schneller? Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel. Laufräder sind mehr als eins von vielen Anbauteilen am Bike, nicht einfach ein neuer Lenker mit besserer Aerodynamik oder ein (noch) schnelleres Keramiklager. Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad.
Testbedingungen
Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht. Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet.
Steifigkeit und Compliance
Je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike.
Windkanaltests
Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. THE AEROW aus Bad Wörishofen und die Spezialisten von HYCYS haben sich ganz dem Sport verschrieben und standen uns für den Test zur Seite. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes. Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar.
Testergebnisse
Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Für unseren Test messen wir zwischen +/- 20°, mit Messpunkten alle 2,5°. Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede. Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber.
Bontrager Aeolus RSL 51 TLR im Windkanal
Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Denn trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie funktioniert die Aerodynamik weit besser als bei der Konkurrenz mit gleicher Felgenhöhe. Vermutlich erkauft sich das Bontrager-Entwicklungsteam durch eine vergleichsweise schmale Felge und eine daraus resultierende kleinere Stirnfläche, also durch schmalere Felgen und Reifen, viel Performance bei niedrigen Gierwinkeln.
Compliance und Fahrgefühl
Compliance und Fahrgefühl sind ein perfekter Kompromiss für alles zwischen langer Trainingsfahrt und Renneinsatz. Direktheit im Antritt und ein hohes Maß an Sicherheit machen die Räder zu einem Laufrad für jede Bedingung.
Aero-Rennrad-Laufräder im TOUR-Test
Hohe Carbonfelgen sind so was wie die Segel des Rennrads. Sie können sogar Seitenwind in Vortrieb umwandeln und sind erste Wahl, wenn es um maximales Tempo in flachem bis welligem Gelände geht. Wer im Wettkampf weitere wertvolle Sekunden herausholen will, kommt an Aero-Laufrädern mit hohen Felgen nicht vorbei. Außerdem verändern sie mächtig die Optik des Renners - selbst ein unauffälliger Rahmen wird, derart bereift, zum Hingucker.
Breitere Felgen
Auffällig ist, dass die Felgen im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen nochmals breiter geworden sind. Außen messen die Felgenringe nun bis zu 33 Millimeter, die Felgeninnenweiten sind bis auf knapp 24 Millimeter gewachsen (Zipp). Passende Reifen sollten mindestens 25 Millimeter breit sein, aber auch 28 oder 30 Millimeter breite Pneus finden super Anschluss auf diesen Felgen.
Tubeless-Ready
Alle Felgen sind tubeless-ready, mit Dichtmittel also auch ohne Schlauch fahrbar. Da Tubeless-Reifen sich mit niedrigerem Druck fahren lassen und dabei immer noch sehr durchschlagsicher sind, sind sie angesichts der immer breiter werdenden Felgen die logische Wahl.
Aerodynamik im Windkanal
Getestet haben wir die Aerodynamik im GST-Windkanal, wie immer mit unserem tretenden Dummy als Fahrer. Das Ergebnis: Trotz breiterer Felgen messen wir für die neuen Räder einen Tick weniger Luftwiderstand. Offensichtlich ist die Aerodynamik der Laufräder weitgehend ausgereizt.
Handling
Markanter sind die Fortschritte und Unterschiede im Handling: Die neuen Felgenprofile vereinen Tempo besser mit guter Seitenwindstabilität, Böen zerren weniger am Vorderrad.
Vergleich verschiedener Felgenhöhen
Für Rennen heißt das: Bei hohem Tempo und entsprechend eher kleineren Anströmwinkeln ist das Laufrad mit 45-Millimeter-Felge nur minimal (0,8 Watt) langsamer als das mit 60 Millimetern. Treten Böen auf, greifen sie weniger in die Lenkung.
Details und Gewicht
Beim Gewicht setzt sich Zipp jedoch sehr deutlich vom Rest des Feldes ab: 1.380 Gramm sind eine Ansage bei 55 Millimetern Felgenhöhe.
Gesamtwertung
In der Gesamtwertung setzt sich Bontrager in diesem Test mit sehr gut abgestimmter Aerodynamik knapp durch und holt sich den Testsieg in der 60-Millimeter-Klasse.
Technische Details der getesteten Aero-Laufräder (TOUR-Test)
| Laufrad | Preis pro Satz | Breite x Höhe / Innenbreite (mm) | Speichen (vorne/hinten) | Tubeless-tauglich / Freilauf | Gewichtslimit / Garantie |
|---|---|---|---|---|---|
| Bontrager Aeolus RSL 62 | 2.498 Euro | 33 x 62 / 23 | Messerspeichen, ungekröpft 24/24 | ja / Shimano, SRAM XDR | keine Angabe / lebenslang; CR |
| Campagnolo WTO Ultra 60 | 3.149 Euro | 26,5 x 60 / 21 | Messerspeichen, ungekröpft 24/24 | ja / Campagnolo, Shimano, SRAM XDR | 120 kg Systemgewicht |
| DT Swiss ARC 1100 Dicut DB 62 | 2.389 Euro | 30 x 62 / 20 | Messerspeichen, ungekröpft 24/24 | ja / Shimano, SRAM XDR | 110 kg Systemgewicht / lebenslang; CR |
| Shimano Dura-Ace C60 | 1.999 Euro | 28 x 60 / 21 | Messerspeichen, ungekröpft 24/24 | ja / Shimano | keine Angabe |
| Vision Metron 60 | 2.058 Euro | 33 x 60 / 21 | Messerspeichen, ungekröpft 24/24 | ja / Shimano, SRAM XDR | keine Angabe / lebenslang; CR |
| ZIPP 454 NSW | 3.599 Euro | 28 x 55 / 23,6 | Messerspeichen 24/24 | ja / Shimano, SRAM XDR, Campagnolo | 115 kg Fahrer / lebenslang; CR |
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