Bordsteckdose am Motorrad nachrüsten – Eine Anleitung

Immer wieder ein Thema: Der Einbau eines 12 V - Anschlusses für ein Navi oder eine USB-Buchse. Da ich das gerade hinter mich gebracht habe, möchte ich das hier einmal detailliert beschreiben.

Stromversorgung wählen

Zunächst stellt sich die Frage, woher der Strom für die neue Bordsteckdose kommen soll. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Direkt an die Batterie: Hierbei ist es wichtig, eine Sicherung zwischen Batterie und Steckdose zu installieren, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Der Vorteil ist, dass die Steckdose auch bei ausgeschalteter Zündung funktioniert, was zum Laden der Batterie nützlich sein kann. Allerdings besteht die Gefahr, dass bei längerer Standzeit die Batterie leergesaugt wird. Ein Kippschalter kann hier Abhilfe schaffen.
  • Über Zündungsplus: Hier wird die Steckdose an eine Leitung angeschlossen, die nur bei eingeschalteter Zündung Strom führt, beispielsweise das Standlicht, Rücklicht oder die Hupe. Der Vorteil ist, dass die Steckdose nicht versehentlich die Batterie entleert. Der Nachteil ist, dass sie nur bei laufendem Motor oder eingeschalteter Zündung funktioniert.
  • SZ-Stecker: Viele moderne Motorräder verfügen über einen sogenannten SZ-Stecker (SonderZubehör-Stecker), der über den CAN-Bus gesteuert wird und nach dem Ausschalten der Zündung zeitverzögert stromlos geschaltet wird. Hierfür ist ein spezielles Adapterkabel erforderlich.

Anschlussmöglichkeiten im Detail

Variante 1: Anschluss über das Standlicht

Eine gängige Methode ist das Abgreifen der Spannung vom vorderen Standlicht. Alternativ kann auch Strom vom Rücklicht oder der Kennzeichenbeleuchtung verwendet werden. Da die Ladebuchse in der Regel aber im vorderen Bereich montiert wird, nutzen wir die Spannung des Standlichts.

Schritte:

  1. Spannung abgreifen: Das rote Kabel, das zur Lampe führt, trennen und etwa 5-10mm der Isolation an beiden Enden entfernen. Das Rote Kabel der 12V-Ladebuchse an diese Stelle führen und es falls nötig kürzen.
  2. Kabel verbinden: Alle drei offenen Kabelenden miteinander verbinden. Im Fahrzeugbau sind Crimp-Verbindungen üblich, eine Lötverbindung funktioniert auch, ist allerdings kurzlebiger.
  3. Minuspol verbinden: Der Minuspol der Ladebuchse, also das schwarze Kabel, muss angeschlossen werden. Hierfür kann zum Beispiel die Masse des Standlichts verwendet werden. Das Vorgehen ist identisch wie beim Abgreifen der Spannung - allerdings wird nun das schwarze (oder teilweise blaue) Kabel genutzt. Alternativ lässt sich das Kabel mit der bereits montierten Ringöse am Hauptrahmen des Motorrades befestigen.
  4. Funktion überprüfen: Batterie anklemmen und die Zündung einschalten. Wenn alles funktioniert, leuchtet an der 12V-Ladebuchse ein blaues Licht auf. Falls nicht, sollten die Verbindungen überprüft werden.

Variante 2: Anschluss über den SZ-Stecker

Um an das Rahmendreick zu kommen, muss der Tank runter - und das ist auch schon 98% der Arbeit...

Benötigtes Werkzeug:

  • Standard Torx Winkelschlüsselsatz
  • Zusätzlicher Torx Nusssatz oder ein Torx Bitsatz (für Akkuschrauber)
  • Torx Bit T20 mit mindestens 15 cm Länge, besser 20 cm (oder länger). Ein entsprechend langer Torx Schraubendreher geht auch.
  • Elektronik-Seitenschneider zum Durchknipsen von Kabelbindern

Schritte:

  1. Tank entfernen (siehe detaillierte Beschreibung unten)
  2. SZ-Stecker lokalisieren (befindet sich im vorderen Rahmendreieck unter dem Tank)
  3. Adapterkabel anschließen (Adapter hat ein passendes Gegenstück für den SZ-Stecker, auf der anderen Seite kommt eine Leitung mit zwei offenen Enden (+12V (rot) und Masse (schwarz)) heraus)
  4. USB-Steckdose über Schnelllötverbinder an die offenen Enden des Adapterkabels anschließen
  5. Adapter an den SZ-Stecker aufstecken und die Konstruktion an der linken Seite nach vorne verlegen.
  6. Mit Kabelbindern fixieren
  7. Tank wieder montieren

Detaillierte Anleitung zum Tankausbau

  1. Tank hinten etwas anheben und etwas unterlegen.
  2. Abdeckung an der rechten Seite des Motors abschrauben (3x2 Schrauben lösen).
  3. Steckverbindung für den Benzinstandssensor lösen.
  4. Benzinleitungskupplung des Tanks trennen.
  5. Entlüftungsschlauch entfernen.
  6. Tank abnehmen.

Wichtige Hinweise

  • Sicherung: Bei direktem Anschluss an die Batterie unbedingt eine Sicherung verwenden.
  • Kabelverbindungen: Crimp-Verbindungen sind im Fahrzeugbau üblich, Lötverbindungen sind kurzlebiger. Offene Drähte müssen vor Wasser geschützt werden (Schrumpfschlauch verwenden).
  • Massepunkt: Die Verbindung mit der Fahrzeugmasse sollte nur am Hauptrahmen erfolgen.
  • Stromdiebe: Die Verwendung von "KFZ-Schnellverbindern" (Stromdieben) kann Adern beschädigen. Vernünftige Kabelschuhe oder Steckverbinder sind vorzuziehen.
  • CAN-Bus: Bei modernen Motorrädern mit CAN-Bus ist die Verwendung eines Adapters für den SZ-Stecker empfehlenswert, um die Batterie nicht zu entladen.

Alternativen

  • Doppel-USB-Dose zum Einstecken: Eine einfache Lösung, bei der eine Doppel-USB-Dose in die originale Bordsteckdose gesteckt wird.
  • Y-Kabel und Reparaturstecker: Bei BMW-Motorrädern kann ein Y-Kabel an der Steckdose unter dem Sitz abgegriffen und mit einem Reparaturstecker nach vorne verlegt werden.

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