ABS Nachrüsten beim Motorrad: Machbarkeit und Kosten

Die Nachrüstung eines Antiblockiersystems (ABS) bei Motorrädern ist ein Thema, das viele Fahrer beschäftigt. Dabei stellt sich die Frage nach der Machbarkeit, dem Aufwand und den damit verbundenen Kosten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der ABS-Nachrüstung.

Technische Herausforderungen und Komponenten

Einige Forenmitglieder haben sich bereits mit der Thematik auseinandergesetzt und die Komplexität einer solchen Umrüstung hervorgehoben. Mechanisch müssten an die Bremsscheiben die Lochscheiben für's ABS Signal angebracht werden, dann die Sensoren dazu im richtigen Abstand. Der Hydraulikblock mit dem Steuergerät muss untergebracht, die Hydraulikleitungen angeschlossen, verlegt und entlüftet werden. Zum Entlüften des Komplettsystems muss normalerweise der Pumpenmotor der Hydraulik angesteuert werden, um auch dort die Luft raus zu bekommen. Das Ganze muss nun aber auch noch elektrisch verkabelt werden und das sind nicht nur zwei Käbelchen.

An einem Standard ABS ist meist ein 26-poliger Stecker dran, da sind zwar oft einige Pins nicht belegt aber man muss schon wissen welches Signal wohin muss. Den passenden Gegenstecker zum Steuergerät brauchts auch und die gibts so nicht zu kaufen.

Verfügbarkeit von Nachrüstlösungen

Es gibt zwar Berichte über erfolgreiche ABS-Nachrüstungen, wie beispielsweise in einem Hayabusa-Forum aus dem Jahr 2013, jedoch handelt es sich dabei um Einzelfälle. Soweit mir bekannt produziert zwar Bosch ABS-Systeme für Motorräder aber Keine zum Nachrüsten. Einige Anbieter, wie FTE Hydraulic Systems, haben in der Vergangenheit angedeutet, Nachrüstpaletten zu entwickeln, jedoch sind solche Lösungen oft mit hohen Kosten verbunden.

Es wurde ein simples ABS für Motorräder entwickelt das in jedes Motorrad mit hydraulischer Bremse nachgerüstet werden konnte. Dies war allerdings nur ein simpler Stottergenerator der die Bremsbetätigung immer stotternd ausübte, auch wenn das Rad noch lange nicht zum Blockieren neigte.

Kostenfaktoren

Die Kosten für eine ABS-Nachrüstung können erheblich variieren. Ein wichtiger Aspekt ist, dass ein ABS in aufwändigen Fahrversuchen an das individuelle Fahrzeugmodell angepasst werden muss. Außerdem muß vieles an der Bremsanlage und der Fahrzeugelektrik geändert werden.

Einige Quellen sprechen von potenziellen Kosten im Bereich von über 1000 Euro, was die Frage aufwirft, ob sich eine solche Investition lohnt. Je nach Fahrzeug-Stückzahl wäre eine ABS-Lösung damit häufig schon ab 200 Euro Aufpreis zu realisieren - ein Betrag, den die eigene Sicherheit wert sein sollte.

Motorrad Stabilitätskontrolle (MSC)

Die Fahrdynamikregelung MSC unterstützt den Fahrer beim Bremsen in Schräglagen. Der Motorradanbieter KTM ermöglicht jetzt die Nachrüstung der Fahrdynamikregelung Motorcycle Stability Control (MSC). Das sogenannte „Retrofit-Kit“ entwickelte KTM in Zusammenarbeit mit Bosch. Heute entwickelt sich die Motorrad-Stabilitätskontrolle zur Standardausstattung bei neuen Motorrädern - und hier sehen wir die gesamte Spreizung von der Einstiegsklasse bis zu den großen Motorrädern und allen Antriebsarten. Seit der Einführung bei KTM setzen heute auch viele andere Motorrad-Hersteller weltweit auf MSC von Bosch als Sicherheitslösung.

Gesetzliche Regelungen und Meinungen

Ab 2017 mussten alle Motorräder und Roller mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum den Blockierverhinderer an Bord haben. Nach einer Untersuchung des ADAC hätten 21 Prozent aller Motorradunfälle vermieden werden können, wenn die Bikes mit ABS ausgerüstet gewesen wären.

Es gibt unterschiedliche Meinungen zum Thema ABS. Einige Fahrer argumentieren, dass ABS die Sicherheit erhöht, insbesondere für unerfahrene Fahrer. Andere wiederum betonen, dass ein guter Fahrer auch ohne ABS in der Lage sein sollte, eine Vollbremsung sicher durchzuführen. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Funktion von ABS auf losem Untergrund. Roland.k meint, sowie man mit einem Motorrad mit ABS auf losem Untergrund (Schotter/Feldweg) versucht zu bremsen wird man sein blaues Wunder erleben!

Bosch E-Bike ABS

Bosch hat ebenfalls ein ABS für E-Bikes entwickelt. Allerdings bieten momentan nur wenige Hersteller E-Mountainbikes mit Bremsassistenten an. Die Argumente gegen das ABS gleichen dabei denen, die vor Jahrzehnten schon beim ABS für Autos und Motorräder ins Feld geführt wurden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich das ABS bei Geländefahrzeugen nie vollständig durchsetzen konnte und zumindest immer abschaltbar blieb. Klar ist aber auch: So schnell wie das ABS kann kaum ein Mensch reagieren, gerade wenn sich Reibwerte im Untergrund schnell und stark ändern. Gerade bei unübersichtlichen Strecken, Schreckbremsungen und wechselnden Untergründen liegt das Sicherheits-Plus auf der Hand.

Bosch E-Bike ABS: Fakten

  • Beugt einem Überbremsen des Vorderrades vor
  • ABS-Modi: Trail, Allroad, OFF
  • Zusatzgewicht: 227 Gramm (Herstellerangabe)
  • Nur mit Bosch-Smart-System
  • Nicht nachrüstbar
  • Aufpreis bei Neurädern: 300 bis 500 Euro

Lesertestergebnisse

Einige Leser hatten die Möglichkeit das Bosch E-Bike ABS zu testen. Zwei würden beim nächsten Mal ein Bike mit ABS kaufen, für einen wäre es sogar ein zentrales Kaufargument. Während alle Tester den Bremsweg in der Allroad-Einstellung als zu lang empfanden, konnte der Trail-Modus überzeugen.

Fazit

Die Nachrüstung eines ABS bei Motorrädern ist technisch anspruchsvoll und mit hohen Kosten verbunden. Es gibt zwar Einzelfälle von erfolgreichen Umbauten, jedoch sind keine flächendeckenden Nachrüstlösungen verfügbar. Die Meinungen zum Thema ABS gehen auseinander, wobei einige Fahrer die Sicherheitsvorteile betonen, während andere die Notwendigkeit kritisch sehen. Letztendlich muss jeder Motorradfahrer selbst entscheiden, ob eine ABS-Nachrüstung für ihn in Frage kommt.

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