Bosch E-Bike Geschwindigkeitssensor: Funktion und Technik

Der Bosch Geschwindigkeitssensor ist eine zuverlässige Komponente zur präzisen Erfassung der Geschwindigkeit an deinem E-Bike. In Kombination mit dem Bosch Speichenmagneten, der an einer Speiche des Hinterrads sitzt und bei jeder Radumdrehung einmal kurz den Kontakt betätigt, bietet er eine genaue Messung. Bei Nabenmotoren ist dieser Sensor nicht erforderlich, da der Antriebsmotor die Geschwindigkeit direkt erfasst.

Funktionsweise des Geschwindigkeitssensors

Der Sensor ist ein relativ primitives elektromechanisches Bauteil, das einen Reed-Kontakt enthält, einen Schalter, der durch einen Magneten betätigt wird.

Bosch Smart System

Beim Bosch Smart System erfolgt die Geschwindigkeitsermittlung ohne zusätzlichen Geschwindigkeitssensor am Rahmen. Hier werden die Daten direkt von einem Sensor im Motor gemessen. Der Felgenmagnet zur Montage am Ventil ist unerlässlich für die korrekte Funktion deines Bosch E-Bikes mit dem neuen Smart System. Der Magnet kann an allen gängigen Ventilarten montiert werden. Vereinzelt kann es vorkommen, dass auch am Bosch Smart System mit einem externen Geschwindigkeitssensor gearbeitet werden muss, z. B. wenn das Hinterrad aufgrund der Rahmenform zu weit vom Motor entfernt ist.

Technische Details

Der Bosch Geschwindigkeitssensor mit einer Kabellänge von 415 mm ist ein Original-Ersatzteil für E-Bikes mit Bosch-Antriebssystemen. Dank des vorgefertigten Kabels mit originalem Bosch-Stecker ist die Montage schnell und unkompliziert. Der Sensor ist ausschließlich mit dem originalen Bosch Speichenmagneten kompatibel und nicht für das Bosch Smart System geeignet.

Manipulationserkennung und Tuning

Bosch hat in 2019 eine sogenannte Manipulationserkennung eingeführt, die per Softwareupdate beim Händler auch bei älteren Bikes installiert wird. Das Sensorsignal wird dabei von der Motorsteuerung auf Plausibilität geprüft. Hierbei werden im Motor verfügbare Sensorwerte für die Plausibilisierung der Geschwindigkeit verwendet. Beispielsweise kann aus dem Signal vom Geschwindigkeitssensor die Beschleunigung des Bikes berechnet werden und dieser Wert mit den Messwerten der im Motor verbauten Beschleunigungssensoren verglichen werden. Deutliche Abweichungen deuten dann auf eine Manipulation hin.

Eine Manipulation führt allerdings nicht sofort zu einem Fehler, sondern wird vom Motor für einige Zeit toleriert. Unseren Erfahrungen nach tritt dann bei einfachen Tuningmethoden, wie dem unten beschriebenen 1€-Tuning nach etwa 200 bis 1000km der Fehlercode 504 auf. Der Fehler führt dazu, dass die Motorleistung für 90 Fahrminuten deutlich gedrosselt wird. Der Motor unterstützt dann kaum noch. Zudem wird im Motor ein Fehlereintrag gespeichert. Damit kann der Fehler auch später beim einem Werkstattbesuch nachvollzogen werden.

Bei allen aktuellen Bosch Antriebssystemen (Active Line, Active Line Plus, Performance Line CX) ist die Möglichkeit vorhanden den Radumfang am Kiox, Intuvia oder Nyon-Display um +/-5% einfach selbst ändern. Beim Purion-Display kann das leider nur der Händler. Allerdings wirst Du feststellen, dass die Änderung keinerlei Einfluss auf die Motorunterstützung hat. Es ändern sich lediglich die Anzeigewerte für die zurückgelegte Strecke und Geschwindigkeit. Der einstellbare Radumfang dient also bei den Bosch-Systemen nur dazu die Anzeigewerte zu justieren. An der tatsächlichen Unterstützung ändert sich nichts.

Tuning-Methoden

Es gibt verschiedene Tuning-Methoden, um die Geschwindigkeitsbegrenzung zu umgehen:

  • Pedaltuning (1€-Tuning): Montage des Radsensors am Pedal, um eine geringere Geschwindigkeit zu simulieren.
  • Tuningmodule: Aufsteckbare Module, die das Sensorsignal manipulieren.
  • Festeinbau-Module: Module, die fest im E-Bike verbaut werden und das Sensorsignal verändern.

Tuningmodule im Detail

Auf den Geschwindigkeitssensor aufsteckbare Tuningmodule manipulieren das Sensorsignal. Hier wird der Magnete auf der Speiche etwas verschoben, so dass der originale Sensor den Magneten gar nicht mehr erkennt. Stattdessen wird der Magnet so positioniert, dass er von dem auf den Drehzahlsensor aufgesteckten Tuningmodul erkannt wird. Das Modul schaltet dann den Original-Sensor durch einen integrierten Elektromagneten. Bis zu einer gewissen Geschwindigkeit, meistens im Bereich 15-20 km/h werden die eingehenden Impulse vom Magneten an der Speiche einfach unverändert an den Originalsensor weitergereicht. Wenn dann bei höherer Geschwindigkeit das Tuning eingreift, wird von diesen Modulen häufig nur noch jeder zweite oder nur noch einer von drei Impulsen des Radsensors an die Motorsteuerung weitergeleitet.

Fest verbaute Tuningmodule sind von außen meist unsichtbar. Es gibt Module, die lediglich das Raddrehzahlsensorsignal verändern und Module mit korrekten Anzeigewerten, die die Datenkommunikation vom Motor zum Display anpassen. Alle VOLspeed-Module passen die Daten zum Display an, so dass hier weitestgehend korrekte Werte angezeigt werden. Der Datenverkehr zwischen Motorsteuerung und Display beinhaltet aber wiederum Informationen die durch das Tuningmodul genutzt werden. Dadurch können z.B. die Tastendrücke an der Bedieneinheit ausgewertet werden. Auch das Ein- und Ausschalten des Tuning-Moduls wird damit realisiert.

Bei allen VOLspeed-Modulen kann das Geschwindigkeitslimit über die Bedieneinheit eingestellt werden und das Modul ein- und ausgeschaltet werden. Bei den Yamaha-Tuningmodulen zusätzlich der Radumfang. Die km/h-genaue Einstellung der Abregelung bei den VOLspeed-Modulen sorgt dafür, dass Du wie häufig gewünscht das Limit nur leicht, beispielsweise auf 32km/h anheben kannst.

Alle VOLspeed-Module besitzen daher einen zuschaltbaren Dynamikmodus der den „Wand-Effekt“ deutlich reduziert. Vergrößert man dieses Band auf den doppelten Bereich wird die Unterstützung am Limit deutlich sanfter ausgeschlichen und der Wand-Effekt reduziert. Dieser Modus lässt sich unabhängig von der eingestellten Abregelgeschwindigkeit aktivieren.

Realisiert wird das Tuning bei allen neueren Bosch-Bikes mit Active-Line, Active-Line-Plus, Performance-Line oder Performance-Line CX, aber auch bei Yamaha-Bikes mit PW, PW-SE oder PW-X immer durch Anpassung des Geschwindigkeitssensorsignals.

Es handelt sich beim MBIQ-S um eine Mikrocontroller-basierte Sensorlösung, die die Geschwindigkeitsbegrenzung von Bosch Antrieben komplett aufhebt. Nach Anschluss des MBIQ-S wird das Tool das aktuelle Geschwindigkeitsprofil analysieren und, bei aktivem Tuning, manipulierte Werte an die Motorfirmware ausgeben. Dabei werden Geschwindigkeiten über 25 km/h für die Motorfirmware abgeriegelt, so dass die 25 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung von Bosch E-Bike Motoren komplett aufgehoben wird.

Kompatibilität des MBIQ-S Tuning Sensors

Folgende Bosch Antriebssysteme: Active Line, Active Line Plus, Performance Line, Performance Line CX, auch Bosch Gen4 (Modelljahr 2020/2021). Kompatibel zu allen gängigen Motor-Firmwares. Nicht kompatibel mit Bosch Smart System 2022 (BES3).

Wichtiger Hinweis: Jegliche Modifikation an E-Bikes und E-Scootern führt dazu, dass diese nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind. Tuningmaßnahmen können zum Verlust von Gewährleistungsrechten und Herstellergarantien führen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0