Der Markt für E-Mountainbikes wird von zwei Antriebssystemen dominiert: Bosch und Shimano. Shimano ist mit dem EP8 zurück und kann problemlos mit der aktuellen Konkurrenz mithalten, wobei er seinen sportlichen Charakter beibehält. Doch kann der nagelneue EP8 dem Performance CX das Wasser reichen?
Technische Daten im Vergleich
Hier ist ein Fakten-Check der beiden E-MTB-Motoren:
| Merkmal | Shimano EP8 | Bosch Performance CX |
|---|---|---|
| Gewicht (EMTB-Messung) | 2,52 kg | 2,96 kg |
| Max. Drehmoment (EMTB-Prüfstand) | 79 Newtonmeter | 79 Newtonmeter |
| Fahrstufen | 3, individuell via App anpassbar | 4, nur mit Nyon-Display anpassbar |
Augenfälligste Neuerung ist die abgespeckte Figur des Shimano-Antriebs. Der Vergleich zu Bosch: Über 400 Gramm spart der Japaner ein, auch die Abmessungen sind eine ganze Ecke schlanker. Besonders nach vorne/unten ist der Shimano schlanker, das kann im Gelände, je nach Rahmenkonstruktion, mehr Bodenfreiheit bringen.
Leistung und Fahrgefühl
Mit 85 Nm Drehmoment liefert der neue Shimano genauso viel Motorpower wie ein Bosch Performance Line CX. Dabei ist der Charakter des EP8 grundlegend anders. Denn auch wenn der Motor selbst ähnlich kräftig ist, erfordert der EP8 mehr Input vom Fahrer, um die maximale Kraft und auch die maximale Leistung abzurufen. Das macht ihn besonders für sportliche Fahrer attraktiv, die sich nicht den Berg hinaufziehen lassen wollen, wie man das z. B. mit einem Yamaha- oder TQ-Motor machen kann.
Statt mit übermäßiger Power glänzt der neue EP8 vor allem mit maximaler Kontrolle in allen drei Unterstützungsstufen. Auch das Anfahren gelingt - selbst bei besonders schnell eingestelltem Ansprechverhalten - viel gefühlvoller und kontrollierter als beim Bosch- oder beim Yamaha-Motor, ohne dass er dabei träge reagiert.
Interessant ist die maximale Leistung, die das System abgibt. Hier zeigt sich, dass der Shimano EP8 doch etwas hinter die Konkurrenz zurückfällt. Der Shimano EP8 bringt über 500 Watt Leistung und zieht damit mühelos an der Konkurrenz von Bosch oder Giant vorbei. Das heißt in der Praxis, dass der EP8 bei weniger Input des Fahrers stärker unterstützt, „nach oben“ dann jedoch geringere Reserven besitzt.
Individualisierung und Konnektivität
Ähnlich wie beim Specialized-System lässt sich die Motorcharakteristik des EP8 mit der überarbeiteten E-TUBE PROJECT-App anpassen. Alle drei Fahrstufen Eco, Trail und Boost lassen sich in ihrem Anfahrverhalten, dem Unterstützungsverhältnis und der maximalen Motorkraft im sinnvollen Rahmen individualisieren. Obendrauf lässt sich auch die maximale Geschwindigkeit der Unterstützung auf bis zu 15 km/h reduzieren.
Für mehr Informationen während der Fahrt sorgt das Smartphone, das mit der E-TUBE RIDE-App zum Navi und Bike-Display wird; eine zusätzliche Smartphone-Halterung ist jedoch nötig. Wünschenswert wäre hier eine ins Ökosystem integrierte Halterung, damit man wie bei dem Bosch SmartphoneHub die E-TUBE RIDE-App per Remote steuern kann.
Integration und Design
Dank dünnerer Kabel, zahlreicher Sensor-Optionen und großer Freiheiten beim Akku lässt sich der EP8 von den Bike-Herstellern sehr gut in den Rahmen integrieren. Außerdem lassen sich Motorcharakteristik und Power des EP8 in einem gewissen Rahmen einstellen, dadurch können die Bike-Entwickler ihn an das Konzept des jeweiligen E-Mountainbikes anpassen.
Bei Shimano haben die Bike-Hersteller freie Wahl: Sie können zwischen dem modularen Komplettsystem aus EP8-Motor und diversen Displays, Remotes und internen wie externen Akkus mit 504 Wh oder 630 Wh wählen. Das ermöglicht den Bike-Herstellern deutlich mehr Freiheiten im Bike-Design, da die Dimensionen und Integrationsmöglichkeiten des Akkus hierbei entscheidend sind.
Akkusystem und Auswahl
Beim Akku haben die Bike-Hersteller sogar noch mehr Optionen - hier erlaubt Shimano den Herstellern, Akkus zertifizierter Dritthersteller zu verwenden. Kurzum: Die Akkukonzepte reichen bei Shimano-Bikes von kleinen 375-Wh-Akkus über modulare Konzepte mit externem Zusatzakku bis hin zu integrierten Akkus mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh. So gibt es bereits erste Bikes mit Shimano-Motor, die den Light E-Mountainbikes mit FAZUA- oder Specialized SL-Motor in Sachen Trail-Performance richtig Druck machen.
Display und Bedienung
Sportlich, kompakt und minimalistisch: Auch mit dem neuen EP8-Display hält Shimano an dieser Philosophie fest. Die Vorteile sind ein exzellenter Schutz vor Beschädigung, eine dezente Optik und gute Bedienbarkeit. In Sachen Zusatzfunktionen hat Shimano das Nachsehen. Größtes Manko: die ungenaue Akku-Stand-Anzeige ohne Prozentwerte.
Boschs Kiox-Display bietet seit dem letzten Update noch mehr Funktionen, darunter die Darstellung einer Komoot-Navigation. Allerdings ist das Kiox deutlich sperriger als die EP8-Variante und die Ergonomie des Bedienteils nur mäßig. Einige Hersteller greifen deshalb zum etwas altbackenen Purion-Display.
Geräuschentwicklung
Beeindruckend ist die Geräuschkulisse im Uphill. Der Shimano EP8 ist unter Last der leiseste Motor im Test. Der Shimano EP8 kann hier nur bedingt punkten: Im Uphill oder in der Ebene fällt er weder positiv noch negativ auf. Die Geräuschkulisse ist ähnlich wie beim Bosch Performance CX. Nicht unbedingt laut, aber der eher hohe Ton ist sehr Kadenzabhängig - wer empfindlich ist sollte auf alle Fälle vor dem Kauf probefahren. Leider macht sich der EP8 auch in der Abfahrt bemerkbar, und zwar durch ein mehr oder weniger lautes, konstruktionsbedingtes Klappern. Auch hier gilt: Probefahren!
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