Nicht nur die Platzierung des Motors spielt bei einem E-Bike eine wesentliche Rolle für das Fahrverhalten. Auch der Hersteller des Antriebs hat ein Wörtchen mitzureden. Aber welcher Motor ist besser? Bosch vs. Shimano?
Bosch E-Bike Motoren
Die langjährige Erfahrung kann man Bosch nicht streitig machen. Besonders gelungen sind bei den Motoren die tolle Modulation der Unterstützungsstufen, mit denen die E-Bikes angetrieben werden. Auch die Sensorik kann sich sehen lassen. Mittlerweile in der vierten Generation ist mit dem Gen4 ein neuer Antrieb entstanden, der durch sein Gehäuse aus Magnesium 25 % weniger Gewicht aufweist als die vorherige Version. Somit schrumpft der Bosch-Motor auf 2,9 Kilo. Auch die Größe hat sich beinahe halbiert.
Wer beim Fahrradhändler nach einem "Bosch-Fahrrad" fragt, will sehr wahrscheinlich ihn hier haben: Bosch Performance Line CX in seiner erst kürzlich vorgestellten fünften Generation. Zunächst mit 85 Newtonmetern Drehmoment und 600 Watt in der Spitze, bekommt er im Sommer 2025 nun endlich per Firmware-Update mehr Saft. Bis zu 100 Nm und 750 Watt in der Spitze soll er dann können, die Unterstützung steigt dann auf bis zu 400 %.
Bosch bietet eine hervorragende App. Bosch ist in Betrieb mittlerweile sehr leise - das gilt ab Generation 5. Beide Hersteller haben ein gigantisches Händlernetz und sind extrem haltbar. Beide Motoren bieten ein sehr vergleichbares Leistungsspektrum (gilt bis CX5 ohne Update). Freigegebene Bosch-E-Bikes können per Firmware-Update auf 100 Nm / 750 Watt / 400 % zurückgreifen.
Bosch Active Line: Die Motoren für den Alltag
Der Active-Line-Motor versteht sich als Einstieg in das Bosch-Universum und findet vorrangig in Trekking- und City-Rädern Verwendung. Mit 40 (Standard-Modell) respektive 50 Nm (Plus-Modell) Drehmoment ist der Einsteigs-Bosch bereits schön kräftig, wird aber klar von der potenteren "Performance Line" in den Schatten gestellt - selbst wenn die maximale Leistungsausbeute von bis zu 600 Watt beim Active Line Plus identisch ausfällt. Cool: Volle Integration in den Smart-Kosmos inklusive verschiedener Display-Optionen, großen, bis zu 750 Wh fassenden Akkus und hervorragender App-Anbindung inklusive Navigation. Je nach Hersteller optional mit Rücktritt und ABS verfügbar.
- Vorteile: Starker Motor mit zeitgemäßer Konnektivität, große Auswahl an sinnvoller Peripherie, riesengroßes Händlernetz.
- Nachteile: Nicht mit Fremdhersteller Akkus kompatibel, Motor besonders in unterstützungsstarken Modi deutlich hörbar.
Bosch Cargo Line: Der Lastenbeförderer
Der Name ist Programm: Der Cargo-Line-Motor wird überall dort verbaut, wo Lasten- oder Personen befördert werden sollen. Entsprechend bestehen die Motor-Innereien aus dem großen Performance-Line-Motor, nur eben mit spezieller Software und Thermo-Management-Anpassungen, um den erhöhten Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Entsprechend deftig fällt die Leistungsabgabe aus: 100 Nm Drehmoment schieben auch schwere Ladungen richtig gut vorwärts, maximal 750 Watt leistet der Motor kurzzeitig. Optional mit ABS verfügbar.
- Vorteile: Bärenstarker Motor mit gutem Thermo-Management, große Auswahl an sinnvoller Peripherie, perfekte Konnektivität.
- Nachteile: Nicht mit Fremdhersteller Akkus kompatibel, Motor kein Leisetreter (bis 2025).
Bosch Performance Line: Power für Trail und Tour
Wer mit diesem Satz auf den Lippen in den Radladen geht, wird meist einen dieser Motoren meinen. Die Performance-Line-Motoren sind die Top-Produkte von Bosch - und finden sich entsprechend in sehr vielen E-MTBs, sportiven Trekking-Rädern und neuerdings auch "leichten" E-Bikes wieder. Moment - leichte E-Bikes? Ja: Denn mit dem Performance Line SX flankiert ein sogenannter "Light"-Motor und treibt Bikes in der Gewichtsklasse unterhalb der 20-Kilo-Marke an - mit auf 60 Nm reduziertem Drehmoment und rund einem Kilo weniger Gewicht. Darüber residieren weiterhin die großen Motoren mit dem Beinamen CX: Bei ihnen liegen nun bis zu 100 Nm Drehmoment an, in der limitierten "Race"-Ausführung steigt die Unterstützung auf bis zu 400 %, sonst sind meist 340 %. Während der Performance Line CX oder der neue, etwas schwächere PX in sehr vielen E-MTBs aller Federwegs-Klassen zu finden ist, gibt es den "CX Race" nur in selektierten High-End-E-MTBs.
Shimano E-Bike Motoren
Auch ein Motor von Shimano ist durchaus beliebt und das nicht ohne Grund. Das leistungsfähigste Modell des Herstellers aus Japan ist der Shimano Steps EP8. Vor allem für City E Bikes und Trekking E Bikes wird er eingesetzt. Dabei ist er, was sein Gewicht angeht, sogar noch leichter als der Gen4 von Bosch. Der Tretwiderstand wurde um 36 % reduziert. So könnt ihr auch bei Geschwindigkeiten jenseits von 25 km/h ohne Probleme in die Pedale treten. Der Shimano Steps EP8 Motor kommt mit einem maximalen Drehmoment von 85 Nm. Seine Bauweise ist sehr kompakt, weshalb ihr mehr Bodenfreit habt. Zudem ist der Kupplungsmechanismus verbessert worden. Dies führt bei der Unterstützungsgrenze zu einem weicheren Fade-out bzw.
Schaltungs-Klassiker wie die Deore XT (Mountainbike), die Ultegra (Rennrad) oder Alivio (Trekking) sind allesamt Urgesteine der Fahrradbranche. Gleiches gilt auch für Shimanos EP-Antriebe, wobei der EP801 hier derzeit die Speerspitze darstellt: bis zu 400 % Unterstützung, unterstützt bis 25 km/h, 85 Nm Drehmoment, 600 Watt in der Spitze. Akkus von 504 Wh bis 630 Wh, offen für Fremdhersteller. Wenige Displays, gute Bedienteile, gute App.
Shimano hat ein freies Akku-System - und je nach Hersteller bis zu 900-Wh-Akkus. CX und EP8 kooperieren mit Schaltungen, was automatisierte Schaltvorgänge ermöglichen.
Zunächst 2010 mit einem Front-Motor fulminant gescheitert, geben die Japaner seit 2014 mit ihrem Steps-System auf dem Markt neben Bosch den Ton an. Kein Wunder: Auch Shimano setzt auf Mittelmotoren - und stimmt diese wie Bosch auf den jeweiligen Einsatzzweck ab. Bei der Leistungsausbeute liegt Shimano auf Augenhöhe mit Bosch. Wo die Japaner aber die Nase vorn haben, ist bei der Akku-Auswahl - Shimano erlaubt hier nämlich Fremdhersteller-Designs. Das verhilft beispielsweise Canyons E-MTBs mit Shimano EP8 zu sagenhaften 900 Wh! Ein kleiner Nachteil für Touren-Freunde: Shimano ist besonders im Infotainment-Bereich merklich konservativer unterwegs, große Farbdisplays mit Navi-Funktion sucht man hier derzeit vergebens. Dafür gibt's Automatik-Schaltungen (übrigens auch für E-MTBs), bei manchen Motoren sogar Rücktritt und ABS-Systeme in Kooperation mit Blubrake.
Shimano E6100 und E5000: Der Einstieg ins E-Touren-Segment
Shimanos sanfter Einsteiger-Antrieb E5000 eignet sich ideal für den Einsatz im Stadtgebiet, zum Pendeln oder für Kurzstrecken. Dies schließt aber eine Verwendung für eine entspannte Radtour auf keinen Fall aus. Bei sanften 40 Nm maximalem Drehmoment unterstützt der "kleinste" aus der Shimano-Familie mit einer Spitzenleistung von max. 420 W. Die prozentuale Charakteristik im aktuellen Comfort-Level der Unterstützungsstufen baut sich wie folgt auf: Im Eco-Modus gibt der E5000 nochmal 40% zur eigenen Tretleistung hinzu, im Normal-Modus sind’s 100% und im höchten Level 200% zusätzlich zur eigenen Tretleistung, allerdings ist dann bei 420 W Schluss. Der neue Sport-Charakteristik-Modus unterstütz im eco-Level mit 60%, im Normal-Modus mit 125 % und im High-Level mit 200 %.
Als sanften Tourenantrieb darf man den E6100 durchaus bezeichnen. Mit etwas mehr Wumms als der kleine E5000 geht der Nachfolger des E6000 an den Start. je nach voreingestellter Fahrcharakteristik liefert der 6100er im sportiven Modus bis zu 60 Nm und im comfort Modus bis zu 50 Nm ab. Mit einer maximalen Leistung von 500 W liegt er über dem E5000, bietet seinem Pedaleur dabei maximal 200 % zusätzliche Unterstützung zur eigenen Tretleistung.
- Vorteile: komfortabler, sanfter und effizienter Antrieb für genüßliche Touren, Kombatibilität mit allen Bremssystemen und vielen Schaltsystemen, Fahrcharakteristik mit E-Tube Projekt individualisierbar.
- Nachteile: für Bergtouren weniger geeignet, Display mit puristischem Informationsgehalt.
Shimano EP8(01) Cargo, EP600 Cargo und E6100 Cargo: Starke Lastenträger
Transportieren ist das große Thema im Rahmen der modernen Mobilität. Für E-Bikes mit Systemgewichten braucht man kräftige Motoren, die ein beladenes Rad aus dem Stand beschleunigen oder eine Steigung nicht zum Alpenpass erwachsen lassen. Die Anforderungen sind im Vergleich zu den City-/Touren- oder Sportantrieben deshalb anders: Hier ist eher die Kraft respektive Leistung in den unteren Drehzahlbereichen gefragt. Mit den Modellen EP801 CRG, EP600 CRG und E6100 CRG hat Shimano drei verschiedene Transportantriebe im Programm. Während alle drei Varianten max. 500 Watt Leistung bei 250 W Nenndauerleistung zur Verfügung stellen, liefern die beiden EP8 und EP6 Cargo jeweils maximal 85 Nm Spitzendrehmoment, der City-Transporteur E6100 CRG dagegen max. 60 Nm.
- Vorteile: Leistungskurve speziell für den Einsatz für Cargobikes abgestimmt, drei Varianten für unterschiedliche E-Bike-Anwendungen und -Preispunkte.
Shimano EP8(01), EP600 und E7000: Power für den Uphill
Mit Volldampf voraus: Dank maximal 85 Nm Drehmoment und bis zu satten 400 % Unterstützung katapultieren dich die Motoren der EP8- und EP6-Generation nach vorn. Einzig der etwas in die Jahre gekommene E7000 ist mit 60 Nm etwas schwächer motorisiert. Aber das macht nichts: Alle Antriebe fahren sich flott und treten sich sehr natürlich, haben auch in technischen Uphill-Passagen eine prima Leistungsabgabe. Wie schon Boschs Performance Line stehen auch Shimanos EP-Motoren vorrangig für E-MTBs und kräftige Tourer bereit. Das beste dabei: Shimano hat ein vergleichsweise offenes System, weswegen viele Rad-Hersteller eigene Akkus verbauen können - derzeitiger Spitzenreiter sind hier Canyons E-MTBs mit Shimano EP8 mit bis zu 900 Wh. Schade jedoch: Wie die anderen Shimano-Motoren ist die verfügbare Peripherie eher dezent gehalten, Infotainment wie bei Bosch gibt's hier leider nicht. Dafür bieten die beiden neuen EP801- und EP600-Motoren optional mit Auto- und Freeshift automatisiertes Schalten.
- Vorteile: sehr kräftiger Motor, Offenheit bei der Akku-Wahl seitens Hersteller, riesengroßes Händlernetz.
- Nachteile: Display-Peripherie eher dezent bis altbacken, bei hohen Drehzahlen keine Leisetreter.
Vergleich: Bosch Performance Line CX Gen 5 vs. Shimano EP801
Es ist DAS Duell der E-Bike-Giganten: Der deutsche Traditionshersteller Bosch tritt in diesem Vergleich gegen den japanischen Traditionshersteller Shimano an. In der linken Ecke steht also der Kraftmeier CX Performance Line in seiner brandneuen fünften Generation, in der rechten der auf dem Papier ähnlich starke EP801. Let's get ready to rumble!
Das sind unsere beiden Duellanten in diesem Duell, die derzeit wohl gefragtesten E-Bike-Motoren Europas, vielleicht sogar der Welt.
| Feature | Bosch Performance Line CX Gen 5 | Shimano EP801 |
|---|---|---|
| Drehmoment | Bis zu 100 Nm (nach Firmware-Update) | 85 Nm |
| Spitzenleistung | Bis zu 750 Watt (nach Firmware-Update) | 600 Watt |
| Unterstützung | Bis zu 400 % | Bis zu 400 % |
| Akkus | Nicht mit Fremdhersteller Akkus kompatibel | Offen für Fremdhersteller |
| App | Hervorragend | Schwächer |
| Geräuschentwicklung | Sehr leise (ab Gen 5) | Lauter bei hohen Drehzahlen |
| Besonderheiten | Firmware-Update für mehr Leistung verfügbar | Freies Akku-System |
Weitere E-Bike Motoren Hersteller
Neben Bosch und Shimano gibt es auch andere Hersteller von E-Bike Motoren. Hier eine kurze Übersicht:
- Yamaha: Bietet eine breite Palette an Motoren, von Full-Power bis Light-Motor.
- Brose: Bietet mit dem neuen Drive 3 Peak bis zu 95 Nm maximales Drehmoment.
- Fazua: Bekannt für hybride Antriebe und leichte Motoren.
- Pinion: Vereint Getriebe-Technik mit einem leistungsstarken E-Motor.
- TQ: Spezialisiert auf leichte E-Bike Motoren.
- DJI: Neu auf dem Markt mit dem Avinox System, das hohe Leistung verspricht.
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