Wer hätte das gedacht: Boss Hoss, die US-Kultmarke mit den V8-Motorrädern, lebt. Seit 1990 baut die Firma durchgehend Motorräder. Leider nur noch für die USA. Aus den Augen, aus dem Sinn. Seit gut 10 Jahren gibt es keine neuen Boss Hoss mehr in Europa. Euro 4 mitsamt ABS-Pflicht dürfte der Hauptgrund gewesen sein, Kleinserie hin oder her. Doch in den USA ist die Kult-Marke immer noch aktiv. Und wie: Neue Modelle, neue Motoren und neue Konzepte kamen seit dem Eignerwechsel 2016 auf den US-Markt. Spoiler: Der kleinste Motor hat 6.200 Kubikzentimeter. Großartig!
Boss Hoss - Immer noch aktiv
Im Jahre 1990 wollte sich der amerikanische Kraftfahrzeugmechaniker Monte Warne ein Motorrad zulegen, doch alles was er auf dem Markt finden konnte, entsprach nicht seinen Vorstellungen eines Superbikes. Und was macht man in so einem Fall? Man baut es sich selber und kann damit den Großteil der Vorstellungen eines Motorrads, wie es sonst keiner hat, verwirklichen. Für die Motorisierung nahm er ein Chevrolet V8 Aggregat aus einem Stockcar und entwarf für diese bullige Maschine mit 5,7 Litern Hubraum und 264 kW (360 PS) Leistung einen entsprechenden Rahmen. Schließlich komplettierte er dies mit Kühler, Tank, Auspuff, Getriebe usw. und donnerte mit diesem Feuerstuhl auf die Daytona Bike Week, wo er die Maschine einem breiten Fachpublikum vorführen konnte.
1990 gründete Monte Warne die Firma mit dem V8 im Logo. Zunächst als Boss Hog, was in einen Rechtsstreit mit der Harley-Owners-Group führte, die das H.O.G. für sich reklamierten. Als Boss Hoss startete die Firma dann durch. Zunächst mit "kleinen" V8-Motoren von Chevy mit 350 cubic inch oder gut 5,7 Liter. Letztere mit Heck-Anleihen von großen amerikanischen Autos. Alle mit deutlich über 400 PS, und es ist sogar ein "Super Sport Bike" dabei. Die Preise in den USA starten um die 75.000 Dollar.
Die dortige Klientel, für die Attribute wie "big", "fat", "fast" und "furious" zum alltäglichen Biker-Vokabular gehören, war begeistert und wollte wissen, wo man so ein Superbike bekommen könne. Also begann Warne, die ersten Bikes je nach Kundenwunsch in Handarbeit zu fertigen (sogenannte "kit bikes"). Seine ersten Maschinen trugen den Namen Boss Hog, was aber zu namensrechtlichen Streitigkeiten mit Harley Davidson führte - dort stand "HOG" für "Harley Owners Group". Um nicht einen völlig anderen Namen verwenden zu müssen - das Bike war inzwischen bekannter geworden - wandelte Warne Hog in Hoss um, und so lautet seit 1991 der Firmenname Boss Hoss.
Es gibt sie, die Motorräder der Superlative und ihr Name ist Boss Hoss mit zum Teil seltsam anmutenden Produktnamen wie BHC3 ZZ 4 SS oder BHC 3 LS 3 SS, aber auch Stingray und diverse andere, die aber auf Grund ihrer Konstruktionen mit herkömmlichen Zweirädern nichts mehr zu tun haben. In Deutschland werden die Boss Hoss Motorräder heute von der Boss Hoss Cycles GmbH in der Nähe von Köln vertrieben. Die Fertigung aller Boss Hoss Motorräder erfolgt in Handarbeit, wobei die Motoren von Chevrolet kommen und in Boss Hoss eigenem Werk in Dyersburg im amerikanischen Bundesstaat Tennessee montiert werden.
Eingesetzt werden wassergekühlte Achtzylinder-Motoren mit unterschiedlichen Hubraumvolumina und Leistungen - im Extremfall fasst der Motor sogar bis zu 13 Liter. Seit 1996 gehören das Superbike BHC-3 ZZ 4 und seine Super Sport Version, gekennzeichnet durch den Zusatz SS, zweifellos zu den am meisten in Deutschland gefahrenen Boss Hoss Motorrädern. Ausgestattet mit dem bereits erwähnten, wassergekühlten 5,7 Liter-V8-Motor verfügt diese Maschine über eine Leistung von 264 kW (360 PS), die über ein Zweigang-Halbautomatikgetriebe mit Rückwärtsgang und Zahnriemenantrieb auf die Fahrbahn gebracht werden.
Am Vorderrad der BHC-3 ZZ 4 sorgen zwei Vierkolben-Bremssättel auf zwei Scheiben verteilt für die notwendigen Bremskräfte, beim Hinterrad, das nur eine Bremsscheibe besitzt, sorgt ein Vierkolbenbremssattel für die Geschwindigkeitsreduzierung. Der Tankinhalt beträgt bei beiden Modellen je 32 Liter, was bei einem Verbrauch von stattlichen zehn Litern pro 100 km die Reichweite einer Tankfüllung durchaus einschränkt. Der Hauptunterschied der Boss Hoss BHC-3 LS 3 zu den ZZ 4 Modellen sind die Motoren: Der "Chevy-V8" wurde modifiziert und verfügt nun über ein Hubraumvolumen von 6,2 Liter. Die Leistung beträgt 327 kW (445 PS), das Leergewicht wurde hingegen auf 484 Kilogramm reduziert. Beide Modelle verteuerten sich um rund 10.000 Euro. Allen Boss Hoss Superbikes gemeinsam ist ihr außergewöhnliches Design, was allein schon die bulligen V8-Motoren mit dem vorgebauten Kühler bewirken sowie die Kotflügel, die breiten Tanks und die schräg liegenden, langen Gabeln. Auch in Bezug auf die Lackierungen dürften diese Bikes auffallen.
Die aktuellen Boss Hoss Modelle
Boss Hoss Classic Cruiser
Die Boss Hoss Classic Cruiser stellt den Einstieg in die großvolumige Welt von Boss Hoss dar. Ein nackter Cruiser à la Harley-Davidson Street Bob oder Indian Chief. Sie stellt ebenso die Basis aller weiteren 2-Rad-Versionen dar. Mit knapp über 2 Meter Radstand bei nur 70 Zentimeter Sitzhöhe messen die Reifen vorn 120/70-21 und hinten 300/35-18. 3 Motoren stehen zur Wahl: Der LS3-Motor - bekannt aus dem Camaro - ist die amerikanische Allzweckwaffe für alle möglichen Umbauten und hat meist 6,2 Liter Hubraum. Oder eben die zöllige Angabe von 376 ci. Der sehr sportliche, moderne Small Block leistet in der Boss Hoss 445 PS und 605 Nm.
Gut 100 Kubik und 10 Nm mehr, dafür 15 PS weniger bietet der 383 Stroker Motor. Was das ist, folgt gleich. Und wer die 7 als seine Glückszahl nennt, der bekommt 7,4 Liter Hubraum in der 454er-Version der Boss Hoss. Und nicht nur das, sondern auch 563 PS und 741 Nm. Alle 3 Small-Block-Motoren - ja, auch der 454er - haben eine 2-Gang-Halbautomatik mit Rückwärtsgang und wahlweise feste Koffer am Heck.
Preis: 39.000,00 € MwSt.
Boss Hoss Super Sport Bike
Nun dürfen wir das Super Sport in der Boss Hoss nicht allzu wörtlich nehmen. Im Grunde ist die Super Sport ein Classic Cruiser mit einem anderen Heck, niedrigerem Sitz (minus 1,3 cm) und kürzerem Radstand (minus 7,6 cm). Im Kontext einer Boss Hoss die wohl reduzierteste Variante, einen V8 zwischen 2 Räder zu packen.
Die Motorenauswahl entspricht der Classic, also 6,2 Liter oder 6,3 Liter oder 7,4 Liter Hubraum. Absolutes Topmodell von Boss Hoss ist derzeit die Limited Super Sport Big Block. Sie unterscheidet sich vom normalen Super Sport Bike durch den nochmal größeren Motor: ein Big Block mit 8,1 Liter Hubraum, 600 PS und 772 Nm Drehmoment.
Boss Hoss Classic Bagger
Von fast allem mehr bietet der Classic Bagger von Boss Hoss: mehr Verkleidung mit Teilen von Arlen Ness, mehr Vorderrad in 180er-Breite, mehr Länge von fast 3 Meter und Sitzhöhe von 71 Zentimeter. Lediglich die Auswahl an Motoren verkleinert Boss Hoss beim Bagger: Den LS3-Motor mit 6,2 Liter Hubraum gibt es hier nicht, es bleiben der 383 Stroker und der 454 Small Block zur Wahl.
Boss Hoss Trike
Mittels eines komplett neuen Chassis bietet Boss Hoss seit 2018 ein eigenes Trike an. Natürlich mit V8 und viel Potenzial, sein Traumauto auf 3 Räder zu stellen - oder ein Motorrad wie ein altes Auto aussehen zu lassen, denn die Hecks der Versionen Chevy, SS Truck und Coupe sind berühmten Vorbildern nachempfunden. Das Chevy Trike erinnert an die berühmten Bel Air-Modelle der 1950er-Jahre, das Coupe an das Chevy Coupe der 1940er und das Heck des SS-Truck an die namensgebende Pick-Up-Baureihe von Chevrolet. Trotz mehr Rädern gibt es die Trikes nur mit dem LS3-Motor und 6.200 Kubik sowie 445 PS.
Ganz neu ist das Dragon LS3 Bike mit 485 PS und 4-Gang-Automatik.
Boss Hoss Coupe Trike
Das Boss Hoss Coupe Trike wird in Dyersburg, Tennessee (USA) produziert. Es handelt sich um ein dreirädriges Fahrzeug mit V8-Motorisierung, das auf der Plattform der zweirädrigen BHC-3-Modelle basiert, jedoch mit einer eigenständigen Karosseriestruktur im Hot-Rod-Stil ausgestattet ist. Die Modellbezeichnung „Coupe Trike“ bezieht sich auf die geschlossene Heckverkleidung mit integrierter Rücksitzbank und Kofferraum.
Baujahr 2010-2014 - Einführung und erste Generation
Das Boss Hoss Coupe Trike wird 2010 erstmals auf der Daytona Bike Week offiziell vorgestellt. Die erste Generation basiert auf einem Stahlrohrrahmen mit glasfaserverstärkter Kunststoffkarosserie. Die Fahrzeuge sind mit einem 6,2-Liter-Chevrolet-V8-Motor (LS3) ausgestattet, gekoppelt an ein 2-Gang-Halbautomatikgetriebe mit Rückwärtsgang. Die Kraftübertragung erfolgt über eine starre Hinterachse mit Differenzial. Die Vorderradführung übernimmt eine konventionelle Teleskopgabel.
Die Sitzposition ist cruiser-typisch mit tiefem Sitz und breitem Lenker. Das Trike ist für zwei Personen ausgelegt, der Soziussitz verfügt serienmäßig über eine Rückenlehne. Die Frontverkleidung integriert einen manuell höhenverstellbaren Windschild. Das Cockpit enthält ein analoges Kombiinstrument mit LC-Anzeige für Gangwahl und Temperatur. Die Bereifung besteht vorne aus einem Motorradreifen, hinten aus zwei Pkw-Reifen. Die genaue Reifenkombination variiert je nach Kundenkonfiguration.
Baujahr 2015-heute - Modellpflege und neue Optionen
Ab 2015 bietet Boss Hoss das Coupe Trike optional mit dem 7,4-Liter-V8 (LS427) an. Die Karosserie bleibt weitgehend unverändert, erhält jedoch überarbeitete Details wie LED-Rückleuchten und neue Lackoptionen. Die Ausstattung wird erweitert: Ein Audiosystem mit Bluetooth-Funktion ist ab Werk erhältlich, jedoch nicht serienmäßig. Die Instrumentierung bleibt analog mit LC-Elementen.
Die Bremsanlage besteht aus drei Scheibenbremsen, ein serienmäßiges ABS ist laut Herstellerangaben nicht bestätigt. Der Tankinhalt beträgt 32 Liter. Die Reichweite hängt stark von der Motorisierung und Fahrweise ab, liegt aber bei moderater Fahrweise über 250 km. Die Zuladung ist durch das hohe Leergewicht begrenzt, liegt aber im Bereich von rund 200 kg. Im Heckbereich befindet sich ein abschließbares Staufach.
Technische Daten und Besonderheiten
Hier sind einige technische Details und Besonderheiten der Boss Hoss Modelle:
- Garantie: 24 Monate ohne Kilometerbegrenzung.
- Wartung: Erfolgt nach den Vorgaben für Chevrolet-V8-Motoren.
- Fertigung: Ausschließlich in den USA.
- Vertrieb: Über autorisierte Händler auch in Europa.
- Zulassung: Je nach Land als Trike oder Sonderfahrzeug.
FAQ zum Boss Hoss Coupe Trike
Hier sind einige häufig gestellte Fragen zum Boss Hoss Coupe Trike:
- Ist das Boss Hoss Coupe Trike für Anfänger geeignet? Nein, aufgrund seiner Größe, des hohen Gewichts und der Motorleistung.
- Hat das Boss Hoss Coupe Trike ABS? Ein serienmäßiges ABS ist laut offiziellen Herstellerangaben nicht bestätigt.
- Boss Hoss Coupe Trike vs. Boss Hoss BHC-3 - Unterschiede? Das Coupe Trike ist ein dreirädriges Fahrzeug mit geschlossener Heckverkleidung und Kofferraum, während der BHC-3 ein zweirädriges Motorrad ist.
- Boss Hoss Coupe Trike Tankinhalt und Reichweite? Der Tank fasst 32 Liter. Die Reichweite liegt je nach Motorisierung und Fahrweise bei über 250 km.
- Darf man mit dem Boss Hoss Coupe Trike nach Tirol fahren? Das Standgeräusch liegt je nach Motorisierung über 95 dB(A). Damit ist die Durchfahrt auf bestimmten Strecken in Tirol nicht erlaubt.
Was ist eigentlich ein Stroker-Motor?
Der 383 Stroker in den aktuellen Boss Hoss hat in der US-Auto-Szene eine lange Tradition, gerade bei den Small-Block-Modellen von Chevy. Basis eines 383 ist der berühmte 350er-Motor der W-Serie mit 5,7 Liter Hubraum. In den 1970er-Jahren gab es kurze Zeit einen 400er-Small-Block, der der Legende nach thermisch anfällig war. Von diesen Motoren nahmen findige Tuner die Kurbelwelle, passten die Lagerzapfen an den 350er-Block an, und mit zahlreichen kleineren Änderungen wurden so schnell und günstig 6,3 Liter Hubraum.
Auch heute noch ein Weg, um in kleinere Autos viel Hubraum zu packen. Allerdings kann man heute die 383er-Motoren direkt bei General Motors bestellen.
Unterschiede zwischen Small Block und Big Block
Bleibt die Frage: Small Block oder Big Block? Im Grunde hat das nichts mit dem Hubraum zu tun, siehe 454er Small Block der Boss Hoss, den es mit exakt gleichem Zylindervolumen auch als Big Block gibt. Den Unterschied machen die Kurbelgehäuse. Da gibt es eben große und kleine Bauweisen, je nach Fahrzeug, in das die Motoren eingebaut werden sollen.
Ganz grob: Misst die Zylinderbohrung über 100 Millimeter, ist es meist ein Big Block, da dann noch genug Material zwischen den Bohrungen liegt. Wobei es auch Big Blocks gibt, die weniger Hubraum haben als ein großer Small Block. Alles etwas unübersichtlich. Unterm Strich: Um die Länge des Antriebs noch irgendwie im Zaum zu halten, setzt Boss Hoss eben in den meisten Modellen Small Blocks ein.
Weitere Modelle und Preise
Hier eine Übersicht weiterer Boss Hoss Modelle und deren Preise:
- Preis: 42.000,00 € MwSt.
- Besonderes: Custom Kühlerverkleidung mit running Lights, Crash Bars verchromt, LED Scheinwerfereinsatz, Gabelstabi, Fairingverkleidung mit Soundsystem, Custom Tank Sonderanfertigung, Auspuffanlage mit Kat und Schalldämpfer Modelljahr 08 up, Lenker VA 42mm Sonderanfertigung, Hyper Pro Stoßdämpfer, Dash Inserts, Koffersystem Street Glide, LED Blinker mit integriertem Rücklicht, Custom Pulley hinten verchromt, Sitzbank Sonderanfertigung, Custom Hinterradschwinge, Kühlerausgleichsbehälter, Holley Doublepumper Vergaser, Custom Tankdeckel.
- Preis: 39.900,00 € MwSt.
- Preis: 49.900,00 € MwSt.
- Preis: 52.500,00 € MwSt.
- Tüv/km: neu, ca.
- Besonderes: Ape HAnger 42mm, Edelstahl Fächerkrümmer mit Schalldämpfer in Sidepipes, Lachgasflaschen (nicht angeschlossen), Horsehead auf Frontfender, Crash Bars 60mm, Windvest Windschild, Sitzbank Sonderanfertigung, Sissy Bar mit Luggage Rack, Pegslider Chrom, Zusatzscheinwerfer vorne, Custom Kickstand, Dashinserts chrom, reparierter Unfallschaden.
- Preis: 49.000,00 € MwSt.
- Preis: 56.500,00 € MwSt.
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