Der Stahlrahmen des Böttcher Evolution Gravel erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Gravelbikes. Wir haben das Böttcher Evolution Gravel mit gehobener Ausstattung durchs Gelände gescheucht. Hier ist unser Testbericht.
Das Zusammenspiel des eleganten, in traditioneller Diamant-Form gehaltenen Stahlrahmens des Böttcher Evolution Gravel mit den hohen Carbon-Felgen bietet etwas fürs Auge. Speziell in Kombination mit dem metallicblauen Lack, einer von vielen aufpreispflichtigen Wunschfarben, die Böttcher für das Evolution Gravel im Online-Konfigurator anbietet.
Vielfältige Optionen im Konfigurator
Über 270 Fachhändler in Deutschland führen die Marke, die seit mehr als 100 Jahren in Schleswig-Holstein Fahrräder produziert. Das Evolution Gravel ist dabei in diversen Varianten erhältlich, etwa mit Schaltungen von Campagnolo, Pinion oder Rohloff. Oder auch voll ausgestattet mit Licht, Gepäckträger und Schutzblech.
Böttcher Evolution Gravel in der Praxis
Die leichten Carbon-Laufräder von Aerycs aus Hamburg bilden einen attraktiven Kontrast zu dem grazilen Diamantrahmen. Montageösen fürs Gepäck an der Gabel helfen auf Bikepacking-Touren weiter.
Im Praxiseinsatz erinnert das Stahl-Gravelbike auch von der Sitzposition her an die gute, alte Rennradzeit. Im Kontrast dazu steht der 460 mm breite, leicht nach hinten gezogene Lenker mit deutlich ausgestelltem Unterlenker. Auch Vorbaulänge und Lenkerbreite lassen sich übrigens im Konfigurator anpassen.
Züge und Leitungen verlaufen wartungsfreundlich außen entlang des Unterrohrs.
Auch dank leichter Laufräder und schneller Reifen prescht das schicke Bike nur so über Asphalt und Waldautobahnen. Dabei überzeugt es mit souverän ausgeglichenem Handling. Mit etwas griffigeren Reifen wäre es ein Rad für alle Fälle. In Matsch und Sand kommen die wenig profilierten 40-mm-Reifen allerdings an ihre Grenzen. Platz für breitere Pneus gibt’s auf jeden Fall.
Der blau funkelnde Lack macht das Gravelbike aus Stahl zu einem echten Hingucker.
Das Böttcher Evolution Pinion "Overlander"
Das Evolution sollte dann auch nicht den “Rückschritt” machen und nur ein Abklatsch des klassischen Reiserades sein, sondern vielmehr die frischen Ideen des Gravelbikes übernehmen und dies zu einem neuen Typ Reiserad machen. Denn für mich ist das Gravelbike im Kern ein ziemlich gutes Reiserad, das sowohl sportlich ist und gleichzeitig auf unbefestigten Wegen sehr gut unterwegs sein kann. Zudem bietet es nicht nur den klassischen Gepäcktransport mittels Träger, sondern auch die Bikepacking-Varianten am Rahmen an.
Und es war fast genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte und war zudem mit einer Weltneuheit und Prototypen ausgestattet. Nun, nachdem das Fahrrad quasi ein Co-Development war, kann ich jetzt ja nicht im Testbericht schlecht darüber reden. Aber das war auch gar nicht nötig, denn ich war selber überrascht, wie gut es sich dann doch am Ende fuhr und verhielt.
Der Rahmen ist ein klassischer Diamant Stahlrahmen aus bewährtem Reynolds 853 Rohren. Die Stack to Reach Ratio liegt bei 1,57, was eine sehr aufrechte und komfortable Sitzposition bedeutet. Diese haben wir aber mit dem Vorbau und dem Ritchey Drop Bar etwas verändert und wieder sportlicher gemacht. Das ist in der Praxis aber nicht unangenehm - im Gegenteil habe ich dadurch immer noch viel Kontrolle, vor allem, wenn Gepäck am Vorderradträger ist. Dann lässt sich das Fahrrad gut handhaben, aber man muss sich erstmal daran gewöhnen, dass man vorne das Gewicht hat und das dann auch etwas tiefer liegt.
Meine Rechnung ist ehrlicherweise aufgegangen, denn ich habe mir ein Reiserad erhofft, mit dem man auch beladen sportlich unterwegs sein kann, das aber auch im Gelände - trotz oder mit der Pinion - genug Vortrieb hat. Und daher kommt auch die Überschrift zu diesem Testbericht: Die Rückkehr des Reiserades. Das Böttcher Evolution Pinion ist und bleibt ein Reiserad, aber mit den Veränderungen wurde es sportlicher und Schotter-tauglicher.
Im Mittelpunkt des Evolution-Rahmens steht die Pinion Brücke. Diese ist so gestaltet, dass man die Ketten- oder Riemenspannung sehr einfach nachstellen kann. Hinten am Rahmen befindet sich ein Rahmenschloss, das in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt hatte. Böttcher hat sich natürlich diese Probleme angeschaut und darauf reagiert.
Hilfe kam da von einer Weltneuheit aus Elmshorn - wenige Kilometer von meinem Zuhause entfernt - , die derzeit bei Pinion noch auf Freigabe wartet. Diese Lösung macht es möglich, mit einer Shimano GRX ohne neue Kabelführung die Pinion anzusteuern und zu schalten.
Am Testrad wurde eine P1.18 Pinion verbaut. Die hat mit ihren 18 Gängen genug Kapazität, um auch beladen Berge hochzukommen. Zumindest hat es bei mir gereicht. In der Kombination mit der Kette fand ich die Kraftübertragung und gefühlte Effizienz besser, als mit dem Riemen. Allerdings muss man mit der Kette dann Nachspannen, da diese sich längt. Die Pinion P1.18 ist mit 2.700g kein Leichtgewicht. Durch ihre Positionierung im Tretlagerbereich ist das aber während des Fahrens nicht wirklich bemerkbar. Und interessanterweise habe ich beim Nachwiegen des Gesamtfahrrades erwartet, dass sie mehr ins Gewicht fällt: das Rad wiegt inklusive Pedale nämlich nur 15,15kg.
Bei den Laufrädern hat sich Böttcher für die Aerycs GCX Terra 30 Carbon (28/29 Zoll) entschieden. Die sehen echt schön aus und scheinen auch einiges auszuhalten.
Bei den Reifen hatte ich die Schwalbe G-One Overland (700cc) vorgeschlagen. Sie sind in 45mm Breite am Rad verbaut und erwartungsgemäß großartig. Meine klare Empfehlung für alle, die einen pannensicheren und gut laufenden Reifen suchen, der für die lange Tour auf vielen Untergründen ideal ist.
Das Böttcher Evolution Pinion “Overlander” hat als Markenzeichen den Vorderradgepäckträger Tubus Grand Expedition Front. Der ist Bestandteil des Böttcher Konfigurators und ich wollte mir den ohnehin schon länger mal anschauen. Er kombiniert einen Vorderradgepäckträger mit einem LowRider. Und mit einem Gewicht von knapp 800g ist er auch der leichteste Träger dieser Art für vorne, den ich finden konnte. Bei meiner Testfahrt hatte ich vorne die Ortlieb Gravel-Pack und oben drauf einen Packsack mit Wasserflasche. Die Gravel-Pack sind aus meiner Sicht ideal dafür, denn sie sind nicht zu groß und sie haben auf der Rückseite zwei Haken zur Fixierung und können so überhaupt nicht wackeln oder sich aufschwingen. Die sitzen richtig fest, auch wenn es etwas holpriger wird. Beladen fährt sich das Rad natürlich anders und man muss da etwas mehr Behäbigkeit einkalkulieren. Hat man sich aber daran gewöhnt, rollt es gut und spurtreu. Beim Packen muss man natürlich auf eine ungefähr gleiche Beladung beider Seiten achten, damit es sich nicht aufschaukelt.
Vorne am Tubus ist das SON Edelux Licht montiert. Das habe ich auch am Norwid Reiserad. Für den normalen Einsatz ist es sehr gut und ausreichend. Böttcher nimmt aber bald auch Supernova in sein Programm auf und dann kann man vielleicht die M99 DY Pro ausprobieren, die ja ein besseres und helleres Licht bieten soll und auch im Gelände tauglicher ist. Und es bleibt abzuwarten, wie sich der neue SON Edelux USB-FL macht und eine Alternative sein kann.
Beim Lenker hat sich Böttcher für den Ritchey WCS Carbon VentureMax entschieden. Der fährt sich erwartungsgemäß sehr bequem und gibt ein gutes Handling.
Das Böttcher Evolution Pinion in der Martin “Overlander” Version gibt es so noch nicht. Es ist quasi ein Prototyp, der sich sicherlich in seiner Ausstattung auch noch etwas ändert.
Wer also nach einem Reiserad Ausschau hält, das mit einer Pinion schaltet und einen Drop Bar hat, für den ist das Böttcher Evolution Pinion in der “Martin Overlander” Variante einen Blick wert. Dafür bekommt man ein Stahlrahmen Reiserad, das die besten Eigenschaften eines verlässlichen Reiserades mit denen eines sportiven Gravelbikes vereint.
Im Jahre 1904 entstehen in Heide die ersten Ditmarsia Modelle. 1907 wird die Marke offiziell eingetragen. In enger Zusammenarbeit mit dem Bikepacker Martin Moschek von BiketourGlobal, ist das Evolution Pinion GRX Overlander entstanden.
Weitere Böttcher Modelle
Neben dem Evolution Gravel bietet Böttcher eine Vielzahl weiterer Modelle an, darunter:
- Böttcher Expedition: Ein Reiserad mit Stahlrahmen, erhältlich in verschiedenen Formen und Farben, mit 26“ Laufrädern und pannensicheren Schwalbe Reifen.
- Böttcher Shark 8000: Ein E-Bike mit kräftigem Steps E8000-Motor, hochwertiger Deore XT-Kettenschaltung und gut zupackenden Scheibenbremsen.
- Böttcher Roadtrip: Neben der optionalen Rohloff 14-Gang Nabenschaltung beim Böttcher Expedition auch das Pinion-Getriebe beim Böttcher Roadtrip zur Auswahl.
Fazit
Das Böttcher Evolution Gravel ist ein Fahrrad, das mir wirklich viel Spaß gemacht hat. Insgesamt habe ich mit dem Evolution Gravel über 450km zurückgelegt und so einen guten Gesamteindruck gewinnen können. Egal ob im Wald oder auf Asphalt - es ist sehr schnell, recht wendig, nicht zu sportlich, aber auch nicht zu sehr bequem. Es verhält sich im Gelände angenehm agil und direkt, wenn ich schnell Lenken muss und das Rad entsprechend bewege. Auf Schotter oder Asphalt lässt es seine Reiserad-Gene spielen und läuft schön gerade und spursicher.
Das Evolution Gravel wird allen Spaß machen, die Geschwindigkeit und Agilität eines Rades schätzen und lieben und die aber auch sich alle Optionen für das Bikepacking offenhalten möchten. Wer also die Chance hat, sollte das Böttcher Evolution Gravel mal zum Test fahren.
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