Bowdenzug am Motorrad wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Bowdenzüge sind essenzielle Komponenten an Motorrädern, die für die Übertragung von Kräften zuständig sind, beispielsweise bei der Betätigung von Kupplung, Gas oder Bremsen. Im Laufe der Zeit können Bowdenzüge verschleißen, reißen oder schwergängig werden, was einen Austausch erforderlich macht. Diese Anleitung bietet eine detaillierte Beschreibung des Wechselprozesses, gibt Tipps zur Fehlersuche und erklärt, wie man sich mit einem Reparaturset selbst helfen kann.

Wann sollte man einen Bowdenzug wechseln?

Bowdenzüge verrichten ihren Dienst gewöhnlich sehr zuverlässig. Wenn’s hakt und Gas geben nur noch ruckartig geht oder die Betätigungskräfte der Kupplung - begleitet von knarzenden Geräuschen - stark anwachsen, kann die Teflonschicht an einigen Stellen aufgerieben oder das Seil verrostet sein. Dann ist zumeist ein Austausch erforderlich. Dies gilt ebenfalls, wenn die Hülle äußerlich beschädigt oder stark geknickt ist.

Es macht keinen Sinn, Bowdenzüge routinemäßig zu erneuern, solange keine Beschädigungen optisch erkennbar sind und sich das Gas unverändert leicht aufziehen lässt. Wenn jedoch der Verdacht auf Verschleiß besteht oder ein Zug bereits gerissen ist, sollte man nicht zögern, ihn auszutauschen.

Werkzeuge und Materialien

Für den Wechsel eines Bowdenzugs werden folgende Werkzeuge und Materialien benötigt:

  • Neuer Bowdenzug (passend für das jeweilige Motorradmodell)
  • Schraubenschlüssel (verschiedene Größen)
  • Seitenschneider
  • Cuttermesser
  • Zange
  • Schleifstein (optional)
  • Öl oder Teflonspray
  • Schraubnippel-Set (für Reparaturen)

Allgemeine Vorgehensweise beim Wechseln eines Bowdenzugs

  1. Vorbereitung: Zuerst die Seitenteile und den Tank abbauen, um Zugang zum Bowdenzug zu erhalten.
  2. Aushängen des alten Zugs: Chokezug am Vergaser aushängen. Die Linke Armatur am Lenker durch herausdrehen der beiden Schrauben trennen.
  3. Ausbau des alten Zugs: Den alten Bowdenzug aus der Führung am Vergaser nehmen und den Nippel aus dem Lager der Drosselklappenführung ziehen. Anschließend die Schrauben am Gehäuse des Gasdrehgriffs herausschrauben, um das Gehäuse zu teilen und den Zug am Drehgriff abzunehmen.
  4. Vergleich und Vorbereitung des neuen Zugs: Mit einem beherzten Griff und einem Seitenschneider den alten Zug durchtrennen. Alle Metallteile, wie das Führungsröhrchen die Feder usw. sorgfältig abfummeln/reinigen. Der alte Zug hat noch eine weitere gummierte Ummantelung (Siehe Fotos). Diese ist am alten Zug verschweißt, lässt sich aber mit einem Cuttermesser einfach abschneiden und anschließend von der alten Hülle runterziehen.
  5. Einbau des neuen Zugs: Den neuen Zug mitsamt Führungen durch einen neuen ersetzen, der in umgekehrter Reihenfolge eingebaut wird.
  6. Einstellen des Zugs: Die Feineinstellung kann mit der Schraube an der Armatur vorgenommen werden.

Spezielle Aspekte beim Gaszugwechsel

Beim Gaszugwechsel muss man besonders auf den Gaszugverteiler achten, falls das Motorrad einen solchen besitzt. Die kleinen Gaszüge, die direkt an den Vergaser gehen, sind in der Regel leichter zu wechseln. Es ist wichtig, nach dem Wechsel die Vergaser zu synchronisieren, um sicherzustellen, dass beide Vergaser beim Gas Aufdrehen gleichzeitig ziehen. Dies kann man mit dem Auge überprüfen, wobei die Züge so eingestellt werden müssen, dass beide Vergaser beim Gasgeben gleichzeitig betätigt werden.

Kupplungszugwechsel

Der Wechsel des Kupplungszugs beginnt immer mit dem Lösen der Verstellmuttern am motorseitigen Ausrückhebel sowie am Handhebel, um maximales Spiel des Zugs zu erhalten. Hierzu am Handhebel die Rändelmutter lösen und die Einstellschraube ganz hineindrehen. Danach die Einstellschraube und die Rändelmutter so ausrichten, dass sie mit dem Schlitz des Handhebels fluchten. Jetzt die Außenhülle mit einem kräftigen Zug aus der Führung der Verstellschraube ziehen und den Kupplungszug aus dem Lager des Handhebels herausfädeln. Nun lässt sich das andere Ende einfach vom Ausrückhebel am Motor abnehmen.

Wichtig: Bevor man den alten Zug herauszieht, sollte man sich den genauen Verlauf einprägen oder - sofern möglich - das Neuteil parallel zum alten verlegen. Immer darauf achten, dass der Zug keine engen Biegungen macht und ausreichend Abstand zu Motor und Auspuff hat. Außerdem beim Verlegen berücksichtigen, dass der Zug bei vollem Lenkeinschlag nicht unter Spannung stehen oder gar den Lenkeinschlag behindern darf.

Der Einbau geschieht in umgekehrter Reihenfolge. Den Zug also zunächst unten am Motor einhängen, danach am Handhebel, wobei Lager, Nippel und Zugende mit Fett geschmiert werden sollten. Die Grobeinstellung des Spiels wird unten am Motor vorgenommen. Bei der Einstellung des korrekten Kupplungsspiels (Angaben im Handbuch) sicherstellen, dass der Schlitz der Einstellschraube nach unten zeigt, um bei Regen Wassereintritt zu vermeiden.

Reparatur eines gerissenen Bowdenzugs unterwegs

Wenn ein Zug reißt, dann oft fernab einer Werkstatt. In solchen Fällen kann man sich mit einem Pannenset und den darin enthaltenen Schraubnippeln und Ersatzzügen behelfen. Häufig reißt ein Zug direkt am Nippel ab. Wer keine neue Seele einbauen will, muss zur Schnellreparatur die originale unterhalb der Bruchstelle abzwicken. Anschließend die Außenhülle in der gleichen Länge kürzen und mit der beiliegenden Endhülse versehen. Dann den passenden Schraubnippel mit der Seele verschrauben.

Ein Universal-Bowdenzug hat an dem einen Ende den Nippel, der in den Kupplungshebel eingehängt wird. Das andere, offene Ende schiebt man durch den Mantel nach unten. Nun wird der Nippel fest zugeschraubt, während man ihn mit der Zange festhält.

Wartung von Bowdenzügen

Dank Teflonführung gleiten die verdrillten Seelen moderner Bowdenzüge geschmeidig durch die Außenhülle. Teflonzüge vertragen keine Schmiere. Bei schwergängigen Zügen helfen das Teflonspray oder der Bowdenzug-Öler.

Ein wichtiger Aspekt bei der Wartung ist der Filzring im Handhebel am Lenker. Dieser Filzring sollte regelmäßig geschmiert werden, um sicherzustellen, dass sich die drehbare Aufnahme für den Seilzugnippel leicht drehen lässt. Andernfalls kann es zu Brüchen des Seils kommen.

Selbstbausätze für Bowdenzüge

Wer regelmäßig Bowdenzüge am eigenen Zweirad ausbessert oder erneuert, kann von Selbstbausätzen profitieren. Diese enthalten alles, was für die Rundum-Erneuerung gebraucht wird, wie z.B.:

  • 1,5 Meter Seil mit 1,5 mm Durchmesser, verzinkt
  • 1,5 Meter Hülle Durchmesser 5 mm
  • 2 Stück Lötnippel 6×13 mm
  • 2 Stück Quernippel 8×9 mm
  • 2 Stück Endhülsen für die Hülle
  • Montageanleitung

Zusammenfassung

Der Wechsel eines Bowdenzugs am Motorrad ist keine komplizierte Aufgabe, erfordert jedoch Sorgfalt und die richtigen Werkzeuge. Durch regelmäßige Wartung und den rechtzeitigen Austausch verschlissener Züge kann man die Sicherheit und Fahrfreude erhöhen. Mit einem Reparaturset kann man sich auch unterwegs behelfen, falls ein Zug reißt. Die Investition in hochwertige Ersatzteile und Werkzeuge zahlt sich langfristig aus.

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