Bremsbeläge am Motorrad richtig einbremsen: Eine detaillierte Anleitung

Bremsbeläge sind ein typisches Verschleißteil und müssen regelmäßig erneuert werden. Aber mit dem Tausch alleine ist es nicht getan, denn erst, wenn du die neuen Beläge gewissenhaft auf ihre Aufgabe vorbereitest, können sie ihre volle Wirkung entfalten.

Außerdem verlängert sich durch das Prozedere ihre Haltbarkeit. Wer neue Beläge richtig einbremst, kann sich immer auf volle Bremskraft verlassen - egal ob Schnee, Regen oder Trockenheit.

Warum ist das richtige Einbremsen so wichtig?

Das Einbremsen von Bremsbelägen ist ein wichtiger Prozess, um die optimale Leistung und Lebensdauer der Bremsen zu gewährleisten. Hier sind drei gute Gründe, warum du deine Bremsbeläge richtig einbremsen solltest:

  1. Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  2. Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  3. Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Basiswissen: Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen:

  • Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen.
  • Gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen.

Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!

Das Einbrems-Prozedere in der Praxis

Erst nach 30 Vollbremsungen sind neue Beläge bereit für seriösen Einsatz.

  1. Oberflächen glätten: Lasse dazu die Bremsen auf einer Straße mit geringem Gefälle leicht schleifen. Also wirklich nur leicht schleifen lassen, aber das über eine Strecke von mehreren Hundert Metern.
  2. Reibschicht bilden: Dieser Vorgang muss für jede Bremse, also vorne und hinten separat durchgeführt werden - und das je etwa 30 Mal! Bremse dazu das Bike aus einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h heraus beherzt bis fast zum Stillstand ab. Achte darauf, dass das Rad nicht blockiert. Du wirst feststellen, dass die Bremsleistung bei den ersten Versuchen eher schwach ist, aber bald darauf mit jedem weiteren Versuch ansteigt.
  3. Lösungsmittel ausgasen: Dieser Schritt ist vor allem bei organischen Belägen essentiell wichtig. Dazu die Bremse auf einer längeren und/oder steilen Abfahrt einmal richtig heiß bremsen. Auch hierbei wirst du feststellen, dass die Bremsleistung nach einer Weile abnimmt - das so genannte Fading hat eingesetzt. Jetzt aber den Bremsvorgang noch etwas länger fortsetzen. Erst dann kannst du das Einbremsen beenden.

Wie fährt man neue Bremsen ein?

Wenn man sich die Zeit für eine gesonderte Einbremsphase nimmt, kann man das Einbremsen innerhalb kürzester Zeit erledigen. Profis raten dazu, circa 20 bis 30 Bremsungen aus einer mittleren Geschwindigkeit von 100 km/h auf ungefähr 50 km/h vorzunehmen.

Dieses Anbremsen sollte am besten sanft und moderat erfolgen: Die Bremsdauer sollte hier nur zwischen 2 bis 3 Sekunden liegen. Wenn Ihr ungefähr die Hälfte der Bremsungen erreicht habt, bremst Ihr den Wagen für die verbleibenden Zyklen jeweils von 100 km/h auf ungefähr 25 km/h herunter.

Zwischen den Bremsvorgängen sollten zwei bis drei Minuten Abkühlzeit liegen. Das Abkühlen erfolgt durch den Fahrtwind.

Sicherheitsrelevante Aspekte beim Einfahren

Um in der Einbremsphase keine anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden oder gar zu nötigen, solltet Ihr einen Straßenabschnitt und Zeitpunkt wählen, wo ein ungefährlicher Ablauf unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung (StVO) möglich ist.

Die von uns genannten Hinweise zum Einfahren einer neuen Bremseneinheit können lediglich als Orientierungshinweis dienen. Gibt der Hersteller andere Tipps oder gar Zyklen vor, haltet Euch bitte an diese, damit einem langen und sicheren Bremsen nichts im Wege steht und Eure Bremsen lange halten.

Wie lange sollte man die Bremsscheiben und ‑beläge schonen?

Während der ersten 300 Kilometer nach einem Bremsscheibenwechsel rät man von Gewalt‑, Extrem- oder Schockbremsungen ab, um eine Überbeanspruchung der Bremsen zu verhindern.

Wichtig: In einer Notsituation sollte man selbstverständlich sofort und ohne Rücksicht auf die neuen Bremsscheiben und ‑beläge bremsen.

Zusätzliche Tipps und Hinweise

  • Vorbehandlung durch den Hersteller: Im Fertigungsprozess lässt sich das Ausgasen organischer Beläge auch durch das starke Erhitzen der Beläge vom Hersteller produzieren. Der Bearbeitungsschritt heißt “Flämmen” oder “Scorchen”. Dabei werden die Beläge der Scheibenbremse über mehrere Minuten hohen Temperaturen (400 °C) ausgesetzt.
  • Scheiben & Beläge einschleifen: Beläge und Bremsscheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden.
  • Moderate Bremsungen aus 30 km/h: Den Einbremsprozess der Scheibenbremse geben die Bremsenhersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand.
  • Richtig heiß bremsen auf einer langen Abfahrt: Zum Abschluss des Einbremsens von Scheibenbremsen am Mountainbike sollte man - bei organischen Belägen - das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (also: richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt.

Vorgehensweise beim Bremsbelagwechsel am Motorrad

  1. Motorrad sicher aufbocken: Achtung: Bremshebel bei abgebautem Bremssattel und/oder ausgebauten Klötzen nicht betätigen!
  2. Bremsklotz-Haltestift entfernen: Die Bremsklötze werden durch einen "Haltestift" in korrekter Position im Bremssattel gehalten.
  3. Bremsklötze aus der Bremszange herausziehen.
  4. Bremsklötze einbauen: Keine scharfkantigen Gegenstände wie Schraubendreher in die Bremssättel einführen, die Kolbengleitflächen können dadurch zerkratzt werden!
  5. Bremsbelag-Haltestift durch die äußere Bohrung im Bremssattel einführen.
  6. Durch Pumpen am Bremshebel Druck im System aufbauen, bis die neuen Bremsbeläge an der Scheibe anliegen.
  7. Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Spezifikation im Betriebshandbuch nachlesen).
  8. Bremsbeläge einfahren: Neuen Bremsbelägen darf man keinesfalls schon bei der ersten Bremsung ihre maximale Leistung abfordern, sondern sie müssen sorgsam und mit Gefühl eingefahren werden.

Tipps zur Reinigung

  • Bremssattel und Bremsscheiben NICHT mit Öl oder Ölspray reinigen, sondern speziellen Bremsenreiniger verwenden!
  • Bei Benutzung darauf achten, dass die Werkstatträume gut gelüftet werden.
  • Nicht rauchen! Nicht auf die Haut oder in die Augen sprühen! Einatmen der Dämpfe vermeiden!
  • Bei Einsatz von Bremsenreiniger alle Teile im Umkreis der einzusprühenden Bremssättel mit Lappen großflächig abdecken.
  • Bremsenreiniger sparsam und gezielt einsetzen, Sprühkopf direkt auf die zu reinigende Stelle richten und nur kurz betätigen.
  • Teile nach Einsprühen mit Bremsenreiniger sofort durchputzen. Dazu nicht fusselnde Lappen und eine kleine Bürste verwenden.
  • Bremssattel nicht mit harter Pressluft ausblasen! Bremsstaub ist gesundheitsschädlich!

Die Einführung der Scheibenbremse am Fahrrad

Die Einführung der Scheibenbremse am Fahrrad war ein Quantensprung in Puncto Sicherheit und Fahrspaß. Warum? Weil man sich nun endlich auf eine stets gleichbleibende und kraftvolle Bremsleistung verlassen konnte. Denn bei einer Scheibenbremse handelt es sich um ein geschlossenes System mit aufeinander abgestimmten Komponenten.

Außerdem sitzt eine Scheibenbremse im Zentrum des Laufrades, wo Nässe und Schmutz weniger Einfluss auf die Bremswirkung nehmen können, als außen an der Felge. Aber es gibt auch Nachteile: Die Hebelverhältnisse in der Laufradmitte sind nicht optimal. Dadurch muss eine Scheibenbremse sehr stark zubeißen können, um das Rad zum Stillstand zu bringen. Dabei entsteht viel Wärme, die abgeleitet werden muss. Und es gibt verschiedene Arten von Belägen im Handel, die das System beeinflussen. Umso wichtiger ist das richtige Einbremsen, sobald man neue Beläge eingesetzt hat.

Was passiert beim Einbremsen genau?

Bremst Du Deine Bremsen wie oben beschrieben ein, erzeugst Du gezielt Reibung zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe. Dabei werden Staub und andere Verunreinigungen abgetragen, die bei der Herstellung entstanden oder eventuell bei der Lagerung angefallen sind.

Außerdem schleifst Du die Oberflächen der Reibpartner genau passend zueinander ein. Das macht einen großen Unterschied, da aufgrund von Fertigungstoleranzen weder Beläge noch Scheiben zu 100 Prozent plan sind.

Je nach Art der Beläge können durch die Erhitzung beim Einbremsen auch noch Bestandteile ausgasen. Bei verölten Belägen hilft das Einbremsen übrigens nicht. Daher solltest Du bei Arbeiten an Deinen Bremsen oder in deren Nähe immer darauf achten, dass keine Schmierstoffe auf die Scheiben oder Beläge gelangen.

Was passiert, wenn Du neue Beläge nicht einbremst?

Wenn Du Deine Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht gezielt einbremst und einfach losfährst, wird sich der Effekt irgendwann durch die ganz normale Nutzung der Bremsen einstellen. Das kann aber einige Touren dauern.

So lange verzichtest Du auf einen erheblichen Teil Deiner möglichen Bremsleistung, was gerade im Gelände unangenehm sein kann. Da Vorder- und Hinterradbremse beim ganz normalen Fahren unterschiedlich stark beansprucht werden, werden sie unterschiedlich lange brauchen, bis sie eingebremst sind.

Es lohnt also, ein paar Minuten ins Einbremsen zu investieren, damit Du von Anfang an die volle Power Deiner Scheibenbremsen nutzen kannst. Verschiedene Beläge benötigen unterschiedlich lang, bis sie eingebremst sind.

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