Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten. Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können.
Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten. Aber nicht nur für Racer und Sekundenjäger ist eine starke Bremse, die wenig Fingerkraft erfordert, wichtig. Gerade Einsteiger tendieren dazu, mehr auf der Bremse zu hängen - das geht nicht nur aufs Material, sondern auch auf die Unterarme. Wer viel Kraft zum Bremsen braucht, kriegt schnell Arm-Pump.
Die Lösung dafür lautet starke Bremsen, die dennoch gut zu dosieren sind. Doch was zeichnet die beste MTB-Scheibenbremse eigentlich aus? Sie muss zuverlässig, einfach zu warten, leicht und am besten auch noch erschwinglich sein. Reine Power hilft nicht, solange sie nicht fein dosierbar ist.
Aufbau und Funktionsweise von Scheibenbremsen
Im Test finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten. Bremsen besitzen immer eine Gebereinheit: Das ist der Teil, der am Lenker befestigt ist und umgangssprachlich auch häufig nur Hebel genannt wird. Am Rahmen bzw. der Gabel ist dann die Nehmereinheit montiert. Verbunden sind die beiden Komponenten über die Bremsleitung, die den Druck vom Geber- auf den Nehmerkolben überträgt.
Der Druck entsteht im Geber, wo vom Bremshebel ein kleiner Kolben vorgeschoben wird. Weil sich die Bremsflüssigkeit nicht komprimieren lässt, steigt der Druck im System an und wird auf den Bremssattel übertragen, wo die größeren Bremskolben sitzen. Um die Handkraft zu verstärken, ist das Oberflächen-Verhältnis der Kolben von Geber- zur Nehmereinheit entscheidend.
Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig.
Bremsflüssigkeiten: Mineralöl vs. DOT
Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit.
Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit. Dadurch ändern sich die Eigenschaften von DOT und der Siedepunkt (regulär bis zu 260° C) sinkt. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten. Spült man DOT gleich mit ausreichend Wasser ab, ist es kein Problem.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht: Wie beim Salatdressing schwimmt das Öl einfach oben - eine typische Emulsion.
Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Dabei können Dichtungen und auch Bremsleitungen zu Schaden kommen. Mineralöl sollte ebenso herstellerspezifisch gewählt werden, wie DOT nur mit der richtigen Nummer verwendet werden kann. Der Einfluss aufs Bremsgefühl ist zudem marginal.
Bremsbeläge: Organisch, Metallisch und Sinter
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische.
Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt. Das Reibmaterial besteht aus einem Mix aus harten Materialien wie Metalloxiden und Carbiden und sorgt somit auch für den meisten Verschleiß an der Bremsscheibe. Das Gleitmittel wiederum versucht, den Verschleiß zu begrenzen und den Reibungskoeffizienten stabil zu halten.
Organische Bremsbeläge zum Beispiel aus Carbon, Glas oder anderen Fasern haben die positive Eigenschaft, dass die Wärme, die beim Bremsen entsteht, nicht so stark abgegeben wird und der Kolben nicht so warm wird. Die Bremsleistung kann oftmals besser dosiert werden.
Sintermetall Bremsbeläge bestehen aus einem Granulat, dass aus verschiedenen Materialen bestehen kann. Es wird dabei gepresst und erhitzt und wird zu einem Bremsbelag gepresst. Die Vorteile sind eine höhere Hitzeresistent und ein geringerer Verschleiß als bei organischen Bremsbelägen. Eine Mischung aus beiden Varianten ist der Semimetall Bremsbelag. Hier werden Metallelemente mit organischen Anteilen gemischt.
Um die Masse zu verbinden, sind noch Binde- und Füllmaterial wie Harze enthalten. Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.
Hinweis: Einige Bremsscheiben sind nur für den Einsatz von Sintermetall oder organischen Belägen konzipiert. Hier sollte man sich an die Herstellerangabe des Bremsscheibenherstellers halten. Eine Weiche Scheibe kann durch harte Sinterbeläge sehr schnell abnutzen, warm werden und ggf.
Bremsscheiben: Aufbau und Materialien
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Mehr Material kann mehr Hitze vom sensiblen Bremssattel abtransportieren.
Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können.
Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock. Für uns hat sich die Variante mit den 6 Schrauben als besser herausgestellt. Zwar ist die Montage etwas aufwändiger, dafür haben die Bremsscheiben kein Spiel auf der Nabe.
Testverfahren und Ergebnisse
Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.
Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren. Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen. Denn in Summe haben wir über die letzten Jahre hunderte von Bremsen „erfahren“.
Unseren ausführlichen Labortest haben wir beim Belag-Spezialisten Sinter in Slowenien durchgeführt. Dort stellt Sinter nicht nur eigene Bremsbeläge her, sondern verfügt auch über ein großes Testlabor, das wir für mehrere Tage belegt haben. Nach dem vorgeschriebenen Einbremsverfahren wurden alle Bremsen mit original Bremsbelägen und Bremsscheibe auf dem Prüfstand montiert.
Zum Erzeugen der Bremskraft wurden immer 40 N auf den Bremsgeber gegeben. Das entspricht 4 kg Zugkraft. Zusätzlich zu den Standard-Bremsbelägen haben wir den Versuchsaufbau im Anschluss noch mit den hauseigenen Sinter „Race“-Bremsbelägen durchgeführt, um potenzielles Bremsen-Tuning auszuloten.
Max. Um die Unterschiede der Bremsen auf unserer auswendig gelernten Teststrecke noch besser erfahren und vor allem aufzeichnen zu können, haben wir jeweils an einem Bike das BrakeAce Telemetrie-Messsystem aus Neuseeland verwendet. Startet man das System am Handy, werden die Daten aufgezeichnet und nach dem Run kabellos an eure App übermittelt - dort oder am Laptop könnt ihr anschließend euren Run und die verschiedenen Bremspunkte auswerten.
Der Test auf dem Trail beginnt denkbar unromantisch: Alle Bremsen müssen montiert und entlüftet werden. Hier haben sich bereits die ersten großen Unterschiede in Sachen Handling und Usability aufgetan. Einige Bremsen werden per Trichter entlüftet, andere mit Spritzen und zu jeweils ganz unterschiedlichen Ports.
Auf dem Papier sind sich alle Bremsen sehr ähnlich, die Preisunterschiede aber sehr groß. Das spiegelt sich in der Performance allerdings nicht immer wider. Im Test, egal ob Telemetriedaten, Labor- oder Trail, haben sich große Unterschiede gezeigt, aber auch, dass Bremsen viel mit persönlichen Vorlieben und Gefühl zu tun haben. Manche mögen es knallhart, während andere gern fein dosieren und modulieren wollen.
Testsieger und Empfehlungen
Vom Geheimtipp zum Testsieg! Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor, und legt damit ein erfolgreiches Comeback hin. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.
Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert eine kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche in Kauf nehmen.
Neben den unzähligen Bauformen von Bremsbelägen für die verschiedenen Bremsenmodelle (hier bitte immer nur für Modelle explizit passende Beläge verwenden) gibt es weitere Faktoren, in denen sich Bremsbeläge unterscheiden. Der größte und wichtigste Unterschied hierbei ist die Belagmischung. Organische Bremsbeläge eignen sich an Besten für Bremsscheiben mit kleinen Aussparungen. Durch die weichere Belagmischung schonen sie die Bremsscheibe, verschleißen jedoch auch am schnellsten. Sie gelten als leise und haben gute Kaltreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 380° C).
Semi-metallische Bremsbeläge bieten das Beste aus beiden Welten. Überragende Bremskraft, geringerer Verschleiß als organische Beläge, gute Kalt- und Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 500° C). Diese Bremsbeläge eignen sich auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Durch die härtere Belagmischung verschleißen die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen. Je nach Bremssystem neigen diese gelegentlich zum Quietschen. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich denen der organischen Beläge (Glas, Gummi, Carbon, Kevlar etc.) zuzüglich ca. 10-30 % metallischer Bestandteile wie z.B.
Gesinterte Bremsbeläge haben eine harte Belagmischung und eignen sich somit auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Sie haben sehr gute Heißreibeigenschaften und bieten beste Bremskraft. Der Belagverschleiß ist wesentlich geringerer als bei organischen Belägen, durch die härtere Belagmischung verschleißen allerdings die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen.
Keramische Bremsbeläge haben eine sehr harte Belagmischung und somit einen sehr geringen Verschleiß. Sie sind für Bremsscheiben mit großen Aussparungen und den harten Einsatz bei Schlamm und Nässe geeignet. Sie haben überragende Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 650° C). Bei niedrigen Temperaturen geht die Bremskraft jedoch merklich zurück.
Du suchst einen Kompromiss aus Bremskraft und Verschleiß oder deine Bremse rubbelt beim Bremsen mit organischen Belägen? Für alle, denen geringer Verschleiß am wichtigsten ist, die die Bremse gerne schleifen lassen und somit viel Hitze erzeugen oder viel in schlammig/nassem Gelände unterwegs sind, haben wir den keramischen Bremsbelag.
Bremsbeläge Einbremsen: So geht's richtig
Essentiell bei jedem neuen Bremsbelag ist das richtige Einbremsen. Wichtig ist zunächst, dass die Bremsbeläge sich auf die Bremsscheibe einschleifen. Dazu empfehlen sich ca. 25-35 mittelstarke Bremsungen aus moderater Geschwindigkeit. Nach Abschluss dieser Phase sollte sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöhen - ansonsten lieber nochmal ein paar zusätzliche Bremsungen durchführen.
Metallische oder semi-metallische Bremsbeläge benötigen eine höhere Temperatur, um eine tragfähige Reibschicht auszubilden. Hier ist es daher zusätzlich notwendig, die Beläge einmalig richtig heiß werden zu lassen bis die Bremswirkung sich merklich verschlechtert (z.B. Ein falsches Einbremsen bzw.
Auch die Bremsen an einem neuen Bike solltest Du einbremsen. Zum Einbremsen Deiner Bremsanlage solltest Du Dir eine sichere Umgebung suchen, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist. Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln!
Beschleunige auf etwa 30 km/h - Du musst nicht sprinten, aber etwas schneller, als würdest Du nur entspannt dahinrollen, sollte es schon sein. Ziehe eine von beiden Bremsen so stark, dass das Rad gerade noch nicht blockiert. Lass sie so schleifen, bis du stehst. Es hilft, dabei Dein Gewicht nach vorne oder hinten zu verlagern, je nachdem, ob Du gerade die Vorder- oder Hinterradbremse einbremst. Wenn Du zum Stehen gekommen bist, dann wiederhole die ersten beiden Schritte so oft, bis Du spürst, dass die Bremsleistung zunimmt. Wie viele Wiederholungen es dazu braucht, hängt von einigen Faktoren ab - Geschwindigkeit, Art der Bremsbeläge, Temperatur und auch Größe der Bremsscheibe.
Tipp: Wenn Du die Bremsbeläge vor dem Einbau etwas mit Sandpapier anraust, kannst Du die Prozedur des Einbremsens oft etwas beschleunigen.
Bremst Du Deine Bremsen wie oben beschrieben ein, erzeugst Du gezielt Reibung zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe. Dabei werden Staub und andere Verunreinigungen abgetragen, die bei der Herstellung entstanden oder eventuell bei der Lagerung angefallen sind. Außerdem schleifst Du die Oberflächen der Reibpartner genau passend zueinander ein.
Tabelle: Bremsbeläge im Vergleich
| Modell | Material Trägerplatte | Material Bremsbelag | Bremskraft | Geringer Verschleiß | Kompatibilität mit Bremsmodellen |
|---|---|---|---|---|---|
| Tektro E10.11 | Stahl | Semi-metallisch | Sehr hoch | Ja | Shimano Deore, Altus, SLX, XT, XTR, Saint, Tektro Auriga, Orion, Draco/Draco 2, Aquila, Dorado |
| Tektro P20.11 | Stahl | Semi-metallisch | Sehr hoch | Ja | Shimano Deore, Altus, SLX, XT, XTR, Saint, Tektro Auriga, Orion, Draco/Draco 2, Aquila, Dorado |
| Miles Racing MI-MET-65 | Stahl | Semi-metallisch | Besonders hoch | Ja | Avid Elixir, XX, X0, Trickstuff the Cleg, Magura MT2 MT4 MT6 MT8 Type7, Magura MT 5 |
| Shimano Bremsbeläge B01S | Stahl | Resin - organisch | Hoch | Nein | Shimano Deore, SLX, XT, XTR, LX, Acera, Nexavave |
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