Bei Scheibenbremsen gibt es zwei Hauptarten von Bremsbelägen: organische und metallische. Resin ist eine andere Bezeichnung für organische und Sinter für metallische Bremsbeläge.
Was sind organische Bremsbeläge?
In Disc-Bremsbelägen, die als organisch bezeichnet werden, können über 20 unterschiedliche Kohlenstoffe - aus der so genannten organischen Chemie - miteinander vermischt sein. Daher auch der Name organischer Bremsbelag. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Hersteller und Modell, daher kann man nicht genau definieren, welche Inhaltsstoffe sich im Belag befinden. Als Bindemittel werden jedenfalls Kunstharze eingesetzt. Mit ihnen kann die Bremskraft der Scheibenbremse sehr gut dosiert werden und die Geräuschentwicklung bei den Bremsvorgängen ist sehr gering.
Organische Beläge sind außerdem dafür bekannt, dass sie sehr feinfühlig sind. Wer also gern sanft und komfortabel bremsen will, der kann mit organischen Belägen schon mal viel anfangen. Trotzdem können organische Bremsbeläge sehr gut zupacken und werden dabei auch nicht so schnell heiß. Organische Bremsbeläge sind vor allem für alle, die mehr Gefühl an der Bremse brauchen und deren maximale Stoppwirkung dabei weniger wichtig ist. Zudem haben organische Bremsbeläge den Vorteil meist bei normaler Fahrweise auch länger zu halten.
Vorteile organischer Bremsbeläge:
- Feinfühlige Dosierung der Bremskraft
- Geringe Geräuschentwicklung
- Gute Funktion in schwierigen klimatischen Verhältnissen (Offroad)
Was sind gesinterte Bremsbeläge?
Bei gesinterten Bremsbelägen werden feinkörnige Metalle und Keramikteile mit viel Druck und Hitze zusammengepresst. Für die Produktion von metallischen Bremsbacken werden verschiedene metallhaltige Granulate oder Pulver vermischt, erhitzt und zusammengepresst. Dieses Verfahren heißt sintern. Deshalb werden Beläge dieser Bauart als Sinter-Bremsbeläge bezeichnet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders langlebig sind und auch bei starker Belastung und hoher Wärmeentwicklung eine gute Bremsperformance zeigen. Zudem wird die Bremskraft auch bei Nässe nicht beeinflusst.
Diese Art der Bremsbeläge werden hochtemperiert hergestellt und können richtig zupacken. Gesinterte Bremsbeläge können dabei gern auch richtig heiß werden und behalten dabei ihre Bremswirkung. Durch ihre Hitzeresistenz sind gesinterte Bremsbeläge besonders gut geeignet bei Nässe. Ist der Bremsbelag bei einer nassen Bremsscheibe heißer, so macht hier Wasser und Nässe für die Bremsleistung weniger aus und die Bremsleistung ist schnell da, wo sie sein soll.
Nachteile gesinterter Bremsbeläge:
- Gesinterte Bremsbeläge quietschen meist stärker als organische Bremsbeläge.
- Zudem entwickeln die gesinterten Beläge mehr Hitze.
- Leider sind gesinterte Bremsbeläge nicht so dosierbar, wie ihre organischen Pendants.
- Durch ihre scharfe Bremsleistung kann es außerdem passieren, dass sich gesinterte Bremsbeläge schneller abnutzen und ausgewechselt werden müssen.
Welche Bremsbeläge soll ich wählen?
Daher solltet ihr gesinterte Beläge besser mit größeren Bremsscheiben (ab 180mm) verwenden und bei den Bremsscheiben darauf achten, das diese eher mit vielen großen Löchern versehen sind. Fährt man kleinere Scheiben (160mm) und sind daran nur kleine Belüftungslöcher, solltet ihr eher die weicheren organischen Bremsbeläge benutzen.
Abschließend kann man nicht pauschal sagen, welches Material besser ist. Es hängt vom Fahrstil, dem Einsatzbereich und den Vorlieben des Bikers ab. Gerade im Wettkampfszenario, bei dem auch es auch um ein geringes Gewicht deines Motorrads geht, sind organische Bremsbeläge meist zu sanft. Wer später bremst, ist länger schnell - das weiß auch Raul Fernandez in der MotoGP.
Worauf ist bei Bremsbelägen für Felgenbremsen zu achten?
Es gibt unterschiedliche Bauarten der Felgenbremsen. Am weitesten verbreitet ist die V-Brake mit zwei längeren Hebelarmen. Bei Rennrädern kommen in der Regel Seitenzugbremsen zum Einsatz. Deshalb sollte man beim Kauf selbstverständlich berücksichtigen, dass der Belag auch zur Bremsanlage passt. Ein weiterer wichtiger Indikator ist das Material der Felge. Denn für Carbonfelgen werden spezielle Bremsschuhe benötigt. Sofern nichts anderes in der Produktbeschreibung steht, handelt es sich um klassische Bremsbeläge für Metallfelgen. Wer Carbonfelgen besitzt, sollte deshalb darauf achten, dass explizit ausgewiesen wird, dass die Beläge dafür geeignet sind.
Bei der Montage des Bremsbelags müssen Sie aufpassen, dass er parallel zur Felge ausgerichtet ist und mit der gesamten Breite direkt auf die Felge trifft. Andernfalls erhöht sich der Verschleiß erheblich.
Was sind Cartridge-Beläge?
Um bei einer V-Brake den Bremsbelag zu wechseln, muss dieser komplett abgeschraubt und der neue angebracht werden. Anschließend ist es notwendig, den Ersatzbelag ideal auszurichten. Die Cartridge-Bremsschuhe vereinfachen diesen Prozess ungemein, denn der Gummi kann direkt aus der Fassung gezogen werden. Für den Austausch müssen Sie deshalb lediglich eine Metallklammer entfernen, den verschlissenen Belag herausziehen, den neuen einstecken und wieder mit der Klammer sichern. Eine Schraube braucht nicht geöffnet zu werden und die Nachjustierung entfällt ebenfalls.
Was bedeutet Fading?
Bei den Bremsvorgängen entsteht durch die Reibung zwischen Brems-Belag und -Scheibe Wärme, die beide Bauteile erhitzt. Durch die steigende Hitze werden die Reibungskräfte und somit auch die Bremsleistung verringert. Dieser Effekt, der als Fading bezeichnet wird, tritt jedoch nur auf, wenn die Bremsen durch lange Abfahrten stark belastet werden. Im Alltag ist dieser Effekt kaum messbar. Um die Wärmeentwicklung zu verringern, kann man auf Bremsbeläge zurückgreifen, die den Fahrtwind zur Kühlung verwenden. Zudem sind Bremsscheiben erhältlich, die aus einem Verbund von Metallen bestehen und dadurch die Hitze besser ableiten. Die Scheibengröße spielt ebenfalls eine große Rolle. Im Vergleich erhitzen sich kleine Rotoren schneller.
Kann man verölte Bremsbeläge reinigen?
In Scheibenbremsbelägen sind sehr feinen Poren, in die Öle und Fette eindringen können. Kommt der Belag damit in Berührung, saugt er diese Stoffe wie ein Schwamm auf. Diese Verunreinigungen können die Bremskraft erheblich senken und bei den Bremsvorgängen können laute, quietschende Geräusche entstehen. Bedauerlicherweise ist es nicht möglich, den Belag zu reinigen und von diesen Stoffen zu befreien, da sich die Flüssigkeiten aufgrund der Sogwirkung im gesamten Material verteilen. Sollten die Bremsbacken mit Ketten- oder Hydrauliköl in Berührung gekommen sein, sind sie deshalb als defekt zu betrachten und ein Austausch ist die einzige Lösung. Vorher sollte man den Bremssattel jedoch reinigen, um zu vermeiden, dass die neuen Beläge ebenfalls kontaminiert werden. Zur Prävention sollte man mit Schmiermitteln, die mit einer Sprühdose aufgetragen werden, sehr vorsichtig agieren. Es ist überdies ratsam, vor dem Entlüften der Bremsanlage die Bremsbacken auszubauen. Bei Felgenbremsen ist es ausreichend, die Felge und den Belag nach der Berührung mit Öl gründlich zu reinigen.
Einbremsen der Bremsbeläge
Vom Mountainbike bis zum Stadtrad: Gute Bremsen bringen Kontrolle und Sicherheit auf dem Trail und im Straßenverkehr. Die beste Bremsleistung liefern Scheibenbremsen - wenn sie gut eingebremst sind. Das Einbremsen der Beläge ist relativ einfach, braucht nur ein paar Minuten und den Unterschied wirst Du sofort spüren.
Wann Du Deine Bremse einbremsen solltest
Bremsbeläge und Bremsscheibe liefern ihre volle Brems-Power erst, wenn sie aufeinander eingebremst sind. Das solltest Du also immer tun, wenn eines oder mehrere der Teile getauscht wurden - egal ob nur die Beläge, nur die Scheibe oder alles zugleich. Auch die Bremsen an einem neuen Bike solltest Du einbremsen.
Einbremsen Schritt für Schritt
Zum Einbremsen Deiner Bremsanlage solltest Du Dir eine sichere Umgebung suchen, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist. Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln! So funktioniert das Einbremsen besser als würdest Du versuchen, beide zugleich einzubremsen.
- Beschleunige auf etwa 30 km/h - Du musst nicht sprinten, aber etwas schneller, als würdest Du nur entspannt dahinrollen, sollte es schon sein.
- Ziehe eine von beiden Bremsen so stark, dass das Rad gerade noch nicht blockiert. Lass sie so schleifen, bis du stehst. Es hilft, dabei Dein Gewicht nach vorne oder hinten zu verlagern, je nachdem, ob Du gerade die Vorder- oder Hinterradbremse einbremst.
- Wenn Du zum Stehen gekommen bist, dann wiederhole die ersten beiden Schritte so oft, bis Du spürst, dass die Bremsleistung zunimmt. Wie viele Wiederholungen es dazu braucht, hängt von einigen Faktoren ab - Geschwindigkeit, Art der Bremsbeläge, Temperatur und auch Größe der Bremsscheibe.
- Nun kannst Du den Vorgang mit der jeweils anderen Bremse durchführen.
Tipp: Wenn Du die Bremsbeläge vor dem Einbau etwas mit Sandpapier anraust, kannst Du die Prozedur des Einbremsens oft etwas beschleunigen.
Was passiert beim Einbremsen genau?
Bremst Du Deine Bremsen wie oben beschrieben ein, erzeugst Du gezielt Reibung zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe. Dabei werden Staub und andere Verunreinigungen abgetragen, die bei der Herstellung entstanden oder eventuell bei der Lagerung angefallen sind. Außerdem schleifst Du die Oberflächen der Reibpartner genau passend zueinander ein. Das macht einen großen Unterschied, da aufgrund von Fertigungstoleranzen weder Beläge noch Scheiben zu 100 Prozent plan sind. Je nach Art der Beläge können durch die Erhitzung beim Einbremsen auch noch Bestandteile ausgasen. Bei verölten Belägen hilft das Einbremsen übrigens nicht. Daher solltest Du bei Arbeiten an Deinen Bremsen oder in deren Nähe immer darauf achten, dass keine Schmierstoffe auf die Scheiben oder Beläge gelangen.
Was passiert, wenn Du neue Beläge nicht einbremst?
Wenn Du Deine Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht gezielt einbremst und einfach losfährst, wird sich der Effekt irgendwann durch die ganz normale Nutzung der Bremsen einstellen. Das kann aber einige Touren dauern. So lange verzichtest Du auf einen erheblichen Teil Deiner möglichen Bremsleistung, was gerade im Gelände unangenehm sein kann. Da Vorder- und Hinterradbremse beim ganz normalen Fahren unterschiedlich stark beansprucht werden, werden sie unterschiedlich lange brauchen, bis sie eingebremst sind. Es lohnt also, ein paar Minuten ins Einbremsen zu investieren, damit Du von Anfang an die volle Power Deiner Scheibenbremsen nutzen kannst. Verschiedene Beläge benötigen unterschiedlich lang, bis sie eingebremst sind.
Test Bremsbeläge: Die Ergebnisse
Brems-Power, Standfestigkeit, Verschleiß: Im Labor mussten sich 18 Paarungen beweisen. Nicht alle überzeugten. So testet BIKE Von jedem Belagmodell wurden drei Paar auf unserem hauseigenen Bremsenprüfstand getestet - zwei im Verschleißtest und eins zur Ermittlung der Bremskraft sowie der Wärmestandfestigkeit. Jeder Belag wurde auf dieselbe Weise sorgfältig eingebremst, bis die Bremskraft ein konstantes Niveau erreichte. Getestet wurde auf drei Bremsen mit originalen 180-mm-Bremsscheiben. Bewertet wurden die Beläge jeweils nur individuell für das getestete Bremsmodell.
VERSCHLEISSTEST Jeder Belag absolvierte 1000 Trockenbremsungen mit circa 315 N Bremskraft (Radumfangskraft) - etwa zwei Sekunden bei 45 km/h. Vor und nach dem Test wurden die Beläge genau vermessen.
BREMSLEISTUNG Über je drei Trocken- und Nassbremsungen wurde die Bremskraft bei 80 N Handkraft gemittelt. Im anschließenden Wärmestandfestigkeitstest wurde die Bremskraft schrittweise bis zur Belastbarkeitsgrenze erhöht. Die Bewertung fasst die Bremskraft und die Wärmestandfestigkeit zusammen.
Testbremse: Magura MT6 mit Storm HC 180 Disc
Besonders Touren-Biker schätzen die Bremskraft und die Zuverlässigkeit der MT6. Die Beläge wurden, wie bei Shimano und Sram auch, auf einer 180er-Scheibe ermittelt.
| Belag | Preis | Gewicht (Paar, o. Zubehör) | Träger- / Belagmaterial | Bremskraft | Verschleiß | BIKE-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kool-Stop D160 | 22 Euro | 20,0 Gramm | Stahl / organisch | 319 | 7338 | SEHR GUT |
| Kool-Stop D160S | 27,50 Euro | 23,0 Gramm | Stahl / Sintermetall | 368 | 3591 | SEHR GUT |
| Magura 7.C | 15,90 Euro | 21,1 Gramm | Stahl / organisch | 352 | 1854 | GUT |
| Magura 7.P | 19,90 Euro | 20,6 Gramm | Stahl / organisch | 349 | 3358 | SEHR GUT |
| Swissstop Disc 30 | 24,30 Euro | 19,7 Gramm | Stahl / organisch | 348 | 3264 | GUT |
| Swissstop Disc 30 E | 19,80 Euro | 20,3 Gramm | Stahl / organisch | 230 | 4481 | GUT |
Testbremse: Shimano Deore XT
Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?
| Belag | Preis | Gewicht (Paar, o. Zubehör) | Träger- / Belagmaterial | Bremskraft | Laufleistung | BIKE-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Reverse Air-Con | 22,90 Euro | 25,7 Gramm | Alu + Stahl / organisch | 263 | 5010 | GUT |
| Reverse Disc Organic | 13,90 Euro | 18,5 Gramm | Stahl / organisch | 317 | 2387 | BEFRIEDIGEND |
| Shimano G02A | ca. 7 Euro | 9,5 Gramm | Aluminium / organisch | 356 | 10762 | SUPER |
| Shimano J02A | ca. 15 Euro | 18,5 Gramm | Aluminium / organisch | 351 | 9609 | SUPER |
Da es sich bei Bremsbelägen um Verschleißteile handelt, sollten diese unbedingt regelmäßig geprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Andernfalls ist die einwandfreie Funktion der Bremse nicht gewährleistet und die Bremsscheibe oder die Felge können beschädigt werden.
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