Bremsenarten bei E-Bikes: Ein umfassender Überblick

Die Bremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil und sollte bei der Wahl eines E-Bikes besondere Beachtung finden. Zudem steigen bei E-Bikes die Systemgewichte durch bis zu 25 Kilogramm schwere Räder, die Fahrgewohnheiten ändern sich. Das macht eine gesonderte Betrachtung der E-MTB-Bremsen und der Bremssysteme nötig.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Bremssysteme bei E-Bikes, ihre Vor- und Nachteile und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Verschiedene Bremssysteme bei E-Bikes

Es gibt verschiedene Bremssysteme, die bei E-Bikes zum Einsatz kommen. Hier sind die gängigsten:

  • Felgenbremsen: Hierbei drücken Bremsbeläge gegen die Felge des Rades. Es gibt mechanische und hydraulische Felgenbremsen. Die V-Brake ist die geläufigste Felgenbremse.
  • Scheibenbremsen: Bei diesem System greifen Bremsbeläge eine Bremsscheibe an, die an der Nabe des Rades befestigt ist. Auch hier gibt es mechanische und hydraulische Varianten.
  • Trommelbremsen: Dieses System befindet sich in der Hinterradnabe und ist witterungsbeständig. Oftmals sind sie als Rücktrittbremsen bekannt.

Felgenbremsen

Eine Felgenbremse ist ein Bremssystem, bei dem ein Bremsbelag gegen die Außenseite des Reifens (= Felge) drückt, damit du bremsen kannst. Bei hydraulischen Felgenbremsen wird Öl durch das Bremskabel befördert, sobald du den Bremshebel betätigst. QWIC sieht Felgenbremsen, auch V-Brakes genannt, als ein zuverlässiges Bremssystem mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Dieses Bremssystem erfordert jedoch einiges an Wartung.

V-Brakes vs. Rollerbrakes

Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen V-Brakes und Rollerbrakes. V-Brakes arbeiten mechanisch und die Bremsleistung bestimmt sich durch den ausgeübten Druck am Handzug.

Rollerbrakes arbeiten mit einer Bremstrommel, in der Rollen verbaut sind. Beim Bremsvorgang werden diese zur Seite gedrückt und das Fahrrad bremst ab. Das System ist geschlossen und somit gut vor äußeren Einwirkungen geschützt.

Abhängig davon, wo und wie du dein E-Bike am häufigsten fährst, kann das eine oder das andere Bremssystem das Richtige für dich sein. Hier sind die Pro und Cons auf einen Blick:

V-Brakes Rollerbrakes
Vorteile
  • Verfügen über eine hohe Bremsleistung, ohne dass das Rad blockiert.
  • Optimal für Schönwetterfahrer geeignet.
Vorteile
  • Bei Rollerbrakes handelt es sich um ein geschlossenes Bremssystem, was geschützt und dadurch weniger anfällig ist.
  • Die Bremsleistung ist bei allen Witterungsbedingungen gleich und nahezu verschleißfrei.
Nachteile
  • Bremsklötze aus Kunststoff verschleißen mit der Zeit und müssen öfter ausgetauscht werden.
  • Bei Regen oder feuchter Witterung reduziert sich die Bremsleistung.
Nachteile
  • Das Hinterrad kann blockieren, wenn man länger und in kurzen Abständen die Bremse betätigt.
  • Längerer Bremsweg als bei V-Brakes.

Scheibenbremsen

Hydraulische Scheibenbremsen werden bei E-Bikes immer häufiger eingesetzt. Dieses Bremssystem besteht aus einer Bremsscheibe im Rad und einem hydraulischen Bremssattel, der über einen Schlauch mit Hydraulikflüssigkeit mit den Bremshebeln am Lenker verbunden ist. Du bremst, indem du die Hebel am Lenker drückst. Scheibenbremsen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Autobremsen. Die Bremsscheibe befindet sich in der Mitte des Rades, diese Scheibe dreht sich, wenn das Rad angetrieben wird. Sobald du bremst, drücken die Bremsbeläge gegen die rotierende Scheibe.

Kaum ein Mountainbike oder Crossrad ist heute nicht mit Scheibenbremsen ausgestattet. Kein Wunder: Sie gehören zu den sichersten, die es gibt. Und auch in der Rennradwelt treten sie ihren Siegeszug an. Denn die Bremsbeläge erreichen an einer Scheibenbremse bedeutend höhere Reibungswerte. Dieses Mehr an Bremskraft kann in unerwarteten Situationen ein echter Lebensretter sein. Dafür nehmen selbst Rennradfahrer das etwas höhere Gewicht in Kauf.

2-Kolben- oder 4-Kolbenbremse?

Die Kolben sind die Bauteile, die aus der Bremszange gedrückt die Kraft auf den Bremsbelag übertragen. Vier Kolben bringen hier natürlich mehr Kraft auf die Beläge als zwei Kolben. Gerade an Downhill-, Enduro- und E-Bikes verbaut man daher gerne die leistungsstärkere Version. Crosser und Rennräder kommen hingegen meist mit der 2-Kolben-Variante aus.

Allerdings erkauft man sich die zahlreichen Vorteile der Scheibenbremse leider mit einigen Nachteilen, über die man bei der verbesserten Performance aber gerne hinwegsehen kann. Ein Manko bezieht sich etwa auf den erhöhten Wartungsaufwand, sollte die Bremse einmal Luft oder Wasser ziehen. Dann muss die Bremse mit einem speziellen Werkzeug entlüftet werden, das sich von Hersteller zu Hersteller unterscheidet.

Trommelbremsen

Fast vom Fahrradmarkt verschwunden sind die sogenannten Trommelbremsen - oftmals als Rücktrittbremsen bekannt. Das System befindet sich in der Hinterradnabe. Damit ist es witterungsbeständig und ermöglicht dir zu bremsen, ohne den Griff vom Lenker zu lösen. Allerdings erreichen Trommelbremsen einfach nicht die Bremskraft moderner Scheiben- oder Felgenbremsen.

An Citybikes und Kinderfahrrädern werden sie dennoch verbaut - denn gerade unsicheren Fahrern bietet die zusätzliche Rücktrittfunktion mehr Sicherheit. Ergänzt durch eine klassische Vorderbremse ist die Bremskraft auch stark genug für den Stadtverkehr oder sogar Trekkingtouren.

Mechanische vs. hydraulische Bremsen

Bei mechanischen Bremsen am Pedelec erfolgt die Bremsung über einen ganz normal und allseits bewährten Seilzug. Diese Technik gibt es bereits seit Jahrzehnten und hat sich optimal bewährt. Bei schnelleren und schwereren E-Bikes merken Sie jedoch auch die Nachteile der mechanischen Scheibenbremsen: Vergleichsweise ist geringfügig ein höherer Kraftaufwand zur Bremsbetätigung nötig. Der Bremsweg ist etwas länger als bei Fahrrädern mit hydraulischen Bremsen. Somit ist es wichtig, im Straßenverkehr immer die volle Aufmerksamkeit beim Radeln zu haben, um entsprechend schnell reagieren zu können.

Hydraulische Bremsen arbeiten nicht mit einem Seilzug, sondern mit einer Bremsflüssigkeit. Die Bremsflüssigkeit dient bei dieser Bremsenvariante zur Kraftübertragung. Bereits vor vielen Jahren kamen die ersten entwickelten hydraulischen Bremsen bei Mountainbikes zum Einsatz. Das Funktionsprinzip kann man mit dem der klassischen Auto- bzw. Motorradbremsen vergleichen. Ein großer Vorteil von hydraulischen Bremsen ist, dass man kaum Kraft aufwenden muss, sondern recht schnell eine intensive Bremswirkung erreicht. Dank dieser guten und leicht auszuübenden Bremswirkung erhalten Sie so ein großes Maß an Sicherheit im Straßenverkehr, wenn Sie mit Ihrem Bike unterwegs sind.

Die richtige Bremsentechnik beim E-Bike

Da du mit einem E-Bike oder Speed Pedelec deutlich schneller unterwegs bist und du durch den eingebauten Motor schwerer bist als mit einem gewöhnlichen Fahrrad, solltest du deine Bremse ideal beherrschen können.

Wie beim normalen Fahrrad auch, empfehlen wir dir, vorne stärker zu bremsen als hinten. Die Vorderbremse hat meist eine höhere Bremswirkung, was an der Gewichtsverteilung liegt, die sich beim Bremsen nach vorne verlagert. Idealerweise nutzt du deine Vorderradbremse also stärker, um den Bremsweg zu verkürzen. Achte beim Bremsen vor allem darauf (wenn möglich), vorausschauend zu bremsen. Sprich, den Bremshebel langsam anzuziehen und erst kurz vor dem Stillstand die Bremse voll einzudrücken.

Wartung und Pflege der Bremsen

Außerdem ist es wichtig, deine Bremsen regelmäßig zu warten und von einem Experten überprüfen zu lassen, sodass sie jederzeit verlässlich funktionieren.

Quietschende Bremsen

Wir alle kennen dieses fiese, nervige Geräusch: quietschende Bremsen. Doch viel gravierender ist, dass nicht voll funktionstüchtige Bremsen gefährlich werden können. Dass deine Bremse quietscht, kann daran liegen, dass…

  • deine Bremsbeläge abgenutzt sind.
  • deine Bremse nicht richtig eingestellt ist.
  • deine Bremsscheiben und Bremsbeläge verschmutzt sind.

Das Bosch ABS-System für E-Bikes

Für Hightech-Fans gibt es mittlerweile außerdem ein ABS-System von Bosch, das die Fahrt auf E-Bikes sicherer macht. Dabei wird das Fahrrad mit einem ABS-System am Vorderrad und einer Abheberegelung am Hinterrad ausgestattet. Gerade auf rutschigen und losen Untergründen kann dieses System seine Vorteile ausspielen: Eine kurzzeitige Verringerung der Bremskraft führt im Bedarfsfall wieder zu Traktion zwischen Reifen und Boden. Somit rutschst du in ausgefahrenen Kurven weniger schnell weg und verzögerst kontrollierter. Allerdings ist das Bosch ABS-System bisher nur bei sehr hochpreisigen Premium-E-Bikes verbaut.

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