Die Bremsflüssigkeit Ihres Motorrades zu wechseln und anschließend die Bremsen zu entlüften, ist ein wichtiger Schritt bei der Wartung Ihres Motorrades. Ein Motorrad ist eins der gefährlichsten Verkehrsmittel, mit dem Sie unterwegs sein können - und die Bremsen der wichtigste Faktor für Ihre Sicherheit. Gut gewartete Bremsen sind daher ein Muss für den Fahrspaß.
Wichtige Hinweise vorab
Am besten lassen Sie natürlich einen Fachmann die Wartung an Ihrem Motorrad übernehmen. So ist das Gefahrenrisiko am geringsten. Manche Dinge können Sie mit etwas Geschick aber auch selbst übernehmen, wie zum Beispiel Ihre Bremsflüssigkeit zu wechseln und die Bremsen zu entlüften. Wichtig dabei ist aber, sorgfältig vorzugehen und keine Fehler zu machen. Auch zu beachten ist, dass Sie für die Wartung von ABS, Servo oder Integral Bremsen häufig spezielles Werkzeug oder Anlagen brauchen, die nur die Fachwerkstatt hat. Als Laie sollten Sie daher nur die Wartung von herkömmlichen Bremsen selbst vornehmen.
Ebenfalls sehr wichtig ist die Verwendung der korrekten Bremsflüssigkeit. Diese entnehmen Sie Ihrem Bordbuch.
Warum müssen die Bremsen beim Motorrad entlüftet werden?
Generell gilt es bei Motorrädern alle Flüssigkeiten spätestens nach Ende der zweiten Saison zu wechseln. Dabei sollte bedacht werden, dass beim Wechseln der Bremsflüssigkeit auch Luftbläschen in die Bremsanlage gelangen können. Dies geht zulasten der Bremskraft, die aufgrund der Luftzirkulation in den Schläuchen dann nicht ihre volle Wirkung entfalten kann. Für geübte Schrauber ist das Entlüften keine große Herausforderung, unerfahrene Hobbybastler sollten jedoch mit Bedacht an die Sache herangehen.
Bremsflüssigkeit wechseln - wieso eigentlich?
Bei den Bremsanlagen handelt es sich um ein geschlossenes System, angesichts dessen ist ein regelmäßiger Austausch der Bremsflüssigkeit unerlässlich. Unabhängig von den gefahrenen Kilometern nimmt die Bremsflüssigkeit mit zunehmendem Alter Luft und Wasser auf. Da in neuer Bremsflüssigkeit noch kein Wasser enthalten ist, weist sie einen Trockensiedepunkt aus. Dieser variiert je nach Bremsflüssigkeit, liegt dennoch in jedem Fall bei über 200 Grad.
Vorsicht vor Dampfblasen
In diesem Temperaturbereich können sich Dampfblasen bilden, welche eine Gefahr für die Bremswirkung darstellen können. Temperaturen von 150 Grad und mehr sind bereits bei längeren Fahrten oder einer Gefahrenbremsung schnell erreicht. Sollte die Bremsanlage zu stark aufheizen, kann ein Totalausfall die Folge sein.
Wie kommt es zu einem Totalausfall?
Sobald die Flüssigkeit in der Bremsanlage zu heiß wird, kommt es zu komprimierbaren Dampfblasen. Dadurch kann die notwendige Kraft nicht vollständig an die Bremskolben weitergeleitet werden. Entweder schwächt die Bremswirkung stark ab oder sie setzt komplett aus. Für den Fahrer besteht in diesem Moment Lebensgefahr.
Wie oft müssen die Bremsen beim Motorrad entlüftet werden?
Grundsätzlich lässt sich sagen: Spätestens nach der zweiten Saison ist Schluss.
Ist jede Bremsflüssigkeit geeignet?
Die Wahl der richtigen Bremsflüssigkeit ist entscheidend für die Bremswirkung des Fahrzeuges. Bei vielen Motorrädern ist die benötigte DOT-Klasse auf dem Bremsflüssigkeitsbehälter angegeben. Sollte dort nichts vermerkt sein, hilft ein Blick ins Handbuch.
Richtige DOT-Klasse verwenden
Bitte unbedingt darauf achten, dass die richtige DOT-Klasse verwendet wird, ansonsten ist eine sichere Bremsung nicht gewährleistet. Die Bremsflüssigkeiten DOT 3 und DOT 4 basieren auf Glykol, wohingegen DOT 5 auf Silikonbasis aufbaut. Diese Flüssigkeiten kommen bei beinahe allen Motorrädern in den Bremsflüssigkeitsbehälter.
Je höher die DOT-Klasse, desto besser die Bremswirkung?
Nein, mit steigender DOT-Klasse geht nicht automatisch eine steigende Bremswirkung einher. Wichtig ist, die richtige Flüssigkeit für das eigene Bremssystem zu nutzen.
Vorbereitungen zum Motorrad-Bremse entlüften
Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, die Motorrad-Bremse zu entlüften. Bei der ersten Möglichkeit wird die alte Flüssigkeit durch den aufkommenden Druck des Bremshebels in ein Auffanggefäß gepumpt. Unter Einsatz der Vakuumpumpe funktioniert das Entlüften einfacher als auf dem klassischen Wege. Idealerweise wird das Fahrzeug so aufgebockt, dass sich der geschlossene Bremsflüssigkeitsbehälter in einer waagerechten Position befindet. Die Bremsflüssigkeit kann an lackierten Teilen Schaden anrichten. Bevor es an das Entlüften der Motorrad-Bremse geht, sollten die lackierten Fahrzeugteile sorgfältig abgeklebt werden.
Die Entlüftung wird an der Vorder- und Hinterradbremse separat vorgenommen. Beginne mit der Entlüftungsschraube, welche den weitesten Weg zum Bremsflüssigkeitsbehälter aufweist. Die Schraube lässt sich mithilfe eines Ringschlüssels lösen. Mithilfe eines Kreuzschlitz Schraubendrehers können jetzt die Schrauben des Deckels gelöst werden. Im sechsten Schritt kannst Du die Entlüftungsschraube mithilfe eines Ringschlüssels um eine halbe Umdrehung öffnen. Meistens sitzen diese Schrauben relativ fest, da sie nur marginal geöffnet werden. Bei dieser Variante ist Vorsicht geboten. Wird der Bremshebel bzw.
Wie Sie Ihre Bremsflüssigkeit wechseln und die Bremse entlüften
Haben Sie Ihre Vorkehrungen getroffen, sind Sie bereit, um sich an die Arbeit zu machen. Sie brauchen dafür in den meisten Fällen eine Kunststoffwanne, einen durchsichtigen Schlauch, verschiedene Lappen, Silikonfett, Ringschlüssel und Kreuzschlitzschraubendreher. Eine weitere Person zur Hilfe erleichtert die Arbeit außerdem ungemein. Nun öffnen Sie als erstes den Behälter mit der Bremsflüssigkeit, dieser befindet sich meist am Lenker. In der Regel benötigen Sie dafür einen Kreuzschlitzschraubendreher. Danach entnehmen Sie die alte Bremsflüssigkeit mit einer Einwegspritze. Dabei müssen Sie allerdings darauf achten, dass Sie den Behälter nicht gänzlich leeren, sondern am Boden eine kleine Schicht zurückbleibt, damit keine Luft in die Bremshydraulik eindringt. Da Bremsflüssigkeit außerdem ätzend ist, sollte davon nichts auf Lack oder empfindliche Teile gelangen. Anschließend füllen Sie den Behälter mit der passenden neuen Bremsflüssigkeit.
Dafür schieben Sie erst den Ringschlüssel auf die Entlüftungsschraube. Danach folgt der Schlauch zum Ablassen der Bremsflüssigkeit. Dessen anderes Ende kommt in den Auffangbehälter, in dem bereits Bremsflüssigkeit sein sollte, damit Sie den Schlauch soweit in die Bremsflüssigkeit hineinstecken können, dass keine Luft eintreten kann. Da Sie nun den Bremshebel mehrfach kurz betätigen und anschließend gedrückt halten müssen, während Sie das Auslassventil öffnen, ist es am besten, wenn Ihnen noch eine weitere Person hilft. Kommt keine Bremsflüssigkeit mehr in den Behälter geflossen, schließen Sie das Ventil wieder. Anschließend wiederholen Sie den letzten Schritt (Bremshebel betätigen, Ventil öffnen, Flüssigkeit rauslaufen lassen, Ventil schließen) so oft, bis nur noch klare, neue Bremsflüssigkeit nachläuft und sich keine Blasen in dieser befinden. Danach befüllen Sie den Bremsflüssigkeitsbehälter bis zur Markierung und verschließen diesen wieder. Das Vorgehen an der Hinterradbremse ist ähnlich.
Wichtig ist hierbei, ständig den Füllstand im Auge zu behalten und ggf. Flüssigkeit nachzufüllen. Jetzt heißt es Pumpen, bis ausschließlich neue und blasenfreie Flüssigkeit im Schlauch sichtbar ist. Anstelle des klassischen Auspumpens kann die Bremsflüssigkeit auch mit einer Vakuumpumpe herausgesaugt werden. Mit dem letzten Pumpstoß muss die Entlüftungsschraube wieder geschlossen werden. Bei Doppelscheibenbremsen muss auch der zweite Bremssattel des Systems entlüftet werden. Sobald das System vollständig entlüftet ist, kann der Bremsflüssigkeitsbehälter bis zur Markierung der maximalen Füllhöhe wieder aufgefüllt werden. Nach Abschluss aller vorheriger Schritte gilt es, durch mehrmaliges Betätigen des Bremshebels bzw. Bremspedals genügend Druck im System aufzubauen. Der Bremshebel darf sich nicht bis zum Griff ziehen lassen oder über unzureichenden Widerstand verfügen. Ein unzureichender Druckpunkt im Bremshebel oder Bremspedal wäre ein Zeichen für verbliebene Luft im System.
Was tun, wenn nach dem Entlüften der Bremse am Motorrad trotzdem kein Druck drauf ist?
Du hast zum wiederholten Mal mit aller Sorgfalt die Luft aus dem System gelassen, doch von Druck fehlt jede Spur? Eine mögliche Ursache kann sein, dass während des Vorgangs erneut Luft in das Bremssystem gelangt ist.
Bremshebel über Nacht fixieren
Bei geschlossener Entlüftungsschraube den Bremshebel auf Druck pumpen und in dieser Stellung mit einem Kabelbinder fixieren. Danach das System über Nacht stehen lassen. Nach einigen Stunden sollten sich normalerweise alle versteckten Luftbläschen in Luft aufgelöst haben.
Wichtige Hinweise
Sehr wichtig ist vor allem, dass Sie nach beiden Eingriffen eine Probefahrt machen und vorsichtig die Bremsleistung kontrollieren. Dabei sollte auch eine Vollbremsung durchgeführt werden. Arbeiten an der Bremsanlage können für die Sicherheit von entscheidender Bedeutung sein, sind also nur etwas für erfahrene Schrauber.
Für die einwandfreie Funktion einer Bremsanlage spielt die Bremsflüssigkeit eine wichtige Rolle. Sie überträgt die Handbremskraft zum Radbremszylinder, sie schmiert, schützt gegen Korrosion und muß enome Wärmemengen aufnehmen können. Daher ist ein jährlicher Austausch ratsam, länger als zwei Jahre oder 20 000 Kilometer sollte die Flüssigkeit keinesfalls in der Bremsanlage verbleiben. Ist beim Öffnen des Ausgleichsbehälters nur noch eine milchig braune Brühe zu erkennen, ist ein sofortiger Wechsel angesagt.
Manchmal sieht die Flüssigkeit im Ausgleichsbehälter noch recht klar aus, obwohl es im Inneren der Bremse bereits gammelt. Gefährlich kann alte Bremsflüssigkeit dann werden, wenn sie aus der Luftfeuchtigkeit Wasser aufgenommen hat. Und das macht sie unglücklicherweise im Lauf der Zeit automatisch, da sie hygroskopisch (wasseranziehend) ist. Mehr Wasseranteil bedeutet niedrigerer Siedepunkt. Falls auf diese Art oder auch bei Arbeiten an der Bremsanlage Luft in das hydraulische System geraten ist, muß die Bremsanlage entlüftet werden. Das geht grundsätzlich genauso wie das hier gezeigte Wechseln der Flüssigkeit und muß so lange durchgeführt werden, bis die letzten Luftblasen herausgepumpt wurden.
Die extrem kleinen Bläschen können sich allerdings recht hartnäckig in verwinkelten Ecken festsetzen, so daß sie sich manchmal nur durch Abbau von Teilen wie etwa Radbremszylindern und Schwenken oder Schütteln beseitigen lassen. Letzte Rettung ist das „Abhängenlassen" der komplett abgebauten Anlagen mit dem Hauptbremszylinder nach oben, so daß mikroskopisch kleine Luftblasen langsam nach oben steigen können. Während eine Hand den Bremshebel zieht, wird der Entlüftungsnippel etwas geöffnet, so daß Bremsflüssigkeit herausgedrückt wird. Dann zuerst Nippel zudrehen, danach Bremshebel lösen. Beim Lösen des Nippels keinen Gabelschlüssel benutzen, da der Sechskant empfindlich ist. Extrem fest sitzende Nippel mit einem Sechskant-Steckschlüssel lockern, dann Ringschlüssel benutzen. Jeder Radbremszylinder hat eine Entlüftungsnippel, der immer mit einer Gummikappe abgedeckt sein sollte.
Bremsflüssigkeit ist ätzend. Wer seine Haut schonen will, sollte anders als im Bild bei Arbeiten an der Bremse Handschuhe benutzen. Fast ebenso ärgerlich wie Hautschäden sind Lackschäden, daher Spritzer auf Tank oder anderen Lackflächen umgehend beseitigen. Wenn mit der Bremsflüssigkeit Blasen aufsteigen, ist Luft ins System geraten. Dann muß so lange durchgespült werden, bis die Luft entwichen ist. Die Qualität der Bremsflüssigkeit muß den Vorgaben des Herstellers entsprechen. Bei DOT 4 kann man eigentlich (außer bei Harleys) nichts falsch machen, DOT 5.1 ist für extreme Belastungen. Wenn oben mehrfach frische Bremsflüssigkeit nachgefüllt wurde, gelangt diese dann auch allmählich nach unten in die Radbremszylinder. Im klaren Schlauch ist gut zu erkennen, wann statt brauner Soße klare Flüssigkeit ankommt. Zum Schluß Entlüftungsschrauben mit Gefühl festziehen und Gummikappe aufsetzen. Dann Flüssigkeitsstand auf Maximum befüllen und Membran korrekt zusammengefaltet aufsetzen, Deckel aufschrauben.
PS: Du kannst(solltest) nach dem Entlüften den Bremshebel über Nacht mit einem Kabelbinder auf Druck fixieren.
Hilfreiche Tipps und Tricks
- Verwendung eines Rückschlagventils: Die Verwendung eines Schlauchs mit Rückschlagventil kann den Entlüftungsprozess erleichtern. Das Entlüftungsventil nur leicht öffnen und durchpumpen bis keine Luft mehr kommt, zudrehen (wenn das Pedal unten ist), fertig.
- ABS-Systeme: Bei Motorrädern mit ABS kann ein Vakuum-Bremsenentlüfter erforderlich sein, um die Luft aus dem ABS-Block zu entfernen.
- TuneECU: Für Motorräder mit ABS kann die Software TuneECU verwendet werden, um den ABS-Modulator anzusteuern und die Bremsflüssigkeit durch das System zu spülen.
Entsorgung der alten Bremsflüssigkeit
Bei der Entsorgung der alten Bremsflüssigkeit schadet die Nachfrage beim Händler nicht. Oftmals verkaufen Händler nicht nur Bremsflüssigkeiten für Zweiräder, sondern nehmen diese auch wieder zurück.
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