Bremsflüssigkeit beim Motorrad nachfüllen: Eine ausführliche Anleitung

Die Bremsflüssigkeit spielt eine entscheidende Rolle für ein sicheres Bremsen beim Motorrad. Sie ist eine hydraulische Flüssigkeit, die die Kraft vom Bremshebel zur Radbremse überträgt. Um eine optimale Bremswirkung zu gewährleisten, ist es wichtig, die Bremsflüssigkeit regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf zu wechseln oder nachzufüllen.

Warum Bremsflüssigkeit ausgetauscht werden muss

Auch in einem geschlossenen System ist das regelmäßige Austauschen der Bremsflüssigkeit unerlässlich. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, das heißt, sie nimmt Wasser auf. Je älter die Bremsflüssigkeit ist, desto mehr Wasser nimmt sie aus der Luft auf. Unter Hitzeeinwirkung können sich Dampfblasen bilden, was gefährlich sein kann, da die Bremsen versagen können, sobald sie zu stark aufheizen.

Dampfblasen sind komprimierbar, wodurch der notwendige Druck vom Bremshebel nicht an den Bremskolben weitergeleitet wird. Der Bremshebel lässt sich dann nahezu komplett durchdrücken, doch die Bremswirkung ist gleich null. Es droht Lebensgefahr, wenn die Bremswirkung nachlässt oder gar aussetzt.

Trockensiedepunkt vs. Nasssiedepunkt

Neue Bremsflüssigkeit weist einen Trockensiedepunkt auf, da sie kein Wasser enthält. Befindet sich die Bremsflüssigkeit schon länger im Bremssystem, liegt ein Nasssiedepunkt vor. Hier wird von einer Sättigung von 3,5 Prozent Wasser gesprochen, wodurch sich der Siedepunkt verschiebt. Das Wasser beginnt eher zu kochen, wodurch diese Verschiebung bereits bei 150 Grad geschehen kann.

Wann sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

Im Allgemeinen wird empfohlen, die Bremsflüssigkeit bei Motorrädern alle 24 Monate zu wechseln. Für Vielfahrer oder im Rennbetrieb empfiehlt sich ein jährlicher Austausch. Ein rechtzeitiger Austausch ist ratsam, wenn die Bremsen schwammig sind, der Druckpunkt weich ist und die Bremswege lang sind. Die Farbe der Bremsflüssigkeit gibt ebenfalls Aufschluss über ihren Zustand. Frische Flüssigkeit ist hellgelb, hellblau, hellrot oder beige, während alte Flüssigkeit trüb, grau bis schwarz ist.

Anleitung zum Nachfüllen der Bremsflüssigkeit

Je nach Erfahrung und Bremssystem ist das Nachfüllen der Bremsflüssigkeit auch eigenhändig möglich. Hier ist eine detaillierte Anleitung:

Vorbereitung

  1. Motorrad schützen: Schütze das Motorrad vor Spritzern, da Bremsflüssigkeit aggressiv ist und den Lack angreifen kann.
  2. Stand markieren: Markiere den aktuellen Bremsflüssigkeitsstand am Bremsflüssigkeitsbehälter mit einem Bleistift.
  3. Werkzeuge bereitlegen: Benötigt werden ein Ringschlüssel, ein passender Schlauch, ein Auffangbehälter, neue Bremsflüssigkeit und eventuell eine Spritze.

Durchführung

  1. Schlauch anbringen: Bringe einen Schlauch am Ablassventil am Bremssattel an. Verwende einen Ringschlüssel, da Maulschlüssel die konischen Ventile beschädigen können. Lege das andere Ende des Schlauchs in einen Auffangbehälter.
  2. Bremshebel betätigen: Ziehe den Handbremshebel mehrmals langsam an, bis ein Widerstand spürbar wird. Lasse ihn dann ruhen, damit die Bremsflüssigkeit luftfrei nachlaufen kann.
  3. Entlüftungsventil öffnen: Öffne das Entlüftungsventil um etwa eine viertel bis eine drittel Umdrehung und ziehe den Bremshebel komplett durch. Dadurch entweichen Luft und alte Bremsflüssigkeit.
  4. Ventil schließen: Wenn keine Luft mehr aus dem Entlüftungsventil entweicht, ziehe den Bremshebel komplett durch und schließe das Ventil wieder.
  5. Füllstand prüfen: Behalte während des Entlüftens den Füllstand der Bremsflüssigkeit im Blick. Er darf niemals das Minimum unterschreiten oder das Maximum überschreiten, da sonst Luft in das System eindringt.
  6. Wiederholen: Wiederhole die Schritte 2 bis 5, bis die Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter klar und leicht gelblich ist. In der abfließenden Flüssigkeit dürfen keine Blasen mehr auftauchen. Falls doch Blasen auftauchen sollten, muss die Bremse erneut entlüftet werden.
  7. Bremssättel berücksichtigen: Bei Motorrädern mit zwei Bremssätteln müssen die Arbeiten an beiden Sätteln durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass keine alte Flüssigkeit zurückbleibt.
  8. Ausgleichsbehälter prüfen: Nach dem Flüssigkeitsaustausch muss sichergestellt werden, ob wirklich alle Entlüftungsventile geschlossen sind. Ein offenes Ventil kann zum schlagartigen Verlust der Bremswirkung führen.

Reinigung und Abschluss

  1. Ablassventil reinigen: Reinige das Ablassventil nach dem Wechsel mit reichlich warmem Wasser.
  2. Bremsdruck prüfen: Bevor die erste Probefahrt angetreten wird, sollte der Bremsdruck im Stand geprüft werden. Betätige den Handbremshebel und das Bremspedal kurz. Falls sich diese ungewohnt leicht betätigen lassen oder gar bis zum mechanischen Anschlag bewegt werden können, sind die Arbeiten nicht korrekt ausgeführt worden. In diesem Fall sollte dringend eine Fachwerkstatt beauftragt werden.
  3. Entsorgung: Alte Bremsflüssigkeit muss bei einer Entsorgungsstelle für Schadstoffe abgegeben werden.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Spezialwerkzeuge: Wer sich für einen Schlauch mit Ventil entscheidet, muss das Ablassventil nicht ständig öffnen und schließen. Hier reicht das einmalige Öffnen, da das Ventil im Schlauch beim Loslassen der Handbremse automatisch schließt.
  • Unterdrucksysteme: Alternativ kann die Bremsflüssigkeit mithilfe von Unterdruck aus dem Bremssystem gezogen werden. Dabei wird ein System mit Schlauch, Behälter und Pumpe am Ablasssystem angebracht. Oben kann dann gleichzeitig neue Bremsflüssigkeit nachgegossen werden, insofern die Standanzeige unter das Minimum fällt.
  • DOT-Klassifizierung: Bei den meisten Motorradrädern sind Bremsflüssigkeiten in den Qualitäten DOT 3 oder DOT 4 vorgeschrieben. Wer DOT 3 nutzt, darf dieses jedoch keinesfalls mit DOT 4 mischen. DOT 4 eignet sich für die meisten modernen Motorradmodelle. Von Motul und einigen anderen Herstellern gibt es eine DOT 3/ DOT 4 taugliche Bremsflüssigkeit.
  • Bremsflüssigkeit wählen: Der Hinweis zur passenden Bremsflüssigkeit befindet sich meistens auf dem Schraubverschluss des Bremsflüssigkeitsbehälters. Es lohnt sich eher, kleine Packungen der Flüssigkeit zu kaufen, da diese nicht lange gelagert werden kann.

Welche Bremsflüssigkeit passt zu welchem Motorrad?

Bei den meisten Motorrädern sind Bremsflüssigkeiten in den Qualitäten DOT 3 (United States of Transportation) oder DOT 4 vorgeschrieben. DOT 3 eignet sich auch für die Verwendung bei Oldtimern. Wer DOT 3 nutzt, darf dieses jedoch keinesfalls mit DOT 4 mischen. DOT 4 eignet sich für die meisten modernen Motorradmodelle. Von Motul und einigen anderen Herstellern gibt es eine DOT 3/ DOT 4 taugliche Bremsflüssigkeit.

Insofern das eigene Bremssystem nicht nach einer DOT 5 Flüssigkeit verlangt, ist von dieser Flüssigkeit abzuraten, da sie auf Silikonbasis beruht.

Die Bremsflüssigkeiten sind mit aufsteigender Nummer nicht automatisch besser. Es ist wichtig, die für das eigene Bremssystem benötigte Flüssigkeit zu wählen, um die besten Voraussetzungen beim Bremsen zu schaffen.

Bremssysteme mit Assistenzsystemen, beispielsweise ABS, benötigen häufig DOT 5.1 oder Bremsflüssigkeiten mit Sonderbezeichnungen. Der Hintergrund ist jener, dass die Viskosität der Flüssigkeit stets gleichbleibend sein muss, damit die Sensoren des ABS bei Temperaturschwankungen immer gleich angesprochen werden.

Der Hinweis zur passenden Bremsflüssigkeit befindet sich meistens auf dem Schraubverschluss des Bremsflüssigkeitsbehälters. Es lohnt sich übrigens, eher kleine Packungen der Flüssigkeit zu kaufen, da diese nicht lange gelagert werden kann.

Kosten

Die Kosten für den Wechsel der Bremsflüssigkeit hängen vom Motorradtypen sowie vom Bremssystem ab. Sie belaufen sich auf durchschnittlich 45 bis 100 Euro und setzen sich aus der Bremsflüssigkeit (15 bis 30 Euro) und der anfallenden Arbeitszeit (30 bis 60 Euro) zusammen. Hinzu kommt häufig die Entsorgungspauschale der alten Bremsflüssigkeit (5 bis 10 Euro). Das selbstständige Wechseln der Bremsflüssigkeit schlägt mit etwa 3 bis 10 Euro zu Buche.

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