Eine gute Fahrradbremse ist ein wichtiger Bestandteil eines Fahrrads, da die Bremsen am Vorder- und Hinterrad für die Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Allerdings sind die Bremsen für Fahrräder nicht alle gleich gebaut und unterscheiden sich durch mehrere Merkmale. Die meisten Fahrräder haben eine Felgenbremse, moderne Räder dagegen oft Scheibenbremsen.
Felgenbremsen
Das Grundprinzip ist bei allen Varianten gleich: Durch das Ziehen des Bremsseils wird ein Mechanismus ausgelöst, der die Brems-Backen an die Felge drückt. Im Fahrradbereich sind hauptsächlich drei Arten dieser Bremsen vertreten: die V-Brake, die Seitenzug- und die Cantilever-Bremse. Letztere ist nur noch an älteren Modellen zu finden und wird wohl in absehbarer Zeit komplett verschwinden. Seitenzugbremsen hingegen sieht man an vielen Rennrädern. Sie eignen sich jedoch nicht für breite Reifen, daher sind an Cross-, City- und Trekking-Rädern meist V-Breaks montiert.
Hydraulische Felgenbremsen
Hydraulische Felgenbremsen werden bei Fahrrädern an Streben montiert. Zwei sich gegenüberliegende Bremsschuhe drücken auf die Felgenflanken. Meistens werden die Bremszylinder an einer Montageplatte befestigt, die mit dem Cantilever-Sockel verbunden ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Bremszylinder ohne zusätzliche Montageplatte direkt an den Streben zu befestigen.
Scheibenbremsen
Diese Bremsart ist inzwischen am weitesten verbreitet. Es gibt sowohl hydraulische als auch mechanische Varianten. Wie der Name schon sagt, wird der Bremsvorgang bei dieser Bauart mithilfe einer Scheibe vorgenommen, die an der Nabe des Laufrads angebracht wird. Je nach Bauart wird sie entweder mit Schrauben oder mit einem Center-Lock Ring befestigt. Bei letzterer Variante wird der Rotor zuerst auf eine Vielzahn-Aufnahme gesteckt und anschließend mit einem Sicherungsring fixiert. Dadurch besitzt die Verbindung eine sehr hohe Festigkeit und da nur einmal geschraubt werden muss, spart man etwas Zeit. Um den Ring festzuschrauben, wird jedoch ein Spezial-Werkzeug benötigt.
Vor- und Nachteile von Scheibenbremsen
Vorteile:
- Durch ihre höhere Flächenpressung haben Scheibenbremsen bei Nässe eine bessere Bremsleistung.
- Man braucht bis zu 20% weniger Handkraft, um dieselbe Bremsleistung zu erzielen - vorteilhaft nicht nur für Frauen und ältere Personen.
- Die Felgen verschleißen nicht mehr.
- Bei einem "Achter" schleifen die Felgen nicht mehr an der Bremse.
- Bei langen Abfahrten im Gebirge können die Felgen nicht mehr überhitzen.
- Die Bremsscheiben verdrecken nicht so schnell.
- In der Regel halten Bremsbeläge für Scheibenbremsen länger als Beläge für Felgenbremsen.
- Sie eignen sich besser für sehr dicke Reifen.
Nachteile:
- Scheibenbremsen sind schwerer als Felgenbremsen und technisch meist komplexer.
- Sie kosten mehr als Felgenbremsen, insbesondere, wenn es hydraulische Scheibenbremsen sind.
- Statt der Felgen können jetzt die Bremsscheiben bei schwerbeladenen Touren oder bei langen Abfahrten überhitzen.
- Scheibenbremsen können beim Radtransport leicht beschädigt werden.
- Naben und Speichen werden stärker belastet.
- Scheibenbremsen müssen eingebremst werden, was für den Laien nicht immer ganz einfach ist.
Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremsen
Mechanische Scheibenbremsen werden, ähnlich wie klassische Felgenbremsen, über einen Bowdenzug gebremst. Je länger das Kabel, umso größer die systemimmanente Reibung. Hydraulische Scheibenbremsen werden dagegen mit Bremsflüssigkeit gebremst. Weil ihre Reibungsverluste geringer sind, sind auch Dosierbarkeit und Bremskraft besser. Diese Vorteile werden mit den Nachteilen höherer Kosten und höherer mechanischer Komplexität erkauft. Die meisten mechanischen Bremsen arbeiten einseitig mit nur einem Kolben. Der bewegliche Kolben drückt die Scheibe gegen den fest im Bremssattel verankerten inneren Belag. Dagegen arbeiten hydraulische Bremsen in der Regel mit zwei Kolben, die die Bremsscheibe von beiden Seiten symmetrisch anbremsen.
Bremssattelaufnahmen an Rahmen & Gabel
Aktuell gibt es zwei Standards: Postmount und IS2000 (International Standard). Bei Postmount liegen die Befestigungspunkte 74,2 mm auseinander und sind entlang der Längsachse ausgerichtet. Bei IS2000 liegen die Bohrungen der Aufnahme 51 mm auseinander und quer zur Fahrtrichtung. Die Aufnahmen werden bisher meistens so angebracht, dass man vorne und hinten Bremsscheiben mit 160 mm Durchmesser als Standard montieren kann. Das bedeutet auch, dass man keine kleineren Discs als 160er anbringen kann.
Adapter und Bremsscheibengrößen
Es gibt unzählige verschiedene Adapter für IS2000 und Postmount. Sie alle dienen einem Zweck: Sie rücken den Bremssattel in die passende Position zur entsprechenden Scheibengröße. Dadurch wird es möglich, größere Discs zu montieren. Diese gibt es in vielen verschiedenen Größen. Im Zweifel sollten Sie immer die größere Scheibe wählen. Sie ermöglicht höhere Bremsleistungen, wiegt etwas mehr und belastet Rahmen und Gabel mehr. Nicht jede Gabel darf Bremsscheiben größer als 180 mm aufnehmen.
Bremsflüssigkeiten für Hydraulische Bremsen
Bei modernen hydraulischen Fahrradbremsen kommen in der Regel zwei verschiedene Arten von Bremsflüssigkeiten zum Einsatz: Mineralöl oder DOT. Die Bremsflüssigkeit verliert allerdings mit der Zeit auch an Qualität, außerdem können Luft oder Schmutzpartikel in das System gelangen, somit wird ein regelmäßiger Tausch der Flüssigkeit empfohlen. Ein Austausch der Flüssigkeit ist auch spätestens beim Wechseln der Bremsleitungen notwendig.
Mineralöl vs. DOT
Manche Hersteller verwenden DOT-(Auto-)Bremsflüssigkeit, andere Hersteller Mineralöl. Die zwei Arten der Bremsflüssigkeit sind nicht miteinander kompatibel. Avid/SRAM, Formula, Hayes und Hope verwenden entweder DOT 4 oder 5.1, die jeweils auf Glykolbasis arbeiten. Achtung: DOT 5 ist auf Silikonbasis aufgebaut und nicht mit DOT 4 oder 5.1 kompatibel! DOT-Flüssigkeit hat den Vorteil eines hohen Siedepunkts, hat aber den Nachteil sowohl giftig als auch hygroskopisch zu sein. Das bedeutet, dass sie Wasser aus der Luft aufnimmt. DOT-Flüssigkeit ist sowohl für die Haut wie für Fahrradlack ätzend und sollte daher möglichst schnell abgewischt werden, wenn sie mal austritt. Der Siedepunkt von DOT 5.1 liegt etwas höher, dafür ist DOT 4 fast überall zu bekommen. Man kann beide untereinander austauschen.
Mineralöl ist dagegen chemisch neutral und zieht kein Wasser. Es kann auf Jahre im Bremssystem verbleiben, ohne ausgetauscht werden zu müssen. Es wird von Magura, Shimano und Tektro eingesetzt. Laut Auskunft unserer Mechaniker kann man bedenkenlos das bei Magura und Shimano verwendete Mineralöl untereinander austauschen.
Was passiert, wenn man die falsche Bremsflüssigkeit einfüllt?
Wenn man bei der Wartung die falsche Bremsflüssigkeit einfüllt, dann ist das etwa so wie der größte anzunehmende Unfall. Die Kombination DOT-Flüssigkeit und Mineralöl-Bremse sorgt dafür, dass die Dichtungen „angefressen“ und weich werden. Sie sind damit zerstört, sämtliche Dichtelemente muss man gegen neue austauschen und die Bremse danach neu zusammenbauen. Wenn Mineralöl in eine DOT-Bremse gelangt, dann tritt ein Art Viagra-Effekt ein: Die Dichtungen schwellen an und müssen ebenfalls alle ausgetauscht werden. Daher sollte man immer auf die korrekte Bremsflüssigkeit achten.
Rücktritt-, Trommel- & Rollenbremse
Die Rücktrittbremse ist allseits bekannt und an vielen Fahrrädern zu finden. Bewegt man die Kurbelarme nach hinten, bremst ein Mechanismus in der Nabe das Fahrrad ab. Bei Trommel- und Rollenbremsen handelt es sich um Exoten, die nicht an vielen Fahrrädern zu finden sind. Das Grundprinzip ist bei beiden gleich. Die Bremsbacken sind im Inneren der Nabe versteckt und drücken auf die Außenwand der Nabe, die mit einem speziellen Bremsbelag ausgestattet ist, wenn die Bremse betätigt wird. Diese beiden Systeme haben den großen Vorteil, dass sie vor Umwelteinflüssen wie Wasser, Staub und Schmutz geschützt sind und dadurch selten gewartet werden müssen. Daher eignen sie sich ideal für Gelegenheitsfahrer, die keine langen Strecken zurücklegen und den Aufwand für die Wartung ihres Fahrrads möglichst gering halten möchten. Für sportliche Aktivitäten mit dem Fahrrad sind sie jedoch nicht geeignet.
Bremshebel
Auch bei den Bremshebeln gibt es Unterschiede in der Bauart. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Länge. Die Länge wird in der Regel nicht in Milli- oder Zentimetern angegeben, sondern mit der Anzahl an Fingern, die auf dem Bremsgriff Platz finden. Bei sportlichen Fahrrädern handelt es sich meist um 2- oder 3-Finger-Hebel, bei Damen- und Stadtfahrrädern sind hauptsächlich 3- oder 4-Finger-Hebel verbaut. Bei der Griffweite handelt es sich um die Entfernung zwischen dem Griff und dem Hebel. Damit man diese der Handgröße des Fahrers anpassen kann, besitzen viele Modelle eine Schraube, mit der man den Abstand justieren kann. Befestigt werden alle Hebel-Arten mithilfe einer Klemm-Schelle. Um die Montage zu erleichtern, gibt es Schellen, die sich komplett öffnen lassen. Dadurch wird viel Zeit eingespart, denn man kann sie am Lenker befestigen, ohne dass es notwendig ist den Griff und die Schalthebel zu demontieren. Für Rennräder werden spezielle Bremsgriffe benötigt, da die Form des Lenkers sich grundlegend von anderen unterscheidet.
Bremsbeläge
Das Bauteil, mit dem die Bremse auf die Felge drückt, wird als Bremsbelag bezeichnet. Da es sich um ein Verschleißteil handelt, sollten die Beläge regelmäßig geprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Das ist bei den meisten Bremssystemen einfach zu bewerkstelligen, daher ist der Tausch in einer Werkstatt selten mit hohen Kosten verbunden. Bei Scheibenbremsen gibt es zwei Arten, die Organischen und die Metallischen. Resin ist eine andere Bezeichnung für organische und Sinter für metallische Bremsbeläge. Die Metall-Varianten sind besonders langlebig und robust, daher eignen Sie sich vor allem für extreme Belastungen. Mit den Organischen kann die Bremskraft jedoch besser dosiert werden und sie sind in der Regel günstiger. Jedoch kann man nicht pauschal sagen, welche Art besser ist, da dies vom Fahrstil und dem Einsatzort abhängt.
Bremsbeläge für Felgenbremsen werden oftmals auch als Bremsschuhe bezeichnet. Hier gibt es ebenfalls zwei Arten. Jedoch unterscheidet man diese anhand des Felgenmaterials, für das Sie geeignet sind. Die meisten sind für Metall-Felgen konzipiert, andere speziell für Felgen aus Carbon. Sofern nichts anderes in der Beschreibung steht, handelt es sich um klassische Bremsbeläge für Metall-Felgen. Wer Carbon-Felgen besitzt, sollte deshalb darauf achten, dass in der Produktbeschreibung explizit ausgewiesen wird, dass die Beläge dafür geeignet sind.
Warum quietscht meine Bremse?
Wenn beim Bremsvorgang ein lautes Geräusch ertönt, kann dies verschiedene Ursachen haben. Zuerst sollte geprüft werden, ob die Bremsbeläge verschlissen sind. Wenn dies nicht der Fall ist, können auch Verunreinigungen der Verursacher sein. Wer eine Felgenbremse besitzt, sollte nun die Felge sorgsam mit einem geeigneten Mittel putzen. Wenn das Fahrrad mit einer Scheibenbremse ausgestattet ist, sollten Sie die Bremsscheibe gründlich reinigen. Zudem kann man die Beläge entnehmen und den Schmutz mit einem feinen Schleifpapier vorsichtig entfernen.
Hydraulik vs. Mechanik
Wer die Bremsanlage durch eine extreme Fahrweise hohen Belastungen aussetzt, sollte in jedem Fall auf eine Hydraulik-Bremse zurückgreifen. Auch schwere Lasten-Fahrräder und Cargobikes sollten mit einem hydraulischen System ausgestattet werden. Für City-Bikes und Straßen-Fahrräder hingegen ist eine Felgenbremse ausreichend. Ein hydraulisches System verstärkt die Eingangskraft. Dadurch wird ohne großen Kraftaufwand eine hohe Bremskraft erreicht, die sich zudem sehr gut dosieren lässt. Im Vergleich zu Felgenbremsen sind sie jedoch etwas schwerer und der Anschaffungspreis ist in der Regel höher. Die Wartung mechanischer Bremsen ist zudem einfacher und kann auch von Einsteigern in kürzester Zeit erlernt und vorgenommen werden.
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