Bremsflüssigkeit für Motorräder: Arten und Spezifikationen

Eine gute Bremswirkung ist für die Fahrsicherheit auf dem Motorrad unabdingbar. Die Bremsflüssigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie ist eine Flüssigkeit auf Glykolbasis, die den über die Bremshebel ausgelösten Druck auf die Bremskolben weiterleitet.

Was ist Bremsflüssigkeit und welche Aufgaben übernimmt sie?

Die Bremsflüssigkeit ist ein spezielles Gemisch, das in hydraulischen Bremssystemen verwendet wird. Wenn das Bremspedal betätigt wird, wird der Druck über die Bremsflüssigkeit zu den Bremszylindern am Bremssattel weitergeleitet. Diese drücken dann die Bremsbeläge gegen die Bremsscheiben oder -trommeln.

Dabei muss die Bremsflüssigkeit extremen Bedingungen standhalten:

  • Ein hoher Siedepunkt für die Sicherheit bei extremen Einsatzbedingungen, damit die Bremsflüssigkeit nicht vorzeitig zu kochen beginnt und durch Dampfblasenbildung die Bremswirkung nachlässt.
  • Der Siedepunktabfall ist durch Wasseraufnahme zur Bremsflüssigkeit so gering wie möglich zu halten, die Kerngröße wird als Nasssiedepunkt bezeichnet.
  • Die Bremsflüssigkeit soll auch Korrosionsschutz gewährleisten.
  • Bremsflüssigkeit soll zur optimalen Schmierung des gesamten Bremssystems beitragen und somit auch mechanisch belastete Bauteile im Bremssystem vor Verschleiß schützen.
  • Sehr wichtig für Bremsflüssigkeiten ist die vollkommene Verträglichkeit mit allen Systemmaterialien, bspw. mit verschiedenen Metallen sowie auch mit allen verbauten Gummi- und Kunststoffwerkstoffen.

Ein Lackkontakt von Bremsflüssigkeiten ist aufgrund der Lösewirkung gegenüber Lacken zu vermeiden. Bremsflüssigkeiten basieren auf Polglykolether, Borsäureester und Polglykole in unterschiedlichen Anteilen. Silikon basierende Bremsflüssigkeiten stellen eine Ausnahme dar. In Bremsflüssigkeit sind zudem notwendige, oberflächen- sowie produktschützende Additive enthalten.

DOT-Klassen und Spezifikationen

Bremsflüssigkeiten werden nach DOT-Klassen spezifiziert, die zum Beispiel den Siedepunkt definieren. Die DOT Spezifikationen sind im US-amerikanischen Standard Nr. 116 des Federal Motor Vehicle Safety Standard definiert. Bei den SAE Bremsflüssigkeit Spezifikationen handelt es sich um europäische Standards. Diese werden von der Society of Automotive Engineers ausgegeben.

Die Spezifikationen geben in erster Linie die Siedepunkte an:

DOT-Klasse Trockensiedepunkt
DOT 3 205°C
DOT 4 230°C
DOT 5 und 5.1 260°C

Am gebräuchlichsten ist DOT 4, zuweilen auch DOT 3 oder DOT 5.1. Diese (DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1) können miteinander vermischt werden. Eine Ausnahme ist die auf Silikon basierende Bremsflüssigkeit DOT 5, wie sie Harley-Davidson und Buell für viele Modelle vorschreiben. DOT 4 Bremsflüssigkeiten dürfen nicht verwendet werden, wenn DOT 5 bzw. DOT 5.0 Bremsflüssigkeiten verwendet werden müssen.

Die verschiedenen DOT-Klassen im Detail:

  • Bremsflüssigkeit DOT 3: zeichnet sich durch einen niedrigeren Siedepunkt im Vergleich zu höherwertigen Typen wie DOT 4 und DOT 5.1 aus. Das macht sie anfälliger für Dampfblasenbildung bei hoher Belastung. Sie ist für ältere Fahrzeuge ohne moderne Bremsregelsysteme wie ABS oder ESP geeignet. Die Bremsflüssigkeits-Einfüllkappe bei modernen Tesla-Modellen trägt zum Beispiel die Markierung „DOT 3“. Dies ist die Mindestanforderung und bedeutet nicht, dass hier nur DOT 3-Bremsflüssigkeit verwendet werden soll.
  • Bremsflüssigkeit DOT 4: Diese Bremsflüssigkeit ist für den Einsatz in allen Scheiben- und Trommelbremssystemen und je nach System/Herstellervorgaben auch in Kupplungssystemen von Kraftfahrzeugen geeignet, für die eine synthetische Bremsflüssigkeit dieser Spezifikation vorgeschrieben ist. Die Bremsflüssigkeit eignet sich auch für den Einsatz in ABS-Bremssystemen. SIe verfügt generell über einen höheren Trocken- (SP) und Nass-Siedepunkt (NSP) gegenüber DOT 3.
  • Bremsflüssigkeit SL6 DOT 4: Entwickelt für moderne Fahrzeuge mit Bremssystemen wie ABS und ESP. Ihre niedrige Viskosität sorgt für eine schnelle und präzise Reaktion des Bremssystems, besonders bei Kälte.
  • Bremsflüssigkeit DOT 5: Eine silikonölbasierte Bremsflüssigkeit (ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt), die nicht hygroskopisch ist, also keine Feuchtigkeit aufnimmt. Sie eignet sich besonders für Oldtimer oder klassische Motorräder wie einige Harley-Davidson-Modelle, jedoch nicht für Fahrzeuge, die mit DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 betrieben werden. Sie sollte keinesfalls mit DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 Bremsflüssigkeiten gemischt werden.
  • Bremsflüssigkeit DOT 5.1: Bietet durch ihre niedrige Viskosität schnelle Reaktionszeiten, ideal für moderne Bremsregelsysteme wie ABS und ESP. Sie zeichnet sich durch hohe thermische Stabilität aus und schützt zuverlässig vor Korrosion, was die Langlebigkeit des Bremssystems fördert.
  • Bremsflüssigkeit DOT 5.1 EV: Speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt, bietet diese Bremsflüssigkeit eine hohe thermische Stabilität und ist auf die besonderen Anforderungen der elektrischen Antriebstechnik ausgelegt. Die Bremsflüssigkeit mit niedriger elektrischer Leitfähigkeit verfügt über einen ausgezeichneten Nass- und Trockensiedepunkt, dadurch wird auch nach gewisser Feuchtigkeitsaufnahme bei längerer Nutzungsdauer ein sicheres Bremsen gewährleistet. Sie unterstützt elektrische Bremssysteme und sorgt für maximale Sicherheit.
  • Bremsflüssigkeit Class 7: Deckt alle Anwendungen ab, die bisher von zwei unterschiedlichen Produkten (DOT4 SL6 und DOT 5.1) erfüllt wurden. Es übertrifft herkömmliche Bremsflüssigkeiten gemäß FMVSS (Federal Motor Vehicle Safety Standards) NR. 116 DOT 3, DOT 4.

Warum und wie häufig müssen Bremsflüssigkeiten gewechselt werden?

Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch (wasseranziehend) und muss deshalb regelmäßig ausgetauscht werden, weil eventuell vorhandenes Wasser den Siedepunkt der Flüssigkeit senkt, was zu Dampfblasenbildung und schlimmstenfalls zum Ausfall der Bremse führt. Als Faustregel gilt: Alle zwei Jahre sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden. Bei einem Wechsel ist es außerdem wichtig, die richtige Bremsflüssigkeit zu verwenden.

Bremsflüssigkeiten sind wasseranziehend (hygroskopisch). Das bedeutet, dass sie im Laufe der Zeit Wasser aus der Umgebungsluft aufnehmen. Das kann zu Problemen führen und gefährlich werden. Wenn die Bremsflüssigkeit Wasser enthält und sich erhitzt, kann das Wasser verdampfen und es entstehen kleine Dampfblasen im Bremssystem. Diese Dampfblasen sind komprimierbar. Das bedeutet, dass sie den hydraulischen Druck des Bremspedals nicht mehr effizient weiterleiten können. Ein weiteres Problem kann durch verunreinigte oder veraltete Bremsflüssigkeit entstehen, die ihre schützenden Eigenschaften verliert.

Wie finde ich die richtige Bremsflüssigkeit für mein Motorrad?

Um die richtige Bremsflüssigkeit zu finden, gibt es beim Motorrad häufig zwei Wege:

  • Bei vielen Motorrädern gibt es direkt am Bremsflüssigkeit Ausgleichsbehälter, der häufig auch Motorrad Bremsflüssigkeitsbehälter genannt wird, eine eingravierte oder aufgedruckte Angabe zur vorgeschriebenen Bremsflüssigkeit.
  • Gibt der Bremsflüssigkeitsbehälter nicht auf den ersten Blick einen Hinweis darüber, welche Bremsflüssigkeit Du verwenden solltest, ziehe Dein Fahrzeughandbuch zurate! Letztlich ist das Nutzerhandbuch die verlässliche Anlaufstelle für alle am Motorrad benötigten Öle und Flüssigkeiten bzw. Schmierstoffe. Hier ist eine Angabe zu einem der oben aufgezeigten Spezifikationssysteme zu finden.

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