Bremsflüssigkeit für Motorräder auf der Rennstrecke: Eigenschaften und Auswahl

Die Wahl der richtigen Bremsflüssigkeit ist entscheidend für die Sicherheit und Leistung eines Motorrads, insbesondere auf der Rennstrecke. Bremsflüssigkeiten sind nicht alle gleich, und die spezifischen Anforderungen des Rennsports erfordern eine sorgfältige Auswahl basierend auf verschiedenen Eigenschaften.

Technische Anforderungen an Bremsflüssigkeiten

Eine geeignete Bremsflüssigkeit für die Rennstrecke sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Hoher Siedepunkt: Der Siedepunkt ist die Temperatur, bei der die Bremsflüssigkeit zu kochen beginnt. Ein hoher Siedepunkt ist entscheidend, um Bremsversagen durch Dampfblasenbildung ("Vapour Lock") zu verhindern.
  • Niedrige Viskosität: Eine niedrige Viskosität sorgt für ein gutes Ansprechverhalten des Bremssystems, insbesondere bei niedrigen Temperaturen.
  • Inkompressibilität: Bremsflüssigkeiten sollten möglichst inkompressibel sein, um eine direkte Übertragung der Bremskraft zu gewährleisten. Man möchte auch meinen das Bremsflüssigkeiten inkompressibel sein was aber im Detail betrachtet nicht unbedingt stimmt.
  • Chemische Stabilität: Die Bremsflüssigkeit muss unter den hohen Temperaturen und Belastungen auf der Rennstrecke chemisch stabil bleiben.
  • Chemische Inertheit: Die Bremsflüssigkeit darf keine Dichtungen oder andere Komponenten des Bremssystems angreifen.

Verschiedene Arten von Bremsflüssigkeiten

Es gibt verschiedene Arten von Bremsflüssigkeiten, die sich in ihren Eigenschaften und Anwendungsbereichen unterscheiden:

DOT 4 und DOT 5.1

DOT 4 hat leichteres Spiel weil die Viskosität höher sein darf (5.1 hat eine abgesenkte Visco. um bei ESP-Fahrzeugen ohne Vorladepumpe bei Minusgraden besser regeln zu können.

Rennbremsflüssigkeiten

Für den Einsatz auf der Rennstrecke werden spezielle Rennbremsflüssigkeiten angeboten, die noch höhere Siedepunkte und bessere Eigenschaften aufweisen. Hier einige Beispiele:

  • HALO P1 Bremsflüssigkeit: Diese Hochleistungs-Bremsflüssigkeit wurde speziell für die Anforderungen professioneller Rennserien konzipiert. Neben einem sehr hohen Trockensiedepunkt von 341°C besticht diese Rennsport-Bremsflüssigkeit durch ihre extrem niedrige Kompressibilität über einen breiten Temperaturbereich und einem somit konstanten Pedalgefühl über die gesamte Renndauer.
  • AP RACING Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeiten für extreme Belastungen im Rennsport oder in Hochleistungsfahrzeugen. Die R4-Bremsflüssigkeit bietet den höchsten Trockensiedepunkt aller am Markt befindlichen Rennbremsflüssigkeiten.
  • PAGID Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeit für Rennbremssysteme, die unter konstant hohen Temperaturen arbeiten. Die RBF-Bremsflüssigkeit des bekannten Bremsbelag Herstellers bietet einen Trockensiedepunkt von 328°C.
  • PFC RH665 Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeit für den Rennsport. Die PFC-Bremsflüssigkeit des amerikanischen Bremsenherstellers gewährleistet durch ihre Zusammensetzung auch bei sehr hohen Temperauren eine sichere Funktion und einen harten Druckpunkt.
  • FERODO Bremsflüssigkeit: Für die extremen Anforderungen im Motorsport und bei Hochleistungsfahrzeugen. Mit einem Trockensiedepunkt von 339°C gehört die FRF340 Bremsflüssigkeit zu den Spitzenprodukten im Motorsportbereich. Die Ferodo-Rennbremsflüssigkeiten besitzen eine sehr geringe Viskosität.

Weitere Optionen

  • Brembo SPORT EVO 500++: Dank seiner premier Eigenschaften kann es über eine beträchtliche Distanz verwendet werden, bevor es ausgetauscht werden muss (normalerweise zwischen 12.000 und 24.000 km). Brembo SPORT EVO 500+++ kann mitautres DOT 3-, DOT 4- und DOT 5.1-Bremsflüssigkeiten gemischt werden, sofern diese den oben genannten Spezifikationen entsprechen.
  • RAVENOL DOT 5.1: RAVENOL DOT 5.1 ist eine Bremsflüssigkeit für den ganzjährigen Einsatz in allen Fahrzeugen mit ABS-Eigenschaften.
  • RAVENOL DOT 4: Eine Bremsflüssigkeit für den ganzjährigen Einsatz in allen Fahrzeugen mit ABS-Eigenschaften
  • RAVENOL Racing Brake Fluid R325+: Eine speziell entwickelte thermisch sehr hoch belastbare Hochleistungsbremsflüssigkeit auf allerhöchstem DOT 4 Niveau. Ideale Bremsflüssigkeit für den Rennsport (Auto und Motorräder).

Wichtige Hinweise zur Verwendung von Bremsflüssigkeiten

  • Regelmäßiger Wechsel: Bremsflüssigkeit absorbiert Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft. Dadurch wird der Siedepunkt reduziert. Unter Rennsport-Betriebsbedingungen werden Bremsen thermisch sehr stark beansprucht, deshalb sollte Motul RBF 700 mindestens nach jedem 2.
  • Mischbarkeit: Nicht mischbar mit Bremsflüssigkeiten auf Silikonbasis (DOT 5) sowie Spezialflüssigkeiten wie LHM.
  • Kompatibilität: Brembo SPORT.EVO 500++ lässt sich sicher mitautres DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 Brems- und Kupplungsflüssigkeiten mischen, die den oben genannten Spezifikationen entsprechen. Brembo SPORT.EVO 500++ ist gut geeignet für Fahrzeuge mit ABS-Bremssystemen. Für maximale Sicherheit und Leistung empfiehlt Brembo den jährlichen Wechsel der Bremsflüssigkeit. ist NICHT geeignet für Fahrzeuge mit MINERALÖL-SYSTEMEN.
  • Zustand der Bremsflüssigkeit: ... aber meist reicht es wenn die BF halbwegs frisch ist (Siedetemp einfach hoch genug) und das Bremssystem wirklich sauber entlüftet ist. Die Flüssig war schon deutlich dunkler geworden im Bremsflüssigkeitsbehälter.

Tabelle: Vergleich von Rennbremsflüssigkeiten

Die folgende Tabelle vergleicht einige der genannten Rennbremsflüssigkeiten hinsichtlich ihres Trockensiedepunkts:

Bremsflüssigkeit Trockensiedepunkt
HALO P1 341°C
AP Racing R4 Höchster Trockensiedepunkt auf dem Markt
PAGID RBF 328°C
FERODO FRF340 339°C

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